2010               35 Jahre

* 16.12.2010: Timmy Rough supported
Molly Hatchet
im C-Club/Berlin


Bobby Ingram
     Phil McCormack
          Dave Hlubek
               John Galvin
                    Tim Lindey
                         Shawn Beamer

„Molly Hatchet“  ist in der Stadt. Da kann man doch nicht zu Hause im Sessel sitzen bleiben. Voller Erwartungen machte ich mich auf den Weg nach Tempelhof. Es hatte gerade wieder zu schneien begonnen, so dass ich nur den zahlreichen Spuren im Schnee zu folgen brauchte. Trotz der widrigen Witterungsverhältnisse war der C-Club gut besucht, wenn auch nicht ausverkauft. Gespannt hielt ich Ausschau nach mir bekannten Gesichtern und entdeckte auch gleich Hardcore-Monokel Fans aus Cottbus und Sachsen-Anhalt. Ich mischte mich jedoch unter die Rocker aus dem „Haubachtal“, die sich direkt vor der Bühne platziert hatten.

Pünktlich 21:00 Uhr betrat der junge Timmy Rough mit seiner ebenso jungen Band die Bühne und bot eine Stunde Rock' n Roll vom Feinsten. Nach dessen Auftritt wurde mir klar, weshalb Leute extra wegen ihm aus Bayern angereist waren und verwundert registrierten, dass das Berliner Publikum dessen Show etwas verhalten verfolgte.

Als es dann soweit war, die sechs gestandenen Herren die Bühne betraten, wurde es sichtlich eng vor der Bühne. Hier und da zeigte man im Publikum sogar Flagge – die Südstaatenflagge.  „Molly Hatchet“ gehört zweifelslos in die erste Reihe der Südstaatenbands, auch wenn manch einer sie wegen ihres harten, aggressiven Sounds gern in die Metal-Schublade stecken würde. Inzwischen kann diese Band auf eine fast 40jährige Geschichte und 17 veröffentlichte Alben verweisen. Und wie fast alle „ordentlichen“ Southernrock-Bands wurde auch „Molly Hatchet“ von Todesfällen und häufigem Besetzungswechsel arg gebeutelt. Auch wenn mit Hlubek, der erst vor ein paar Jahren in die Band zurückgekehrt ist, nur noch ein Gründungsmitglied auf der Bühne stand, erklang vom ersten bis zum letzten Ton der typische Molly-Hatchet-Sound, eine explosive Mischung aus Boogie, Blues und Hardrock. Vor Beginn der „Justice-Tour“ sagte Songschreiber Bobby Ingram: „Wenn wir auf Tournee sind, erleben wir überall die leidenschaftlichen Southernrock-Fans. Wir haben das Gefühl, dieses Feeling auf „Justice“ eingefangen zu haben. Wir zeigen der Welt, dass Southernrock und Molly Hatchet noch immer mächtig Gas geben.“ Und ja! Von Anbeginn gaben „die fünf langhaarigen Wilden“, allen voran McCormack, Vollgas. Einzig der Mann an den Tasten blieb gelassen. Wir hörten natürlich vor allem Songs aus dem Album „Justice“, welches am 24. Mai des Jahres veröffentlicht worden ist, und als gelungenes Spätwerk der Band hoch gelobt wurde. Neben dem Titelsong, welcher einem 7jährigen Mädchen gewidmet ist, das auf dem Schulweg spurlos verschwand und wenige Tage später auf einer Müllhalde tot aufgefunden worden ist, fanden vor allem „Deep Water“ und „American Pride“ Zugang zu meinen Ohren. Von den Klassikern begeisterten vor allem „Fall Of The Peacemakers“ und „Whiskey Man“. Inzwischen hatte das Southern-Fieber auch die ach so coolen Berliner gepackt und die Band legte nach. Neidlos will ich anerkennen, dass was „Molly Hatchet“ an diesem Abend geboten hat, war um einiges besser, als das was Lynyrd im Februar hier in Berlin gebracht hat. Das lag vor allem an der energiegeladenen, erdigen Show. Ganz ohne Starallüren, immer ganz nah am Publikum, gaben die alten Männer alles und waren sich selbst nicht zu schade, sich schon kurze Zeit nach dem kräftezehrenden Auftritt ihrem Publikum am Merchandise Stand hautnah zu präsentieren.

* 5. Dezember 2010: Eric Gales... im Quasimodo/Berlin

* 20. November 2010: Jubiläumskonzert "35 Jahre Engerling" in der Kulturbrauerei/Berlin

Es dauerte eineganze Weile, bis ich die Eintrittskarte für den heutigen Abend hervor gekramthatte. 17. April 2010 war als Datum aufgedruckt und dennoch hatte sie ihreGültigkeit nicht verloren.

 

„Das, meine sehrgeehrten Damen und Herren, war unsere kleine Engerling-Party“, soverabschiedete sich Frontmann Bodag vor 10 Jahren an gleicher Stelle. DiesenSpruch im Ohr machte ich mich erwartungsvoll auf den Weg in die„Kulturbrauerei“.  Es war längst 20:30Uhr, aber immer noch stand eine Menschenschlange vor dem Eingang und begehrteum Einlass. Das Kesselhaus war bis auf den letzten Platz gefüllt und den hatteich!

 

Gegen 21:00 Uhrbetrat Olaf Leitner die Bühne und eröffnete den Abend. Seine Anwesenheit kamnicht von ungefähr. Leitner war in den 1970ern die Stimme von „Treffpunkt –RIAS Berlin“ und sendete nicht nur vorzugsweise in den Osten, sondern verfolgteschon damals aufmerksam was sich in Sachen Rock und Blues in der DDR tat. Dannbetraten die beiden Ur-Engerlinge Bodag und Witte die Bühne, gefolgt von„Manne“ Pockrandt und Hannes Schulze. Sie hatten sich an diesem Abend mit einemzweiten Gitarristen verstärkt: Hannes Funke von „Blue Stift“. Los ging es mit„Molls Party“, jenem Song über eine verpatzte Party. Um es gleich vorwegzunehmen, die Engerling-Jubiläumsparty war alles andere als verpatzt.Spätestens bei der Zugabe wurde sie sogar zu einem richtigen Fest. Es folgtendas „Herbstlied“ und „Gleichschritt“. Danach gab es neue Töne. Die Engerlinge spielten „Nächte inBerlin-Mitte“, einem Song des verstorbenen Renft-Texters Gerulf Pannach.

Es blieben nicht dieeinzigen neuen Töne. Bodag hat neue Songs geschrieben: „Kommst du zu mir rüber“und „Mutter – Tochter“. In Letzterem erzählt er die Geschichte einer reifenFrau, die Woche für Woche dem Wochenende entgegen fiebert, ist es dann endlichFreitag, entschlüpft sie ihrer Mutterrolle, „zeichnet sich ein Gesicht“ undgeht auf die Piste. Wie immer, wenn „Engerling“ Party macht gibt es vorzugsweiseSongs aus dem unerschöpflichen Engerling-Repertoire, die man sonst eher seltenzu hören bekommt. An diesem Abend war es „So oder so“, „Pfeif drauf“ und dieBallade von Hollie Holler aus dem Oderbruch („Niemandsland“) .

 

Inzwischen warlängst ein weiterer Gast auf die Bühne gekommen und hatte den Platz amSchlagzeug übernommen. Friedemann Schulz trommelte von 1986 bis 1992 bei denEngerlingen. Bei „Pfeif drauf“ schlug endlich die Stunde von Uwe „Ufo“ Albinger(sax) . „Ufo“, der mit seinen kurzen Haaren, die er nun schon eine ganze Weileträgt, fast nicht wieder zuerkennen ist, ist längst Stammgast der Band. Erhatte sogar einen weiteren Bläser mitgebracht. Dieser wurde uns kurzerhand als„Torte“ vorgestellt. Sein eigentlicher Name war nicht zu erfahren.

 

Eine Stunde warbereits vergangen. Dann gab es den ersten Stones-Song. Kein Engerling-Konzertohne Stones. Den durfte Gitarrist Michael „Lefty“ Linke von „Monokel“ singen.Nicht genug! Dann sang er den Engerling-Klassiker „Da hilft kein Jammern“, denman auch – wenn man Glück hat – bei „Monokel-Kraftblues“ zu hören bekommt.Micha hatte noch einen weiteren Gast im Gefolge. Mit „Tobi“ Hillig von „Moodsof Ally“ standen inzwischen drei Gitarristen auf der Bühne. Und dort wo „Tobi“ist, ist auch die Stimme dieser Thüringer Band nicht weit. Steffi Breiting sangmit „Bodi“ „I won’t be a rider“ im Duett und präsentierte uns danach einenMoods-Song.

 

Eine weitere Stundewar vergangen. Als Frank Diez auf die Bühne kam, wurde es richtig bluesig. DerWest-Berliner hatte in 1990 seinen ersten gemeinsamen Auftritt mit „Engerling“und im Sommer 2010 standen beide Bands zur „Berlin-Blues-Night“ in Biesdorfgemeinsam auf der Bühne. Weitere Gäste betraten die Bühne. Reinhard „Geigus“Greger war extra aus Südafrika angereist. Liedermacher Hans-Eckehard Wenzel(mit Akkordeon) hatte Lutz Kerschowski mit gebracht. Der „ältere“ Herr nebenmir wurde plötzlich an das gemeinsame Konzert von Rio Reiser und Kerschowski1987 in der Seelenbinder-Halle erinnert. Kerschowski ist der Gründer der„Blankenfelder Boogie-Band“, ein Bandprojekt zu dem neben bekannten Ostrockernwie Jürgen Ehle, „Basskran“, „Delle“ Krise auch Bodag und Witte gehörten.Markenzeichen dieser Band waren mit deutschen Texten versehene internationaleKlassiker. Heute gab es den „Summertime Blues“.

 

Inzwischen vollzogsich der Wechsel an den Instrumenten fließend. Zeitweilig spielte man mit zweiSchlagzeugern und bis zu vier Gitarristen. Einzig Bodag, Witte und Pockrandtstanden beharrlich bis zum Schluss auf der Bühne. Neidisch schielte „Bodi“ aufGitarrist „Basti“ Baur (Ex-Monokel), der mit brennender Zigarette auf die Bühnekam und „Molls Blues“ anstimmte. Baur dürfte inzwischen besser als „Buzz Dee“von „Knorkator“ bekannt sein. Und von „Knorkator“ gab es dann mit „Ich hasseMusik“ einen echten Kracher. Als „Knorkator“ damals die Platte produzierte,hatte „Bodi“ im Studio die Orgel eingespielt.

 

Der Abend neigtesich dem Ende entgegen, „ I’m the walrus“ und das „Muschellied“, erstmalszweistimmig präsentiert, waren verklungen, als Bodag den Rausschmeißeranstimmte und überflüssigerweise seine Band vorstellte. „Mama Wilson“, jenenSong auf den wohl alle im Saal gewartet hatten, wurde überraschend von SteffiBreiting gesungen.

 

Inzwischen war esnach Mitternacht. Alle Akteure versammelten sich nochmals auf der Bühne und eswurde richtig eng. Es erklang der „Cadillac“ und danach „Like A RollingStone“. Sieben Klampfen auf einer Bühne. Unglaublich!

 

Was wäre noch zuerwähnen? Vielleicht die lockeren Sprüche von Bodag? Einer ist mir imGedächtnis geblieben. Ich glaube, er war an „Lefty“ gerichtet. „Wir sind jaschließlich keine 50 mehr!“ Nein, sind wir nicht, sonst hätten wir ja die 35Jahre „Engerling“ nicht hautnah miterleben können. Übrigens, wer beim Lesen aufden Geschmack gekommen ist, sollte sich die DVD beschaffen, die irgendwanneinmal bei „BuschFunk“ erscheinen wird.


* 13. November 2010: Dan Baird & Homemade Sin in Hannover-Isernhagen

Wer bitte kennt Dan Baird? Ich jedenfalls kannte ihn bislang nicht. Und wie immer, wenn der Zufallsgenerator meine Auswahl trifft, dabei einen Unbekannten erwischt, informiere ich mich vorher nicht. Ich BILD mir meine eigene Meinung.

Den Weg nach Isernhagen finde ich inzwischen auch ohne Navi. Ganz nebenbei habe ich auch gleich den künftigen Standort der Bluesgarage gecheckt. Er befindet sich quasi um die Ecke. Der Laden war gut besucht. Wie die Herren Knaack von der Würstchenbude zu berichten wussten, war es am Vortage bei Walter Trout noch voller.

Inzwischen war es 21:00 Uhr. Aus der Konserve erklang „Jessica“, als die vier Herren die Bühne betraten. Und plötzlich wurde es laut. Richtig laut. Der Drummer drosch auf das Schlagzeug bis "die Funken sprühten". Und irgendwann passierte, was passieren musste; dem Baird knallte eine Saite weg. Die Band spielte zwei Sets von jeweils gut 1, 5 Stunden. Rock’n Roll pur.  

Baird wurde 1953 in San Diego geboren und hatte seine großen Erfolge in den 1980er Jahren mit „The Georgia Satellits“. In den 1990ern startete er eine Solokarriere und war später Gründungsmitglied der Southern Band „The Yayhoos“. Seit 2008 arbeitet er mit „The Homemade Sin“ zusammen. Im gleichen Jahr erschien ihr Debütalbum.

Irgendwo las ich, Baird würde den Rock’n Roll nicht nur spielen. Er sei der Rock’n Roll. Wenn dies so ist, dann trifft es auf seine Band genauso zu. Die Band – das sind: Gitarrist Warner E. Hodges, Drummer Mauro MaGellan und Bassist Keith Christopher, der aussah, als wäre er aus den 1960ern übrig geblieben. Bei so manchem Song war die Nähe zu Country deutlich erkennbar. Aber ich glaube, so manche Line-Dancer hätten sich da gehörig verstolpert. Anderes, wie "Railroad Steel", war sehr blueslastig. Und „The Letter“ habe ich noch nie so rockig gehört. Mit „Knockin‘ On Heaven’s Door“ und „Like A Rolling Stone“ zollte Baird dem Young Tribut, mit dem er eine zeitlang zusammen gearbeitet hatte.

Fazit: Wer brauch schon ein Navi, wenn er einen so gut funktionierenden Zufallsgenerator hat.

 

* 05. November 2011: East Blues Experience & Engerlingin Teltow

Spätestens seit der Wende ist es in Teltow ruhiger geworden in SachenBlues. Nun kehrte er an historische Stelle zurück. Aber nichts, rein gar nichtserinnert im „Stubenrauch-Saal“ an den  alten "Sack'n". Bei manch einem kam sogaretwas Wehmut auf. Dennoch waren eine Menge Leute zur "Live-Nacht" gekommen, die,wie der Veranstalter wissen ließ, in loser Folge wiederholt werden soll. Dass der Veranstalter gleichzwei exzellente Bluesformationen verpflichtet hatte, die noch dazu momentanbeide auf Jubiläumstour sind, mag Entschädigung genug sein. EBE ist immerhin imzwanzigsten Jahr des Bestehens. Fast wäre es nicht dazu gekommen. In 2005verkündete man das Ende der Band, fand sich jedoch ein Jahr später im Studioerneut zusammen, nahm das Album "V 10" auf und ging ein Jahr spätererneut auf Tour. Engerling dagegen ist seit 35 Jahren unermüdlich auf Tour undgilt damit als eine der ältesten ostdeutschen Bluesbands.

Los ging es mit EBE.Der Wahl-Cottbuser Peter Schmidt hat im Raum Potsdam noch immer Heimvorteil.Das war an diesem Abend ganz deutlich zu spüren. Man verzichtete also auf eineVorrede und legte gleich ordentlich los. Das Trio hatte sich mit dem eigenenNachwuchs verstärkt. Der erst 13jährige Adrian Dehn stand nicht zum ersten Malgemeinsam mit EBE auf der Bühne. Wir hörten vorzugsweise Songs aus dem letztenAlbum. Songs wie "Free Fools", "V 10 Boogie" und vor allem"Hit Of The Blues" zählen zu meinen Favoriten auf dieser Scheibe.Weiß man, dass EBE in den 1990er Jahren gemeinsam mit internationalenBluesgrößen wie Luther Alison oder Carey Bell tourte, wundert es einen nicht,dass die Band auch mit hervorragend interpretierten Standards aufwartet. KeinEBE-Konzert ohne "Alabama". Schmidts Version dieses Young-Klassikersist die Beste, die ich je zu hören bekam. Auch mit "Call Me TheBreeze" und "Walking On Sunset" traf die Band meinen Geschmack.Letztere Nummer stammt von Mayall's Album "Blues From LaurelCanyon", eine meiner Lieblingsscheiben. Spätestens als der"Hoochie Coochie Man" verklungen war, bestätigte sich, was ich längstwusste: Drei exzellente Musiker - eine hervorragende Band.

EBE hatte mit MuddyWaters beendet und "Engerling" begann mit "Howlin Wolf".Zufall? Aber dann folgte ein Engerling-Klassiker nach dem anderen. Unterbrochenwurde der Engerling-Reigen mit dem Stones-Klassiker "She is ARainbow". Ihm schloss sich nahtlos "I Am The Walrus" an. Damitstünde es 1:1, meinte "Bodi" im Anschluss. Ich bin mir sicher, dassdieser Beatlessong wohl der Einzige im Repertoire der Band ist. Nicht so dieStones. Erinnert sei an die 1998 erschienene CD "Engerling spieltStones-Songs" und spätestens zum Seelower BluesRockFest im März gibt esdann auch live mehr davon, wenn es heißt: Engerling spielt Stones. An diesemAbend bestätigte sich erneut, kein Konzert der Engerlinge gleicht dem anderen. Möge "Bodi" noch lange "Freude am Beruf haben".

 

* 29. Oktober 2010: The Hempbells im "Cortuna Bob"

Es war mein erster Besuch im „Cortuna Bob“, gelegen unweit des „Wild at Heart“ in Berlin-Kreuzberg. Angekündigt war Blues aus Schweden. Wer bitte kennt schon Alex Face? Aber die Support-Band „The Hempbells“ sollte man schon kennen.

Die Schweden hatten ihr Ziel verfehlt und waren nicht angereist. „Juri & die Gagarins“ waren kurzfristig eingesprungen und die Hempbells wurden kurzerhand Hauptact des Abends. Gut so!

Feinster Swamp-Rock aus Hellersdorf. Wer hätte das gedacht? Ich schon; hatte ich sie doch schon auf dem Open Air in Niederlehme erleben können. Genau dort genießen die drei jungen Musiker Heimvorteil. Sie waren gewissermaßen die Entdeckung von „Blues-Homi“ und standen schon im zarten Alter von 16 Jahren bei „Blues am Rand“ auf der Bühne. Seitdem rocken sie musikalisch beständig quer durch den Süden der USA.

"The Beatles“ scheinen offensichtlich zu den musikalischen Vorbildern der Band zugehören. Zumindest deutete das Foto von John Lennon vor dem Schlagzeug auf der kleinen Bühne im „Cortuna Bob“ daraufhin. Aber ihre Musik lässt eher Einflüsse von „CCR“, SRV, Gallagher und den „Black Crowes“ erkennen. Weit entfernt vom Mainstream verfolgen Victor Schiel (voc, g, harm), Bertram Schiel (dr) und Bassist Christoph Schwarz konsequent ihren Weg. Nichts ist da gecovert. Ihre Songs sind „Eigengewächse“. Interessant war zu beobachten, wie jeder einzelne Musiker gekonnt seinen Part beherrschte, aber besonders bei den Gitarrensoli von Victor immer wieder Blickkontakt zu den Mitspielern suchte und so den Zusammenhalt der Band demonstrierte. Auch wenn ihre Musik an diesem Abend eher verhalten klang, so haben sie schon längst, beispielsweise in Niederlehme, in der Halle 20 (Berlin-Spandau) oder im „Real“ Lauchhammer bewiesen, dass sie auch laut und kraftvoll können. Übrigens, auf der Suche nach den Hempbells kann man getrost auch nach "The Stormbirds" Ausschau halten, denn in Gesellschaft mit Bob Beeman fühlen sich die Schiel-Brüder offensichtlich auch wohl.

Etwas mehr Zuschauerresonanz hätte die junge Band schon verdient. Aber wer kennt schon Alex Face?

* 28. September 2010: Iron Butterfly in der Kulturbrauerei Berlin

AmAnfang Stand der Blues. Nicht so bei mir, da kam vor dem Blues der Rock.

Undwenn ein ganz besonderer Vertreter dieser Gattung in der Stadt ist, geht derBlueser doch gerne fremd. Dabei fühlte ich mich gar nicht fremd. Schon beimeinem Eintreffen gab es jede Menge Rockmusik, wenn auch vorerst vom Band. DiePalette reichte von Led Zeppelin über Deep Puple bis Jethro Tull. Manüberbrückte so die Zeit, denn die Vorband (Power Blues) hatte kurzfristigabsagen müssen.

Eswar kurz vor 21:00 Uhr als „Iron Butterfly“ die Bühne im Maschinenhaus derBerliner Kulturbrauerei betrat. Die 1966 gegründete Band zählt zu denbekanntesten Vertretern der Hardrock-Fraktion und war wohl eine der erstenBands, welche psychodelische Elemente in ihre Musik einfließen ließ. Auch wennan diesem Abend keins der Gründungsmitglieder auf der Bühne stand – Bassist LeeDorman stieß erst 1968 nach dem Erscheinen des Debütalbums „Heavy“ zu „IronButterfly“ – war ich gespannt auf das was uns da geboten werden sollte. War esmir doch als geborenen DDR-Bürger damals, Anfang der 1970er Jahre, nichtgegönnt die Band live zu erleben. Auf deren Musik mussten wir dennoch nichtverzichten. Fast jede DDR-Rockband hatte damals ihre Songs im Programm.

DieGitarre bedient heute Charlie Marinkovich und am Keyboard stand der inDeutschland geborene Martin Gerschwitz. Ihn kann man übrigens demnächst miteinem Soloprogramm in Kreuzberg erleben. Den Schlagzeuger hatten sie bei„Wishbone Ash“ ab geworben.

Schon mit dem ersten Titel gab es gehörig etwas aufdie Ohren und die Band erreichte sofort das Publikum. Selbst auf den Blues musste ichnicht verzichten, denn man hatte den „Butterfly Bleu“ im Programm. Dieses14-minütige Werk war der Nachfolger von dem was danach kam und auf das wohlalle im Saal gewartet hatten. Inzwischen war gut eine Stunde vergangen. „In AGadda Da Vida“ verkaufte sich bereits im ersten Jahr über 8 Millionen mal undhielt sich 140 Wochen lang in den Charts. Was sollte danach noch folgen?Dennoch gab es noch eine Zugabe, aber nach etwa 1, 5 Stunden war dann auchSchluss mit lustig.

* 17. September 2010: Rock'n'Roll - Dampfer mit Monokel-Kraftblues und Texas Mike Band / Berlin

Monokel

Die "Legendary Rhythm & Blues Cruise" sticht auch in diesem Jahr unter dem Motto "Jeder hat einen Backstage-Pass" in See. Die Kreuzfahrt dauert vom 17. bis zum 24. Oktober. Einschiffen werden Johnny Winter, Los Lobos, Irma Thomas, Kim Wilson, Marcia Ball, Eddy Clearwater, Coco Montoyo und jede Menge Bluesvolk.

Da ich es gern eine Nummer kleiner mag und immer so schnell seekrank werde, heuerte ich deshalb am 17. September 2010 auf dem "Blues-Dampfer" an. Es war zwar nicht der weite Ozean; nur Havel, Spree und Tegler See.

Die "MS Berlin" stand nicht zum ersten mal unter Dampf. Organisiert wurde die Dampferfahrt bislang von "Lello" und war eher so eine Insidergeschichte. Dieses Jahr hatte das Team vom Garbaty. e. V. die Organisation übernommen und hatte mächtig die Werbetrommel gerührt. So war es nicht verwunderlich, dass der Dampfer bis auf den letzten Platz besetzt war. Selbst "Besessene" aus Südbrandeburg, Leipzig und dem Erzgebirge hatte den Weg nach Berlin gefunden. Eine Seefahrt die ist lustig. Diese ganz besonders: Fünf Stunden Bluesrock - abwechselnd dargeboten von "Monokel-Kraftblues" und der "Texas-Mike-Band", ausgelassene Stimmung, ausreichend Bier und der Mann mit der Kelle. Das Kommando: "Leinen los" - war gerade erst verklungen und schon legte Monokel los. Sofort füllte sich der Platz vor der improvisierten Bühne im Unterdeck. Der "harte Kern" tanzte den Blues. Der Weg zu den Toiletten blieb den ganzen Abend über versperrt. In dringenden Fällen gab es ja noch den Weg über das Oberdeck. Der Wechsel an den Instrumenten vollzog sich fließend. Beide Bands spielten nicht zum ersten mal zusammen. Der Frontmann der Magdeburger Mike Seeber hat noch vor einem Jahr vorrübergehend bei Monokel die Gitarre gezupft. Die Überraschung des Abends gab es als die "Texas Mike Band", die es üblicherweise im Stile von ZZ Top mächtig krachen lässt, sanfte Töne anschlug und "Es gibt Momente" von Hansi Biebl spielte. Schlagzeuger Rolf setzte noch einen oben auf, als er uns plötzlich den "Helmut" aus Thüringen darbot.

Wo war eigentlich das "Rettungsboot" an diesem Abend? 

Texas Mike

* 11. September 2010: Freygang-Band im Schokoladen/Berlin

Das Wochenende gehörte Vollmershain ! Zwei Mal Monokel an einem Abend bekommt man nicht so oft geboten. Mich jedoch hielt mal wieder die Pflicht in Berlin fest. Aber ich wusste mich zu trösten.

Keine 10 Minuten dauerte meine „Anreise“ in den Schokoladen in der Berliner Ackerstraße. Der Schokoladen ist der nächste „Laden“, welcher in seiner Existenz bedroht ist und aus diesem Grund gab die „Freygang-Band“ an diesem Abend ein Solidaritätskonzert; wohl das letzte Open Air der Saison 2010.

Nach Andres Tod und dem legendären Abschiedskonzert am 16.01.2010 in der Berliner Kulturbrauerei nahm die Band eine Auszeit, entschloss sich letztlich im Sinne von Andre das Schiff "Freygang" nicht untergehen zu lassen und nannte sich fortan „Freygang – Band“. Tatjana und Brian teilen sich das Mikrofon und mit Andreas Kick (bg, keyb) kam ein neuer Mann an Bord. Kritiker meinen, dies sei nicht mehr "Freygang". Auch ich tat mich lange schwer.

Etwa 100 Leute waren in den Schokoladenhof gekommen und darunter so manch bekanntes Gesicht. Es gibt sie also immer noch – die große Freygang-Familie. Selbst Prominenz fehlte nicht. Schauspieler Ben Becker hatte sich unter die Punker gemischt.

Los ging es gleich mit (für mich) neuen Tönen. Aber als dann „Mein Sohn“, „Mein Preis“ oder „Heimatfront“ gespielt wurden, allesamt von der in 2009 erschienen Scheibe „orange“, gab es wieder vertraute Klänge. Auch wenn diese CD ohne AGP eingespielt worden ist, stammen die Songs mehrheitlich aus seiner Feder. Von den Klassikern gab es dann u. a. „Krieg“, „Halte durch“, „Alles falsch gemacht“. Auch „Der bewaffnete Blues“ hat nicht gefehlt. Wer meine Beiträge in diversen Internetforen verfolgt, dem dürfte die Titelzeile dieses Songs nicht unbekannt sein.

Tatjana am Gesang ist nichts Ungewohntes. Früher gab sie üblicherweise den Bass an Andre weiter. Heute an Andreas, den man übrigens auch zu hören bekam. Auch wenn Brian seine Sache gut gemacht hat, hat AGP und seine Geige gefehlt. Dennoch hatte ich das Gefühl, er ist gegenwärtig. Freygang. Mach't weiter!

* 04. September 2010: 8. Berliner Rhythm 'n Blues Festival mit "Moods of Ally"
* 27. August 2010: L.E. Boogieband und Ana Popovic&Band in Leipzig

Exakt 19.30 Uhr stand die "L.E. Boogieband" im ehemaligen "Arthur-Brettschneider-Park" auf der Bühne und schlug die ersten Töne an. Schon lange hatte ich die Aktivitäten dieser relativ neuen Band verfolgt. Aber meist spielen sie in Sachsen und nie wollte es so richtig passen. Gerade erst waren sie sogar bis nach Milow in die Scheune gekommen, aber da war ich bereits anderweitig "verplant". Nun war es endlich soweit. Danke Schubi !

Die Parkbühne, der ich das Prädikat "klein, aber fein" zugestehen würde, war gut besucht. Das Wetter spielte, bis auf ein paar kurze Schauer, mit.

Mit der "L.E. Boogieband" aus Leipzig traf ich auf einen alten Bekannten. Bassist Frank "Franz" Täubert (ex-Mama Basuto) hatte schon zu meiner Leipziger Zeit die "Central-Halle" in Gaschwitz zum kochen gebracht und kann in diesem Jahr immerhin auf 40 Jahre Bühnenpräsenz verweisen. Ihm zur Seite stehen der versierte Gitarrist Erik "Guitar" Heyner, der u.a. schon bei "Cäsar & die Spieler" gespielt hat, und der junge Drummer Robert Menger. Gelegentlich verstärkt sich die Band mit Gastmusikern. So ist der Hallenser Harper Thomas Schied quasi Stammgast. An diesem Abend waren die Herren nur zu dritt.

Die Band präsentierte handgemachten "Guitar-Boogie" in der Tradition von "Canned Heat" - ausschließlich Coverversionen -, zeigte sich gut gelaunt und äußerst spielfreudig.

Nicht schlecht staunte ich, als ich plötzlich "Es gibt Momente" von Hansi Biebl hörte. Ein Jammer, dass sich dieser Mann so gänzlich zurückgezogen hat.

Inzwischen war auch Ana Popovic mit ihrer auffallend jungen Band - wenn auch verspätet - eingetroffen, sodass für Umbau und Soundcheck eine längere Pause notwendig geworden war. Zeit, die ich am Bierstand und mit Gesprächen zu überbrücken wusste.

Die Serbin, die inzwischen in Holland lebt, ist längst international geachtet und ist auch in Deutschland inzwischen bestens bekannt. So war es nicht verwunderlich, an diesem Abend auch auf Bluesfreaks aus Saalfeld und Potsdam zu treffen. Obwohl ich Ana Popovic selbst noch nicht live erlebt hatte, war sie mir nicht unbekannt. Sind wir doch schon seit geraumer Zeit auf MySpace "befreundet".

Gleich zu Anfang fiel mir ihre kraftvolle, überzeugende Stimme auf. Und auf dem zweiten Blick präsentierte sie sich mir als perfekte Slidegitarristin. Was diese Band zu bieten hatte, war ein Blues der jung und frech daher kam, teilweise funkige und sogar jazzige Züge trug, aber immer wieder an den Altmeister Hendrix erinnerte; dies nicht nur bei "House Burning Down". Es schien als würde die Popovic mit ihrer Musik verschmelzen, ohne jedoch den Kontakt zum Publikum abreißen zulassen. Inzwischen kann sie auf fünf Alben verweisen, von denen wohl "Hush" aus 2000 besonders beeindruckt. So war es nicht verwunderlich, vorzugsweise Eigenes geboten zu bekommen, verpackt in einer sehenswerten Performance und gekrönt durch die Showeinlagen des Gespanns Popovic/Jonker.

Manch einem wird das Gebaren des äußerst agilen Bassisten aufgestoßen sein. Ich nahm es gelassen. Schließlich hatte er mich bereits vor seinem grandiosen Basssolo durch seine musikalischen Qualitäten überzeugt. Klasse auch die Leistung der übrigen Bandmitglieder. Für mich steht die Popovic längst in einer Reihe mit Joanne Shaw Taylor und Erja Lyyntinen. Um den Bluesnachwuchs ist es mir nicht Bange.

* 20. August 2010: Bluesnacht in Langerwisch mit Lausitzblues, Bluesrudy, Holger "Hobo" Daub, Icke & Co.

Etwa 150 Leute kamen zur Bluesnacht nach Langerwisch undlauschten in angenehmer Umgebung dem Blues. Erstaunlich; weil nirgendwo einPlakat oder eine öffentliche Ankündigung des Ereignisses zu finden war. Und werbitte, weiß schon wo Langerwisch zu finden ist. „Hausschuhbereich“ – nannte esKulle von „Lausitzblues“. Nun in Hausschuhen kam ich nicht, obwohl es bisMichendorf, gemessen an so manch anderen meiner Konzertbesuche, tatsächlich nurein Katzensprung ist. Das Fazit voran gestellt: ein gelungener Abend. Dafürsorgten das angenehme Ambiente, die „rührigen“ Macher um Bodo, die Akteure aufder Bühne und die Tatsache, dass ich seit langem mal wieder den Blues(äußerlich) trocken genießen konnte.

Opener war „Lausitzblues“. Wer dieses Trio schon so ofterleben konnte wie ich, ist eigentlich nicht auf Überraschungen eingestellt.Und trotzdem gab es sie, als ich plötzlich „Wie die Großen“ hörte. „Monokel“ inLangerwisch? Die waren doch längst nach Pößneck zu „Rock the garden“ unterwegs.Das „Gala“ in Groß Luja spontan mit „Lausitzblues“ musizierte, muss Sepp wohldazu inspiriert haben diesen Titel in das Repertoire aufzunehmen. Eine weitereNeuheit bahnte sich an, als Sepp plötzlich zur Mundharmonika griff.

Dann kam der zweite act des Abends. Lediglich  „Bluesrudy“, der in dieser Allstar-Band dasschüchterne Schlagzeug und die Slidegitarre bediente, war mir nicht unbekannt.„Bluesrudy“ hat ebenso wie „Lausitzblues“ gemeinsam mit Igor Flach, dessenNamen an diesem Abend mehrfach erwähnt wurde, eine CD aufgenommen und ist heuteüblicherweise mit Marko Jovanovic zu erleben. Die Akustikgitarre bedienteSänger, Songschreiber und Frontmann der Berliner Band „Icke“,  Marcel Krüßmann. An der harp Holger „Hobo“Daub. Einzig der Name des Gitarristen blieb mir verborgen. Krüßmann war meineÜberraschung des Abends. Noch einer, der mit anspruchsvollen Texten den Beweisantritt, das die deutsche Sprache und der Blues durchaus miteinander können.Eine ganze Palette seiner Songs hatte uns die Band zu bieten.

Inzwischen war es fast Mitternacht als alle acht Akteurenochmals gemeinsam auf die Bühne kamen und munter drauf los coverten.Bemerkenswert wie die beiden Harper sich im Hintergrund duellierten. Gegen 1:00Uhr intonierte Kulle dann das Sandmännchen-Lied und die Bluesnacht fand einEnde.



* 14. August 2010: 2. Bluesrock Open Air in Prießnitz
* 13. August 2010: Berlin Blues Night mit Frank Diez Band & Engerling in Berlin-Biesdorf
* 07. August 2010: Blues Open Air in Niederlehme mit Blex&Bernd Kleinow, The Crazy Hambones und The Hempbells

Peter Schmidt & Bernd Kleinow

The Hempbells

* 24. Juli 2010: Blinde Bankers & Tito and Tarantula in der Havelbaude

Die Havelbaude, herrlich gelegen direkt an der Havel am Rande von Hohen Neuendorf, präsentierte sich als erstklassige location. Man war bestens auf den Ansturm vorbereitet. Der Beginn war für 20:00 Uhr angekündigt, aber lange, sehr lange tat sich nichts. Kein Problem! Im Liegestuhl liegend, ein Hefe in der Hand, beobachtete ich das emsige Treiben zwischen Yachthafen und Wirtshaus.


Irgendwann kamen dann die „Blind Bankers“; ein Akustik-Gitarren-Duo aus Berlin. Verstärkt hatten sie sich mit einem Gastmusiker am Schlagzeug und Steffen „Speiche“ Neumann an der harp, aber der ist wohl schon Stammgast dieser Band. Ich hatte inzwischen meine liegende Position aufgegeben und mich bis ganz nach vorn durch gekämpft.

Die Bankers spielen vorzugsweise in der Bikerszene. So standen sie erst unlängst u. a. mit Tom Angelripper und „The BossHoss“ auf der Motorcycle Jamboree - Bühne in Altes Lager bei Jüterbog. Die Biker waren auch in der Havelbaude stark vertreten. Daraufhin deuteten nicht zuletzt die zahlreichen „Mopeds“, die vor den Toren geparkt waren. Die Herren mit den dunklen Brillen und ihren Cowboy-Hüten auf der Bühne waren gut gelaunt und coverten munter darauf los. Die Palette reichte von Neil Young, den Stones bis zu „The T.Rex“. Von Altmeister Johnny Cash gab es den „Folsom Prison Blues“. Nicht schlecht staunte ich, als ich plötzlich Citys „Am Fenster“ hörte; leider ohne „Joro’s“ Violinensolo.

Ich fasse ihren act zusammen: unplugged, rockig, erfrischend. Eine gewisse Nähe zu BossHoss lässt sich nicht verleugnen.

Es war bereits 23.30 Uhr. Das Publikum, welches dicht gedrängt auf den Auftritt von „Tito & Tarantula“ wartete, wurde sichtlich unruhig. Dann betrat endlich Frontmann Humberto „Tito“ Larriva (voc, g) die Bühne. Begleitet wurde der Mexikaner von Leadgitarrist Steven Medina Hufsteter, dem Schlagzeuger Alfredo Ortiz und der jungen Bassistin Caroline Rippy. Die Band wurde 1992 in LA gegründet. Der Durchbruch kam mit „After Dark“ aus dem Vampirfilm „From Dusk Till Dawn“ in 1996. Larriva hatte in den 1970er und 1980er Jahren in verschiedenen Punkbands gespielt. 1984 gründete er dann  „The Cruzados“. Eine Rockband, in der er bereits mit Hufsteter zusammen gearbeitet hatte und deren Sound stark vom Blues geprägt war. Aber den hatten sie wohl zu Hause in Kalifornien gelassen. Stattdessen klingt die Band sehr punkig und die mexikanischen Wurzeln der Akteure lassen sich nicht verleugnen. Nicht zuletzt wegen ihres soliden musikalischen Hintergrundes, hat diese Band inzwischen auch in Deutschland eine treue Fangemeinde und dies war auch in dieser Nacht an der Havel zu spüren. Obwohl mich Outfit und Habitus von Larriva stark an Johnny Mastro erinnerten; so richtig „zu hause“ fühlte ich mich jedoch nicht.

* 23. Juli 2010: Popa Chubby in Torgau

The "Fight Is On“" – so der Titel seines neuen Albums. Es war meine zweite Runde mit Popa Chubby. Ich wusste, was mich erwartet. Auch diese Runde ging eindeutig an ihn. „Do you feel good tonight“, so Popa, der mit bürgerlichen Namen Ted Horowitz heißt und aus New York kommt, als er endlich die Bühne betrat. Gleich vorab: Ja, wir hatten einen guten Abend in Torgau. Daran konnte selbst der Dauerregen nichts ändern, welcher just genau dann einsetzte, als ich über die Elbbrücke in Richtung Kulturbastion rollte. Knapp 200 Leute waren gekommen, drängten sich schutzsuchend direkt vor der Bühne oder seitwärts unter den Bäumen, sodass der eigentliche Platz vor der Bühne ziemlich leer aussah. Chubby zeigte sich davon unbeeindruckt, lieferte eine großartige zweistündige Show ab und überzeugte mich erneut durch sein virtuoses Spiel auf der Gitarre, die gemessen an seiner Statur, eher wie ein Kinderspielzeug wirkte.

Los ging es mit dem Klassiker „Going Down“. Es folgte "Hey Joe" von Jimi Hendrix. Es blieb nicht der einzige Hendrix-Song. Es wundert nicht, wenn man weiß, dass Chubby einer seiner größten Bewunderer ist. Für mich beeindruckend, dass der Mann keine bloße Kopie abliefert, sondern dem alten Zeugs eine moderne, seine, Note verleiht. Irgendwann kam dann auch „Halleluja“, als hätte Chubby gewusst, das ich bereits darauf gewartet habe. Aus seinem jüngsten Album begeistert mich vor allem der Song "Rock & Roll Is My Relegion". Chubbys Nähe zum Blues ist unverkennbar. Bluespuristen mögen die Haare zu Berge stehen. Mir nicht. Ich finde, sein Stil, in dem er Elemente von Hip Hop bis Rap einfließen lässt, hat etwas.

Übrigens, wieder gab es einen Geburtstag zu feiern. Angestoßen wurde auch, mit Kaffee. Natürlich. Wir holen es nach. Gruß nach Leipzig.

* 17. Juli 2010: Karussell im "Quappenhof"

* 03.Juli 2010: 4. Rock- und Bluesnacht in Spremberg
Während ganz Deutschland den Sieg über Maradona feierte, rollte ich ganz entspannt über die leere Autobahn. „East Bike Lausitz“ hatte zum 5. Harleytreffen geladen. Ein Ersatz für die ausgefallenen Berliner Harleydays war es sicherlich nicht, aber immer wenn Lausitzer Biker feiern gibt es gute Musik. Gleich drei Bands hatten sie eingeladen. Bereits als ich vor Wochen das line up las, wurde ich an die Rock- und Bluesnacht im letzten Jahr im Hotel „Zur Post“ in Spremberg erinnert. Meine Erwartungen waren groß. Als ich auf dem Sportplatz in Groß Luja ankam, war man noch beim Soundcheck und es sollte noch mindestens 1, 5 Stunden bis zum Beginn dauern. Zeit gute Freunde zu begrüßen, die reichlich erschienen waren, und mir in Ruhe die Bikes anzuschauen.

Gegen 20:00 Uhr ging es endlich los. Opener war "Lausitzblues" und die "rackerten" gleich richtig los. Auch wenn das Trio sich nicht auf ein Genre festnageln lässt, im Mittelpunkt steht der Blues. „Canned Heat“ oder Muddy Water haben einen festen Platz im Repertoire von “Lausitzblues”. Die beiden Nummern „Crawfish“ und „Mystery Train“, veröffentlicht auf dem 2007 mit Igor Flach aufgenommen Live-Album, waren für mich die Highlights im Programm. Während man üblicherweise seit Igors Tod ohne Harpplayer auftritt, gab es an diesem Abend die erste Überraschung als spezial guest GALA plötzlich auf die Bühne kletterte und „Lausitzblues“ auf der harp begleitete. Aber immer wieder bemerkenswert ist ihre eigenwillige Interpretation von Nummern bekannter Rockbands wie „Deep Purple“ oder „Whitesnake“. An diesem Abend griff man sogar ganz tief in die Kiste und kramte „The Letter“ von „Box Tops“ und die alte Lady Rose, ein Top Ten Hit von „Mungo Jerry“ aus 1971, hervor. Die prägnante Stimme dieser Band, Ray Dorset, kann man übrigens am 14. und 15.08.10  im Ratskeller Köpenick live erleben, wenn es heißt: Maassters of Boogie.

Eswurde bereits dunkel als Steffi Breiting (voc), Tobias Hillig (g, voc), ReneBock (bg), Ralph Jähn (dr) und Ralf Müller (key) die Bühne betraten. Zusammensind sie „Moods of Ally“ aus Thüringen. Insider – ich zähle mich in diesem Falldazu – wussten, dass ihr Auftritt eine „runde“ Sache werden würde. Neben mirstand eine „Kunde“ aus Potsdam-Werder. Wir waren uns bereits im letzten Jahrbeim Lynyrd-Konzert in Köln begegnet. Schon beim ersten Titel meinte er: „Leckmich am Arsch. Ist das geil!“

„Moodsof Ally“ versteht sich als Tributband. Das Repertoire der Band reicht von den„Allman Brothers“ über die Stones und „The Band“ bis zu Carole King. Es ist vorallem die eindrucksvolle Stimme von Steffi, die der Band eine unverwechselbare,eigenständige Note verleiht. Und erneut kam GALA auf die Bühne, blies die harpund sang mit Steffi im Duett. Nach einer reichlichen Stunde verließ sie dieBühne und die nächste Überraschung des Abends bahnte sich an. Spätestens zurEngerling-Party in der Berliner Kulturbrauerei werden wir sie wieder erleben können.

„Lausitzblues“mit Orchester! Wer hätte das gedacht? Gemeinsam mit „Moods of Ally“präsentierten Gabi, Sepp und Kulle den „Mojo-Boogie“ und „Alter Freund“.

Inzwischenwar es Mitternacht geworden. In bekannter Weise marschierten nun dieKraftblueser auf die Bühne; vorerst ohne GALA. Der Platz vor der Bühne fülltesich schlagartig. Es wurde eng. Doch schon nach dem dritten Song kam er auf dieBühne, löste „Lefty“ am Mikrofon ab und sang:  „Nie wie der Vater“. Es wurde seinletzter Auftritt bevor er zurück in seine „Wahlheimat“ Spanien reist. Auch„Monokel“ hatte sich etwas Besonderes einfallen lassen. Ich war vorbereitet.Plötzlich erklang das „Lumpenlied“. 32 Jahre ist es alt:


" Was gehn euch meine Lumpen an?

Da hängen Freud' und Tränen dran.

Was kümmert euch denn mein Gesicht?

Ich brauche euer Mitleid nicht..."


Ich war erstaunt, wie viele der Leutetextsicher waren. Eigentlich war es nicht verwunderlich, waren doch eine mengeLeute im Publikum, die schon vor 30 Jahren nach Werben oder Ketzin gepilgertsind um Monokel zu erleben. Inzwischen waren das „Boogiemobil“, das „Monstervom Schilkinsee“ und „Bye, bye Lübben City“ längst verklungen. Die Uhr zeigtebereits 2:00 Uhr an, als es noch einmal richtig eng auf der Bühne wurde. Ein klasse Finale!


Piano Power Station

* 18. Juni 2010: Piano Power Station & Engerling in Berlin-Friedrichshagen

Am Morgen übte ich noch Wiederbelebungstechniken bei den Maltesern in B. - Charlottenburg und am Abend gab es dann den „Narkoseblues“ in B. - Friedrichshagen. Das passt doch. Ja, es passte! Nach langer Abstinenz endlich wieder „Engerling“. Noch war es nicht so weit. Zuvor gab es erst einmal Boogie-Woogie, Blues und Rock’n Roll, dargeboten von der „Piano Power Station“.

 

Überpünktlich betraten die drei Herren die Bühne und zeigten sich unbeeindruckt von den leeren Reihen im Freiluftkino Friedrichshagen. Ja, das war Power pur. Es ist mühselig darüber nachzudenken, ob es am Wetter oder an der Fußball-WM lag, dass nur wenige Leute den Weg nach Friedrichshagen gefunden hatten.

Kopf des Trios ist Harald Wittkowski. Mit seinem musikalischen Werdegang hatte ich mich erst unlängst beschäftigt, als ich zu „Drudenfuß“ recherchierte. Weitere Stationen waren „Joco Dev“ und die Hardrockband „Babylon“. Ende 1981 stieg er dann bei  „P.O.N.D“ ein, eine Ostberliner Band, die elektronische Rockmusik nach dem Vorbild von „Tangerine Dream“ spielte und ziemlich erfolgreich war. Ab 1994 war Wittkowski solistisch tätig. 1999 gründete er gemeinsam mit seinem Meisterschüler  Hendrik Hache die Power Station. An den drums saß damals Frank Hille, in der DDR mehrfach als Schlagzeuger des Jahres ausgezeichnet.

Heute wird Wittkowski von Robby Hund (dr) und Martin Zöllig (key) begleitet. Back to the roots, zu den Ursprüngen der Pop- und Rockmusik,  hieß das Motto der Band. Die Spielfreude der Musiker stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Bill Haley hätte seine Freunde an der frischen, lebendigen Musizierweise der Formation gehabt. Interessant auch die eigenwilligen Improvisationen von Bernsteins „America“ oder dem Klassiker „Chattanooga Choo Choo“. Im Repertoire der Power Station gibt es inzwischen auch Eigenkompositionen. Besonders „Power Machine“ und „Last Summernight“ sind mir im Gedächtnis geblieben. Wittkowski – ein Energiebündel; verließ des Öfteren seinen Platz am Piano, wandte sich mit kurzen Ansagen an das Publikum, haute schon mal gemeinsam mit seinem Drummer auf das Schlagwerk, feuerte seinen jungen Kollegen an und sorgte so für den Zusammenhalt der Formation. Nach gut einer Stunde wurde die „Piano Power Station“ mit reichlich Beifall verabschiedet.

Dann kamen die Engerlinge. Aus gesundheitlichen Gründen hatte man lange pausiert und nun startete man wieder durch und das gleich heftig: Dessau, letzte Woche dann Luckenwalde und an diesem Wochenende Berlin und Heyrothsberge. „Boddi“ ließ sich nichts anmerken, zeigte sich gut gelaunt, scherzte mit seinem Publikum und überspielte locker den „Ausrutscher“, als er sich auf der Suche nach der richtigen harp vergriff!

Am Schlagzeug ein neues Gesicht: Friedemann Schulz. Schulz ist einer der vielen Ex-Engerlingmusiker. Das ist nicht verwunderlich. Schließlich ist man im 35. Jahr des Bestehens.

Neben dem „Narkoseblues“ gab es den „Gleichschritt“, das „Herbstlied“, das „Muschellied“…, aber an diesem Abend waren auffallend viele  Stonessongs im Programm – und aus Bob Dylan wurde plötzlich „Wild Thing“. Vielleicht war es ja die Generalprobe für das open air in Oettersdorf, wenn es dann am 10.07. Punkt 13:00 Uhr heißt: „Engerling spielt Stones“.

* 15. Juni 2010: John Mayall im C-Club Berlin
Es muss 1976 gewesen sein als ich, wie durch ein Wunder, John Mayalls Album "Blues from Laurel Canyon" in meinen Händen hielt. Gut zwanzig Jahre später erlebte ich ihn erstmals live in Berlin. Und nun war es wieder soweit.

Als ich den Club betrat, war dieser schon bis auf den letzten Platz gefüllt. Dicht an dicht stand das Bluesvolk und wartete auf John Mayall. Manche werden wohl ähnlich wie ich gedacht haben: wer weiß, wann man den noch einmal auf der Bühne erleben kann. Immerhin ist er Jahrgang 1933.  Stück für Stück drängte ich mich immer weiter nach vorn. Pünktlich 21:00 Uhr betrat der „Vater des weißen Blues“ die Bühne und bot uns mit Bluesharp und Keyboard ein Solo. Schon diese Darbietung wurde immer und immer wieder mit Zwischenapplaus bedacht, zeigte er sich doch topfit. Der Funke sprang sofort über.  Das Publikum geriet in Bewegung. Und dann betrat seine Band die Bühne.

Unglaublich. Während sich Andere in seinem Alter in den Ruhestand begeben, startete er nochmals durch. In 2008 löste er die „Bluesbreakers“ auf. Mit dieser Band hatte er über Jahrzehnte Akzente gesetzt. Mayall sammelte neue, versierte Musiker um sich und geht erneut auf Tour. Nehmen wir Drummer Jay Davenport. Er hat bereits mit Junior Wells und Pinetop Perkins zusammen gespielt. Oder Keyboarder Tom Canning, der bereits mit T-Bone Burnett, Freddy King und Joe Walsh auf der Bühne stand. Gitarrist Rocky Athas kam von der Südstaatenband „Black Oak Arkansas“ und Greg Rzab hat schon den Bass bei den „Black Crowes“ und Buddy Guy bedient. In dem folgendem etwa 90-minütigem Programm zeigte sich die Truppe bestens aufeinander eingespielt. Mayall vorne an oder mitten drin, immer dabei, sorgte für den Zusammenhalt der Band, trieb seine Musiker förmlich an und wandte sich mit kurzen Ansagen und erheiternden Kommentaren an das Publikum.

Zwischen neueren – mir unbekannten Songs – gab es dann auch die Klassiker „Chicago Line“ (!!), „All your love“ und „Blues for the Lost Days“. Die Songs gingen teilweise nahtlos ineinander über. Immer und immer wieder gab es Zwischenapplaus. Doch der Höhepunkt kam zum Ende mit „Room To Move“ aus dem 69er Album „The Turning Point“. Es war einfach Spitze wie sich Mayall über Minuten ein Duell mit seinem Bassisten lieferte, der danach noch ein bemerkenswertes Bass-Solo darbot, dem sich wiederum ein erstklassiges Schlagzeug-Solo anschloss, bevor sich dann irgendwann die Band wieder fand. Mit einer Zugabe wurde der Abend beendet. Wollen wir hoffen, dass noch lange nicht Schluss ist.

 

* 12. Juni 2010: Bikertreffen des Bikerstammtisches 96 in Forst
mit "Livin' Blues" und "Speiches Monokel Blues Band"

Die Biker riefen und ich war ihrem Ruf gefolgt. Üblicherweise hört man in Bikerkreisen „AC/DC“ oder „Metallica“; nicht so in der Lausitz wo der Blues eine feste Heimstatt hat. So war es nicht verwunderlich, dass unter den Bikern auch eine Menge Bluesfreaks anzutreffen waren, auf die man zwischen Cottbus und Altdöbern regelmäßig trifft. Der „Bikerstammtisch 96“ hat sein Domizil unweit des „Manitu“; war also leicht zu finden.

20:00 Uhr begannen die Jungs von „Livin' Blues“, coverten querbeet und mühten sich redlich, aber fanden noch wenig Aufmerksamkeit.

Gegen 22:00 h kam dann die „andere“ Monokelband auf die Bühne und begann mit dem „Kindertraum“. Neben mir stand eine Bluesbraut, die, wie ich, kaum ein Konzert der „Kraftbluesbrigade“ auslässt. Es interessierte mich, wie sie zu dem Monokelproblem steht. Also sprach ich sie an und meinte, es sei doch die „falsche“ Monokelband. Sie lächelte und antwortete: „Das ist nicht die „falsche“ Band. Es ist nur die andere Hälfte.“

Also ist es an der Zeit die andere Hälfte vorzustellen. Es erübrigt sich Jörg „Speiche“ Schütze (bg), den Kopf der Band, vorzustellen. An seiner Seite Bernd „Zuppe“ Buchholz (voc, harp). „Zuppe“ kam zu „Monokel“ als „GALA“ zu „NO 55“ gewechselt war. Er wurde Anfang der 1990er Jahre durch Cornelius Löwenstein ersetzt. Als „Speiche“ Mitte der 1990er Jahre „Monokel“ verlassen hatte, gründeten sie gemeinsam Monokel Nr. 2 und holten sich mit Heinz Glass und Jürgen Bailey zwei gestandene Gitarristen in die Band. Beide stammen aus der westberliner bzw. westdeutschen Musikszene und spielen seit Jahren zusammen in der „Heinz-Glass-Band“. Diese Band war in den 1990er Jahren quasi die Hausband in der Kreuzberger Museumskneipe und tritt noch heute gelegentlich auf. Bekannter dürfte aber „Epitaph“ sein; eine Band mit der Glass noch heute vorwiegend in den alten Bundesländern tourt. Und wer sich die beiden Herren auch außer der Reihe von nahem betrachten möchte, trifft sie jeden Dienstag zur Blues- und Rocksession im Rickenbackers. Auch der Schlagzeuger Olli Becker ist kein Unbekannter. Er saß schon zu DDR-Zeiten bei „Jessica“ am Schlagzeug und trommelte später bei „Jonathan“ und Hansi Biebl.

In dem gut dreistündigen Konzert gab es neben bekannten Monokelklassikern auch einige Coversongs wie „Call me the Breeze“ und „T for Texas“. Offensichtlich eine Hommage an den Texaner Bailey. Oder aber es lag einfach nur daran, das Speiche, ebenso wie ich, Lynyrd Skynyrd verehrt. Aber das Spannendste an diesem Abend war, dass ich endlich mal wieder Monokelklassiker, wie „Das Lumpenlied“ oder „ Das Landei“, zu hören bekam, die die Kraftbluesmonokler aus bekannten Gründen nicht im Repertoire haben. Auch wenn es ein vergnüglicher Abend war, wenn die beiden Westler die Hymne der DDR-Blueser „Bye, bye Lübben City“ spielen, befremdet mich das.

 

* 2. Juni 2010: Whorehouse im Rickenbackers
* 29. Mai 2010 : Bluewater in der Kiste/Berlin

* 29. Mai 2010: "Die harten 70er" in der Parkbühne Berlin-Biesdorf 

Biesdorf am 29.05.2010

Black Reunion

Black Rosie

Karo (Black Rosie)

* 28. Mai 2010: Powerblues mit Muddy Feet, Jürgen Kerth und Monokel in Berlin-Biesdorf

Pünktlich um 18:00 Uhr eröffnete Fred den Abend. Die Parkbühne war noch spärlich besucht. Es musste mit Regen gerechnet werden, aber es blieb zum Glück trocken.

Opener war „Muddy Feet“ aus Potsdam. Insidern sind sie längst nicht mehr unbekannt, waren sie doch u. a. in diesem Jahr auch beim Bluesfasching in Apolda dabei. Und das was sie zu bieten haben, klingt sehr nach Südstaatenblues. Ein wenig erinnern sie tatsächlich an „Omar & The Howlers“. Sie aber deswegen gleich als deren Nachfolger zu bezeichnen, erscheint mir etwas übertrieben. Fakt ist, mit ihrer CD „Swampland“ heischten sie durchweg positive Kritiken ein. Mit „Blue Sparkless“ erschien in 2010 eine weitere CD. Und auch von dieser Scheibe gab es an diesem Abend einige Stücke zu hören. „The Doctors Call“ ist mir besonders im Ohr geblieben. Dennoch das Berliner Publikum zeigte sich noch etwas verhalten.

Dann kam Jürgen Kerth. Das Thüringer Bluesurgestein. Es war nicht der einzige Thüringer der an diesem Abend den Weg nach Berlin gefunden hatte. Saß doch fast die komplette Mannschaft von „Moods of Ally“ nur einige Reihen hinter mir.

Kerth begann mit „Gotte“ Gottschalk bei den „Spotlights“ und sammelte nach dem Ende der Beatära die Thüringer Bluesszene um sich. Offensichtlich kann er sich immer noch nicht von den Beatzeiten lösen. Als er die Nummer vom Geburtstag im Internat spielte – dieses Stück hat es immerhin bis auf den Soundtrack zu „Bye, bye Lübben City“ gebracht -, improvisierte er plötzlich den Beatlessong „Get Back“. Kerth zählt zweifelsfrei zu den versiertesten Bluesgitarristen im Osten und pflegt seit DDR-Zeiten den deutschsprachigen Blues. Und so wunderte es nicht, dass er auch in Biesdorf Titel wie „Komm zurück“, „Komm herein“ oder „Mit dir zu leben“ im Programm hatte. Seinen größten Erfolg hatte er aber mit „Ich liebe die Eine“. Die Zeit war inzwischen fortgeschritten. Kerth setzte noch einen drauf. Dann kam er; der „Helmut“.

Es war inzwischen kurz vor 21.00 Uhr. Die Zeit drängte. Das Natur- und Umweltamt saß mitten unter uns. Die Parkbühne war im Verlauf des Abend voller geworden und hier und da waren die bekannten Monokel-Shirts zu sehen. „Monokel“ betrat die Bühne und allen voran GALA, gut aufgelegt, gab er sich, als sei er nie weg gewesen. Man hatte ein Heimspiel und verzichtete auf das sonst Übliche Intro „Berlin, Berlin“. Los ging es mit „Nie wie der Vater“ und ich hatte das Gefühl, es würde zu Kerths „Helmut“ passen. Doch kaum hatte GALA begonnen brach er ab. Irgendwie kam er sich wohl auf der großen Bühne verloren vor und forderte deshalb das Publikum auf zu ihm auf die Bühne zu kommen. Das Bluesvolk ließ sich nicht lange nötigen, verließ die Bankreihen und bevölkerte den Platz auf und vor der Bühne und endlich kam auch das übliche Feeling auf. Das volle Programm. „Schweine nach vorn“, „Der Stadtwolf“, „Das Monster vom Schilkinsee“, „Das Boogie-Mobil“, „Die schwarze Marie“. Die Songs reihten sich nahtlos aneinander. Es war bereits 22:00 Uhr. „Bye, bye Lübben City“ – die Hymne der DDR-Blueser längst verklungen als Gala mit dem „Rettungsboot“ nachlegte. Eins sei noch erwähnt. Auch Manager werden älter. Auch wenn man es ihnen nicht ansieht. Glückwunsch "Emmes"!

 



 

 

 

* 11.05./12.05./13.05.2010: Blues in der Lausitz

 

  Wer hätte das vor zwanzig Jahren gedacht? Eine private Jam-Session mit Johnny Mastro (voc, harp), Smokehouse Brown (g), Mike Hightower (bg) und Jimmy Goodall (dr) aus Long Beach/Kalifornien mitten in Weißwasser.

Schon als ich im Mai 2009 den Bericht von Jürgen Bauerochse auf rocktimes las, war klar, die Jungs lassen wir uns nicht entgehen. Am 15.09.2009 kamen dann Johnny und die Mamas Boys erstmalig nach Berlin. Während des Pausengesprächs im Exilgarbaty wurden erste Kontakte geknüpft und nun war es endlich soweit.

Einen Tag später traf man sich in Bad Muskau. Dem "Bluesprojekt Weißwasser" wurde Leben ein gehaucht und ´ne Menge Leute fieberten dem Ereignis entgegen. „Howlin“ war schon tagelang vorher nicht mehr ansprechbar. Wen wundert es; waren doch einige Kraftakte im Vorfeld nötig. Die Werbetrommel musste ordentlich gerührt werden. Vor allem aber musste eine geeignete Location gefunden werden. Hatten sich doch einige Konzertveranstalter zwischen Berlin und der Lausitz schwer getan. Schließlich wurde mit der „Turmvilla“ unweit der polnischen Grenze ein würdiger Klub gefunden. Und dort erklang erstmals der Blues. Und was für einer! Chicago Blues. Rau, dreckig und hart.

Es war kurz vor 22:00 Uhr als „Howlin“ ans Mikrofon trat  und den Abend eröffnete. Über einhundert Bluesenthusiasten, beheimatet zwischen Cottbus und Dresden, waren gekommen. Und wir Berliner hatten noch nicht ein Mal die weiteste Anreise. Smoley war aus der Pfalz angereist und Roland, der Typ mit dem irren Stones-Outfit, aus Saarbrücken.

Und wieder gab es etwas auf die Ohren. Die Songs gingen fast nahtlos ineinander über. Schweißgebadet bearbeitete Smokehouse Brown seine Gitarre. Johnny kniete auf der Bühne und holte das Letzte aus seiner Harp heraus. Ein Dunst aus Schweiß, Alkohol und Tabak zog durch den Saal. Einzig schien der Basser die Nerven zu behalten.

Es gab noch etwas Erwähnenswertes. Am Rande des Geschehens trafen sich ein paar Aktivisten aus dem Bluesforum zu einem Gruppenfoto. Darunter Bernd Schulte, der die Band als Tourmanager begleitete. Noch so eine Ost-West-Begegnung.

Es war bereits weit nach zwei Uhr, als wir dann den Heimweg durch das verschlafene Nest antraten. Den Blues noch im Ohr.

Es war noch nicht genug. Am Donnerstag nach dem Frühstück – Bernd und die Männer aus Kalifornien waren längst nach Cloppenburg unterwegs – ging es nach Lauchhammer in den „Real Music Club“. Dort angekommen, waren „Howlin“ und Smoley längst vor Ort und Sepp, Kulle und Gabi standen bereits auf der Bühne. Aus Blues in der Lausitz wurde plötzlich „LausitzBlues“. Auftritte des Trios im Real sind immer Heimspiele. Und so hatte das Ganze eher familiären Charakter; auch am Herrentag.

Hier wurde übrigens am 7. April 2007 das Konzert mit Igor Flach mitgeschnitten, welches 2009 auf CD gepresst  veröffentlicht worden ist und nicht nur ostwärts der Elbe für Aufmerksamkeit sorgte. „LausitzBlues“ hat sich längst über die Grenzen der Lausitz hinaus einen Namen gemacht.

In mehreren sets – unterbrochen von kurzen Pausen – bot „LausitzBlues“ einen Mix von Blues, Country und Rock’n Roll. Die Palette reichte von „Canned Heat“ über die Stones bis „Whitesnake“. Aber man hat auch Eigenes, wie „John Barleycorn“ oder „Alter Freund“ im Repertoire. Nicht schlecht staunte ich als ich plötzlich „Ratten“ von „Keimzeit“ hörte. Dieses Stück ist übrigens auf dem Soundtrack zu „Bye, Bye Lübben City“ zu hören. Spontan verließ Smoley seinen Platz, „stürmte“ die Bühne und blies so kräftig, dass er dabei seine Harp „zerschoss“.

Wer auf handgemachte, bodenständige Musik steht, dem sei „LausitzBlues“ wärmstens empfohlen. Gelegenheit dazu gibt es spätestens zur Rock- und Bluesnacht am 3. Juli 2010 in Groß Luja bei Spremberg.

Alles hat ein Ende. Gegen 15:00 Uhr verließen wir den renommierten Klub, der sich wegen zahlreicher namhafter liveacts, vornehmlich aus dem Genre Rootsmusik, längst einen Namen gemacht hat. Auf der A 13 dann, den Blinker gesetzt, links ausgeschert und die Warnblinkanlage eingeschaltet. Dieser unerlaubte Gruß galt einzig dem Mann im roten Audi.

Es sei noch angemerkt, dass Tourmanager Bernd, Insidern auch als „RockinXXL“ bekannt, regelmäßig auf www. emsvechtewelle.de gute Musik zum Besten gibt.

* 03. Mai 2010: The Band of Heathens in der Kulturbrauerei
10 Jahre "Cafe Garbaty". Die Feierlichkeiten begannen mit einem echten Knüller: The Band of Heathens. Einmal im Jahr ist Pflicht. 2008 in Lauchhammer, 2009 in Hannover und nun endlich in Berlin. Danke Eddy!
Annähernd einhundert Leute waren ins Maschinenhaus der Berliner Kulturbrauerei gekommen. Unter ihnen viele bekannte Gesichter: Ralf Rischke (Real Music Club), Manne Pokrandt (Engerling), Bernd Kühnert (Monokel), Michael Niedzwetzki (4 Pistoleros) und natürlich die Garbaty-Leute.

Die Musik die da gespielt wird hatte ich lange schon im Ohr, als ich im Maschinenhaus eintraf. Songs wie „Jackson Station“, „Nine Steps Down“ oder „Cornbread“ laufen regelmäßig in meinem Player. Die Band zählt zweifelsfrei zu den besten Vertretern des Roots Rock und wird geprägt durch das hohe Niveau der drei Songschreiber Colin Brooks, Gordy Quist und Ed Jurdi. Ergänzt werden sie von Bassist Seth Whitney und  John Chipman am Schlagzeug. Begonnen hatte alles in „Momo’s Club“ in Austin/Texas. Und nun ist man schon im vierten Jahr des Bestehens, hat zwei Live-Alben und zwei Studio-Alben zu bieten.

Als die Band gegen 20:30 Uhr die Bühne betritt, spüre ich unweigerlich die so typische Südstaatenatmosphäre und werde an die Glanzzeiten von „Greatful Dead“ oder „Little Feet“ erinnert. Es ist schon beeindruckend wie die Jungs mit den Stilen jonglieren und gekonnt Folk, Country und Blues miteinander verbinden, in ihren Songs immer wieder verhalten beginnen, sich dann gegenseitig vorantreiben; regelrecht „hoch schrauben“. Aber Markenzeichen der „Band of Heathens“ bleibt wohl der hervorragend aufeinander abgestimmte Satzgesang.

Dies scheint nicht nur mich zu überzeugen. Bereits ein Jahr nach ihrer Gründung räumte die Band beim „Austin Music Award“ ordentlich ab und siegte in den Sparten Best new Band, Band of the Year und Album of the Year. Ihr erstes Studioalbum „The Band of Heathens“ landete in 2008 auf Anhieb auf Platz 1 der Americanas Charts.

Auch an diesem Abend in Berlin brachte die Band das Publikum auf ihre Seite. Als nach zwei Stunden die Zugabe verklungen war, zwang minutenlanges rhythmisches Klatschen die Band zur Umkehr und es erklang endlich „Cornbread“. Jener Song der für mich neben „Hallelujah“ und „Shine A Light“ vom neuesten Album zu den Favoriten zählt.

* 30. April 2010: Dirty Past in der Kiste

  

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

* 23. April 2010: Monokel unplugged mit Matze Stolpe (harp) im Exilgarbaty

* 18. April 2010: Popa Chubby im Quasimodo/Berlin

Obwohl fest in der Ostszene verwurzelt, schielt ein Auge immer gen West. Es ist wie früher. Und westwärts tut sich jede Menge. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis ich mir den Popa Chubby aus der Nähe betrachten würde. Und nun war es soweit.

Wie viele Legenden kennt der Blues? Manch einer zählt den 1960 geborenen New Yorker dazu. Ein Blues-Schwergewicht ist er alle mal.

Vielleicht ist es gar nicht aufgefallen? Ich hatte schon Fotos noch vor dem Konzert hoch geladen. Wie geht das denn? Es gab zwei Konzerte in Berlin. Das Samstagskonzert war bereits nach kurzer Zeit ausverkauft und so entschloss man sich zu einem Zusatzkonzert. Schon am Sonntagvormittag bekam ich ein Feedback und erste Fotos geliefert. Danke Sylvia! Am Samstagabend war das Quasimodo bis auf den letzten Platz gefüllt. Es war heiß. Die Luft zum schneiden. Ich bevorzuge die etwas entspanntere Atmosphäre - muss mich ja bewegen - und ließ auf den Sonntag reservieren. Danke "Howlin" !

Mit reichlicher Verspätung betritt Chubby im Kiss-shirt (!) die Bühne, ruft "Do you feel good?" und legte los. Ja, ich fühlte mich gut. Krach nach meinem Geschmack. Die Songs gingen nahtlos in einander über. Falls jemand die Set-Liste erwartet? Fehlanzeige. Ich kenne sie nicht.  Nicht ganz. Den Hendrix und Chuck Berry habe ich schon erkannt. Schon nach dem dritten Song musste er sich schweißgebadet setzten. Ich nicht. Und dann kam irgendwann "Halleluja". Einfach herrlich. Punkt 0.00 h legte Drummer Tom Papadatos ein Schlagzeugsolo hin. Chubby legte die Gitarre beiseite, zog sich das bereitstehende drum-set heran und lieferte sich abwechselnd mit dem Drummer und seinem Bassisten A. J. Pappas ein Duell. Nach zwei Stunden war Schluss mit lustig. Aber eine Zugabe aus dem neuen Album "The Fight Is On" gab es dann noch. Man darf sich weiter streiten: ist das nun Rock oder Blues, was Chubby da abliefert? Aber ist das nicht egal?


* 17. April 2010: Kolophon in der Kiste/Tommy Thompson in Speiche's Rock-und Blueskneipe

* 11. April 2010: Larkin in Berlin


Marcus Schloussen

* 9. April 2010: Unbekannt verzogen & renft im Neu-Helgoland/Berlin

Unbekannt verzogen. Mietnomaden? An diesem Abend jedenfalls waren diese fünf Musiker im "Neu-Helgoland" in Berlin-Müggelheim untergekommen. Es war ihr erster Auftritt vor großem Publikum, auch wenn sicherlich ein Großteil der gut 200 Leute wegen "renft" gekommen war. Gegen 20:30 Uhr betrat Frontfrau Patti (Patricia Heidrich), gefolgt von vier Herren, die Bühne. So manch einer der Gäste im Saal war noch mit seinem Eisbein beschäftigt. No go!

Auf Marcus Schloussen (bg) war ich vorbereitet. Aber Axel Stammberger (g) in dieser Band zu begegnen, war für mich die Überraschung des Abends. Na, klingelt es? Stammberger hat 1975/76 zusammen mit Diestelmann bei "Vai hu" gespielt und ging später zur Band von Veronika Fischer.

In knapp 60 Minuten bot "Unbekannt verzogen" deutschsprachige Rocksongs, Balladen und Chansons. Fast alle Songs stammten aus eigener Feder. Bei einigen Titeln standen Dirk Zöllner und Christian Haase Pate. Zu hören gab es durchweg Titel mit eingängiger Melodie. Wider erwarten bin ich beim "Warteblues", der sich schon vom übrigen Repertoire unterschied, nicht vom Stuhl gefallen. "Piratenbräute" fand eher Zugang zu meinen sonst bluesverwöhnten Ohren. Man arbeitet übrigens am ersten Album.

 

Dann kam "renft". Die so arg gebeutelte Band spielt seit 2008 in der Besetzung mit Monster, Basskran, Delle und Pitti. Die alten Männer zeigten sich erstaunlicherweise vom Ambiente und der verhaltenen Stimmung im Saal unbeeindruckt. Weiße Dammasttischdecken zum Rockkonzert! Nicht zu fassen! Dennoch war es schön mal wieder die alten Renft-Songs zu hören. Auch wenn ich beim "Gänselieschen" mal eben rauchen gehen musste. Das war schon damals so. Letztmalig hatte ich "renft" auf dem Cäsar-Gedenkkonzert im Januar 2009 erlebt. Das Programm unterschied sich nicht wesentlich. Und so war ich auch nicht verwundert, als ich im "Neu-Helgoland" "Steppenwolf" und Bowie's "Heroes" zu hören bekam. Für mich, der als junger people für "The Butlers" mit Klaus Renft und Christiane Ufholz auf die Straße gegangen ist und seine frühe Jugend mit der "Klaus-Renft-Combo" und dem jungen Cäsar verbracht hat, stand längst fest, dass auch bei "renft" die "wilden Jahre" längst vorbei sind.

* 02. April 2010: Shawue in Berlin

"Shawue“ war in der Stadt. So oft ist die Folk-Rock-Band aus Luckau nicht in Berlin zu erleben, also machte ich mich auf den Weg in die „Kiste“. Ich wusste was mich erwartet: Folkmusik mit einem gewaltigen Schuss Rock und erkennbaren Einflüssen von Blues und Punk. Message-Folk bezeichnet die Band ihren Stil. Und ihre Nachrichten vermittelt die Band ihrem Publikum ausschließlich in deutscher Sprache. Frontmann und Bandgründer Lutz Neumann (Gesang, Mundharmonika, Gitarre, Mandoline) ist Vollblutmusiker. Die Anfänge der Band reichen bis in die 1980er Jahre zurück. Eine wechselvolle Geschichte, mit einigen Schaffenspausen, aber ihrem Stil ist die Band weitestgehend treu geblieben. Seit 2009 präsentiert sich "Shawue" als Familienunternehmen. Ehefrau Heike spielt Geige und Tochter Charlott Bassgitarre. Und Charlott kann auch singen. Das stellte sie bei dem Titel „Nach Hause“, geschrieben von Kurt Demmler, unter Beweis. Am Schlagzeug sitzt der junge Manuel Kaatsch und die Gitarre spielt Andreas Mann. Gelegentlich ist „Shawue“ auch mit  Uli John Roth zu erleben, der von 1973 bis 1978 bei den Scorpions spielte. Die Songs, welche wir in dem etwa 1,5 Stunden dauerndem Programm zu hören bekamen, stammen ausschließlich aus eigener Produktion. Darunter Songs, geschrieben von dem 2003 verstorbenen Bandmitglied Christian „James“ Müller.  Los ging es mit „Nacht“, und „Der Weg“, zwei gefühlsbetonten Nummer. Es folgen die Titelsongs der Alben „Scheißkerl“ aus dem Jahre 1997 und „Silbermond“ aus 2003. Eigentlich hatte ich auf „Teresa“ oder „Jokerman“ gehofft. Zwei frühe Werke der Band, die sie sozusagen bekannt gemacht haben. Die gab es an diesem Abend leider nicht zu hören. Aber was dann kam war so richtig nach meinem Geschmack. „Der Schrei“ wurde übergeleitet durch ein Schlagzeugsolo in die nächste Nummer. Zwei richtige Kracher. Beschlossen wurde der Abend mit einer eigenwilligen Bearbeitung der Dylan-Nummer: „Like A Rolling Stone“.

* 1. April 2010: Don't Tell Mama im Exilgarbaty


The Brew

* 26. März 2010: Whorehouse und The Brew in Torgau

Torgau ist immer eine Reise wert. Nicht nur weil ich dort das Trampen „erlernte“. Und nicht nur das. Back to the roots. Sondern weil die Macher der Kulturbastion alles was Rang und Namen hat und gerade greifbar ist, heran schaffen. Und heute war es „The Brew“. Die Jungs hatte ich in Berlin verpasst.

 

Als ich reichlich vor Konzertbeginn eintraf, war „Tag der Offenen Tür“ und ich marschierte durch bis in den „Saal“. Schon von weitem hörte ich  „That Smell“ von Lynyrd. Prima!  „Whorehouse“, die junge Band aus Torgau, die ich hier schon vorgestellt habe, war beim Soundcheck. Endlich lernte man sich mal persönlich kennen. Pünktlich 21:00 Uhr ließen es die vier Jungs ordentlich krachen. Man erlebt es nicht allzu oft, dass solche jungen Musiker den guten alten Rock’n Roll pflegen. Und sie hatten auch ihr – vorwiegend junges – Publikum. Gut so! Als sie dann den Bluesklassiker „Crossroads“ von Robert Johnson spielten, erwärmte das nicht nur das Herz des alten Bluesers, sondern erlebte dieser auch noch eine Überraschung. Marius Gebhardt verschönte diese Nummer mit einem gekonnten Schlagzeugsolo. So etwas ist selten geworden heutzutage. Gegen 22:00 Uhr war ihr Job als Opener getan. Wie ich inzwischen weiß, sind sie am 2.06.2010 im Berliner Rickenbackers zu erleben.

 

Umbaupause. Und dann kamen sie auf die Bühne, angekündigt als  „The Live-Sensation from England“. Auf der Insel haben die beiden jungen Ausnahmemusiker Jason Barwick (voc, g) und Kurtis Smith (dr) längst für Aufmerksamkeit gesorgt. Am Bass werden sie begleitet von Kurtis’ Vater. Es war tatsächlich eine sehenswerte Performance. Los ging es gleich mit zwei Nummern aus dem neuen Album. Die Nähe zu „Led Zeppelin“ und Jimi Hendrix war unverkennbar. Der „alte“ Falkenberger meinte nach dem Konzert, er habe lange nicht mehr so gut „Led Zeppelin“ gehört. Irgendwann gab es dann auch mal SRV zu hören und dann legte Kurtis ein weiteres Schlagzeugsolo hin. Unfassbar! Als Zugabe gab es dann kurz vor Mitternacht den Titelsong des neuen Albums „A Million Dead Stars“. Für mich zweifellos das Beste an diesem Abend.

 

Ach ja, für die Videos, demnächst an dieser Stelle, sorgte dieses mal „Sound Conduction“. Und er hat garantiert nicht verwackelt. Er hatte ja auch ein Stativ. Danke, Thomas.

 

Whorehouse & The Brew in der Kulturbastion

* 20.März 2010: Black Rosie in der "Kiste"

Fünf schwarze Rosen sind in der Stadt und rocken die "Kiste". The Fermale Tribute to AC/DC. Es war bereits nach 21:00 Uhr als Fred, der Herr der Kiste, endlich ans Mikrofon trat und die fünf Damen aus Wernigerode, Braunschweig, Hannover und Osnabrück ankündigte. Die standen längst in den Startlöchern und legten mit „Dirty Cheap“ ordentlich los. Im nun füllte sich die Fläche vor der Bühne. Die Kiste rockte. Die Mädels aus den Norden hatten das Publikum fest im Griff. „You schook me all night long“ schien das Motto des Abends zu sein. Dafür sorgte nicht zuletzt Frontfrau Karolina Blasek, ein Energiebündel, die es nicht lange auf der Bühne aushielt, plötzlich mitten unter den Tanzenden auf dem Boden kniete, die Hells Bells-Polonaise durch den Saal anführte und nicht nur einmal auf dem Tresen stehend sang. Schnell wurde mir klar, was sie da suchte: den Rotwein. Nicht nur sie war ins Schwitzen geraten. Es war kurz nach 24:00 Uhr als das Kistenteam mit einer Geburtstagstorte zur Bühne schritt und Karo gratulierte. Und dann brachte sie sich, auf dem Tresen sitzend, selbst ein Ständchen: „The Jack“.

Ein Wunder. Die „Kiste“ steht noch.


 

* 18. März 2010: Mick Taylor im Quasimodo

Es war am 6. Dezember 1969 in Altamont, als ein Mitglied der,  als security guard angeheuerten,  „Hell Angels“ den afroamerikanischen Konzertbesucher Meredith Hunter ermordete, während die Stones auf der Bühne „symphaty for the devil“ spielten. Leadgitarrist Mick Taylor stand damals neben Jagger und Richards auf der Bühne. Er hatte Anfang 1969 die Nachfolge von Brian Jones angetreten. Bis 1974 stand er bei den Stones im Schatten von Jagger und Richards und sorgte nicht zuletzt für einen bluesorientierten Sound. Und den brachte er an diesem Abend bis ins Berliner „Quasimodo“.

Er ließ lange auf sich warten. Gegen 22:30 Uhr betrat er endlich, begleitet von einer All-Star-Band, die Bühne. Das Berliner „Bluesvolk“ und eingefleischte Stonesfans standen dicht gedrängt einträchtig neben einander. So manch einer war beides. Wie bekannt sein dürfte, blieb seine nachfolgende Solokarriere von den Medien eher unbeachtet und seine Soloalben hatten kommerziell nur mäßigen Erfolg. Mit einem Song aus seinem ersten Studioalbum, veröffentlicht 1979, ging es dann auch los. Weitere folgten. Es waren vorzugsweise etwas gediegenere Nummern. Dazwischen zu hören Standards von „Cream“ bis Muddy Waters. Ach ja, die Stones gab es natürlich auch. Songs aus den Alben „Sticky Fingers“ und „Let It Bled“, an deren Produktion er beteiligt war.

Taylor präsentierte sich nicht als Superstar, sondern überzeugte durch seine musikalischen Qualitäten. Sicherlich ist sein Name nicht an vorderster Stelle der besten Gitarristen einzuordnen. Aber sein filigranes Gitarrenspiel war schon beachtenswert. Auf alle Fälle ein schöner Abend. Und wenn es der Lausitzer nicht verwackelt hat, gibt es hier auch bald ein Video von der Zugabe.


* 13. März 2020: Strings like Wings in der "Kiste "

Wie oft wohl habe ich „Smoke on the water“ schon gehört? Zu oft; aber „Fools“ ist schon geil. Lange nicht gehört hatte ich Thommy Ellwitz, den ich schon mehrfach mit der Berliner Gallagher-Tributband „Fuel to the fire“ erleben konnte. Nicht genug. Thommy singt auch bei „Feedback“ und „Kolophon“.  Er, dessen Stimme mich immer an Roger Chapman erinnert, die moderaten Preise in der „Kiste“ und die Aussicht viele bekannte Gesichter zu treffen, waren Anlass genug, mal nicht weite Wege zu fahren. Gegen 21:00 Uhr versammelte sich die Band auf der Bühne. Wider erwarten ging es los mit „Thin Lizzy“. No Problem. Aber schon beim zweiten Titel erklang „Deep Purple“ und die Tanzfläche füllte sich. Es folgten Alice Cooper, Jimi Hendrix, Stevie Ray Vaughan und immer wieder „Thin Lizzy“ und „Deep Purple“. Nicht schlecht staunte ich, als Thommy dann einen Song von „Pothead“ ankündigte. Eine Klasseband, die ich hoffentlich spätestens zum Potstock - Open Air in Hohenlobbese wieder erleben werde. Es sollte nicht die einzige Überraschung bleiben. Plötzlich erklang eine herrlich rockige Version der Beatlesnummer "Day Tripper" . Und ja, „Smoke on the water“ gab es dann auch noch. Aber da hatte ich schon einige Hefe weg und es war zu ertragen.

* 26. Februar 2010: Lynyrd Skynyrd in Berlin

Es war Anfang November 2009, mitten in der Nacht, als mich die Nachricht erreichte: „Hast Du schon gehört,  Lynyrd kommt nach Leipzig?“. Noch in der gleichen Nacht gab ich die Nachricht weiter. Am nächsten Morgen dann die Antwort: „Warum nicht in Berlin?“. Nur wenige Tage später lagen die Karten auf meinem Tisch. Und nun war es soweit. Schon Tage vorher hatte mich das Lynyrd-Fieber gepackt. Die Erinnerungen an Köln waren noch frisch.

Ein Treffpunkt war schnell ausgemacht. Speiches Kneipe. Die war geschlossen. Kein Wunder. Speiche war ja in der Schmeling-Halle. Kurz vor 20:00 Uhr hatten wir unseren Platz gefunden und die ersten Getränke gefasst. Die Halle bot noch immer ausreichend Platz. Kein Vergleich zum Kölner Palladium, wo wir dicht gedrängt standen und die Atemluft fehlte.

Dann betrat „Lake“ die Bühne. Eine mir unbekannte Band, deren Musik mich nicht erreichte. Ihr Auftritt dauerte auch nur knapp dreißig Minuten. Meiner Meinung nach war dieser act ungeeignet um die die Stimmung in der Halle „aufzuheizen“. Leider! Umbaupause.

Es ist 21.00 Uhr. Lynyrd betritt die Bühne. Johnny Van Zant, im typischen Bühnenoutfit, ergreift das Mikrofon. Die alten Männer Gary Rossington und Rickey Medlocke greifen in die Seiten. Es erklingt jener typische, exzellente Gitarrensound, für den wir die Band lieben gelernt haben.  Wahnsinn. Erster Song: „Southern Ways“ vom neuem Album „God and Guns“. Das siebzehnte Studioalbum der Band, welches im September 2009 veröffentlicht wurde. Es folgen: „What’s your Name?“, „That Smell“, „Simple Man“ und weitere Klassiker aus den Glanzzeiten der Band. Rossington vollführt seine Tänze wie eh und je. Einzig will ich mich noch nicht so recht mit dem dritten Gitarristen Mark Matejka anfreunden, der erst seit 2009 zur Band gehört. Irgendwann erklingen „God and Guns“ und „Still Unbroken“.  Die beiden Songs gehören für mich neben „Gifted Hands“ zu den high lights dieser Scheibe. Sechzig Minuten waren gespielt,  „Sweet Home Alabama“ verklungen, als die Band die Bühne verließ. Aber alle in der Halle wussten was jetzt kommen würde: „Free Bird“! Resümee: Auch mein viertes Livekonzert dieser Band wird mir in Erinnerung bleiben. Auch wenn es nicht an die voran gegangenen Konzerterlebnisse heran reichen konnte. Ursache war vor allem die verhaltene Stimmung in der Halle. Das lag sicher nicht nur an der allgemein bekannten Reserviertheit der Berliner, sondern mit Sicherheit auch an der schlechten Akustik in der Halle. Anfangs brachte ich das mit meinem Standort in Verbindung. Aber es war nicht nur mein Eindruck.

* 22. Februar 2010: Mitch Ryder&Engerling in Thyrow

Die Kulturscheune in Thyrow war mein Ziel an diesem Abend. In Scheunen – mit und ohne Kultur – habe ich mich schon oft genug herum getrieben. Nicht so in dieser, die etwas südlich von Ludwigsfelde liegt und auch für einen Berliner bequem zu erreichen ist. Der Laden war ganz annehmbar. Nur das Publikum wich deutlich von meinen üblichen Konzertbesuchen ab. Kaum einer der üblichen „Verdächtigen“ . Viel schlimmer. Der Altersdurschnitt lag deutlich jenseits der fünfzig. Und wenn mir vor Konzertbeginn nicht Engerlings-Manager Gert, Techniker Lutz Kühne, Heiner Witte und „Emmes“ vor die Füße gelaufen wären, hätte ich mich völlig „fremd“ gefühlt.

Egal. Ich war ja in angenehmer Begleitung und Mitch Ryder war es wert.

Das Rockurgestein aus Detroit ist seit 2002 regelmäßig mit „Engerling“ auf Deutschlandtour und das hat ihn inzwischen in Deutschland bekannter gemacht als zu Hause in den Staaten, auch wenn sein spektakulärer Auftritt 1979 beim WDR-Rockpalast in Essen so manch einem noch im Gedächtnis geblieben ist. Und genau aus dieser Zeit stammen Songs wie „Ain’t Nobody White Can Sing The Blues“, „Jenny Take A Ride“ und „Devil with a Blue Dress on“, die auch an diesem Abend nicht im Programm fehlten.  Aber dieses Jahr gab es eine Besonderheit. Mitch feierte irgendwo zwischen Kassel und Dortmund seinen 65. Geburtstag. Dem Alter entsprechend strahlt der Mann wie in den Jahren zuvor Ruhe und Gelassenheit aus; nicht so seine Musik. Die packt, fesselt und geht in die Beine. Jedenfalls in meine. Die „Engerlinge“, die auch in diesem Jahr durch Gisbert „Pitti“ Piatkowski (g) unterstützt wurden, wirkten kein wenig müde, obwohl sie schon einige Auftritte hinter sich hatten. Piatkowskis Karriere begann 1963 bei den „Klosterbrüdern“, jener Band, die ich damals als junger „People“ neben „Renft“ favorisierte. Heute spielt er bei der „Modern Soul Band“ und trat 2007 die Nachfolge des tödlich verunglückten Gitarristen Heinz Prüfer bei „Renft“ an. Die Engerlinge an dieser Stelle vorzustellen erübrigt sich.

Zwischen Songs der neueren Alben „A Dark Caucasian Blue“ und „You deserve my art“ gab es dann noch „Master of War“ von Bob Dylan und den Stones-Klassiker „Gimme Shelter“.  Die Engerlinge waren in ihrem Element.


Crinkle Cut




















* 18. Februar 2010: Bon Scott Tribute Night im Postbahnhof

Der 19. Februar ist zu einem Gedenktag für alle Rockliebhaber geworden. In der Nacht vom 19.02. zum 20.02.1980 erstickte Bon Scott im Vollrausch an seinem eigenen Erbrochenen. In Berlin gab es ihm zu Ehren am 18. Februar 2010 ein Tributkonzert im Postbahnhof (Fritzclub).

Der Fritzclub war gut, nicht übermäßig besucht. Eine angenehme Location, etwa vergleichbar mit dem Kesselhaus in der Kulturbrauerei. Wie viele AC/DC- Coverbands mag es wohl geben? Mir fallen spontan „Black Rosie“, „Dr.Kinski“ und „BON“ ein. Jede dieser Bands hat ihren eigenen Stil entwickelt und ist damit unvergleichbar geworden. Ich war also gespannt, was dieser Abend bringen wird. Über fünf Stunden AC/DC,  soviel war schon ein Mal klar. Und erstaunlicherweise war „TNT“ fast der einzige Titel der sich an diesem Abend wiederholte. Bei der Vielzahl der Bands war klar, jede konnte nur einen kurzen Ausschnitt aus ihrem Programm bieten. Das „line up“ hing irgendwo an der Wand. Ich „vergaß“ es zu beschlagnahmen. Also, muss ich mich auf mein Gedächtnis verlassen.

Kurz nach 19:30 Uhr ging es los. Opener war wohl „Crayfish“. Da geht es schon los. Das Gedächtnis! Die zweite Band war auf jeden Fall „LTP“ aus Berlin. Ich kannte sie schon von einem gemeinsamen Auftritt mit „Crinkle Cut“. Die drei Jungs stehen schon seit ewigen Zeiten auf der Bühne,  spielten munter drauf los und heizten das Publikum ordentlich an. Bemerkenswert war dann der Auftritt von „High Voltage“. Diese junge Band aus Thüringen dürfte nicht unbekannt sein. Sind sie doch zwischen Südbrandenburg, Sachsen und Thüringen ziemlich oft zu erleben. Es war auch die erste Band, welche sich eine Zugabe erlaubte und damit den Zeitplan gehörig durcheinander wirbelte. Bei „Offmywy“ aus Berlin „versuchte“ sich mit Anja Raue, die auch die Klampfe zu bedienen weiß, an diesem Abend erstmals eine Frau an „AC/DC“. Weitere Damen sollten folgen. „Offmyway“ war die einzige Band welche uns an diesem Abend mit „Liebst Du mich?“ eine gelungene Eigenkomposition „unter jubelte“. Dann kam „Hard Chair“ und mit der Band kam eine weitere Frau auf die Bühne. Nach langer Abstinenz feierte „Dieela“ an diesem Abend ihr Comeback. Doch vorerst tat sich gar nichts. Die Band hatte technische Probleme. Der Beginn verzögerte sich. Das Publikum wurde unruhig. Doch dann ließ man es ordentlich krachen und entschädigte uns. Dafür sorgte schon der Gitarrist. Ein mir wohl bekanntes Gesicht. Als Franco Calzone pflegt er an der Seite von „Lefty“ Linke im Salonorchester von Dr. Kinski die ganz leisen AC/DC-Töne. Doch er kann auch anders, ganz anders. Inzwischen war es kurz vor Mitternacht. Nur die ganz Harten hielten noch durch. Schließlich war es mitten in der Woche. Ein undankbarer Job für „Crinkle Cut“ aus Berlin. Aber die Band hat ihr eigenes Publikum. Und das stand in Reihe 1. Frontfrau „Gundi“ sorgte im heißen Outfit und mit ihrer markanten Rockröhre für ein weiteres Highlight an diesem gelungenen Abend. Für einen würdigen Abschluss sorgten dann die „AC/DCs“ aus Berlin. Die Band versucht weitgehend authentisch dem Original zu entsprechen und gehört zweifelsfrei zu den besten Tributbands Deutschlands. Am 13. Mai 2010 spielen sie zum Open Air in Audigast. Also, nicht verpassen!

* 05. Februar 2010: "Lello" Hansen (Rainer Lojewski)

„Lello“ Hansen (Ex-Engerling, Ex-Monokel) hatte Geburtstag. Auch Männer in den besten Jahren

sprechen nicht gern über ihr Alter. Und Musiker sowieso nicht. Gelten sie doch allgemein hin als eitel. Es bleibt daher unser Geheimnis. Seinen Geburtstag feiert man in Musikerkreisen nicht zu hause an der Kaffeetafel. „Lello“ lud ins „Queens“ nach Berlin-Pankow ein. Die Gästeliste war lang: Michael „Lefty“ Linke, Dicki Grimm, Bernd „Kuhle“ Kühnert, Bernd Haucke, Michael Niedzwetzki,

Tommy Thompson …

Natürlich waren auch die Rockfans aus dem „Haubachtal“ in Berlin-Charlottenburg und das Stammpublikum des Exilgarbaty gekommen. Ich entdeckte sogar Leute aus Ruhland und Cottbus, die ich üblicherweise bei "Monokel" in Forst, Torgau oder Finsterwalde treffe. Ich denke an die einhundert Gäste werden es schon gewesen sein.

Als ich gegen 21:00 Uhr das „Queens“, in dem der Garbaty e.V. inzwischen Exil gefunden hat, betrat, saß

„Lello“ längst hinter dem Schlagwerk und begrüßte seine Gäste auf der Bühne. Es dauerte nicht lange und

die „Pistoleros“ spielten los. Die Band war an diesem Abend nur zu dritt. Gitarrist Michael Findeisen fehlte. „Lefty“, Dicki und ich machten sich aber erst ein Mal über das reichhaltige Büfett her.

Erst nach einer reichlichen Stunde widmete ich mich dem Geschehen auf und vor der Bühne. Das Vergnügen dauerte nicht allzu lange und man entließ das Geburtstagskind.

Hinter das Schlagzeug kletterte nun Bernd Haucke und „Lefty“ Linke über nahm die Gitarre. In dieser Besetzung nennt man sich üblicherweise „Kuhle & Gang“. Los ging es mit Bob Dylan. Es folgten Fats Domino, die „Stones“, Iggy Pop…Über eine Stunde reihten sich die Rock- und Bluesklassiker nahtlos aneinander. Kurz vor Mitternacht kehrten die „Pistoleros“ nochmals auf die Bühne zurück. Aber da war ich bereits auf dem Heimweg. Die Pflicht rief!

 

* 4. Februar 2010: "Rolli" & Friends im Weisenhaus/Potsdam-Babelsberg

Roland „Rolli“ Beeg ist einer derjenigen, die den Blues in Potsdam am Leben erhalten. Den ostdeutschen Bluesliebhabern ist er kein Unbekannter. 1983 kam er zu „Handarbeit“ und spielte lange Jahre an der Seite von Peter Schmidt (East Blues Experience, Blex). Als Schmidt 1989 die Band verließ, machten seine Bandkollegen als „Pass over Blues“ weiter. „Pass over Blues“ gibt es seitdem als Trio oder Quartett. Vierter Mann ist der Bassist Lutz Mohri, der auch an diesem Abend auf der kleinen Bühne stand.

Nach längerer Pause brachte „Rolli“ den Blues zurück ins „Weisenhaus“ nach Potsdam-Babelsberg und präsentierte: „Rolli“ and friends“. Und wie man hörte, soll es künftig an jedem ersten Donnerstag im Monat unter diesem Markenzeichen Blues im „Weisenhaus“ geben. Als Freund hatte „Rolli“ zum Auftakt den Berliner Tom Blacksmith eingeladen, der üblicherweise mit den „Soulminers“ auf der Bühne steht.

 

* 16.01.10: Engerling und Monokel in Landsberg

Habt ihr schon ein Mal, auf der Rettungsstelle liegend, den „Narkoseblues“ gehört? Glaubt mir, das hat was!

Und nun war es wieder an der Zeit ihn zu tanzen. Also ab nach Landsberg. Der Saal im „Goldenen Löwen“ hat den Charme eines Dorfgasthofes aus DDR-Zeiten. Daran konnten auch die bunten Lämpchen, die Spiegel an den Wänden und die weißen Decken auf den Tischen nichts ändern. Gegen 21:30 Uhr ging es los. Der Saal war gut gefüllt.

Bis zum „Narkoseblues“ sollte es noch etwas dauern. Vorerst marschierte die Kraftbluesbrigade von „Monokel“ in bekannter Weise quer durch den Saal auf die Bühne und legte mit „Berlin, Berlin“ ordentlich los. Beide Bands an einem Abend war ein gewichtiger Grund für so manchen die Reise nach Sachsen-Anhalt trotz winterlicher Straßenverhältnisse zu wagen.

Bei „Monokel“ stand erneut Holly Burnette am Bass. Seine Premiere bei „Monokel“ hatte er schon vor einiger Zeit im Cottbuser „Bebel“. Im Dezember war Holly mit Bela B auf Tour, wurde in dieser Zeit von einem alten Bekannten, Christoph Frenz, vertreten, der vor einem Jahr bei „Monokel“ ausgeschieden und zu „Polkaholic“ gewechselt war. Zwischen alt bekannten Monokelsongs gab es auch das jüngste Stück „Wahrheiten“ zu hören. Mehr noch, es gab auch ganz neue Töne zu hören. „Gala“ macht offensichtlich seine Androhung wahr und hält im fernen Spanien nicht nur Siesta, sondern schreibt auch neue Texte. Wie zu erfahren war, wird er im Mai nach Deutschland kommen und es sich nicht nehmen lassen, „seine“ Monokelband auf der Bühne zu unterstützen. Gegen 23:00 Uhr, als „Bye, bye Lübben City“ verklungen war, war auch Schluss mit lustig. Man verstaute eiligst das Equipment im Boogiemobil und verschwand in Richtung Berlin. Eigentlich schade. Irgendwie hatte ich gehofft, es gäbe ein gemeinsames Finale wie damals im Sommer 2007 in Berlin-Biesdorf, als „Engerling“ und „Monokel“ mit der Magda Piskorczyk gemeinsam auf der Bühne gestanden haben. Der Hammer!

Die „Engerlinge“ kamen. Die Hardcore-Fans aus Berlin, Saarmund, Halle, Wurzen und Falkenberg hatten längst vor der Bühne Stellung bezogen. Bis nach 01:00 Uhr reihten sich die Songs fast nahtlos aneinander. Älteres und Neueres war zu hören. Dieses Mal ausschließlich eigene Titel aus 35 Jahren „Engerling“. Aber kein Engerling-Konzert ohne Stones. An diesem Abend in Landsberg war es: She’s Like a rainbow“. „Da hilft kein Jammern“. Irgendwann ist jedes Konzert zu Ende. Dieses Stück stammt übrigens aus den Anfangsjahren der „Engerling-Blues-Band“, wie man sich damals noch nannte und in den „Kuhle“ Kühnert noch bei den Engerlingen spielte.

 

* 09.01.10: Jonathan & Gäste in der WABE
Langsam, ganz langsam wollte ich es angehen lassen. Und am Anfang sah das auch ganz danach aus. Aber spätestens nach der Pause wurde das 'ne richtig geile Danceparty und zum Schluss standen 15 Musiker auf der Bühne.
Begonnen hatte die Jonathan-Blues-Band. In den 70er Jahren spielten sie in der ostdeutschen Bluesszene ganz oben mit. Jonathan in der üblichen Stammbesetzung. Dauergäste sind seit Jahren Matze Stolpe an der harp und Christiane Ufholz, die mit cross roads gleich richtig loslegte und als sie dann den Titelsong aus dem DEFA-Film "Solo Sunny" (im Film gesungen von Regine Dobberschütz, auch ne Leipzigerin) sang, gab es sogar Gänsehautfeeling. Peter Papst hatte noch einen zweiten Gitarristen mitgebracht. Der hat sogar gesungen. Bei Monokel darf er das nicht: "Kuhle" Kühnert. Nach der Pause kam "Hugo " Laartz mit seiner Modern Soul Band auf die Bühne und verstärkte Jonathan. Der erste Song "going down" und man blieb nicht mehr sitzen. Es folgten Stevie Wonder und die sex-machine von James Brown.
Dann kam noch einer auf die Bühne. Henry Kotowski, Urgestein, der schon Ende der 1960er mit den Sputniks im Treptower Jazzkeller die Kühe fliegen ließ. Sein erster Song war der Clapton-Titel: Cocain...
Droge pur.