2011   35 Jahre 

* 19. Dezember 2011: Roger Chapman & The Shortlist im Kesselhaus Berlin

Wieder einmal hatte das Garbaty-Team einen hervorragenden Liveact auf die Bühne des Kesselhauses in der Berliner Kulturbrauerei geholt. Und die Freunde guter Rockmusik waren zahlreich erschienen, unter ihnen eine Vielzahl bekannter Gesichter: Gert Leiser, Hansi Biebl (!), Jörg „Speiche“ Schütze… Eddy Czesnick – der sowieso! Ganz besonders gefreut hat mich, „Stormin‘ Norman“ zu treffen. Wer weiß, wann man „Chappo“ noch einmal zu sehen bekommt, mussten einige wohl gedacht haben. Immerhin ist Roger Chapman stolze 69 Jahre alt. Auch der Titel seiner diesjährigen Tour „Maybe The Last Time“ ließ nichts Gutes erahnen.

In Anlehnung an den Tour-Titel begann Chapman pünktlich 20.30 Uhr mit der Stones-Nummer „The Last Time“. Schon nach der ersten Nummer wurde klar, der Mann gehört noch lange nicht zum alten Eisen. Im Gegenteil! Er zeigte sich erstaunlich fit und munter, scherzte mit seinem Publikum und rockte das Kesselhaus. Geboten bekamen wir gewissermaßen einen Querschnitt seines musikalischen Schaffens von seinem ersten Album bis zu seinem neuesten Song, darunter natürlich Klassiker, wie „Sweet Vanilla“, „Midnite Child“ oder „Prisoner“. Letzterer Titel ist mein persönlicher Favorit. Das Programm neigte sich dem Ende zu. Ungeduldig verlangte das Publikum nach „Shadow On The Wall“, wohl sein größter Hit. Immerhin hat diese mit Mike Oldfield 1983 aufgenommen Nummer damals Platz 3 in den deutschen Charts erreicht. Als dann nach 22.00 Uhr endlich Schadow erklang, war auch Schluss mit lustig. Doch der Meister ließ sich nicht lange bitten, kam erneut auf die Bühne und sang seine Version von „Let’s Spend The Night Together“. Mit dieser Nummer startete er 1978 ziemlich erfolgreich seine Solokarriere. Ich glaube, „My Friend The Sun“ war dann endgültig die letzte Nummer.

Auch wenn sein eigenwilliger Mix aus Rock, Soul und Funk mich nicht immer erreichte – seine Stimmer war noch immer prägnant -, war es ein vergnüglicher Abend. Schade nur, dass aus dem gemeinsamen Auftritt der beiden Gitarristen Geoff Whitehorn und Steve Simpson nichts wurde. Simpson hat aus gesundheitlichen Gründen die Tour absagen müssen.

* 19. November 2911: Kirsche&Co + Monokel im E-Werk Zossen

Samstagabend, „E-Werk“ Zossen. Soweit nach Norden haben sich – meines Wissens – „Kirsche&Co.“ noch nie „gewagt“. Nun, Zossen – sind nicht unbedingt „die Bretter, die die Welt bedeuten“, aber eine feine Location ist das E-Werk allemal. Und für uns Berliner ist das quasi „Hausschuhbereich“. Wer, wie ich nun seit ein paar Jahren die Open Airs von Prießnitz bis Gößnitz besucht, trifft fast überall auf die Erfurter Band. Doch meist spielen sie spät in der Nacht resp. am frühen Morgen oder „verziehen“ sich als „Junimond“ in die Zelte. An diesen Abend nun herrschten beste Bedingungen. „Kirsche“ war der „Opener“, sodass ich mir vornahm, etwas genauer auf die Texte zu achten.

Andreas „Kirsche“ Kirchner stand Anfang der 1980er Jahre an der Seite von Wilfried Woigk (The Polars) in der Thüringer Bluesrock-Formation „Pasch“. 1986 stieß sein späterer langjähriger Weggefährte, Gitarrist Klaus Müller von Baczko, zu „Pasch“. Er hatte zuvor bei „Blues 78“ und „Brenda“ gespielt. Ende 1987 verließen beide „Pasch“, gründeten „Kirsche&Co“, eine Band mit der sie ihre musikalischen Intentionen besser verwirklichen konnten. Ihnen zur Seite stehen Bassist Mario Zink und Olaf „Otto“ Köhler.

„Kirsche&Co“ haben sich von Anbeginn deutschsprachiger Rockmusik verschrieben. Die Nähe zu Rio Reiser und der Scherben-Family ist unverkennbar. Für mich steht Kirsche damit in einer Reihe mit „Freygang“ oder „Dritte Wahl“. Die Band hat fast ausschließlich Eigenkompositionen im Programm; veröffentlichte 1991 mit „Dann ist es soweit“ das erste Album. Inzwischen können sie auf elf Alben verweisen; Ausdruck der Kreativität Kirchners. Mit Songs, wie „Ihr könnt mich mal“, „Ich muss hier raus“ oder „Ich will nicht werden was mein Alter ist“ trifft Kirsche den Nerv seines Publikums. Das sind Texte, mit denen auch ich etwas anfangen kann. Mit „Deshalb liebe ich Dich“ zeigte er, das er auch anders kann. Meine Favoriten sind jedoch zweifelsfrei „Immer noch verrückt“ und „Halts Maul und Tanz mit mir“. Beide Titel stammen aus dem Album „Schluss mit lustig“ aus dem Jahre 2008.

Inzwischen war es schon fast 23.00 Uhr geworden, als endlich die Kraftbluesbrigade von „Monokel“ nach der Melodie „Das ist die Berliner Luft“, ihrem üblichen Intro, auf die Bühne marschierte und dem sich wie immer „Berlin, Berlin“ anschloss, einem Kracher ganz nach meinem Geschmack. Ich gestehe, „Monokel“ war der eigentliche Grund meiner Anwesenheit in Zossen. Es wurde höchste Zeit, zumal die Herren bei ihrer 35-Jahr-Feier kürzlich im Berliner „frannz“ auf meine Anwesenheit verzichten mussten. Seltsam – die Band findet immer einen Grund zum Feiern. An diesem Abend war es der Geburtstag von Techniker Frank.

Gute 1,5 Stunden dauerte das Programm. Das Publikum hatte seinen Spaß mit all den Monokel-Klassikern. Insider wissen, dass die Band im Hinblick auf das diesjährige Jubiläum angestrengt gearbeitet hat, um neues Material präsentieren zu können. Zeit für eine neue Scheibe ist es. So ist „Wahrheiten“ schon seit Anfang des Jahres im Programm. An diesen Abend bekam ich mit „Lass mich gehen“ und „Komm zu mir“ zwei weitere neue Nummern erstmals zu hören. Erklingt dann „Bye, bye Lübben City“ weiß man, es ist vorbei. Die Herren ließen sich jedoch nicht lange bitten und legten mit „Goin‘ down“ nach. Aber das Publikum wollte immer noch mehr. „Lefty“ stimmte den Dylan-Song „Maggie’s Farm“ an, und aus der Monokel-Party wurde ein richtiges Fest! Wehmütig dachte ich an Biesdorf zurück;  jenem Abend, als „Monokel“ mit „Engerling“ und der Magda aus Warschau jenen Song zelebrierten.

 

* 12. November 2011: Voodoo Lounge in Bad Salzuflen

Bahnhof Bad Salzuflen. Unglaublich! 17.30 Uhr werden dort die Rollos runter gelassen und die Türen verschlossen. Dann geht gar nichts mehr. Gut so, denn ab 19.00 Uhr residiert der Rock and Roll im Bahnhof. Nette Location mit Blick auf die Gleise. Die Bühne befindet sich in der „LOKation“, ein Raum der mit etwa 200 Leuten gut gefüllt ist. Und an diesem Abend war er mehr als gut gefüllt. Dem schließt sich das Bistro an. Mit etwas Glück kann man auch vom Bistro aus das Geschehen auf der Bühne verfolgen. Zu hören war die Band allemal auch dort. Und wenn das immer noch nicht reichen sollte, gibt es ja noch die Bahnhofshalle, die bei Konzerten als Lounge herhalten muss.

21.00 Uhr: Die Stones-Cover-Band „Voodoo Lounge“ aus Braunschweig bahnt sich mühselig den Weg durch die Massen auf die Bühne. Allen voran Bobby Ballasch (voc, harm), der durchaus als der kleine Bruder von Mick durchgehen könnte. Schon nach dem ersten Song (Brown Sugar) perlen dicke Schweißtropfen von seinem Gesicht. Volle 60 Minuten springt der Mann wie ein Derwisch über die Bühne. Unglaublich woher er die Energie nahm. Ihm zur Seite standen die beiden Gitarristen Dennis Czerner und Martin Haucke. Den Bass spielte Immo Bense und die Orgel Dirk Wachsmuth. Es schien, als wäre Drummer Eric Laabs der Einzige gewesen, der an diesem Abend nicht aus der Ruhe zu bringen war. Nach dem ersten Set verließen die Männer schweißgebadet die Bühne. Gern gönnte man ihnen die längere Pause. Selbst als Wachsmuth diese unfreiwillig verlängerte – er hatte seine Ohrstöpsel vergessen -, kam beim Publikum kein Unmut auf. Das zweite Set samt Zugaben dauerte bis kurz vor Mitternacht. Es schien als habe das Publikum noch lange nicht genug. Doch alles hat sein Ende.

Wie viele Stones-Coverbands gibt es eigentlich? Spontan fallen mir: „Tumbling Dice“, „Heart Of Stone“, „Starfucker“ und „Get Stoned“ ein. Und alle haben sich mit einem Attribut geschmückt. Die Braunschweiger nennen sich sogar „Europes Greatest Rolling-Stones-Show (??). Wer will das beurteilen? Egal! Die Jungs waren gut, den Leuten hat es gefallen…und mir auch! Interessanterweise sind die Niedersachsen quasi Stammgäste in der Linde in Affalter.

 

* 10. November 2011 Postbahnhof Berlin
The Giants of Blues Rock: Popa Chubby vs. Walter Trout

 

„Quasimodo“ goes East. Es war abzusehen, dass der Platz in dem renommierten Klub in der City-West nicht ausreichen würde. Man wich deshalb in den „Postbahnhof“ gegenüber der „Eastside Gallery“ aus. Berlin war die zweite Station der ersten gemeinsamen Europatournee der beiden Bluesrocker, die sie noch bis Ende November von Deutschland über Frankreich bis nach Großbritannien führt. Es war die Gelegenheit, nach Julian Sas, nun zwei weitere hervorragende Bluesrock-Gitarristen hautnah zu erleben. Bereits im Vorfeld überschlugen sich die Schlagzeilen. Zu lesen war u.a. vom Duell der Giganten und einem vorgezogenen Weihnachtsfest. Die Erwartungen waren also hoch. Und um es gleich vorweg zu nehmen, sie wurden erfüllt. Ein Fest war es allemal.

21.00 Uhr: Der schwergewichtige Popa Chubby aus New York betrat die Bühne. Im Gepäck hatte er sein neuestes Album „Back To The New York City“. Immerhin Nummer 20! Wer wie ich Popa schon mehrfach erlebt hat, weiß, dass dieser Jimi Hendrix huldigt. Aber er tut es nicht, indem er den Meister 1:1 kopiert, sondern lässt in seine Musik Elemente des Hardrock, Rap und Hip Hop einfließen, und verleiht ihr damit eine moderne Note. Keine Ahnung, ob und wie lange Chubby nicht in New York war. Der Titel des Albums ist wohl eher als eine Besinnung auf die Anfänge, einen Verzicht auf musikalische Experimente zu verstehen.

Gut siebzig Minuten dauerte seine schweißtreibende Show, in der Neues und Altes, wie „Back Door Men“ oder „Foxy Lady“, gleichermaßen zu hören war. Natürlich durften seine Versionen von „Purple Haze“ und „Hey Joe“ nicht fehlen. Nach dem es das begeisterte Publikum lauthals ein geklagt hatte, gab es dann auch  das gefühlvolle „Hallelujah“ und der „Saal“ sang mit. Wenn auch sein Auftritt, gemessen an seine früheren Konzerte, etwas kurz ausfiel, so erlebte ich an diesem Abend einen Popa Chubby, wie ich ihn kennen gelernt hatte. Und doch! Etwas war anders. Im Gegensatz zu früheren Konzerten, in denen die Stücke nahtlos ineinander übergingen, legte der 51-Jährige an diesem Abend auffällig viele Pausen zwischen den Nummern ein. Wollte er sich für die angekündigte Jamsession mit Walter Trout schonen? Und noch eine Neuerung gab es. Chubby hatte einen neuen Drummer, der sich redlich mühte. Vielleicht lag es ja daran, oder aber an der fehlenden Zeit, dass uns der Bluesrocker das sonst übliche Drumm-Duell mit seinem Schlagzeuger vor enthielt.

Nach längerer Umbaupause kam dann endlich Walter Trout, begleitet von seiner Band „The Radicals“. Schon nach den ersten Nummern wurde klar, Trout fühlte sich stärker an den Blues gebunden. Wen wundert es, wenn man weiß, dass er einst bei John Lee Hooker begann, danach bei „Canned Heat“ und in der Band von John Mayall sein „Handwerk“ erlernte, bis er dann 1989 seine erste eigene Band und mit „Life In The Jungle“ 1990 sein hoch gelobtes Debütalbum veröffentlichte. Ihm zur Seite stehen Michael Leasure (dr) und seit 2005 Bassist Rick Knapp. Meine ganz besondere Aufmerksamkeit fand Sammy Arila an der Hammond-Orgel; nicht, weil ich fast unmittelbar vor ihm stand. In dieser Besetzung stand die Band dem „Jon Lord Bluesproject“ in nichts nach.

Trout, der 1951 in New Jersey geboren wurde, hat zwar bei weitem nicht so viele Alben wie Chubby veröffentlicht, gibt aber im Durchschnitt bemerkenswerte 200 Konzerte im Jahr.

Inzwischen war Roadie und Tourmanager Andrew Erlt (längst das fünfte Bandmitglied) auf die Bühne gekommen und übernahm den Background-Gesang. Als er sich dann die Gitarre um gehangen hatte, sich obendrein als Solosänger „versuchte“, wurde es sehr rockig. Dem Publikum gefiel es.

Inzwischen war es 23.15 Uhr geworden. Popa Chubby betrat nochmals die Bühne. Spannung kam auf, als Popa den Klassiker „going down“ anstimmte und sich die beiden Gitarrenhereos eine wahre Schlacht lieferten. Auch wenn aus der angekündigten Session nur diese eine gemeinsame Nummer wurde, - manch einer hatte mehr erwartet - so steht fest: das Erlebnis des Jahres!

 

Ein klasse Konzert mit hervorragender Gitarrenarbeit und einem fetten Sound auf beiden Seiten. Und im Duell der Giganten war Chubby der Lautere und Trout der Bessere, so jedenfalls mein Eindruck!

„We wants more!“




 

* 29. Oktober 2011: 9. Bowers&Wilkins Rhythm 'n Blues Festival in Halle/Westfalen mit "Crazy" Chris Kramer, Jessy Martens & Band, Julian Sas Band und Gail Duncan & Word Up Band

Der Abend war gerade erst eröffnet, da gab es schon einen Ausblick auf das nächste Jahr. Am 27. Oktober 2012 feiert man in Halle/Westfalen eine grandiose Jubiläumsparty mit den Highlights aus 10 Jahren Festivalgeschichte. Rudy Rotta, Walter Trout und Bernard Allison haben bereits jetzt zugesagt.

 

Pünktlich 18.00 Uhr betrat „Crazy“ Chris Kramer mit seiner Band die Bühne im „Gerry Weber Event & Convention Center“. Und genau DER war auch ein gewichtiger Grund für meine Anwesenheit in Halle/Westfalen. Ich wollte endlich mal den „Sonderling“ aus dem Ruhrpott live erleben, der sich dem deutschsprachigen Blues verschrieben hat.

Die Band hatte er erst vor ein paar Wochen neu formiert. Schnell wurde klar, dass Kramer bei der Auswahl seiner Begleitmusiker ein glückliches Händchen gehabt haben musste, oder aber einen guten Scout. Allesamt Profis. Drummer Charly T. kann auf dreißig Jahre Bühnenpräsenz und mehr als 100 Musikproduktionen verweisen. Er saß schon bei Nena, Gianna Nannini und Westernhagen hinter dem Schlagzeug. Bassist Martin Engelien wurde bei Klaus Lage „abgeworben“. Als begehrter Studiomusiker und Produzent hat er sich inzwischen auf mehr als 150 CDs verewigt. Gitarrist Benni Bilgeri stammt aus Oestreich und hat u.a. schon mit Falco, Tom Waits und Al Jarreau zusammen gespielt. Gut neunzig Minuten dauerte das Programm, in dem sowohl klassische Bluesnummern als auch betont rockige Stücke Platz hatten, wie beispielsweise der Titelsong der neuen CD „Volle Kraft voraus“, die für den Februar 2012 angekündigt wurde. In den Geschichten, die Kramer zu erzählen hat, geht es meist um Liebe, Trennung und Sehnsucht, aber auch um das was Kramer macht: gute Musik. Irgendwann gab es eine Hommage an Bo Diddley. Zwei wirklich schöne Stücke sind „Es tut weh“ und „Du musst gehen“ aus dem Album „Komm mit“. Mit letzterem Titel verabschiedete sich die Band. Doch zuvor gab es noch „Biggis Bier Bar“ aus dem in 2009 veröffentlichten Album „… unterwegs“. In diesem Stück brillierte Engelien mit einem spitzenmäßigen Basssolo und Drummer Charly T, der seine Sticks beiseite gelegt hatte, stand ihm mit seinem Soloauftritt in nichts nach. Und Kramer hat mich nicht nur mit seinem Harpspiel überzeugt. Kein Wunder, dass er der Autor des meistverkauftesten deutschsprachigen Mundharmonika-Lehrbuches ist. Seine raue, brüchige Stimme ist bestens angetan, Bluesfeeling pur zu transportieren.

 

Es war bereits 19.45 Uhr geworden. Hardcore-Fans hatten längst ihre Plätze verlassen und sich vor der Bühne positioniert, als die junge Hamburgerin Jessy Martens die Bühne betrat. Ihr zur Seite Jan Fischer (key), der gerade erst mit dem German Blues Award ausgezeichnet worden ist. Eigentlich sollte es an diesem Abend das Record Release Konzert werden. Nun erscheint ihr neues Album „One Minute Love“ erst im November und es wurde „nur“ die Premiere des neuen Programms. Auch sie hat eine relativ neue Band. Zusammengefunden hat man sich Ende 2010. Neben Fischer wird sie von Roman Werner (g), Tom Rohloff (bg) und Christian Kolf (dr) begleitet.

Nach dem Auftritt der Band in Eutin titelte rocktimes.de „Deutschlands neue Lady Blues“ und schrieb weiter, sie habe eine Stimme zum Niederknien. Soweit kam es bei mir nicht. Fakt ist: diese Frau hat nicht nur viel Stimme und viel Power sondern auch erstklassige Musiker an ihrer Seite. Besonders der junge Gitarrist erweckte meine Aufmerksamkeit.

Begonnen hatte die Band mit dem Titelsong aus dem neuen Album „Brand New Ride“. Und es gab noch viel mehr Neues zu hören. Doch meine Favoriten sind vor allem „Born Under A Bad Sign“  und „Merriday“. Aber der „Bringer“ ist wohl „Begging You For Mercy“.

Wahnsinn! Wie ein Energiebündel fegte Jessy Martens volle neunzig Minuten über die Bühne, versuchte immer wieder das Publikum zum hand clapping oder gar zum Aufstehen zu überreden, und fand sogar den Weg von der Bühne auf die Tische des staunenden Publikums. Und das Publikum dankte es ihr. Erst nach drei Zugaben ließ man sie und ihre Band ziehen. Verabschiedet hatte sie sich mit einem Song von Amy Winehouse. Die Nähe zu dieser Ausnahmemusikerin war während des gesamten Auftritts unverkennbar.

 

Es folgte der Holländer Julian Sas mit seiner Band. Angekündigt wurde er uns als Nachfolger von Jimi Hendrix. Dies halte ich für überzogen, auch wenn seine Qualitäten unbestritten sind und die Nähe zu Jimi durchaus zu erkennen ist. Ich sehe ihn eher in einer Reihe mit Popa Chubby. Seit mehr als 10 Jahren ist Sas inzwischen mit wechselnden Besetzungen unterwegs; meist aber in der klassischen Dreierbesetzung. Seit 2001 wird Sas am Bass von Tenne „Little T“ Tahamata begleitet und seit 2005 sitzt Rob Heyne am Schlagzeug.

Für meine Begriffe spielte Sas an diesem Abend eher verhalten. Ich hatte ihn anders in Erinnerung. Doch das war in Köln, als er der „Anheizer“ für „Lynyrd Skynyrd“ war. Hier war man in Halle, einem beschaulichen Städtchen am Rande des Teutoburger Waldes.

Highlight seines Auftritts in Halle war in meinen Augen die eigenwillige Interpretation von „Hey Joe“. Sas huldigte aber ebenso Rory Gallagher („I Wonder Who“) und Altmeister John Lee Hooker. Aber Sas hat auch Eigenes zu bieten, wie den „Slow Blues“, das rockigere „Driftin Boogie“ und den „Blues For J“; eine wunderschöne Bluesnummer. Inzwischen war Sas auch lauter geworden und ich ins Schwitzen geraten.

 

Kurz vor Mitternacht begann der letzte Act. Die Afroamerikanerin Gail Duncan aus Washington D.C., die inzwischen in Frankfurt a. Main lebt, begleitet von der „Word Up Band“ aus Frankfurt, bediente die gesamte Bandbreite von Soul, Funk, Blues bis zu Gospel; vor allem Titel von Aretha Franklin, Tina Turner und Diana Ross. Im Duett mit Clint Grimes gab es dann u.a. „Maria, Maria“ von Carlos Santana und „You Can’t Hurry Love“ von Phil Colins.

Ihr Auftritt rundete den Konzertmarathon in Halle/Westfalen ab.

 

Bleibt anzumerken: Das Ambiente im „Gerry Weber Event & Convention Center“ hätte eher zu Florian Silbereisen gepasst. Aber wo bitte erlebt man schon einmal etwa 1400 (!) Zuschauer auf einem Blueskonzert?

Einer von ihnen war übrigens Musikproduzent Leslie Mandoki, der einst mit „Dschingis Khan“ die Bühnen rockte.



* 24. September 2011: John Banse, Moon + Freygang-Band in der Kulturgiesserei Schöneiche

Gegen Verführung

aus dem Album "Orange" (2009)
Musik: Freygang
Text: Bertolt Brecht

Laßt euch nicht verführen!

Es gibt keine Wiederkehr.
Der Tag steht in den Türen;
Ihr könnt schon Nachtwind spüren:
Es kommt kein Morgen mehr.

Laßt euch nicht betrügen!

Das Leben wenig ist.
Schlürft es in vollen Zügen!
Es wird euch nicht genügen
Wenn ihr es lassen müßt!

Laßt euch nicht vertrösten!

Ihr habt nicht zu viel Zeit!
Laßt Moder den Erlösten!
Das Leben ist am größten:
Es steht nicht mehr bereit.

Laßt euch nicht verführen

Zu Fron und Ausgezehr!
Was kann euch Angst noch rühren?
Ihr sterbt mit allen Tieren
Und es kommt nichts nachher.

Um Zeit zu sparen, fuhr ich nach dem Dienst auf direktem Wege nach Schöneiche. Dort angekommen, hatte ich plötzlich zu viel davon. Es sollte noch bis 21.00 Uhr dauern, bis endlich Liedermacher John Banse den Abend eröffnete.

 

Banse, Jahrgang 1955, versteht sich als „Ziehsohn“ von Rio Reiser und stammt aus dem Umfeld der Scherbenfamily. Es ist daher nicht verwunderlich, dass er in seinem halbstündigen Programm neben eigenen Songs, wie „Wenn die Nacht am tiefsten“ , „Nur die Lieder“ oder „Gegen Walfänger“ auch einige Songs von Rio im Programm hatte. Am Bekanntesten ist wohl „Mein Name ist Mensch“. Diesen Titel hat John erstmals am 1. September 1996 im Berliner „Tempodrom“ auf dem Rio-Reiser-Abschiedskonzert öffentlich gesungen und hat ihn heute noch immer im Programm. Interessant zu beobachten war, wie textsicher das Freygang-Publikum war. Übrigens, auf dem Abschiedskonzert traten neben Herbert Grönemeyer und Ulla Meinecke auch Lutz Kerschowski, Keimzeit, Engerling und Freygang auf. Es war meine erste Begegnung mit ihm. Zum Glück hatte ich DEN Insider an meiner Seite, und erfuhr so Interessantes aus dem Leben von John Banse.

 

Eine gute halbe Stunde war vergangen, als „Moon“ die Bühne betrat. Diese junge Band stand nicht zum ersten Mal mit Freygang auf der Bühne. Kaum waren die ersten Akkorde zu hören, raunte man mir ins Ohr: „Na, das ist doch was nach deinem Geschmack.“ Und das war es auch. Minimalste Besetzung (Schlagzeug, E-Gitarre) – und trotzdem gab es gehörig etwas auf die Ohren. Die Band spielt einen urwüchsigen, kraftvollen Mix aus Blues und Rock mit starken psychedelischen Einflüssen. Mir scheint, da reift etwas heran. Demnächst spielen sie im Berliner Wild at Heart. Die Gelegenheit.

 

Spät war es geworden, als endlich der Hauptact des Abends auf der Bühne stand. Freygang – immer noch auf Kurs.

 

Angesichts des vollen Saales meinte der Chef des Hauses beim Abschied befriedigt zu mir, er würde jetzt immer Punkbands holen, dann würde sein Laden brummen. Ich will es nicht hoffen. Stehen doch demnächst die Hamburg Blues Band, Engerling und Monokel in der Kulturgießerei auf dem Programmzettel.

 

 

* 17. September 2011: Schwarzbrenner - unplugged - im art.gerecht/Berlin
* 16. September 2011: Spacerock mit iluminators und Hawklords (ex-Hawkwind) in Berlin-Biesdorf

* 26. August 2011: 60 Jahre Blues in Leipzig: "Codse" Malditz mit "Mama Basuto" & Gästen

Ausgerechnet den heißesten Tag des Jahres hatte sich „Codse“ Malditz für seine Jubiläumsparty ausgesucht. Wie immer rechtzeitig erscheinend, ergatterte ich mir ein schattiges Plätzchen unweit des Getränkestandes. Und das war gut so, denn die Parkbühne im ehemaligen „Arthur-Brettschneider-Park“ wurde voll, sehr voll. Leider waren nur wenige der üblichen Verdächtigen auszumachen. Aber ein kleines Häuflein Unentwegter fand sich dann doch. So erfuhr man dann auch wie es in Groß Lindow, Milow oder zur Session im Garbaty war. Schließlich kann man nicht überall sein. Schnell wurden noch ein paar Termine ausgetauscht und Verabredungen getroffen, dann ging es auch schon los.

60 Jahre alt geworden ist der Gründer von „Mama Basuto“ und kein bischen leise. Die Besetzungsliste dieser Band ist fast genau so lang, wie ihre Geschichte. In den 1970er Jahren wusste man oftmals bis kurz vor Konzertbeginn nicht, wer wohl an diesem Abend als "Mama Basuto" auf der Bühne stehen würde. So war es nicht verwunderlich, dass eine Menge ehemalige Mitstreiter und Kollegen gekommen waren. Seit 1970 gibt es diese Band, die damit zu den ältesten ostdeutschen Bluesbands gehört.

Pünktlich um 19:30 Uhr begann die Show, die immer mal wieder durch Gratulanten unterbrochen wurde. Natürlich gab es auch ein Geburtstagsständchen und sogar ein Gedicht, in dem man amüsantes über die Herkunft seines Spitznamens erfahren konnte. Die Band, die üblicherweise in der klassischen Dreierbesetzung spielt, hatte sich zur Feier des Tages nicht nur verjüngt, sondern auch ordentlich vermehrt. Neben Gründungsmitglied Micha Malditz gehören seit den 1990er Jahren Bassist Frank Taeubert und Drummer Frank Traeger zu Stammbesetzung, die sich immer mal wieder mit Gastmusikern verstärkt. An diesem Abend standen gleich acht Herren auf der Bühne und spielten sich quer durch die lange Bluesgeschichte. "Everyday I Have The Blues", so das Motto der Herren, die sich dem authentischen Blues verschrieben haben. Verstärkt hatte man sich unter anderem mit Thilo "Blondi" Klemm (g), Erik "Guitar" Heyner (g) und dem jungen Harper Thomas Hanke, der später im Duo mit Jörg Schneider (g) auftrat und für seine Soli immer wieder Zwischenapplaus einheimste. Den Saxophonisten hatte man sich von der Leipziger Soulkapelle „Feelmen“ ausgeliehen. Doch damit nicht genug. Die Wechsel auf der Bühne häuften sich. Aus Berlin war Drummer Franz Fischer, auch ein ehemaliges Bandmitglied, angereist. Auch Peter „Steel“ Kautz war unter den Gästen. Er hatte einst mit „Erbse“ Moser bei „Lilienthal“ gespielt. Moser war es übrigens, der nach dem fast alle Mitglieder von „Mama Basuto“ in die Bundesrepublik ausgereist waren, die Band im Westberliner Exil neu erstehen ließ. Nicht zu vergessen Dr. Slide. Auch er hat lange im Westen der Republik gelebt und ist in der dortigen Bluesszene kein Unbekannter. Nach der Wende kehrte er nach Leipzig zurück, hat eine längere Krankheit überstanden und ist nun wieder öfters auf den Bühnen der Region zu erleben.

Es war bereits weit nach 22:00 Uhr. Noch immer lief das Konzert auf der Parkbühne Geyserhaus. In Berlin wäre längst das Umweltamt rigoros eingeschritten. So langsam setzte sich das Bluesvolk in Richtung „UnterRock“ in Bewegung. Auch ich machte mich auf den Weg. Im „UnterRock“ empfing mich angenehme Kühle. Noch war die kleine Bühne leer. Aber es dauerte nicht lange, dann kam Dr. Slide, setzte sich auf den Stuhl und begann zu spielen; unberührt davon, dass nach und nach die Musiker von der Parkbühne kamen, hinter seinem Rücken ihre Anlagen aufbauten und ihn begleiteten. Als es dann richtig eng geworden war auf der kleinen Bühne, und das Bluesvolk in Stimmung gekommen war, bedeutete mir ein Blick auf die Uhr: Es wurde Zeit. Schließlich hatte ich den längsten Heimweg.

* 21. August 2011: Hans die Geige in Hönow

* 3. August 2011: Robert Plant & Band of Joy in Berlin-Spandau

Nach eineranstrengenden Tour durch Russland, bei Temperaturen um die 35 Grad, machtenRobert Plant & Band of Joy am 3. August 2011 via Warschau Station inBerlin. Es gab nur einen einzigen Konzerttermin in Deutschland. Sein letzterBesuch hierzulande liegt immerhin schon 5 Jahre zurück. (Wann war eigentlichJimmy Page das letzte Mal in Deutschland?) So war es nicht verwunderlich, dassdie Fans guter Rockmusik in Scharen kamen. Hier und da waren auch auswärtigeDialekte zu hören. Immerhin waren über 6 000 Leute in die Zitadelle nachSpandau gekommen, um dem Spektakel beizuwohnen. Mindestens jeder Dritte deranwesenden Herren hatte sich zur Feier des Tages mit einem Led-Zeppelin-Shirtgeschmückt.


Mit „Led Zeppelin“ging es dann auch kurz vor 20:00 Uhr los. Bereits nach den ersten Akkorden von„Black Dog“ wurde klar; ja – das war unverkennbar die Stimme von „LedZeppelin“, aber nicht „Led Zeppelin“. Eben Robert Plant & Band of Joy!

 

Plant gehörte von1968 bis 1980 ununterbrochen dieser Band an; einer der erfolgreichsten Rockbands aller Zeiten. Nach dem Tod von JohnBonham löste sich „Led Zeppelin“ im Dezember 1980 auf und fand sich nur ein Malin 2007 für ein Benefizkonzert erneut zusammen. Seine Solokarriere starteteRobert Plant 1982. Am erfolgreichsten war er, als er ab 2007 mit derUS-amerikanischen Bluegrass-Sängerin Alison Krauss zusammen arbeitete. Ihrgemeinsames Album „Raising Sand“ wurde im Jahr 2009 mit fünf Grammys bedacht.

 

Schon mit der zweitenNummer „Down To The Sea“ bot er einen Einblick in seine jüngsteSchaffensperiode. Dieser Song stammt von dem 1993 veröffentlichten Album „FateOf Nations“. Die nächste Nummer „Angel Dance“ und das später folgende Stück„Monkey“ wurden mit der „Band of Joy“ aufgenommen und stammen aus dem in 2010veröffentlichten, gleichnamigen Album. Diese und die folgenden Stücke warendeutlich von Folk und Country beeinflusst. Dies ist mit Sicherheit dem Umstandgeschuldet, dass ihm als Co-Produzent Buddy Miller, die Gitarrenlegende ausNashville, zur Seite stand. So auch an diesem Abend auf der Bühne. Songs, wie„Black Country Woman“ und „Four Winds Blow“, fanden sofort Zugang zu meinenOhren. Doch bevor es die und mehr zu hören gab, folgte mit „Thank You“ einweiterer Song aus der Zeppelin-Ära. Diese romantische Liebesballade schriebPlant für seine damalige Frau. Veröffentlicht wurde sie 1969 auf dem Album „Led Zeppelin II“. DiesemSong, so wie auch den später folgenden Zeppelin-Songs „Misty Mountain Hop“ oder„Ramblin On“, mit dem Plant das Konzert beendete, verlieh er eine eigenständigeNote und unterstrich so, was er nach dem Konzert zum Ausdruck brachte: „LedZeppelin“ sei für ihn eine sehr wichtige Zeit gewesen. Aber sie sei vorbei undwürde nicht wieder kommen. Interessant war zu beobachten, dass Plant währenddes Konzerts seinen Musikerkollegen Miller, der erstmals auf einer deutschenBühne stand, dem Multitalent Darrell Scott und der jungen Patty Griffin, die inbeeindruckender Weise den Song „ Ocean Of Tears“ darbot, genügend Freiraum botund sich im Hintergrund damit „begnügte“ , sie mit der zweiten Stimmegesanglich zu unterstützen. Spätestens bei „Misty Mountain Hop“ waren dieZuschauer „in Fahrt“ gekommen und so wurde dann auch die Zugabe mit„Bron-Yr-Aur Stomp“ und Gallows Pole“ ein würdiger Abschluss eineseindrucksvollen Konzerts; auch wenn einige der Zeppelin-Fans mit hängendenKöpfen nach Hause gingen. Hatten sie doch mehr erwartet. Für mich jedoch warder Abend wieder ein Mal ein bleibendes Konzerterlebnis. Und bitte – wannbekommt man schon ein Mal die Chance einen echten „Zeppelin“ anfassen zudürfen? Danke, Norman!

* 16. Juli 2011: "Die blaue Bande" (West) trifft "Monokel" (Ost) in Minden/Westfalen

Die Überraschung war gelungen, als ich gegen 19.00 Uhr den Innenhof des BZA in Minden betrat und geradewegs auf den Tisch zusteuerte, an dem die Kraftbluesbrigade Platz genommen hatte und dem Soundcheck der „Blauen Bande“ lauschte. Ich fand, die Monokler hätten etwas Unterstützung nötig, wenn sie im Westen der Republik auftreten, wo die Mehrheit noch nie etwas von einer Ostbluesszene gehört hat.

 

Zur Minderheit gehört der Frontmann der „Blauen Bande“, der nicht ohne Grund ausgerechnet eine Ostband zu einem gemeinsamen Gig eingeladen hatte. Hat er doch, wie er mir berichtete, zwei richtige Raritäten in seiner Plattensammlung: die erste LP von „Engerling“ und eine der Amiga-Scheiben von Diestelmann. Noch ein weiterer Mindener outete sich mir gegenüber als Kenner der Ostszene. Er - ehemaliger DDR-Bürger - hatte vor lauter Vorfreude darauf, dass er nach mehr als 20 Jahren endlich mal wieder seine Lieblingsband „Monokel“  zu hören bekam, einige Biere zu viel getrunken, sodass er das Konzert nicht mehr erlebte. Wenigstens trägt er jetzt ein Monokel-Shirt! Das ist doch auch schon etwas.

 

Inzwischen war es 20.00 Uhr geworden. Die Location war nur spärlich besucht. Vielleicht lag es an den dicken, grauen Regenwolken, die über Minden in Richtung der Weser zogen, oder aber es lag an dem Stadtfest. Nur wenige hundert Meter weiter spielte zeitgleich „Juli“. „Monokel“ nahm es gelassen. „Lefty“ Linke meinte später auf der Bühne, es sei ihnen eine besondere Freude vor einem „erlesenen“ Publikum spielen zu dürfen. Die Mindener sollten sich reichlich vermehren. Dann käme man auch wieder.

Doch vorerst betraten die Lokalmatadore die Bühne, und das taten sie erstmals seit 22 Jahren wieder. Solange hatte man pausiert und sich anderen musikalischen Stilrichtungen zugewandt. Eine Stunde lang bot die „Blaue Bande“ Bluesrock, ausnahmslos mit deutschen Texten. Diese hatten, wie in „Afrika“ deutliche politische Botschaften oder aber erzählten Alltagsgeschichten. Als besonders hörenswert, sind mir „Schrei es raus“ und „Wir haben keine Zeit“ im Gedächtnis geblieben.

 

Gegen 21.30 Uhr betrat „Monokel“ die Bühne und bot über 90 Minuten hinweg eine kraftvolle, energiegeladene Show, wie ich sie lang nicht mehr erlebt hatte, und die beim Publikum einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Zu hören gab es neben einigen Coversongs von Peter Green bis „ZZ-Top“, neuere Songs aus dem Monokel-Repertoire, wie „Wahrheiten“ und „Komm zu mir“, vor allem aber die Monokel-Klassiker von „Immer noch da“ bis „Bye, bye Lübben-City“. „Lefty“, der  in gewohnter Weise durch das Programm führte, fügte extra für das Mindener Publikum ein paar erklärende Worte zum Inhalt an, wie beim „Monster vom Schilkinsee“. Wenn auch der  Beifall und die Zugabe-Rufe im Anschluss, gemessen an den 450 Leuten in Spremberg eine Woche zuvor, eher dünn ausfielen, war es jedoch eine einhellige Bekundung aller Anwesenden. Fazit. Der Abend in Minden war zumindest teilweise Entschädigung für die verpasste Jubiläumsparty in Spremberg. Zum Glück gibt es ja am 7. Oktober im Berliner „frannz“ einen kräftigen Jubiläums-Nachschlag. 

 

* 2. Juli 2011: Prießnitz Open Air

* 11. Juni 2011: Doc Holliday support: VanderLinde (NL) in Lauchhammer

Legenden sterben nie! Zumindest war im Vorfeld zu lesen, dies sei definitiv die letzte Europatournee der Southern-Rocker in Originalbesetzung. Wer diese Band also noch ein letztes Mal erleben wolle, solle sich dies nicht entgehen lassen. Ich hatte „Doc Holliday“ noch nicht live gehört, sodass mir die Entscheidung nicht schwer fiel. Die Leute, die am Torgauer Entenfang bereits ein Bier für mich kaltgestellt hatten, mögen mir verzeihen.

Also ab ins „Vattenfallland“. Schon ein Blick auf die gegenüber dem Real Music Club abgestellten Autos, deutete daraufhin, dass es eng werden würde. Angereist war man aus Berlin, Cottbus, Dresden und Leipzig. Selbst ein Nürnberger-Kennzeichen war zu entdecken. Beim Betreten ließ ich meinen Blick schweifen und registrierte mit Interesse die – vorzugsweise von den anwesenden Herren zwischen 40 und 50 – getragene T-Shirts. Die Aufschriften reichten von „Lynyrd Skynyrd“ über „MollyHatchet“ und „Blackfoot“ bis hin zu „Gov’t Mule“. Ich hatte mich zur Feier desTages mit einem „Hogjaw-Shirt“ geschmückt und befand mich damit in guter Gesellschaft.

Kurz nach 20:30 Uhr ging es endlich los. „VanderLinde“ aus Groeningen (Holland) betrat die Bühne. Gerade erst hatte die Band ihr neues, in den USA aufgenommenes Album „Wind and Rain“ fertig gestellt und stellte dieses nun auf ihrer Deutschlandtour vor. Die Songs stammen aus der Feder von Arjan van der Linde, der in der Band den Bass spielt.Nach Southern-Rock klang das nicht. Die Band selbst bezeichnet ihren Stil als ein Konglomerat aus „Eagles“, „Dire Straits“, „Beatles“, „ELO“, „Crowed House“und „Yes“. Manches klang ziemlich hart, und genau dann klang die Stimme des Sängers etwas dünn. Anderes plätscherte eher so dahin. Mein Eindruck: gefällige Musik, ohne nennenswerte Aufreger.

Dann kam jene Band,auf die alle gewartet hatten, und die allgemein hin als die beste Southernrock-Band der zweiten Generation gilt. „The 30th Anniversary – FarewellTour“ soll nun auch ihre letzte Tour gewesen sein. In 30 Jahren hat „DocHolliday“ 12 Alben eingespielt, über 1000 Konzerte gegeben und Höhen und Tiefen erlebt. 1980 gegründet, stand die Band in den Anfangsjahren mit „Molly Hatchet“, „Black Sabbath“, Blackfoot“ und anderen namhaften Bands auf der Bühne. Ihr Debütalbum „Doc Holliday“ schaffte es 1981 unter die ersten 30 in den Billboard Charts. Das dritte Album, 1983 erschienen, war ein Versuch zeitgenössische Musik mit dem Southern-Sound zu verbinden. Dieser Versuch misslang jedoch. Die Scheibe floppte. Die Band, die in Macon / Georgia zu Hause ist, zerfiel, wagte aber 1986 einen Neuanfang. Mit den in den 1990er Jahren veröffentlichten Alben und ihrer Europatournee 1999 gelang endgültig der Durchbruch. Ihr Auftritt zur Silvesterparty 2000 am Brandenburger Tor in Berlin zählt zweifelsfrei zu den Höhepunkten in der 30 jährigen Bandgeschichte. Im Januar 2011 veröffentlichte man mit „From The Voult“ ihre bislang letzte CD. Im Verlauf des Abends zeigte sich, auch wenn das Markenzeichen -Southern-Rock-Legende - zutreffend ist, ein typischer Vertreter dieses Genres ist „Doc Holliday“ nicht. Das liegt vor allem daran, dass im Programm typische Southern-Rock-Nummern, wie beispielsweise „Rebel Girl“, von klassischen Rock-Nummern, teils mit unverkennbarem Bluestouch, abgelöst wurden. Anderes dagegen, wie „Better Road“, ist sehr countrylastig. Auffällig war auch, dass das kraftvolle Orgelspiel von Eddi Stone über weite Strecken dominierte und die ausgezeichnete Gitarrenarbeit teilweise im Orgelsound regelrecht unterging.Dennoch haben auch „Doc Holliday“ ihre Southernhymnen, wie „Redneck Rock’n Roll Band“ oder „Lonesome Guitar“. Letzterer Song war an diesem Abend der Höhepunkt.Das Publikum, welches bei „Bo Diddley“ noch von Bruce Brookshire zum mitsingen animiert werden musste, sang plötzlich freiwillig mit. Und als dann auch noch die Südstaatenflagge über die Köpfe geschwenkt wurde, hatte das so typische Southern-Feeling auch den Letzten im Saal erreicht.

 

 


* 04. Juni 2011: Berlin Summer Rave im Flughafen Tempelhof/Berlin mit Marusha, Westbam, Ostfunk u.a.


Sepp mit Zeitlos

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

* 02. Juni 2011: Lausitzblues in Lauchhammer

Ich kam spät nach Lauchhammer, aber nicht zu spät. Die Herrentagsparty (Frauen sind ausdrücklich erwünscht) mit „Lausitzblues“ im „Real Music Club“ Lauchhammer hat schon Tradition. Immer wenn „Lausitzblues“ spielt, bin ich auf Überraschungen eingestellt. Tobias Hillig (Moods of Ally, Vicki Vomit, Tumbling Dice) in Lauchhammer anzutreffen, kam für mich nicht überraschend. Ich war vorbereitet. Seit Kulles Ausstieg bei „Lausitzblues“, komplettiert „Tobi“ das Trio. Aber Peter Schmidt (East Blues Experience) in Lauchhammer anzutreffen, darauf war ich nicht gefasst. Sein „Arbeitsbesuch“ in Lauchhammer, kam selbst für die Akteure überraschend.

Vorerst produzierten sich zwei Herren von „Zeitlos“ auf der Bühne. Zeit, um ein paar bekannte Leute und Ralf, den Chef des Hauses, zu begrüßen. Doch dann legte „Lausitzblues“ nochmals nach. Selbst nach Stunden zeigten Gabi, Sepp und Tobi keine Ermüdungserscheinungen, waren voller Spielfreude und gut gelaunt. „Lausitzblues“ – das ist handgemachte Musik, eine Mixtur aus Blues, Rock und Country. In den folgenden sets gab es Bekanntes und weniger Bekanntes, gecovert mit einer eigenständigen Note und gekrönt durch die markante Stimme von Sepp. Die Palette reichte von den Stones über „Greateful Dead“ und Willy DeVille bis zu Gundermann, der in der Lausitz zu Hause war und - nicht nur dort - noch nicht vergessen ist. Längst vergessen aber hatte ich den Renftklassiker „Arbeitszeit“, der dann irgendwann folgte. Wann wohl habe ich diesen Titel das letzte Mal gehört? Danke, Lausitzblues!


Tobi Hillig

* 21. Mai 2011: Johnny Mastro & The Mamas Boys in Torgau
* 14. Mai 2011: Joseph Parsons Band in Hannover-Isernhagen

Ich hatte mal wieder„geschäftlich“ in Hannover zu tun. Und immer wenn ich in Hannover bin, ist einBesuch im „Home of Blues“ Pflicht. Joseph Parsons Band stand auf demProgrammzettel. Nach heißen Südstaatenblues klang das nicht, den gab es amAbend zuvor mit „Delta Moon“. Auf der Fahrt nach Hannover stimmte ich mit J.J.Cale, CSN, Dylan and Co. ein. Ich wusste, was mich erwartet.

 

Pünktlich 21.00 Uhrerklang aus der Konserve das Intro „Jessica“. Parsons, gefolgt von seinerjungen Begleitband, betrat die Bühne. Die Band, das sind der aus Deutschlandstammende Drummer Sven Hansen, Freddi Lubitz (bg, voc), der inzwischen inHolland lebt, und der US-Amerikaner Ross Bellenoit (g, lap steel, voc).Parsons, Jahrgang 1964, stammt ursprünglich aus Pennsylviana, lebt aberinzwischen in Philadelphia. Nach „Slaughterhouse Live“, „Heavens Abore“ und„Falling“ hat der Songschreiber mit „Hope For Centuries“ sein viertes Albumeingespielt, welches am 10. Juni in die Läden kommt. Am 23. April startete er seineRecord Release – Tour durch Deutschland, die ihn u. a. auch nach Weimar, Halleund in den Real Music Club nach Lauchhammer führte. Mit dem neuen Albumpräsentiert Parsons 13 neue Songs aus eigener Feder. Es sind vor allemGeschichten von Liebe, Sehnsüchten, aber auch den Schattenseiten des Lebens,wie Aids (Roman & Michel), die Parsons zu erzählen hat.

 

Parsons, derabwechselnd E-Gitarre und Akustikgitarre bediente, zog schon nach den erstenMinuten, durch seine symphatische Ausstrahlung und mit seiner emotionalansprechenden Stimme das Publikum auf seine Seite. Seine Begleiter hingegenwirkten anfänglich noch ziemlich „verklemmt“, doch das änderte sich im Verlaufdes Abends. Besonders auffällig zeigte sich das bei Lubitz, der seinerwachsenden Spiellaune durch Mimik und Gestik Ausdruck zu verleihen wusste. Imersten Set dominierten liedhafte Stücke, wie „Color Of Love“, die mirpersönlich teilweise etwas zu „softig“ waren. Doch auch das änderte sich imzweiten Set. Nummern, wie „Spiritual“ oder „Cruel Hard World“, die demHardrock-Folk zu zurechnen sind, trafen schon eher meinen Geschmack. „SittingOn Top Of The World“ ist zweifellos einer von Parsons‘ bemerkenswertestenSongs. Geschrieben hat er ihn gemeinsam mit Elliot Murphy, mit dem Parsonsbefreundet ist.

Gefallen haben auch diebrillanten Gitarrensoli von Ross Bellenoit. Am Lap Steel offenbarte er seinganzes Können und wuchs förmlich über sich hinaus. Aber überzeugt hat mich dieTruppe vor allem durch den stimmlich hervorragend aufeinander abgestimmtenSatzgesang. Immer dann wenn Bellenoit und Lubitz ihren Frontmann gesanglichunterstützten, fühlte ich mich in die besten Zeiten von Crosby, Stills und Nashversetzt. „No Nosgaise“, die Zugabe, wurde von den drei Herren fast a cappella,einzig begleitet durch Parsons akustischer Gitarre, vorgetragen und unterstrichdamit eindrucksvoll meinen längst gewonnen Eindruck über die gesanglichen Qualitäten dieser Band.

 

 



* 26. April 2011: First time in Germany:   Hogjaw im White Trash/Berlin

Berlin ist immer eine Reise wert – mussten wohl die Jungs aus Tucson/Arizona gedacht haben. Und so gaben sie auf ihrer ersten Europatournee ihr einziges Deutschlandkonzert in der Hauptstadt. Aber warum ausgerechnet im „White Trash“? Als ich beim Betreten auch noch mitbekam, dass das Konzert im Restaurant, statt in der Longe stattfindet, ging die Stimmungskurve steil nach unten. Das änderte sich erst, als sich der harte Kern der Berliner Southern Rockfans zu versammeln begann. Und nicht nur die. Der Typ neben mir war extra aus dem thüringischen Altenburg angereist. Jahrgang 54. Das sind die ganz Harten! Es dominierten die Shirts mit der Aufschrift „Blackberry Smoke“. Prima! Offensichtlich hat sich diese Klasseband endgültig in die erste Liga gespielt. Der DJ mühte sich redlich, um die Stimmung anzuheizen, legte eine Southernrocklegende nach der anderen auf. Mit reichlich 30 Minuten Verspätung kam die Band endlich. Gezeigt hatten sie sich schon mehrfach. Zwischenzeitlich hatte man auch die Tische vor der kleinen Bühne entfernt, so dass es „Hogjaw“ zum Anfassen gab. „Hogjaw“ – das sind: Jonboat Jones (voc, g), Kreg Self (g), Elvis DD (bg) und J. „Kwall“ Kowalski (dr).

Etwa 90 Minuten dauerte das Feuerwerk. Schon nach den ersten Songs hatten sich die Männer auf der Bühne ins Schwitzen gespielt. Es gab nichts zu bereuen. Anders als sonst, wenn eine mir unbekannte Band spielt, hatte ich mich schon Wochen vorher mit „Hogjaw“ beschäftigt, sodass ich einige Stücke sofort wiedererkannte. Was die Männer zu bieten hatten, war rauer, harter Bluesrock mit einem Schuss Hardrock und Country. Auch wenn Besetzung, Anlage und die Akustik im „Saal“ bei weitem nicht den Sound von LS „rüber“ brachten, so fühlte ich mich an deren Glanzzeiten erinnert. Eindeutig härter als LS - knüpfen sie wohl eher bei „Molly Hatchet“ oder „Steepwater“ an. Harte, laute Nummern im Stile von Stonerrock, wie „Swamp“, gingen in „sanfte“ Balladen über; keine von ihnen unter sechs Minuten Länge. Bei „This Whiskey“ passiert der Tempowechsel sogar mitten im Song. Klasse! Diese Nummer hat in meinen Augen das Zeug eine moderne Southern Hymne zu werden. 2006 gegründet, machte „Hogjaw“ in den Staaten schon mit ihrem Debütalbum „Devil in The Details“ auf sich aufmerksam. Das im letzten Jahr veröffentlichte Album „Iroonwood“ wird in Fachkreisen als Juwel gehandelt. Nach „Blackberry Smoke“ erlebte ich erneut eine Southern Rock-Band der neuen Generation, die diese Musik zeitlos und mit voller Power zelebrieren. Long live Southern Rock. Bleibt anzumerken, in den Real Music Club oder auch ins Manitu hätten die Jungs besser gepasst!

* 16. April 2011: The Stormbirds in Berlin

Einen halben Tag lang war ich damit beschäftigt gewesen Tapete an die Decke zu kleistern, dann fiel mir die „Decke auf den Kopf“. Ich musste raus.

Also, ab in die Köpenicker Altstadt zur Kneipennacht. Die Bands, welche ich zu finden glaubte – waren sie mir doch per Newsletter schon vor einiger Zeit angekündigt worden – fand ich nicht. Aber, ich fand „The Stormbirds“. Bingo! Auf dem Weg zur Schlossinsel fielen mir Songs wie „Loverman“ oder „Seven Hands“ ein. Piratenblues – nennen die Sturmvögel ihre Musik. Unweigerlich musste ich dabei an jenen Mann denken, der einst mit Dreizack und Piratenflagge auf der Bühne stand und dessen Blues bewaffnet war. Derartige Assoziationen beim Namen „Bob Beeman“ kommen nicht ganz von ungefähr. Wer oder was ist Bob Beeman? Beeman ist ein junger Gitarrist – ab und an greift er auch zu Bluesharp und Trompete -, Sänger, Songschreiber und der Kopf der „Stormbirds“. Aber eigentlich ist er bzw. war er Frontmann und Sänger der Berliner Band „Mothers Little Helpers“. Überraschend verkündete diese Band Anfang 2010 ihr Aus. So fand Beeman mehr Zeit für sein zweites Bandprojekt, schrieb neue Songs und nahm in 2010 mit „Inferno“ sein zweites Studioalbum auf. Bei den Sturmvögeln gibt es noch ein zweites mir wohl bekanntes Gesicht: Viktor Schiel (g, harm, voc). Viktor ist Frontmann der „Hempbells“, jener Band in der sein Bruder Bertram am Schlagzeug sitzt. Bertram war an diesem Abend unabkömmlich. Er feierte seinen 30. Geburtstag. Glückwunsch!

Anfänglich war das Publikum noch viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Schade! Doch schon beim zweiten Set wurde es voller im Schloss Café und der eigenwillige Mix aus Deltablues, Swampmusic und Country erreichte nun auch die Zuschauer. Beeman wusste vor allem durch seinen ausdrucksstarken Gesang zu überzeugen. Nicht genug! Der Mann ist "Vollblutmusiker". Amüsant führte er durchs Programm und sorgte nicht nur einmal für Heiterkeit, zum Beispiel als der Bassist nach der Pause auf sich warten ließ. Mich überzeugte aber vor allem der Satzgesang der beiden Gitarristen. Er erinnerte mich ein wenig an „The Band of Heathens“. Im Programm gab es vorzugsweise Stücke aus dem neuen Album, von denen mir besonders „The Navigator“ im Ohr geblieben ist.

 

* 14. April 2011: Schwarzbrenner – unplugged – im Pica-Pica/Berlin

Bislang kannte ich die Schwarzbrenner aus Düsseldorf nur von der Konserve. Nun gab es „Schwarzbrenner“ zum Anfassen. Frontmann Wolfgang Becker (voc, g) und Christoph Keisers (perc) waren nach Berlin gekommen. Üblicherweise spielt die Band in der klassischen Dreierbesetzung. Den Bass bedient Rolf Menzen.

Am Vormittag waren sie Gast im Studio „Alex“, dem neuen Berliner Offenen Kanal, und am Abend standen sie bei „Crazy Words“ im Pica-Pica auf der improvisierten Bühne. Es war ihr erster Auftritt in der Stadt des Mannes, dem sie mit ihrer Musik ein Denkmal gesetzt haben. Die Bluesrocker vom Niederrhein spielen einen Mix aus deutschsprachigen Rock, Blues und Balladen und verwenden ausschließlich Texte des expressionistischen Dichters Georg Heym, der mit 25 Jahren in Berlin tödlich verunglückte.

Becker und Keisers stellten im „Pica-Pica“ ihr Programm „Stadt am Abend“ vor. Die Songs stammen aus der gleichnamigen, aktuellen Doppel-CD, die 2010 entstanden ist. Los ging es mit „Juninacht“. Danach folgte „Tod der Liebenden im Meer“. Letzterer Titel ist einer meiner Lieblingssongs aus dem Doppelalbum, welches ich seit geraumer Zeit mein eigen nenne. Leider war es mir nicht gegönnt das gesamte Programm zu erleben. Aber das holen wir spätestens im September nach, wenn „Schwarzbrenner“ bei rockradio.de in „Speiches Blues- und Rockkneipe“ zu Gast ist.

* 9. April 2011: Don't Tell Mama im Acud/Berlin

* 25. März 2011: Counterpoint im White Trash/Berlin

Sicherlich ist es von Vorteil, wenn man jemanden kennt, der jemand oder etwas kennt. Ich kenne jemanden und der kannte "Counterpoint". Danke Norman!

Ich fühlte mich schon beim Betreten des „White Trash“, als ich das Publikum sah, ziemlich fremd. Spätestens als dann nach 22:00 Uhr die beiden Damen von „Pandera“ begannen ins Mikrofon zu schreien, war mir auch klar warum. Dass der DJ (oder war es eine DJ?) vor dem Konzert und in der Pause immer mal wieder die Stones oder AC/DC auflegte, nahm ich als Entschädigung. Tapfer hielt ich durch, und als dann endlich nach Mitternacht „Counterpoint“ den Laden rockte, hatte ich nichts zu bereuen.

Die junge Band von der Insel zeigte sich unberührt von der spärlichen Zuschauerkulisse und führte uns zurück zu den Wurzeln des Rock‘ n Roll. Zweifelsfrei gehöre ich nicht der Hardrock-Fraktion an, kann mir deshalb vielleicht kein Urteil erlauben, aber das was „Counterpoint“ zu bieten hatte, war einfach nur gut. Mehr noch. Im Unterschied zu dem, was ich in dieser Sparte in letzter Zeit live erlebt hatte (The Brew, Timmy Rough, The Supersuckers), fiel mir schon nach kurzer Zeit ein eigenständiges Profil dieser Band auf. Das mag daran liegen, dass die Songs alle aus der Feder des jungen Frontmannes Jay Bartlett (voc, g) stammen. Ihm zur Seite stehen der Drummer Chris Williams (sorry, der saß!), Rob Fisher (g) und Phil Smaczny (bg). Smaczny ersetzte vor gerade mal erst zwei Monaten Greg Badman und scheint offensichtlich wunderbar in die Band zu passen. Er stammt übrigens aus Deutschland und traf während seines Studiums in England auf die Britten. Inzwischen hat er das Studium „geschmissen“ und lebt den Rock’n Roll. Das verdient Respekt. Meinen hat er auf alle Fälle. Wann bitte erlebt man schon mal einen Basser, der bei der „Arbeit“ schwitzt?

„Counterpoint“ gibt es seit dem Jahre 2008 und hat inzwischen in UK eine beachtliche Fangemeinde. Ein Jahr später begleiteten sie die US-amerikanische Band „Shindown“ auf Europa-Tournee. Im letzten Jahr entstand ihr Debütalbum „Alive“, welches in diesem Jahr erscheinen soll. Nun sind sie erneut auf Tour durch Europa und präsentieren ihr Erstlingswerk. Neben dem Titelsong „Alive“ fand ich „Hiding From You“ besonders hörenswert. Mein persönlicher Favorit aber war „Funny How“. Das lag vor allem an den etwas sanfteren Tönen zu Beginn des Titels. „Nine Lives“ und „Can’t Breathe“ aus dem aktuellen Programm wurden übrigens bereits auf EP veröffentlicht. Von Hamburg (24.03.) geht es über Berlin weiter nach Köln und Hannover. Möge „Counterpoint“ wenigstens dort auf ein zahlreicheres Publikum treffen.

 

* 12. März 2011: Abi Wallenstein & Blues Culture im Manitu/Forst
* 8. März 2011: Mitch Ryder & Engerling im frannz

„Berlin – EckeSchönhauser“  - so nannte sich einfrüher DEFA-Film von Gerhard Klein, in dem die Geschichte junger Ostberliner erzählt wird, deren täglicher Treffpunkt die U-Bahnbögen in der Schönhauser waren. In Berlin – Ecke Schönhauser befindet sich auch das „frannz“.Der „Erich-Franz-Klub“, wie er sich zu DDR-Zeiten nannte und dem Boddis „Bluesvom Roten Hahn“ gewidmet ist, war in den 1970er Jahren der ultimativeTreffpunkt der Ostberliner Bluesszene. Doch nichts bleibt wie es mal war. Mitder Wende kam auch das Ende des EFC. Ende der 1990er Jahre wurde er unter demNamen „frannz“ neu eröffnet und ist heute eher der Treffpunkt der zugezogenenPrenzelberger und „ihrer“ Musik. Doch ab und an gibt es im „frannz“ auch Blues. Dann strömen die angegrauten Blueser, wie damals vor 35 Jahren, in den„frannz“, sowie an diesem Abend.

Mitch Ryder &Band war angekündigt. Nö, das geht ja nun gar nicht.

Mitch Ryder &Engerling. Immerhin begleiten die Engerlinge den Mann aus Detroit nunmehr schonseit 1994 auf seinen alljährlichen Deutschlandtouren, die ihn in die angesagtenKlubs in West und Ost führen. Doch leider wissen noch immer die wenigstenKonzertbesucher im „Downtown“ Hamburg, dem Frankfurter "Sinkkasten", der "Bluesgarage in Hannover, dem „Meisenfrei“ Bremen oder der„Harmonie“ in Bonn, dass sich hinter Mitchs Begleitband eine der ältesten und renommierten ostdeutschen Bluesrockbands verbirgt.

Wer diesesSpektakel, so wie ich, nun schon einige mal miterlebt hat, erwartet nicht mehrallzu viel Neues; freut sich den Ryder bei bester Gesundheit und gut gelaunt aufder Bühne erleben zu können und lässt die Augen leuchten, wenn Hits wie „Ain’tNobody White Can Sing The Blues“ , "C.C. Rider" oder "Devil With The Blue Dress" erklingen. Und dennoch gab es neueTöne. Doch das war nicht die einzige Neuerung: Hannes Schulze im „Glashaus“,als wolle wer mit Steinen nach ihm werfen?

 

* 25.Februar 2011: Miller Anderson & Band in Hannover

Miller Anderson (voc, g, harp)
  Kris Gray (b, voc)
    Frank Tischer (keyb, voc)
      Tommy Fisher (dr)

 

Miller Anderson – Live in Reitwein. Das hatte ich verpasst, also ab nach Hannover. Dieses Mal war die Atmosphäre wesentlich entspannter. Soll heißen; es war nicht ganz so voll, wie bei meinen letzten Besuchen in Isernhagen. So ergaben sich endlich mal Möglichkeiten zu einem Gespräch mit dem Chef der Bluesgarage und virtuelle Freunde persönlich kennen zu lernen.


Punkt 21:00 Uhr betrat die „Miller-Anderson-Band“ die Bühne. Allen voran der Altmeister persönlich. Wo hat dieser Mann - besser mit wem hat er nicht schon gespielt? : „The Scenery“ (1966), „Keef-Hartley-Band“ (1968), „Savoy Brown“ (1974), „Dog Soldier“ (1975), „T.Rex“ (1976), Donavan, „Yes“, „The Dukes“ (1979), „Speedway“ (1982), „Mountain“, „Spencer Davis Group“, Jon Lord und Roger Chapman. Als er ab 2003 mit Chris Farlow zusammen arbeitete, fand er zum Blues zurück. Und den hatte der 1945 geborene Schotte auch an diesem Abend. Im ersten Set gab es vorwiegend Bluesnummern. „Fallin‘ Back Into The Blue“ von der CD „Bluesheart“ aus dem Jahre 2003 fand ich besonders gelungen. In Runde 2 wurde es dann rockiger. Es dauerte auch nicht lange bis „Gimme Some Lovin“ erklang. Es blieb übrigens nicht der einzige Song der „Spencer Davis Group“. Gewissermaßen spielte sich Anderson durch alle Epochen seines musikalischen Schaffens, und kam dabei ganz ohne Showeffekte aus. Die Leute im Saal gerieten in Bewegung. Das muss wohl Kris Gray inspiriert haben, bei „Little Man Dancing“  seinen Bass abzustellen und auf der Bühne eine Solo-Tanzeinlage hinzulegen. Doch weit mehr beeindruckt war ich von den Soloeinlagen Frank Tischers. Fantastisch, wie der Mann über die Tasten strich. Auch der junge Tommy Fisher setzte sich mit einem ausgezeichnetem Drumsolo gekonnt in Szene. Beide Musiker stammen übrigens aus Fulda. Auffällig war die Länge fast aller Nummern. Interessant war es zu beobachten, wie sich Anderson nicht nur einmal entspannt auf das Schlagzeugpodest setzte und seinen Kollegen bei der Arbeit zusah, die fast jedes Stück durch gekonnte Improvisationen in die Länge zogen, ohne das Langeweile aufkam. Auch wenn an diesem Abend keine Damenunterwäsche auf die Bühne geworfen wurde, so bin ich mir sicher, dass nicht nur die Damen im Saal zufrieden ihren Heimweg antraten. Zumindest deutete der lang anhaltende Beifall daraufhin, mit dem die Band verabschiedet worden ist.

* 08. Februar 2011: THIN LIZZY support: The Supersuckers im C-Club/Berlin

Irgendwie hatteich schon den ganzen Tag ein ungutes Gefühl. Schließlich war die Nachricht überden Tod von Gary Moore erst zwei Tage alt, und die fand ich auf der Homepagevon "Thin Lizzy"!


The Supersuckers

Punkt 20:00 Uhr:Showtime. Ich stand noch im „Biergarten“, nippte an meinem Bier und zog anmeiner Zigarette, als es plötzlich laut wurde. Furchtbar laut. Alles drängte inden Saal. „The Supersuckers“ rockten los. Speedrock! Gibt es so etwas? Wennnicht, dann habe ich das jetzt erfunden. Ich wollte schon immer mal etwas erfinden.„The Supersuckers“ ist eine 1988 in den Staaten gegründete Rockband undkündigte sich als „Greatest Rock’n Roll Band in the world“ an. Ihr Stil bewegtsich zwischen aggressiven Punkrock bis Countryrock. Ihr Auftritt währte leidernur schlappe 45 Minuten.

Thin Lizzy

Umbaupause.Tapfer verteidigte ich, die Kamera startbereit in der Hand, meinen Platz ineiner der vorderen Reihen. Das war gut so. Denn so habe ich den opener im„Kasten“, auch wenn das die security krampfhaft zu verhindern suchte. Esdauerte auch nicht allzu lang bis es dunkel wurde und „Thin Lizzy“ die Bühnebetrat. „Are you ready to rock“ schmetterte Frontmann RickyWarwick in den Saal. Fertigwar ich nach dem Konzert.

„The boys are back in town...”  1969gegründet; liest sich auch bei dieser Band die Besetzungsliste wie das “Who isWho?” der Rockgeschichte. Einziges Gründungsmitglied ist der Schlagzeuger BrianDowney, der mit einigen Soli brillierte. Gut 45 Minuten dauerte es bis „Whiskeyin the Jar „ erklang. Aber es blieb nicht der einzige Klassiker an diesemAbend. Mit „Sha La La“ oder „Still in love with you“ wurde so manch einer imSaal in seine Jugendzeit versetzt. Doch mein persönlicher Favorit bleibt„Dancing in the moonlight“. Auch diesen Titel gab es im C-Club zu hören, dochleider ohne Saxofon! Nichts bleibt, wie es mal war. 22:30 Uhr dann dieobligatorische Zugabe. „Rosalie“ war der Rausschmeißer, so dachte nicht nurich. Ich befand mich schon auf dem Weg zum Ausgang, als die Männer „Black Rose“spielten und diesen Song dem mit 58 (!) Jahren verstorbenen Gary Moorewidmeten, der bis 1979 ihr Kollege war.

* 22. Januar 2011: Wishbone Ash support: Shawn Kellerman in Hannover-Isernhagen

Erneut zog es mich nach Hannover. Dieses Mal um mir eine Band anzuschauen, die schon über vierzig Jahre on stage ist, ein Stück weit Rockgeschichte geschrieben und Bands wie „Thin Lizzy“ oder „Iron Maiden“ maßgeblich beeinflusst hat. Wie immer rechtzeitig eintreffend, war dennoch kein Parkplatz zu bekommen. So ist das halt; wenn der Blues in die Garage zieht, muss das Auto draußen bleiben. Ich hatte mich allerdings auf einen „bluesfreien“ Abend eingestellt, doch da hatte ich mich wohl getäuscht. Schnell noch ein Bier gefasst. Als hätte ich es geahnt, später war kein Durchkommen mehr. Nirgendwohin. Der Laden war überfüllt.

Shawn Kellerman

Wie immer wenn es in Isernhagen ernst wird, ertönte „Jessica“ aus den Boxen. Kurz vor 21:00 Uhr kündigte der Chef des Hauses die Vorband an. Aus irgendeinem Grund hatte man den Special Guest bis zu Konzertbeginn geheim gehalten. Umso größer war meine Freude, als Shawn Kellerman die Bühne betrat. Der junge kanadische Bluesrocker zog alle Register; bot eine kraftvolle, expressive Show, und offenbarte sich uns als wahrhafter „Gitarrenvirtuose“. Kellerman reihte sich in meinen Augen mit diesem furiosen Auftritt, der leider nur knapp 45 Minuten währte, in die Gilde junger Bluesgitarristen der härteren Gangart, wie Oli Brown, Henrik Freischlader oder Phillip Sayce, ein. Bleibt zu hoffen, ihn demnächst mit einem abendfüllenden Programm zu erleben. Also ihr Konzertveranstalter zwischen Ostsee und Thüringer Wald, merkt euch diesen Namen, und den Berlinern rate ich, sich schleunigst Karten für das „Quasimodo“ zu beschaffen. Am 19. Februar könnte es eng werden.

Nach einer kurzen Umbaupause kamen die Kultrocker von „Wishbone Ash“ auf die Bühne. Immerhin kann die Band auf 26 Studioalben und fast ebenso viele Live-Alben verweisen. Es war der Augenblick, auf den wohl alle im „Saal“ gewartet hatten. Kaum zu glauben, die alten Männer geben heute noch immer jährlich an die 200 Konzerte auf der ganzen Welt. Auch wenn mit Andy Powell (voc, g) – Bandgründer Martin Turner geht mit der Band „Martin Turner’s Wishbone Ash“ längst eigene Wege – nur noch ein Rocker aus den Anfangsjahren der Band auf der Bühne stand, klang die Band authentisch. Am Ende des Konzertes war klar, „Wishbone Ash“ steht heute noch immer – auch wenn neben den Klassikern neues Material geboten worden ist – für melodiebetonten Gitarrenrock und geradlinigen Rock ‘n Roll. Markenzeichen der Band ist bis heute ihre eigenwillige Besetzung mit zwei Leadgitarren geblieben.

* 08. Januar 2011: Jonathan Blues Band & Gäste in der WABE/Berlin

Ein neues Konzertjahr hat begonnen und das beginnt auch bei mir schon seit einigen Jahren mit dem Neujahrsblues in der Berliner WABE. Diese Geschichte hat bereits Tradition. Nunmehr zum 16. Mal lud die „Jonathan Bluesband“ zum Neujahrsblues. Und immer wenn „Jonathan“ auf der Bühne steht – leider viel zu selten – hat die Band auch Gäste eingeladen. Gewissermaßen Stammgäste sind „Matze“ Stolpe (harm) und Bernd „Kuhle“ Kühnert (Monokel). Und in dieser Besetzung betrat man auch kurz nach 21:00 Uhr die Bühne. Frontmann Peter Pabst und Bassist Hagen Dyballa stehen inzwischen auch schon mehr als 30 Jahre gemeinsam auf der Bühne.

Die erste halbe Stunde spielte man sich durch das Jonathan-Programm. Die Palette reichte vom „Katzenfreund“ bis zu „Daddy’s Boogie“, jenem Song der auch auf dem Soundtrack zu „Bye, bye Lübben City“ zu hören ist. Nicht nur ich fand, es hätte auch gern etwas mehr „Jonathan“ sein dürfen. Dann betrat die Vokalistin Anke Lautenbach die Bühne und bot mit kraftvoller, ausdrucksstarker Stimme einen Standard nach dem anderen. Inzwischen hatte bereits ein weiterer Gast die Bühne betreten und den Platz am Keyboard übernommen: Gerhard „Hugo“ Laartz. Laartz ist nunmehr seit über 40 Jahren Frontmann der „Modern Soul Band“. Und aus dieser hervorragenden Formation stammt auch Saxofonistin Mercedes Wendler, die Laartz begleitet hatte.

Nach der Pause gab es einen Wechsel am Mikrofon. Als Mike Kilian, Frontmann von „Rockhaus“, die Bühne betrat, war wohl jedem im voll besetzten Saal klar, es wird rockig. Insider wissen, dass Kilian auch die Stimme der Stones-Coverband „starfucker“ ist. So gab es dann bis zum „Feierabend“ vorwiegend Songs von den Stones bis „Led Zeppelin“. Verwundert registrierte ich, dass Kilian wie mit Ray Charles auch sanfte Töne anschlagen kann. Gegen 23.30 Uhr versammelten sich alle Akteure nochmals auf der Bühne und boten dem Publikum mit „Going down“ die lautstark eingeforderte Zugabe. Alles in allem ein gelungener Abend; fast ohne Pleiten, Pech und Pannen. Für die sorgte das Team der WABE. Mal abgesehen davon, dass die Bestuhlung im Saal bis vor die Bühne reichte, war auch zur Pause noch das Bier ausgegangen.