Es war im Jahr 1974, als sich „Satori“ auf dem Höhepunkt der Karierre befand. Wochenende für Wochenende sorgte die Band, dort wo sie auftrat, für volle Häuser. Bandgründer Stefan Gerlach, der längst auf der Suche nach neuen musikalischen Wegen war und begonnen hatte deutschsprachige Texte zu schreiben, blieb weder Zeit noch Möglichkeit seine Pläne zu verwirklichen, sodass er „Satori“ verließ. Er sammelte neue Musiker um sich und gründete 1975 in Stützengrün (Erzgebirge) die Band „Wind, Sand & Sterne“. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten: Stefan Gerlach (voc, harm, g), Armin Reichel (bg, fl), Harald Siemann (v), Peter Theiß (dr) und Heinz Grömke (g, bj). Mit dieser Band vollzog Gerlach eine deutliche Hinwendung zum Folk und orientierte sich vor allem an Bob Dylan. Zunehmend nahm die Band eigene Kompositionen ins Programm auf und feilte damit beharrlich an einem eigenständigen Profil. Die Songs textete, komponierte und arrangierte Gerlach selbst. In ihren zum Teil systemkritischen Songs griff die Band die Sorgen, Nöten und Alltagsprobleme ihres zumeist jugendlichen Publikums auf. Frühe Songs, wie „Tramptour“, „Verflossene Jahre“ oder „Die 169“ avancierten regelrecht zu Hits. Zehn Jahre lang tourte die Band erfolgreich durch die DDR und hatte vor allem im Süden eine große Fangemeinde.

1984, der Folk-Boom war längst vorbei, die Szene am „aussterben“, löste sich „Wind, Sand & Sterne“ auf. Aber ein Leben ohne Musik war für Gerlach unvorstellbar, so spielte er bei „Sirius“. 1987 - noch während er bei „Sirius“ spielte, wagte Gerlach eine Reunion von „Wind, Sand & Sterne“ und wandte sich erneut der Folkmusik zu. Man besann sich der Heimat und der eigenen Traditionen. Neues Markenzeichen der Band wurde Folkrock mit erzgebirgischem Dialekt und ein „eigenwilliges“ Instrumentarium (Konzertina, Fuchsgeige, Mandoline). Anfänglich arrangierte man Mundartlieder von Anton Günther neu, später entstanden eigene Mundartlieder, wie „Gab net auf“ oder „Hinner dr Autobahn“. 1989 fusionierte die Band mit Mitgliedern der aufgelösten Band „Wanderer“. 1991 erschien im Eigenverlag die erste CD. Weitere folgten. Die CD „Die Zeit geht vorbei“ aus 1999 wurde inzwischen neu aufgelegt. 1995 kam Christoph Rottloff, mit dem Gerlach schon bei „Satori“ spielte, in die Band. Im Jahr 2010 kommt es zur Wiedervereinigung der drei „Satori“-Gründer Gerlach, Rottloff und Barth. Heute, in 2011, sind sie immer noch da und spielen in der Besetzung: Michael Barth (voc, org, g), Christoph Rottloff (bg, Konzertina), Hans-Rudolf Lippold (dr, perc, Fuchsgeige), Thorsten Reuter (g, voc, mand) und Stefan Gerlach (voc, harm, g). Lippold ist auch ein ehemaliges Bandmitglied von "Sirius".

Wenn heute „Wind, Sand & Sterne“ – die Folkrock-Legende aus dem Erzgebirge – spielt, dann strömt das treue Publikum zu den Konzerten, in denen es nach wie vor Erzgebirgischen Mundartrock, aber auch Songs aus den alten Satori-Zeiten gibt. Noch immer greifen die Männer in ihren Konzerten gern ganz tief in die internationale Folkrock-Kiste und wenn man Glück hat, gibt es sogar ein ganzes Bob-Dylan-Special, wie am 28. Mai 2011 in Auerbach aus Anlass des 70. Geburtstages des Meisters. Wer mehr über Gerlach und die Rockgeschichte im Erzgebirge und dem Vogtland erfahren möchte, den empfehle ich seine Autobiografie "In meiner Spur". In zwei Teilen hat Gerlach 50 Jahre Rockgeschichte zu Papier gebracht.

(Mai 2013)


Inzwischen zieren auch zwei Tonträger dieser immer noch aktiven Truppe meinen "Plattenschrank".
Danke Stefan!
Zum einen handelt es sich um den Song "Hektik". Er stammt von der 1999 bei gäselieschen Records erschienen CD "Die Zeit geht vorbei". Text und Komposition sind  von Christoph Rottloff.

Die zweite Scheibe "Alte Wurzeln - neie Triebe" wurde 2004 bei gänselieschen Records veröffentlicht.

Titelliste:
Zwischen Traam un Illusiu
Was is hier lus?
Salling
Of meine Art
Karla
Sperrguschen-Lied
Buchholzer Lied
Stülpner-Karl un Hanne-Christ
In dr Ritterschgrü
Mir habne Hitra-Braatel
Dr libbste Saal
Schwerenöter
Hamkehrlied
Noouo

Besetzung:
Stefan Gerlach (voc, g, harm)
Christoph Rottloff (voc, b, Konzertina, Maultrommel)
Thorsten Reuter (voc, Mandola, b, harp, Kazoo)
Hans-Rudolf Lippold (dr, Fuchsgeige, Waschbrett)

Gastmusiker
Kurt Richtsteiger (org)
Jens Reuter (voc)
Jan Christoph (dr)

Bis auf drei Traditionals stammen alle Songs dieser Scheibe von Gerlach, Rottloff und T. Reuter. Die Kompositionen sind abwechslungsreich und durch den Einsatz mittelalterlicher Instrumente interessant.
Ich gestehe, die erzgebirgische Mundart ist für Berliner Ohren gewöhnunsbedürftig. Selbst bei intensiven Hinhörens erschließt sich mir nicht immer der vollständige Text. Erzählt werden vor allem Alltagsgeschichten, teils amüsant, teils nachdenklich und manchmal scheint es, als würde einem der Spiegel vorgehalten. Nicht alles trifft den Geschmack des Bluesers, aber den Song "Hektik" finde ich ausgesprochen gut!
(Juli 2013)






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