Mit „SBB“ – der Name standanfangs für Silesians Blues Band –entstand im Jahre 1971 eine weitere polnische Bluesrockband. Jozef Skrzek (voc,keyb, bg), der eine klassische Pianistenausbildung absolviert hatte, kam von„Breakout“. Weitere Gründungsmitglieder waren: Antymos Apostolis (g) und JerzyPiotrowski (dr). Anfänglich zelebrierten sie eine gitarrenlastige, an „Cream“und Hendrix angelehnte, Rockmusik, mit brillanten Gitarrensoli von Apostolis.

 

Doch schon ein Jahr späterfungierte „SBB“ als Begleitband von Czeslaw Niemen. Unter den Namen „Niemen“veröffentlichte „SBB“ in Polen zwei Alben (Niemen 1 und Niemen 2). Zwei weitereAlben „Strange Is The World“ und „Ode To Venus“ wurden bei CBS im westlichenAusland veröffentlicht.

 

Im Jahre 1974 trennte mansich von Niemen und machte unter dem Namen „SBB“ als Trio weiter. Der Bandnamestand nun für „Suche, Stürme, Bauen“ und dokumentierte die neue musikalischeAusrichtung der Band. Bereits 1974 veröffentlichte „SBB“ beim polnischen Label„Muza“ ihre Debüt-LP. Weitere Alben folgten. Die Auftritte beim Festival inOpole und der Jamboree in Warschau brachten den Durchbruch. „SBB“ avanciertezur beliebtesten Art-/Prog-Rockband Polens. Noch im Jahr 1974 hatte die Bandihr erstes Auslandsgastspiel in der Bundesrepublik Deutschland. Kennzeichen derBand waren Stücke mit lang anhaltenden Synthesizer-Improvisationen, teilweisebis zu 20 Minuten lang, fast schon sinfonische Werke, mit starkenJazzeinflüssen, die auf die zeitweilige Zusammenarbeit mit bekannten polnischenJazzmusikern wie Tomasz Stankow, Tomasz Szukalski und Slawomir Piwowar zurückzuführen war. Der Stil der Band war unvergleichlich. Bandchef Skrzek sprach vonMusik ohne Anfang und Ende. „Wir wollen frei sein, auch in der Musik.“ Bis indie 1980er Jahre blieb „SBB“ eine gefragte Live-Band im In- und Ausland. 1977erschien beim ostdeutschen Label „Amiga“ die LP „SBB“. Im gleichen Jahrveröffentlichte „SBB“ in der Bundesrepublik das Album „Follow My Dream“. Ihre1980er Tour durch Deutschland markierte zugleich den musikalischen Höhepunktder Band.

 

In den 1990er Jahren wurdees ruhiger um die Band. Man war mit diversen Soloprojekten und Verpflichtungenals Studiomusiker beschäftigt. Ende der 1990er Jahre – am Schlagzeug sitztseitdem der Ungar Gabor Nemeth - startete „SBB“ ein Comeback und veröffentlichtseither in regelmäßigen Abständen im In- und Ausland neue, z. T. beachtenswerteAlben. Auf „Ojcie Chrestny Dominika“ spielt Multitalent Skrzek allein 30 (!)Instrumente ein. 2006 gab es mit dem gemeinsamen Auftritt mit „Deep Purple“ inPolen einen weiteren Höhepunkt in der Bandgeschichte.  2007 dann erschien mit „The Rock“ ein Album, auf dem sich „SBB“auf ihre musikalischen Wurzeln besann. 2008 gastierte „SBB“ letztmalig inDeutschland. In 2010 tourte die Band, welche inzwischen als „beste polnischeRockband aller Zeiten“ auf Platz 1 der „Rock’n Roll-Hall of Fame" in Polengesetzt ist, erfolgreich durch Polen.

 

(Mai 2011)