Czeslaw Niemen gilt in Polen noch heute unbestritten als der „König der Rockmusik“. Geboren wurde er am 16. Februar 1939 als Czeslaw Juliusz Wydrzycki.

Niemen wandte sich schon im Kindesalter der Musik zu. 1958 begann er Musik (Fagott) zu studieren. Noch während seines Studiums, im Jahr 1962, gründete Niemen seine erste Band, die Beatband „Niebisko-Czarni“. 1967 erschien sein erstes Studioalbum. „Strange Is The World“. Die Originalfassung wurde zur Hymne der rebellierenden polnischen Jugend. Der Titelsong „Seltsam ist die Welt“ wurde 1975 in der DDR auf einem Amiga-Sampler veröffentlicht. Von 1967 bis 1968 nahm Niemen mit seiner Begleitband „Akwarele“ vier weitere Alben auf. 1968 erhielt er einen Plattenvertrag mit CBS und lebte anschließend zwei Jahre in Mailand. 1969 entstand mit „Enigmatic“ sein Hauptwerk. 1970 veröffentlicht - gilt dieses Album bis heute als bestes polnisches Rockalbum. Mit dem 16minütigem Titelsong, einer bis dahin einmaligen Synthese aus Kirchenmusik und progressiver Rockmusik, markierte Niemen den Beginn einer Entwicklung hin zu Rockmusik mit elektronischen und psychedelischen Elementen.

Um seine neuen musikalischen Ideen besser umsetzen zu können, sah sich Niemen nach einer neuen Begleitband um, und fand „SBB“. Die Zusammenarbeit mit Jozef Skrzek (Key, bg), Antymos Apostolis (g) und Jerzy Piotrowski (dr) dauerte bis 1974. Die gemeinsam mit „SBB“ eingespielten Alben „Niemen 1“ und „Niemen 2“ dokumentieren die erfolgreichste Zeit des polnischen Rockmusikers, der 1973 erstmals in der DDR auftrat, wo er spätestens mit der 1972 bei „Amiga“ erschienen LP „Niemen“ bekannt geworden war. Seine Popularität erlangte Niemen, dessen musikalischen Wurzeln in polnischer Folklore und Kirchenmusik lagen, vor allem durch seine Balladen.

Ab 1974 wurde er von „Aerolit“ begleitet, doch konnte er mit dieser Band nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen. Auch scheiterten seine Versuche im westlichen Ausland Fuß zu fassen. Seine Art der musikalischen Umsetzung von Rockmusik, in die er zunehmend Elemente des Free Jazz einband, und seine religiösen und philosophischen Themen blieben im Westen unverstanden.

Anfang 1980 präsentierte Niemen der Öffentlichkeit mit „Postscriptum“ ein Album, auf dem ausschließlich elektronische Musik zu hören war. Derartige „Experiemente“ gingen jedoch an meinem Geschmack vorbei, und offensichtlich nicht nur an meinem. Etwa zeitgleich mit der Verhängung des Kriegsrechtes in Polen sagte Niemen unerwartet alle seine Konzerte ab, zog sich völlig zurück und komponierte vorrangig Filmmusiken. Erst im Jahre 1989 meldete sich Niemen mit einem neuen Studioalbum zurück. Bis zur seiner nächsten Veröffentlichung sollten weitere zwölf Jahre vergehen. Niemen, der am 17. Januar 2004 im Alter von 65 Jahren in Warschau verstarb, hatte sich in seinen letzten Lebensjahren der Malerei und Grafik zugewandt.

 

(Mai 2011)