Die Anfänge der polnischen Band „Budka Suflera“ reichen bis in das Jahr 1969 zurück. Damals verstand man sich als Bluesrockband und spielte vor allem John Mayall, „Cream“, Jimi Hendrix und „Led Zeppelin“. Bekannt geworden ist die Band aber durch ihre Coverversion von „Ain’t No Sunshine“. Diese Nummer mit einem polnischen Text von Adam Sikorski eroberte auf Anhieb die vorderen Plätze in den polnischen Hitparaden.

 

Im Jahr 1974, welches als offizielles Gründungsjahr der Band gilt, sammelte Krzystof Cugowski (voc) neue Musiker um sich. Mit der neuen Besetzung änderte sich auch das musikalische Profil der Band. „Budka Suflera“ wanderte in den Hardrock-Bereich ab und machte besonders mit ihren Rockballaden auf sich aufmerksam. Zur Gründungsbesetzung gehörten neben Cugowski: Krzystof Brozi (g), Janusz Pedzisz (bg), Witold Odovowicz (p) und Jacek Grün (dr). 1975 erschien ihr Debütalbum und brachte der Band endgültig den Durchbruch. Der Titelsong „Cien wielkiej gory“, der in Gedenken zweier 1973 im Himalaja tödlich verunglückter polnischer Bergsteiger entstand, ist bis heute die meist auf Tonträgern veröffentlichte Rocknummer in Polen. Die deutsche Fassung dieses Titels „Herrliche Berge“ stammt übrigens von Kurt Demmler. Als „Budka Suflera“ 1976 erstmals in der DDR gastierte, spielte man einige deutschsprachige Titel bei „Amiga“ ein. Den offiziellen Aussagen nach,  scheiterte die Fertigstellung einer Langspielplatte an Terminschwierigkeiten. 1977 erschien auf „Rhythmus’ 77“ lediglich der Titel „Fang neu an“.

Interessanterweise ist in „Szalony Kon“, ebenfalls auf dem Debütalbum veröffentlicht, der polnische Ausnahmemusiker Niemen zu hören.

 

1976 erschien mit „Przechodniem bytem miedzy wami“ ihr zweites Album. Inzwischen spielte „Budka Suflera“ mit neuer Besetzung: Cugowski (voc), Romuald Lipko (bg, p), Tomasz Zeliszewski (dr, perc), Andrezej Ziolkowski (g) und Andrezej Szcodrowski (sax, org). Trotz neuer Besetzung, das Markenzeichen der Band, die markante Stimme von Cugowski, war geblieben. Diese Platte „ziert“ bis heute meinen Plattenschrank. Auch wenn sie nicht den Erfolg des Debütalbums erreichte, gibt es einige hörenswerte Nummern wie zum Beispiel „Noc nad Norwiedem“ auf dieser Langrille.

 

Im Jahr 1978 verließ Sänger Cugowski die Band, um eine Solokarriere zu starten. Für ihn kam Stanislaw Wenglorza von „Skaldowie“, der jedoch schon nach kurzer Zeit durch Romouald Czyslaw ersetzt wurde. Trotz häufiger Besetzungswechsel spielte die Band zwischen 1978 und 1982 drei weitere Alben ein und erspielte sich einen Spitzenplatz in der polnischen Rockszene. Als Anfang der 1980er Jahre Czyslaw Probleme mit der Stimme bekam, und schließlich 1984 ausscheiden musste, kam Bandgründer Cugowski zurück in die Band. Bereits seit 1983 arbeitete die Band mit der polnischen Pop- und Rockvokalistin Urszula Kasprzak zusammen. Urszula – wie sie üblicherweise in Polen genannt wird – verfolgte gleichzeitig weiter ihre Solokarriere und legte daher Wert darauf, nicht als Mitglied von „Budka Suflera“ zu gelten. Die Zusammenarbeit endete im Jahr 1987.

 

In den 1980er Jahren herrschte in Polen Kriegsrecht. In dieser Zeit verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen der Rockbands im Lande zunehmend. „Budka Suflera“ gastierte daher häufig im Ausland, vorwiegend im westlichen Ausland. 1988 reiste die Band erstmals in die USA und trat erfolgreich im „Beacon Theatre“ von Manhattan auf. Von 1990 bis 1992 gastierte „Budka Suflera“ erneut in den USA und schaffte es, als einige der wenigen osteuropäischen Rockbands so gar bis in die New Yorker „Carnegie Hall“.

 

Seit Mitte der 1990er Jahre gibt die Band um Frontmann Cugowski wieder verstärkt Livekonzerte in Polen. Seit dem Jahr 2003 spielt „Budka Suflera“ in folgender Besetzung: Cugowski (voc), Lipko (keyb), Zelisewski (dr), Miroslaw Stepien (bg), Piotr Kominek (keyb), Lukasz Pilch (g), Anna Patynek (perc), Malgorzata Orcyk (voc) und Irena Kijewska (voc). In 2009 feierte „Budka Suflera“ in Naiczow mit mehr als 30 000 Zuschauern ihr 35. Jubiläum. Im gleichen Jahr veröffentlichte die Band, die heute noch immer durch Polen tourt, mit „Zawsze czegos brak“ ihr bislang letztes Album.

 

(Mai 2011)