Joris Hering Blues Band

 

Einer der den Blues hat, ist der Berliner Joris Hering. Er, 1970 in Halle an der Saale geboren, hat den Blues-Boom in der DDR verpasst; ist eher mit New Wave und NDW groß geworden. Musik hat ihn schon frühzeitig interessiert. Als er etwa 13 Jahre alt war, hörte er zum ersten Mal „Pankow“ mit dem „Lied von der Sehnsucht“ und war so von dem Gitarrenpart begeistert, dass für ihn feststand: Ich werde Gitarrist. Doch bis dahin sollte noch etwas Zeit vergehen, vorerst versuchte er sich als Schallplattenunterhalter, wie es damals im offiziellen Sprachgebrauch hieß. Die Gitarre jedoch nahm er immer öfters in die Hand, brachte sich die ersten Griffe autodidaktisch bei und besuchte eine Musikschule. Später dann hatte er verschiedene private Gitarrenlehrer.

 

Im Alter von 15 Jahren gründete er mit Freunden die erste eigene Band, eine Schülerband. Musikalisch orientierte sich die Band an der Neuen Deutschen Welle, „The Cure“ und „The Smiths“. Später wurde deren Profil deutlicher von Funk und Rock beeinflusst. Im Laufe der Zeit – man war älter geworden – entwickelte sich die Band zu einer Rock and Roll – Band. Im Jahre 2002 nahm die Band eine Bluesnummer ins Programm und war erstaunt über die Resonanz beim Publikum, sodass bei Hering die Idee zu einem eigenen Bluesprojekt entstand.

 

Mit dem Blues war er schon im Kindesalter in Berührung gekommen, als er in der Plattensammlung der Eltern eine Amiga-LP von Muddy Waters fand. Er war fasziniert. Der Blues ließ ihn nicht mehr los. Nun war es soweit geworden. Bruder Thomas bekam kurzerhand den Bass um gehangen und Ehefrau Malin (1971 in Kristinehamm/Schweden geboren) kletterte bereitwillig hinter das Schlagzeug. Die „Joris Hering Blues Band“ war geboren. Bis zum ersten Auftritt im Jahr 2005 sollte jedoch noch etwas Zeit vergehen. Zeit des intensiven Probens und in der die ersten eigenen Nummern entstanden, mehrheitlich mit deutschsprachigen Texten. „Natürlich habe ich auch einige englische Texte geschrieben, aber es fühlt sich ein bisschen so an, als ob ich mich verstellen oder verkleiden würde. Deutsch ist meine Muttersprache. In ihr kann ich mich am besten ausdrücken“, so Frontmann Joris Hering. Natürlich hat die Amateurband auch Coversongs der Bluesklassiker im Programm, mit dem sie u.a. im Vorprogramm von Eric Sardinas in der Torgauer Kulturbastion und bei „Blues am Rande“ in Niederlehme zu erleben war.

 

 

2010 legte JHBB eine Schaffenspause ein und meldete sich im August 2011 zum warm up des „Blues Open Air“ in Niederlehme zurück. Inzwischen gab es auch einen Wechsel in der Band. Marius Dümke übernahm den Platz am Schlagzeug. Dümke, Jahrgang 1988, stammt aus Bad Dürrenberg. Er besuchte das Musik-Gymnasium der Franckeschen Stiftungen in Halle, wo er eine klassische Schlagzeug-Ausbildung erhielt. Erste Bühnenerfahrungen im Bereich der U-Musik sammelte er im Alter von 15 Jahren bei der Rockband "Soundbrei". Inzwischen sitzt er auch in der Band seines Vaters "Diskant" aus Naumburg regelmäßig am Schlagzeug und trommelt darüber hinaus in der Hallenser Krautrockband "Fake Blanche".

 

Im Oktober 2011 erschien ihr Debütalbum mit dem schlichten Namen „Bootleg“. Das Erstlingswerk der JHBB ist ein Livemitschnitt des Konzertes am Vorabend des „Blues Open Air 2011“ in Niederlehme und zugleich ein repräsentativer Querschnitt aus dem Repertoire der Band.

Los geht es mit dem Instrumental „Fishtone Blues“, geschrieben von Frontmann Joris Hering. Dieser Titel, eine frische, rockige Bluesnummer, ist die erste eigentliche Eigenkomposition der Band.

Auch das folgende „Wunderschön“ stammt aus den Anfangsjahren.

Mit „Texas Flood“ folgt der Titelsong aus dem Debütalbum von SRV; gewissermaßen eine Hommage an einen Bluesgitarristen, welcher Joris Hering wesentlich beeinflusst hat.

Es folgen: „Good Morning Little School Girl“ von “Sonny Boy” Williamson und „The Strong Lower“.

“Der Mann von Nebenan” ist eine langsame Bluesnummer mit ausgedehnten Gitarrensoli. Hering erzählt in diesem Song die Geschichte von Nachbar Manfred, einer von den Typen, die man erst bemerkt, wenn sie nicht mehr da sind.

„Key To The Higway“ ist ein weiterer Bluesstandard, erstmals 1940 von Charlie Segar aufgenommen.

Im Anschluss erklingt „Folsom Prison Blues“; wohl einer der bekanntesten Songs von Johnny Cash.

„Regen“ und „Katze“ sind zwei weitere Eigenkompositionen. Das getragene, melancholische „Regen“ ist in meinen Augen resp. Ohren musikalisch und textlich besonders gelungen.

„Sitting On Top Of The World“ ist eine wunderschöne Bluesnummer, welche 1930 erstmals von „The Mississippi Sheiks“ aufgenommen wurde.

Den Abschluss bildet der Bluesklassiker „Hoochie Coochie Man“ von Willie Dixon, der durch Muddy Waters bekannt wurde und an dem wohl keine Bluesband vorbei kommt.

 

Wer handgemachten, ehrlichen Blues mag, dem sei diese Berliner Band empfohlen und vorab schon mal ein Besuch der Homepage dieser Band angeraten, über die man auch die CD „Bootleg“ erwerben kann.

 

(November 2011)




 

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2013 - Die "Joris Hering Blues Band" ist im neunten Jahr ihres Bestehens.
"ZWEI NULL DREIZEHN" ist auch der Titel ihrer am 28. November 2013 veröffentlichten CD.
2013 ist nicht nur das Erscheinungsjahr ihrer ersten professionellen Scheibe schlechthin. Es ist auch ein besonderes Jahr, in dem die JHBB musikalisch gereif und in zahlreichen Live-Auftritten gefestigt ist. Die Band versteht sich als Liveband. Frontmann Joris Hering meint augenzwinkernd: "Im Studio sind wir Nieten, wir können es nur live." So ist es auch nicht verwunderlich, dass die neue Scheibe ausschließlich Live-Aufnahmen enthält, die mit Marius Dümke am Schlagzeug, Thomas Hering am Bass und Joris Hering Gesang und Gitarre eingespielt worden sind. Die 13 Tracks wiederspiegeln das komplette Repertoire der JHBB, bestehend aus zahlreichen Bluesklassikern und Eigenkompositionen in deutscher Sprache. Der Sound ist geprägt von einer ruppigen Gitarre, untermauert von einem soliden Bassfundament und einem teilweise explodierenden Schlagzeug. Es ist nicht zu überhören: Die JHBB arbeitet, sie schwitzt, sie reibt sich und sie ist elektrisch.

Set-Liste:
1 Hoochie Coochie Man (Dixon)
2 Süße (J. Hering)
3 Ain't Superstitious (Dixon)
4 Texas Flood (Davis, Scott)
5 Cabin Down (Petty)
6 Puppe (J. Hering)
7 Katze (J. Hering)
8 Folsom Prison Blues (Cash)
9 Regen (J. Hering)
10 Wunderschön (J. Hering)
11 Feierabend (J. Hering)
12 Good Morning Little School Girl (F. McDowell)
13 Der Mann von Nebenan (J. Hering)

(Dezember 2013)

Am 31. Mai 2014 zeigte sich die JHBB in Berlin-Pankow erstmals in neuer Besetzung:
Joris Hering (voc,g)
Thomas Hering (bg)
Hans-Jürgen Beier (dr).

(Juni 2014)

Folgender Konzertbericht wurde von HH aus EE zur Verfügung gestellt:

 

http://www.mein-lebensgefuehl-rockmusik.de/#Joris%20Hering%20Blues%20Band%20im%20KHG

 

(Juli 2014) 

Ist es Zufall oder Absicht?

 

Bekanntermaßen hat sich Joris Hering mit seinem deutschsprachigem Blues - ebenso wie Mike Seeber - aufgemacht, um das Erbe von Kerth & Co. anzutreten. Und genau diese Beiden haben es bislang als einzige ostdeutsche Vertreter ins Finale der GERMAN BLUES CHALLENGE geschafft. Während Mike in 2013 sogar den Sieg errang und unser Land bei der IBC in Memphis würdig vertrat, hat sich die JHBB in 2014 tapfer geschlagen, mußte aber 'Deutschlands Blues-Lady Nummer 1" den Vortritt lassen!

Nachfolgendes Video zeigt die JHBB im September 2014 zur GBC in Eutin.

 

(Dezember 2014)

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Out now!

Der nachfolgende Text wurde von Hartmut Helms (www.mein-lebensgefuehl-rockmusik.de) übernommen. Danke, Hartmut!

 

"Joris Hering Blues Band „Unterwegs“ (2015, Eigenproduktion)
(22.11.2015)

Seit nunmehr über zehn Jahren gabelt er den Blues auf. Er entdeckt ihn nebenan, mitten im Leben, in den Facetten des Alltags und dort, wo ein Musiker eine Menge Zeit verbringt – „Unterwegs“. Auf und neben den Straßen entdeckt er Menschen mit ihren kleinen Episoden und er macht daraus Lieder, die er uns erzählt. Das, so scheint es mir, ist seine Mission, denn inzwischen habe ich die zweite CD seiner JORIS HERING BLUES BAND hier und die läuft und läuft:

Die startet ruppig mit Mundi und Gitarre, der Boogie-Karren begibt sich „on the road again“, ist wieder „Unterwegs“. Schon mit den ersten Takten stampft der Rhythmus über die fiktiven Strassen und eine lockende Blues-Harp singt entspannt dazu. Es ist dieses Gefühl von auf und davon, hinaus in die Welt, das einen ad hoc erfasst und zu dem eine „altmodische“ Orgel genüsslich aufspielt, die Saiten einer Gitarre rotzig trocken singen. Ich liebe diesen unverwechselbaren Sound, der modern daher kommt, sich aber einer uralten Stilistik bedient – Blues so und mal so.

In unterschiedlichen Facetten werden hier Alltagsgeschichten erzählt, schöpft der Gitarrist und Sänger JORIS HERING mit seinen Blues-Geschichten aus dem prallen Leben. So wie bei der vom „Feuer“, das dich packen und „wie Papier“ entzünden kann oder wenn er mit „Wunderschön“ einmal ganz andere Worte für jene berühmten drei findet: „Sie ist längst weg, als ich die Worte wiederfand.“ Die einen steckt er in einen schleppenden Slow-Blues und beschreibt Gefühle, für die anderen lässt er fröhlich einen Boogie-Woogie tanzen und seine Gitarre überschwänglich swingen. Ganz gleich, welches Thema er mit seiner Blues Band aufgreift, er erzählt davon so, wie er einem Kumpel erzählen würde, dem er simple sagt „Sie verließ mich heute morgen“ und, um die Verwirrung auch wirklich gut nachfühlbar auszudrücken, einen wippenden Beat darunter legt.

Jene Songs, die man schon von der Live-Einspielung kennt, werden, wie die „Puppe“, „Katze“ oder der atmosphärische „Regen“, in ihrer Studiovariante noch ein ganzes Stückchen intensiver, weil fast schon hautnah im Gefühl. Plötzlich gewinnen Nuancen mehr an Bedeutung, erhalten die Figuren noch mehr Charakter im vollen Klangbild, das jedem Instrument genug Spielraum einräumt. Straßengeräusche, fahrende Autos und so ein Sauwetter, da meint man glattweg, einen Schritt beiseite treten zu müssen, um aus einer Pfütze heraus nicht vollgespritzt zu werden, so differenziert kommt der kompakte Sound druckvoll aus den Boxen. Es gibt eine Menge zu entdecken und zu genießen, wenn man diese Songs in sich aufsaugt.

Meine besonderen Entdeckungen sind jene Stücke, bei denen ich das Gefühl habe, der Sänger nimmt mich mit in seine kleine Welt. Das „Lied für einen Fluss“, mit dem beeindruckendem Synchronspiel von Gitarre und Gesang, das mich unterschwellig an ganz frühe Bayon-Musik erinnert, ist ein solches Kleinod, aber auch die intime Story vom „Heimstadt Blues“, der traurig, nachdenklich, aber auch leise optimistisch stimmt, geht mir nahe. Da verschwendet dieser Berliner Blueser schon fast eine Schippe Genialität: „Kann dich nicht ertragen und muss dich doch wiedersehn.“ Intimer geht’s nicht mehr und ehrlicher auch nicht. Und ich mag den „Fishtone Blues“, dieses Stück, das sich JORIS HERING als die kleine Spielwiese für seine Gitarrenkünste ausgedacht hat, um sich hier mal abwechlungs- und sehr ideenreich mit seinem Instrument auszutoben. Da sehe ich ihn gedanklich neben Größen wie Kerth und Papst, die schon seit Dekaden, still und unbeirrt, ihre eigene Auffassung vom Blues spielen. Deren Nachfolger hat die Startlöcher längst verlassen.

Auf dieser CD mit der JORIS HERING BLUES BAND „Unterwegs“ zu sein, ist wie das Eintauchen in die stilistische Vielfalt des Genres. Vom trockenen Power-Blues eines fetzig rockenden Trios, bis hin zur spartanischen Akustikvariante der unplugged-ten „Katze“, kann man alles auskosten. Selbst mit einem Hauch von Swing sind einige Parts gewürzt, so dass jeder der insgesamt 15 Songs auch jedes Mal neu zum Hinhören einlädt.
Bis auf zwei Songs, nämlich „Isolde“ und „Feuer“, hat JORIS HERING alle Lieder selbst erdacht und sie durchgängig mit deutschen Texten versehen. Letzteres sorgt dann wesentlich dafür, dass beim Hörer ein durchgängig eigenständiger Gesamteindruck haften bleibt. So reizvoll es auch sein mag, einige der internationalen Standards selbst zu interpretieren, dass man darauf verzichtet hat, zeugt ebenfalls von dem gewachsenen Selbstvertrauen und der Reife der Band. Zudem gelingt es nur mit deutscher Lyrik auch all jene zu begeistern, die das Gespür für besondere Geschichten, wie die vom „Mann nebenan“, nur in ihrer Muttersprache entdecken können. Denen sei dieser Silberling wärmstens ans Herz gelegt.

Es sind noch keine zwei Jahre vergangen, seitdem sich ein Live-Mitschnitt der JORIS HERING BLUES BAND zu mir verirrt hatte, mich neugierig werden und staunen ließ. Da spielte einer ganz beseelt seine Gitarre und packte all seine Erfahrungen und seine Einblicke in die Ecken des Lebens hinein. Das hatte mich überzeugt und neugierig werden lassen, so dass ich mir wenig später die Band aus Berlin auch live und in natura gönnen musste. Das Live-Erlebnis hat meinen Eindruck auf glänzende Weise bestätigt.

Nun also endlich auch ein rundum kompaktes, stilistisch in sich geschlossenes Blues-Paket mit eigenen Liedern. Der rote Faden ist unser Alltag, der uns hier in kleinen Episoden begegnet, die Einsamen und die Unscheinbaren, die jeden Tag meistern und natürlich der Blues, der den Liedern ihren Charakter und den Inhalten intime Identität verleiht. Das Einbeziehen musikalischer Gäste an Saxophon, Orgel und Blues-Harp bringt die nötige kleine Briese Verspieltheit mit. Nichts scheint erzwungen, alles, was man hört, geschieht mit verspielter Leichtigkeit und dennoch ist der Sound ungemein druckvoll sowie energiegeladen. Dies ist ein Blues-Album, das junge Musiker viele Jahre später vielleicht einmal als Maßstab heranziehen werden, um sich zu orientieren. Für JORIS HERING und seine BLUES BAND ist diese Scheibe ein weiterer Schritt in die eingeschlagene Richtung, immer weiter „Unterwegs“ zu sich selbst zu sein."

 

siehe auch: HIER

 

(November 2015)

aus der Mitteldeutschen Zeitung