Mitte der 1980er Jahre war der Zenit der Bewegung längst überschritten. Der Blues hatte seine tragende Rolle verloren. Neue, vor allem junge Bands gründeten sich und übernahmen nun die Aufgabe der Bluesbands. Sie spielten vor allem Deutsch- und Punkrock. Eine von ihnen war „Gefahrenzone“ aus dem thüringischen Saalfeld. Möglicherweise muss  man diese 1985 gegründete Band in die Rubrik „Die anderen Bands“ einordnen. Das hinter mich jedoch nicht daran, „Gefahrenzone“ hier vorzustellen.

Anfänglich spielte diese Band aus dem kirchlichen Umfeld ohne offizielle Spielerlaubnis, meist im Schutz der Kirche. 1988 unternahm man den Versuch an die Öffentlichkeit zu gehen. Das misslang, weil der Band die Spielerlaubnis verwehrt worden ist. Im Programm hatte man vor allem Eigenkompositionen mit systemkritischen Inhalt bzw. griff gesellschaftspolitisch relevante Themen auf. Teilweise vertonte die Band auch Texte von Brecht und Mühsam.

„Gefahrenzone“ hatte zwei wesentliche Besonderheiten aufzuweisen. Zum einen verzichtete sie auf den Einsatz einer Gitarre und zum anderen herrschte unter den Musikern ein Rotationsprinzip. Praktisch beherrschte jedes Bandmitglied alle Instrumente. Die Band konnte bis zum Ende der DDR ihr Nischendasein nie aufgeben. Zwangsläufig gibt es von der Band keine offiziellen Tonträger. Allerdings wurden von Fans Konzerte auf Tonbandkassetten aufgenommen, kopiert und „illegal“ verbreitet. 1998 wurde einige dieser Mitschnitte in Eigenregie auf CD gebrannt und als „Best Of“ veröffentlicht. Zu den bekanntesten Nummern gehörten „Saalfeld By Night“ „Stein auf Stein“ oder den „Schlettwein-Blues“.

Nach der politischen Wende in der DDR wurde die Band aufgelöst. Lediglich 1993 und in 2010 gab es einige wenige Konzerte. So trat „Gefahrenzone“ am 3.02.2010 zusammen mit der „Earthband“ aus Fürstenwalde und der "Freygang-Band" auf der Benefizveranstaltung für die Westsahara auf.

Bandmitglieder: Stefan Stake, Ralf Herbig, Arndt Noa, Lutz Semmler, Martin Devrient (Fagott) und die Sängerinnen Beate Rabe und Gislinde Strunz.

1999 erschien bei dem Thüringer Landesverband für die Stasiunterlagen die Broschüre „Stein auf Stein. Die Saalfelder Punkband „Gefahrenzone“ und die Saalfelder Kulturpolitik in den 1980er Jahren“ von Stake, Herbig und Gabriele Trier.

Arndt Noa (sax, voc, dr) taucht übrigens auf der Besetzungsliste von „Pump“ auf. Diese Band, in der auch Lutz „Kowa“ Kowalewski spielte, existierte in den frühen 1980er Jahren.

 

(Dezember 2011)