Die Nacht der singenden Gitarren

1 400 Besucher genießen das „9. B&W Rhythm & Blues Festival“ im Gerry Weber Event Center von Alexander Heim

Die einen feierten ihre Premiere in Halle. Für andere war es das Heimkommen ins Wohnzimmer des Blues. Und das galt beim „9. Rhythm & Blues Festival“ für Bands wie Besucher gleichermaßen. Denn seit 2003 die ersten Gitarren im neu errichteten Gerry Weber Event Center sangen, hat es sich weit über die Grenzen der Lindenstadt herumgesprochen, wo der Blues zu Hause ist.

„Wir haben vom Festival im Internet gelesen“, erzählt Matthias Ziegert. Auf „Bluesroad.de“ war ihm das Programm aufgefallen. Aus Berlin ist er dafür angereist. Und sein Fazit ist eindeutig. „Ja“, strahlt er, „das hat sich absolut gelohnt.“

Vor allem zwei Bands hatten sein Interesse geweckt: Chris Kramer und Julian Sas. „Ich habe Chris Kramer noch nie gesehen. Das ist deutschsprachiger Blues, den er macht – darum bin ich hier“, verrät er.

Auf „Crazy“ Chris Kramer muss er auch nicht lange warten. Denn der 41-jährige, der noch im November vergangenen Jahres mit Peter Maffay im Zuge der „Tatoos“-Tour auf der Bühne stand, eröffnete den Blues-Reigen.“ Wir machen Musik für die Leute“, erklärt der bekennende Schalke-Fan, der in Kürze in der Veltins-Arena seinen eigens komponierten Schalke-Song spielen wird. „Wir wollen das die Besucher mit einem Lächeln nach Hause gehen.“

Seit drei Wochen ist er auf Tour, spielt in Halle einen Auszug aus seinem Programm. Drei deutschsprachige Cds hat er aufgenommen. Die vierte – „Kramer kommt“ – soll zu seinem Geburtstag erscheinen. „Du musst gehen“ spielt er schon einmal an. „Volle Kraft voraus“ und „Ich bin anders“.

Sein Feedback mit der Mundharmonika ist legendär. Und sein Bekenntnis zum Deutschen auch: „Die, die ich erreiche, erreiche ich jetzt viel tiefer“, ist er überzeugt.

Gegen 21.00 Uhr erreicht auch ein besonderer Gast das Event Center. Aus München ist er eingeflogen. Und genießt bei seinem Eintreffen, Bluesröhre Jessy Martens zuzuhören. In Jeans und kariertem Hemd sitzt Leslie Mandoki vorne vor der Bühne. Und erlebt live mit, wie die Powerfrau aus Hamburg über Stühle und Tische geht. Kraftvoll ist ihr Blues. Rockig. „Mercy“ gibt sie als Zugabe. Und macht deutlich: „Don’t want me to be the girl for one night“.

Ihr Manager und Pianist Jan Fischer steht “brav” am Keyboard, während ihm zeitgleich einige hundert Kilometer weiter nördlich – in Eutin -  der „German Blues Award“ 2011 in der Kategorie „Piano“ verliehen wird.

Gegen 22.00 Uhr, als Moderator Oliver Obermöller Julian Sas und Band ankündigt, hat er Zeit sich zu freuen. Ausgiebig. So etwas passiert schließlich nicht alle Tage. Der Niederländer Sas – er lässt derweil die Gitarren singen, trägt kraftvoll vor allem instrumentale Stücke vor. Eigene. Aber auch Jimi Hendrix‘ „All along the watchtower“. Sein dritter Auftritt in Halle.

Zum Ausklang betritt Gail Duncan die Bühne. Und lässt mit kraftvollem Soul und unterstützt von der „Word Up Band“ dem melodiösem Raum. Für viele die Gelegenheit zum Tanzen.

Die Organisatoren um Peter Schulte – sie freuen sich schon jetzt auf das Jubiläumsjahr 2012. Dann wollen sie – anlässlich der zehnten Auflage des „Rhythm & Blues Festivals“ noch einmal besonders Gas geben, haben sogar Etliches in petto. Was? Das wird natürlich noch nicht verraten. Aber Karten für das Großereignis sind bereits jetzt zu erhalten.

Aus dem Haller Kreisblatt vom 31. Oktober 2011