2012

* 29. Dezember 2012: Heart of Stone in der Kiste/Berlin
* 25. November 2012: John Mayall im C-Club/Berlin
Hilfe! Speiches Tourabschluss mit Voodoo Chile, Charlie Musselwhite und John Mayall zur gleichen Zeit auf den Bühnen der Stadt. Wie soll man sich da entscheiden??????
"Blues From Laurel Canyon" war damals meine erste Original-Platte, für die ich Unsummen von DDR-Märkers hinblättern musste. Noch Fragen?
John Mayall - 79 Jahre und kein wenig müde! Wahnsinn!

foto by: Wladi (HardRock 2)

* 17. November 2012: Eric Sardinas & Big Motor support: Footsteps in Hannover-Isernhagen
Wieder mal in die Garage! Der Hausherr hatte Geburtstag. Aber das war nicht der eigentliche Grund meiner Anwesenheit. Partygäste waren ja ausreichend gekommen. Das war auch gut so, schließlich hätte Henry die Riesengeburtstagstorte, in Form einer Gitarre, nie allein geschafft.
Ich fand, die Jungs aus Torgau hätten ein wenig Unterstützung nötig. Das mussten wohl auch andere gedacht haben, denn vor der Garage parkten Autos aus Berlin, Lübben, Magdeburg und Torgau. Torgau sowieso! 
Wir waren noch beim smalltalk unweit der Knaackschen Würstchenbude, als plötzlich "Jessica" erklang. Das ist in Isernhagen das Zeichen dafür, dass es los geht. Aber jetzt schon? Alles strömte in den "Saal".
Es war Sardinas letzter Gig auf seiner Herbstour durch Deutschland, und der Meister wollte oder musste unmittelbar im Anschluss an das Konzert zurück in die Staaten. So verlegte man kurzfristig den Konzertbeginn nach vorn und strich die Setliste von "Footsteps". Schade!

Ungeachtet dessen, legten die Jungs aus Torgau los und zogen gleich bei der ersten Nummer das Publikum in ihren Bann. So manch einer im Saal geriet ins staunen: "Wo kommen die denn her?"
Gerade mal Anfang 20, pflegt das Torgauer Trio 70er Jahre Bluesrock vom Feinsten und besitzt inzwischen ein umfangreiches Repertoire, dass von Coversongs ihrer Südstaatenhelden "Gov't Mule" und "Lynyrd Skynyrd", der Rockidole von "Cream", "Led Zeppelin" und Hendrix (Voodoo Child) und der Blueslegende Robert Johnson (Crossroads) bis hin zu ihren eigenen Titeln, die inzwischen auch schon zwei Alben füllen, reicht. Doch leider bekamen wir an diesem Abend nur ein Bruchteil dessen zu hören.
Nun, auch dieses mal werde ich mich hier nicht hinreißen lassen und von "gnadenlosem, bretterharten Gitarrensound" oder "Bassläufen zum Niederknien" berichten. Die Fußstapfen aus Torgau sind einfach gut; spielen ihre Musik mit Leib und Seele.

Nach gut 45 Minuten und einer Umbaupause, kam dann der Meister in Begleitung von Levell Price (b) und Bryan Keeling (dr) auf die Bühne. Es war inzwischen unsere dritte Begegnung. Sardinas, der 1970 in Fort Lauderdale geboren wurde, begann mit 6 Jahren die Gitarre zu bearbeiten, spielte auf der Straße und tingelte durch die Klubs, bis endlich Ende der 1990er Jahre auch die Musikindustrie auf ihn aufmeksam geworden ist und der große Durchbruch kam.
Wenn jemand das Prädikat "Gitarren-Virtuose" verleiht, dann darf sich der Sardinas ganz weit vorn in die Warteschlange einreihen. Es bedarf keiner langen Überlegung seine Musik zu beschreiben. Es ist eine explosive Mischung aus Blues und Rock, gespielt auf hohem technischen Niveau.
"Ich spiele Slide, ich spiele Blues, aber es ist "Rock 'n' Blues, den ich auf meine Weise interpretiere", so der Meister. Und dies stellte er an diesem Abend erneut unter Beweis.
Einziger Wehrmutstropfen: ich empfand die langen Kunstpausen und die ebenso langen Ansprachen an das Volk, als störend. Wen interessiert schon, von wessen Mutter welcher Halbbruder abstammt. Oder?


* 9. November 2012: Calling Blues Band in Berlin
Ein wenig traurig war ich schon, dass ich nicht in Isernhagen bei Dan Baird (9.11) und Buddy Whittington (10.11.) sein konnte. Aber schließlich kann man nicht jede Woche nach Hannover fahren. Also fuhr ich in die "Kiste", um mich mit der "Calling Blues Band" aus Berlin zu trösten.
Bei der Begrüßung am Eingang drückt mir doch der Hausherr eine Scheibe in die Hand: "Six String Svengali" von Buddy Whittington! Geil - der Abend war gerettet.

Calling Blues Band

Liam Urwin (voc, g) und Thomas Müller (dr)

Calling Blues - das sind Liam Urwin (voc, g), Hans-Jürgen Lange (bg) und Thomas Müller an den drums. Los ging es mit einer Nummer von Johnny Winter. Dann wurde kräftig weiter gecovert: John Mayall, Cream, Hendrix bis zu Rory Gallagher. Frontmann Urwin ist gebürtiger Ire. Und da ist es nicht verwunderlich, dass er den Gallagher in sein Herz geschlosen hat. Übrigens wenn Urwin mal nicht Gitarren streichelt, dann baut, repariert und verkauft er diese in seinem eigenen Laden in Berlin-Lichtenberg.
Alles war sauber gespielt, doch ziemlich weit vom Original entfernt, aber eine eigen Note konnte ich nicht entdecken.

* 5. November 2012: Alabama Shakes im Astra/Berlin
Vor einem Jahr kannte diese Band noch kaum jemand hierzulande. 2012 waren sie nun schon zum zweiten Mal in Berlin. Man merke sich diesen Namen. Unbedingt! Eine explosive Mischung aus Blues und Soul mit einem gehörigen Schuss Southern-Feeling!
* 19./20. Oktober 2012: 3. Ratinger Bluesfestival
Ich liebe es, wenn andere meinen "Job" machen. Die "Rheinische Post" vom 23. Oktober 2012 schreibt:
Zitat:
So ideenreich ist die Blues-Szene
von Bernd Schuhknecht

Verlorene Liebe und Einsamkeit sind die beiden Pole, aus denen Bluesmusik traditionell ihre Spannungsmomente bezieht. Das klingt vordergründig nach dem stets gleichem Schema (das der zwölftaktige Blues formal tatsächlich hat), eröffnet jedoch inhaltlich auch immer neue Varianten. Wie ideenreich sich die deutsche Blues-Szene aktuell präsentiert, bewies einmal mehr das zweitätige Blues-Festival in der Manege, das bereits zum dritten Mal stattfand und sich damit schon fast das Prädikat "traditionell" verdient hat.

Den Stellenwert des Festivals haben nicht nur die zahlreichen Fans, sondern auch Rockradio.de aus Berlin erkannt, das beide Festivaltage im Internet per Livestream übertrug. Die gute Stimmung, für die am ersten Tag die Marius Tilly Band, die Johnny Rieger Band sowie Chris Kramer & Band gesorgt hatten, setzte sich auch am zweiten fort. Den Anfang machte die Emscher Delta Blues Band, eine Blues-Institution in der Region, mit einer Bläser orientierten Mischung aus Blues, Soul, Funk und Jazz.
Zu Beginn will man der grazilen Nadia Schüler nicht so recht eine kräftige, raue Blueseintonation zutrauen, doch die Sängerin phrasiert dafür mit viel Feingefühl. Beim tieftraurigen "It Hurts So Bad" spendet nur noch ein warmer Orgelsound etwas Trost, dagegen beschwört sie mit dem leicht lasziv angehauchten "How Can It Feel So Good" himmelhoch jauchzende Stimmungen. Mehrere Zugaben müssen sein, bevor das Publikum die achtköpfige Formation von der Bühne lässt.
Leichte Kommunikationsprobleme zwischen Gerd Vogel und Mike Brosman, der 2007 sein exzellentes Live-Album in der Manege eingespielt hatte, ließen den Start von Blind Mungo Chutney etwas holprig geraten. Doch schnell hatten sich Gitarrenvirtuose "Brother Blind", der Stilistiken von Eric Clapton über Ray Cooder und Albert King bis hin zu Stevie Ray Vaughan leicht und locker abrufen kann, und Brosnan eingespielt. "Jetzt wird's laut", kündigte Gerd Vogel an, nippte kurz am Rotweinglas und stürzte sich temporeich in einen Cajunsong, bei dem er mit eleganten Slidetechniken brilliert, die das eher rustikale musikalische Profil von Mike Brosnan perfekt kontrastieren. Auch hier waren Zugaben gefragt.
Fast abenteuerlich mutet der künstlerische Spagat von Schwarzbrenner an. Das Düsseldorfer Trio verbindet expressionistische Lyrik von Georg Heym mit Express-Bluessounds im Stil von ZZ Top und hat damit Erfolg. Leider gelingt es Sänger/Gitarrist Wolfgang Becker, der mal wie Grönemeyer, mal wie Westernhagen klingt, nicht so akzentuiert zu singen, dass die Texte als Ganzes verständlich sind. Dennoch haftet den Vertonungen von "Tod der Liebenden im Meer", "Der Bettler" oder "Allerseelen" etwas Magisches an und ansonsten begeistert pure Bluespower, mit jubelnden Applaus bedacht.




Tja, was soll man da noch ergänzen? Vielleicht das: Schwarzbrenner war nicht nur der Abschluss sondern auch der Höhepunkt eines feinen Bluesfestes.
* 16. Oktober 2012: John Cale (ex-Velvet Underground) in der Passionskirche Berlin-Kreuzberg
* 12. Oktober 2012: The Pretty Things in Berlin
In Erwartung zahlreicher Gäste hatte das "Kisten-Team" sowohl im Konzertsaal, als auch im benachbarten Kinosaal, von wo aus man das Konzert im Clubsessel per Leinwand verfolgen konnte, die Türen weit geöffnet. Schließlich hatte man eine der ältesten, noch aktiven britischen Rock'n Roll Bands eingeladen. Doch die Mehrzahl der Zuschauer zog es dann doch vor, die Band lieber hautnah und live zu genießen. Unter den Zuschauern im Saal befanden sich übrigens auch Musikanten, die man sonst üblicherweise an gleicher Stelle auf der Bühne sieht.

Die Tatsache, dass ich mit "The Pretty Things" nach Mick Taylor nun einen weiteren echten - wenn auch ehemaligen - Rolling Stone hautnah serviert bekommen würde, machte den Abend - nicht nur für mich - zur Pflichtveranstaltung.
Richard "Dick" Taylor (Jahrgang 1943) hatte vor seinem Studium bei den Ur-Rolling-Stones den Bass gezupft, bevor er dann gemeinsam mit seinem Studienkollegen und Sänger/Songschreiber Phil May (Jahrgang 1944) im Jahr 1963 "The Pretty Things" gründete. Benannt hat sich die Band nach einem Song, welcher 1955 von Willie Dixon geschrieben und im gleichen Jahr von Bo Diddley veröffentlicht worden ist. "Pretty Thing" - um es gleich vorweg zunehmen - blieb nicht der einzige Diddley-Song, den wir an diesem Abend zu hören bekamen. Nicht nur bei "Road Runner" war erkennbar, dass die beiden Rock'n Roller tief im Blues verwurzelt sind.

Eine obligatorische halbe Stunde ließen uns die Herrschaften dann doch warten. Dies einzige Stargehabe des Abends sei ihnen verziehen. Begleitet wurden die beiden Ur-Mitglieder von Frank Holland (g, harp, voc), der nun schon mehr als 20 Jahre an ihrer Seite steht, und dem vergleichsweisen jungen Bassisten George Perez. Am Schlagzeug hatte der noch jüngere Jack Greenwood Platz genommen. Dieser leistete augenscheinlich Schwerstarbeit und überzeugte nicht nur durch ein fettes Solo.

Unbekümmert der kleinen Zuschauerkulisse in der "Kiste" legte die Band los. Schon der erste Song war eine unwahrscheinliche Lärmattacke. Und das blieb den ganzen Abend über so. So einen "Lärm" habe ich in der "Kiste" lange nicht mehr erlebt. So war es nicht verwunderlich, dass May schon nach kurzer Zeit eine Strip-Einlage hinlegte und bereits nach dem dritten Song hemdsärmlig auf der Bühne stand. Auch mir war es längst warm geworden.
Vorzugsweise gab es die alten Kracher zu hören. Neben "Money I Need", "Come See Me" gefiel besonders "L.S.D.", ein Song aus ihrer Psychedelic-Ära der Band.Irgendwann kam dann auch "She Says Good Morning". Oh man, wie lange habe ich diesen Song nicht mehr gehört. Der Bringer des Abends. Erschienen ist er 1968 auf ihrer vierten Langspielplatte "S.F. Sorrow". Eigentlich hatten "The Pretty Things" nie einen wirklichen Hit, aber mit dieser Lebensgeschichte des Sebastian F. Sorrow gelang ihnen die erste Rockoper überhaupt.

Mit Sicherheit geht die Band heute nicht mehr als "Bühnenschreck" durch. Immerhin sind die beiden Frontmänner schon Ende sechzig. Wer weiß, wo ich in diesem Alter stehen oder liegen werde! Aber ansatzweise war schon zu erahnen, was damals in den Sixties in den Londoner Klubs abging.


* 29. September 2012: John Campbelljohn-Trio in Berlin

 

War das nun Americana, Boogie oder gar Blues? Eine schöne Reggae-Nummer war auch dabei. Egal,…eine geile Mugge war es in jedem Fall, die uns der kanadische Meister der Slide-Gitarre an diesem Abend in der „Kiste“ geboten hat. Obwohl das Trio ziemlich oft in Deutschland tourt, war es unsere erste Begegnung.


Gekommen war er in Begleitung des relativ jungen Bassisten Andrew Lambert und seines ziemlich „abgefahrenen“ Schlagzeugers Neil Robertson. Schon nach der ersten Nummer war mir – und offensichtlich auch dem übrigen Publikum, welches kräftig applaudierte – klar, weshalb J. Campbelljohn bereits unzählige Preise abgefasst hat. Unlängst erst wurde er als „Canadian Blues Slide Gitarrist oft he Year“geehrt. Tatsächlich bearbeitete der Mann, der offensichtlich keltische Wurzeln hat – zumindest deutet sein letztes Album „Celtic Blues“, welches im April 2011 bei „Pepper Cake“ erschienen ist, daraufhin -, sein Arbeitsgerät meisterlich und mit viel Liebe. Abwechselnd bediente er sich der E-Gitarre, eines Banjo und seiner „Boogie-Blechbüchse“, wie er sie selbst liebevoll nannte.


Wie immer vor einer ersten Begegnung, hatte ich mich im Vorfeld nicht über das informiert, was mich an diesem Abend erwarten wird. Noch immer BILDe ich mir meine eigene Meinung, sodass ich sein Repertoire nicht kannte. Eine Set-Liste war nirgendwo auszumachen. Aber ein paar Nummern sind mir dann doch im Gedächtnis geblieben, wie „Key To The Highway“ oder „The World Is Crazy“. Letztere Nummer wurde übrigens von der Berliner Band „Crinkle Cut“ gecovert und war mir daher sogar bekannt. Gecovert hat übrigens auch Campbelljohn u.a. die Stones, und von Lou Reed war "Take A Walk On The Wild Side" erkennbar. Aber zu meinen Favoriten wurden dann doch der „Cherokee Boogie“ und „Mississippi Queen“.

 

Bereits nach der dritten Nummer hatte sich die Tanzfläche vor der Bühne gefüllt. Auch ich hatte inzwischen meinen Platz verlassen, als sich plötzlich Campbelljohn spielend unter die Tanzenden mischte. Offensichtlich genoss er das „Bad in der Menge“, griff sich schnell mal ein volles Bierglas und strich damit über Saiten seiner Gitarre und drückte gar einer völlig verblüfften Dame seine Gitarre in die Hand, während er sie weiter „streichelte“. Mich erinnerte diese Showeinlage – sowie der Abend überhaupt – irgendwie an Abi Wallenstein.

 

Fazit: Wieder einmal ein vergnüglicher Abend. Und nun: Warten auf „Dick“ Taylor!

* 14./15. September 2012: Open Air Vollmershain

The Core
 Heike May
  Tino Standhaft&Band
   Engerling
    Footsteps
     Tis'n Rup
      Speiches Monokel Blues Band
       Lone Wolf
        Trailer Trash Tremblers
         Bluesrudy&Peter Schmidt
          Monokel-Kraftblues&Friends
           Sirius


* 08. September 2012: KISTEnBluesnacht mit der Joris-Hering-Blues-Band

Der Sommer ist vorbei und mit ihm die Sommerpause. Zur ersten Bluesnacht nach der Pause hatte Fred die "Joris-Hering-Blues-Band" nach Hellersdorf geholt. Obwohl ich die Band erst kürzlich in Niederlehme erlebt hatte, machte ich mich auf den Weg in die "Kiste". Waren in Niederlehme "nur" die Brüder Hering angereist, stand an diesem Abend die Band in voller Besetzung auf der kleinen Bühne.

Seitdem Ehefrau Hering ihren mütterlichen Pflichten den Vorrang einräumte, sitzt Marius Dümke am Schlagwerk. Dümke, Jahrgang 1988, stammt aus Bad Dürrenberg. Obwohl noch jung an Jahren, beherrscht er sein Handwerk meisterlich. Kein Wunder; hat er doch eine klassische Schlagzeug-Ausbildung genossen. Erste Erfahrungen im Bereich der U-Musik machte Dümke bereits mit 15 Jahren in einer Coverband. Wenn er mal nicht in Sachen Blues beansprucht ist, dann trommelt er bei "Diskant" aus Naumburg und der Hallenser Krautrockband "Fake Blanche".

Lag es nun an den treibenden Beats von Dümke oder nur an der reichlich vorhandenen Spiellaune? So druckvoll und engagiert hatte ich Frontmann Joris Hering noch nie erlebt. Und das - obwohl nur etwa 30 Leute den Weg in die "Kiste" gefunden hatten, aber die hatten ihren Spaß! Immer mal wieder streifte mein Blick in die Runde. Irgendein Körperteil war bei jedem in Bewegung.

Ganze zwei Stunden hielt die Band das Tempo durch, reihte einen Song an den anderen - vorzugsweise eigene, deutschsprachige Bluesnummern. Ach ja! Eine Neuerung gab es dann auch noch: die Band hatte sich einen Gast mitgebracht. Harper Jose Campana Lewis gab sein Debüt bei der JHBB.

* 17. August 2012: "Rock mal anders" in Berlin-Biesdorf


Fast hätte man hier auch "Girls with guitars" titeln können. Fast - wenn da nicht die Musiker mit den Brusthaaren (laut eigener Aussage) von "Coppelius" gewesen wären. So bleibt es bei "Rock mal anders".

 

Punkt 18.00 Uhr. Strahlender Sonnenschein über der Parkbühne. Drei blutjunge Damen aus Hradec Kralove (Cz) betreten die Bühne. Etwas "verloren" wirkten sie schon auf der großen Bühne im Schlosspark. K 2 - nennen sie sich und spielen schon seit 2005 zusammen. Gerade mal zwischen 18 und 19 Jahre alt sind die talentierten Rockerinnen, aber haben dennoch schon über 500 Konzerte gegeben und zwei eigene Alben veröffentlicht. Ihr Debütalbum "Rocklotion" wurde 2008 in München aufgenommen. Von diesem Album gefiel besonders die Nummer "Go". Die Songs wurden teils in tschechischer, teils in englischer Sprache dargeboten. Meist rockige Nummern im Stile von AC/DC. Auch das etwas ruhigere "Why You Do Left Me" fand ich besonders gelungen.

Gecovert wurde natürlich auch. Logisch! Natürlich AC/DC. Doch blieb ihre Version von "Back in Black" qualitativ hinter dem zurück, was "Black Rosie" später an gleicher Stelle bot. Mit "T.N.T." wurde nach gut einer Stunde ihr Finale eingeleitet. Doch zuvor gab es für den "Blueser" auch einen Blues: "Walking By Myself" von Gary Moore. Auch wenn sich die Mädels redlich mühten - die Bassfrau schien mir ist die treibende Kraft im weiblichen Trio -, das sonst eher "tanzwütige" Biesdorfer Publikum blieb auf den Plätzen! 

"Coppelius hilft", so der Slogan des nächsten acts. Auch nach gut 190 minütiger Show, habe ich nicht herausgefunden wobei mir Coppelius helfen könnte.

Mit eigenwilligem Instrumentarium und entsprechender Maskerade boten die 5 netten Herren tatsächlich Rockmusik, die anders war. Ihr Stil ist wohl dem Metal zu zuordnen. Aber so genau kenne ich mich da nicht aus. Sie selbst bezeichnen ihre Musik als "Kammer Core aus dem 19. Jahrhundert". Hörte sich derart Musik auch ungewohnt für meine eher Bluesrock verwöhnten Ohren an, so war sie jedoch nicht uninteressant. Dennoch hatte ich den Eindruck, dass die Band thematisch nicht recht in das line up des Abends passen würde. Dem vorwiegend jugendlichem, in schwarz gekleideten Publikum, welches sich zahlreich vor der Bühne versammelt hatte, hat es augenscheinlich gefallen.

Den Abschluss des Abends - die Dunkelheit war längst herein gebrochen - gestaltete "Black Rosie - The Female Tribut To AC/DC. Die Damen waren nicht zum ersten Mal nach Berlin gekommen. Ich habe schon einige Konzerte der Band erlebt und wusste also worauf ich mich einlassen würde.

Kaum hatten die Mädels die Bühne betreten und ein wahres Feuerwerk entfacht, füllte sich der Platz vor der Bühne mit dem tanzwütigem Biesdorfer Publikum im gesetzten Alter. Über eine Stunde lang rockten sie sich durch die 40jährige AC/DC-Geschichte. Und wieder boten sie eine perfekte Performance. Frontfrau Karo Blasek, die übrigens aus Wernigerode stammt, fegte ununterbrochen von einem Bühnenende zum anderen, schüttelte immer wieder ihre Mähne, ging hin und wieder zu Boden und landete schon mal mitten im Publikum, während ihre Kolleginnen Gaby Neitzel (g), Claudia Jung (g), Angie Schneider (bg) und Anja Gawron (dr), die ihre Instrumente perfekt beherrschten, eher bescheiden im Hintergrund ihre "Arbeit" verrichteten.

Der Höhepunkt ihrer Schow war zweifelsfrei "Touch To Much" aus der Bon-Scott-Ära (1974-1980). Bevor mit "Hells Bells" der Rausschmeißer erklang, gab es noch eine Neuerung. Erstmals hatten sie einen eigenen Titel im Programm. Geschrieben hat "AC/DC" Leadgitarristin Gaby aus Hannover.

Auch wenn ich ohne "The Jack" nach Hause gehen musste, war es doch ein vergnüglicher Abend. Einziger Wermutstropfen, die mehrfachen Unterbrechungen. Aber die hatten die MÄNNER an der Technik zu verantworten. 

* 04. August 2012: 9. Blues Open Air in Niederlehme

Nun schon zum neunten Mal präsentierten uns die Macher von „Blues am Rand“ das Open - Air in Niederlehme. In diesem Jahr gab es gleich zwei Neuerungen. Erstmals fand das ‚warm up’ am Vorabend auch auf dem Festivalgelände statt, so dass sich das Open Air in Niederlehme nun auch über zwei Tage erstreckt. Wie man hörte, hat das Bluesvolk die Neuerung angenommen. An die 150 Leute waren gekommen. Sicherlich war das auch dem angekündigtem ‚line up’ geschuldet. Aus Lutherstadt Wittenberg waren „Wolle“ und „Speiche“ und aus Berlin „Doc Moan“ mit seiner Band gekommen. Es wurde gebluest und gejammt bis tief in die Nacht hinein. Nur LEIDER ohne mich.

 

Die zweite Neuheit gab es dann am Samstag. Erstmalig gab es eine „Nebenbühne“, auf der die Umbaupausen auf der großen Bühne überbrückt wurden. So gab es – zur Freude des Publikums – Blues non Stop. Diesen Job hatte die „Joris Hering Blues Band“ aus Berlin übernommen. Und die mussten gleich mehrmals an diesem Abend ran. Die JHBB, die in abgespeckter Variante als Duo Hering&Hering auftrat, bot einen handgemachten, kraftvollen Blues; quasi ‚Blues zum Anfassen‘. Das Repertoire besteht mehrheitlich aus eigenen, deutschsprachigen Titeln. So gab es Bekanntes, wie „Wunderschön“, „Sie verlies mich heute Morgen“ oder „Regen“, aber auch Neues bzw. lang nicht Gespieltes, wie „Lied an den Fluss“ – eine wunderschöne Bluesnummer - zu hören.

Los ging es aber mit den Männerverstehern aus Potsdam-Babelsberg auf der Hauptbühne. Es war noch früh am Abend, und die Reihen vor der Bühne füllten sich zögerlich. Doch das änderte sich im Verlauf des Abends. Gekommen waren mindestens doppelt so viel Menschen, als am Vorabend. Und ein Blick auf die KfZ-Kennzeichen verriet, manch einer hatte eine lange Anreise. Eigentlich erstaunlich, lief doch zeitgleich die „Zappanale“ in Bad Doberan, in Gößnitz standen die „Freygang-Band“ und „Kirsche&Co.“ auf der Bühne und im „Manitu“ ging ein Rock- und Bluestreffen u.a. mit der „L.E. Boogieband“ und „Double Vision“ über die Bühne.

Die „Männerversteher Blues Band“ ist seit Jahren vorzugsweise im Potsdamer Raum unterwegs, stand aber auch unlängst erst in Dresden und im benachbarten Tschechien auf der Bühne. Im Vorfeld war zu hören, es gäbe einige Neuerungen bei den Männerverstehern. Zumindest habe ich ein neues Gesicht entdecken können. Neben Frontmann „Steini“ stand mit „Willi“ Borchert, einer der Gründungsväter der legendären „Monokel-Bluesband“ auf der Bühne. Wie heißt es doch so schön bei Joris Hering: Kill den Alltag mit Alltagsblues. Es sind vor allem Alltagsgeschichten, die uns die Band zu erzählen hat. Man schöpfte aus dem Vollen: „Der Blues vom Wachmann Franz“, „Internet“, „Isabell“ oder der „Sonntagsblues“.

Manch einem mag die Sprache der Blueser aus dem Nuthetal etwas zu derb sein. Ich kann es ab und kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Spätestens bei "Hast du eine Frau oder lebst du schon?" müssen es wohl alle! Aber es gab auch internationale Bluesstandards, wie „Caledonia“ oder „My Babe“ im Programm. Dann durfte Chris ans Mikrofon, den man auch ab und an bei „Handgezapft“ erleben kann.


Gegen 20.00 Uhr wurde es eng auf der Bühne. Ebylee Davis hatte gleich eine ganze „Superband“ mitgebracht. Alle samt Vollblutmusiker, die seit Jahren fester Bestandteil der Westberliner Musikszene sind und inzwischen längst auch die ostdeutschen Bühnen erobert haben. Über zwei Sets gab es Blues, Soul und Swing der Spitzenklasse. Meinen bluesrockverwöhnten Ohren tat es offensichtlich ganz gut, mal wieder einem hervorragenden Bläsersatz lauschen zu können. Der US-Amerikaner Davis lebt inzwischen seit 1980 in Berlin und gilt als einer der besten R&B-Sänger. Mit seiner Superband hat er inzwischen weit mehr als 7 000 Konzerte gegeben und 19 CDs aufgenommen.

Aber die Frau am Piano war vor allem eine Augenweide. Nina T. Davis sieht man – wenn sie nicht gerade mit der Superband unterwegs ist – vor allem an der Seite von Kat Baloun. Sie hat aber auch schon gemeinsame Sache mit BluesRudy gemacht, und wird es am 24. August in Langerwisch wieder tun. Aber es gab noch weitere bekannte Gesichter.

An der Gitarre J. Bailey, der nun schon seit Jahren den Ton in Speiches Monokelband angibt, mit Heinz Glass (Epitaph, Glass-Band, Speiches Monokel Bluesband) als „Glass of Bailey“ auf der Bühne steht oder wie unlängst in Kreuzberg dem Publikum ein gemeinsames Projekt mit Ernie Schmiedel vorstellte. Hautnah kann man Bailey auch im Berliner Rickenbackers erleben, wenn er die montägliche Soulsession leitet.

Etwas im Hintergrund agierte Tom Blacksmith, der üblicherweise mit den „Soulminers“ spielt.

Im zweiten Set gab es dann noch eine Überraschung. „Miss Lana“ – eigentlich Lana Koeft – , eine Schweizerin, die Berlin zu ihrer Wahlheimat gemacht hat, übernahm das Mikrofon. Frauenpower pur!

 

Inzwischen war längst die Dunkelheit über Niederlehme herein gebrochen, als der Harper Thomas Schied aus Halle im Duett mit Trevor Hansbury das 9. Open Air in Niederlehme ausklingen ließen. Doch da befand ich mich bereits auf dem Heimweg. Es soll auch Leute geben, die sonntags arbeiten müssen.

Fazit: Ein gelungenes Bluesfest mehr. Dank an die Organisatoren um „Blues-Homi“ und die vielen fleißigen Helfer.

    

* 28. Juli 2012: Jessy Martens & Band auf dem Ducksteinfestival in Berlin-Charlottenburg
* 20. Juli 2012: Young & Cash in Berlin-Biesdorf
* 29. Juni 2012: Kreuzberg jazzt!

* 23. Juni 2012: Melanie in der Parkbühne Berlin - Biesdorf

    

Nicht zum ersten Mal hatte Fred „The summer of '69“ nach Biesdorf geholt. In diesem Jahr offerierte er uns die „Grand Dame“ des Folk: Melanie (eigentlich: Melanie Safka). Damals – 22jährig – stand sie in Woodstock auf der Bühne und sang „Lay Down (Candles In The Rain).

Kerzen waren an diesem zeitigen Samstagabend im Biesdorfer Schlosspark nicht nötig. Aber der Regenschirm schon – wenn auch nur zeitweilig. Auch ich hatte schon den ganzen Tag über besorgt in den Himmel geschaut, ließ mir aber den Abend dennoch nicht vermiesen. Erstaunlich! Andernorts sind ihre Konzerte heute noch immer ausverkauft. In Biesdorf dagegen hätten noch gut einhundert Leute mehr rein gepasst. Dennoch waren die „älteren Herrschaften“ zahlreich in die Parkbühne gepilgert. Manch einer hatte sogar sein Batik-Shirt und die knall gelben Schlaghosen hervor geholt. Andere dagegen waren „schlicht“ in Parka, Jeans und „Klettis“ gekommen.

Pünktlich 19.00 Uhr betrat Melanie die Bühne. Fred war noch dabei das Publikum zu einem tosenden Begrüßungsbeifall zu animieren. Woodstock hat die inzwischen 65jährige zum Star gemacht. Star ist sie auch heute noch, wenn auch gänzlich ohne Starallüren. Stattdessen zeigte sie sich ziemlich locker, plauderte vergnügt mit dem Publikum und überspielte lachend so manch kleine Panne. Und dann kamen sie - all' ihre Songs, mit denen wir alt geworden sind: „Beautiful People“, „RubyTuesday“, „Look What They Done To My Song Ma“ und mein persönlicher Favorit „Brand New Key“. Jener Song war wohl auch ihr größter Erfolg. 1971 hielt er sich 14 Wochen lang auf Platz 1 der US-Charts. Doch damit nicht genug. Es gab auch jede Menge neues Material. Manch einer hat es wohl gar nicht mitbekommen. Unerschöpflich ist ihr Repertoire. Melanie hat inzwischen 37 (!) Alben veröffentlicht. Ihr aktuelles Album „Ever Since You Never Heard Of Me“ stammt aus 2010.

Fast 1,5 Stunden stand sie, begleitet von ihrem Sohn Beau, auf der Bühne, gab zwei Zugaben und war anschließend sogar zu einer „Autogrammstunde“ bereit. Beachtlich!  

* 17. Juni 2012: The Travelin Band in Berlin - Köpenick

 

 

Peter „Paule“ Fincke war an diesem Wochenende ein viel beschäftigter Mann. Gestern hatte er an gleicher Stelle letztmalig einen Aushilfsjob bei „Bluewater“. Heute nun spielte er mit seiner Stammband auf dem „Köpenicker Sommer“. Lange, sehr lange hatte ich nichts von der „Travelin Band“ gesehen. Steht diese CCR-Tributband auf dem Programmzettel, bedeutet das stets ein Wiedersehen mit „alten“ Bekannten, aber dies ist nicht der alleinige Grund meiner Anwesenheit auf dem Schüßlerplatz. Schaue ich mir das Logo der Band an, so fühle ich mich gleich zu Hause! Swamp-Rock nennt man den Sound von „Creedence Clearwater Revival“. Die musikalische Verwandtschaft mit den alten Südstaatenrockern ist unverkennbar. Schließlich hat John Fogerty nie einen Hehl aus seiner Liebe zum Süden der USA gemacht.

Seit mehr als 35 Jahren stehen „Paule“ Fincke (dr) und Wolfgang „Wolle“ Densky (g) nun schon gemeinsam auf der Bühne. Begonnen hat alles 1977 bei „Joco Dev“, einer Berliner Rockband, die ich in den 1970er Jahren favorisierte. 1981 gehörten beide zu den Gründungsmitgliedern der erfolgreichen Heavy-Metal-Band „Formel1“. Nach deren Auflösung 1986 wechselte „Wolle“ zu den Hardrockern von „Babylon“, wo er auf Hubert „Hubi“ Meyer (bg) traf. Mit der politischen Wende in der DDR war auch bei „Babylon“ Schluss mit lustig. 1996 traf man sich wieder und zollt nun dem Altmeister Fogerty Tribut. Komplettiert wird die „Travelin Band“ durch „Micha“ Kawa (voc, g). So begaben sich die vier Rocker – zur Freude der Anwesenden – auf eine über zwei Stunden dauernde Zeitreise von den alten CCR-Klassikern bis hin zu den alten und neuen Fogerty-Hits, wie „Rockin‘ All Over The World“ (bekannt geworden durch „Status Quo“) oder „Deja Vu“ vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 2004.

 


* 07. Juni 2012: Lynyrd Skynyrd in der Zitadelle Spandau

Die eher enttäuschende Veranstaltung in der Schmeling-Halle noch im Hinterkopf, machte ich mich dennoch auf dem Weg nach Berlin-Spandau. Es konnte ja nur besser werden. Gleiches mussten wohl die etwa viertausend Besucher in der ehrwürdigen Zitadelle auch gedacht haben. Prominenz war auch gekommen. Nein, ich meine nicht Thorsten, Tilo oder die Herren aus dem "Haubachtal", die sich um mich herum gruppiert hatten. Gemeint ist Frank Zander! Das Wetter spielte mit, das Bier schmeckte und "The Brew" als Vorband, war bestens dazu geeignet, um die Stimmung anzuheizen.

 

Dann kamen sie: Rossington (g), das einzig verbliebene eigentliche Gründungsmitglied, Johnny Van Zant (voc), Medlocke und "Sparkey" Metejka an den Gitarren, Keys (key), Cartellone (dr) und die beiden Damen Frau Rossington und Carole Chase. Neu im line up war - wie bereits vor der Tour angekündigt - Bassist Johnny Colt, ein ehemaliges Mitglied der "Black Crowes". Und dann ging die Post ab. Schon beim ersten Song "Workin' For MCA" war die Schmeling-Halle vergessen. Es folgte "Skynyrd Nation" vom aktuellen Album, welches nicht mehr lange aktuell bleiben wird. Spätestens als "What's Your Name?" erklang, gerieten die Reihen vor der Bühne ins Wanken. Kaum einer der Anwesenden hatte noch alle seine Körperteile unter Kontrolle. Und spätestens jetzt wusste man, der Abend wird zum Fest!

 

Dann folgte "Simple Man". Vor der Bühne setzte ein gewaltiger Chor ein. Es war gewissermaßen die Generalprobe für das Finale mit "Sweet Home Alabama" und "Free Bird". Doch zuvor gab es noch ein Medley von Lynyrd-Klassikern, eingeleitet mit "Gimme Back My Bullets", wie uns Ronny ankündigte. Doch waren das nicht zuvor auch Klassiker? Nach über einer Stunde kam das Finale. Wie immer setzte "die Legende" mit "Sweet Home Alabama" den Schlusspunkt, und als Zugabe folgt die Southern-Hymne "Free Bird". Was sollte danach noch folgen?


Fazit: Ein gelungener Abend, der durchaus mit früheren Konzerten der Southern-Rock-Legende mit halten konnte. Ein perfektes Repertoire, voll gestopft mit den alten Songs, von denen man nie genug bekommen kann. Die alten Haudegen Rossington und Medlocke noch immer "gut in Schuss", ein Van Zant in Bestform und ein Neuer, der so tat, als würde er schon immer dazu gehört haben!

Es gab nichts zu bereuen. Freuen wir uns auf "Gov't Mule"!

* 02. Juni 2012: 50 Jahre Rollende Steine in Berlin-Biesdorf
"Starfucker" - das war gestern (in Neuenhagen)!
50 Jahre Rollende Steine - ist heute.
Nur etwa 10 Kilometer weiter stadteinwärts waren gleich drei Bands angetreten, um die etwa 400 Besucher in der Parkbühne in Partylaune zu versetzen.

Den Anfang machten "Mick and Stones" aus Hamburg. Obwohl sich der singende Chirurg Mick Stachow redlich mühte, wie ein Derwisch über die Bühne fegte, mehrfach dem Publikum auf die Pelle rückte und sich als Animateur versuchte, verhielt sich das Publikum, welches mehrheitlich jenseits der 50 war, noch reserviert. Ein Blick auf die website der Band verrät, "Mick and Stones" verstehen sich als Showband und Partyknüller. Das waren sie dann auch!

Als nächste Band kam "Heart of Stone" aus Berlin. Mit dieser Band standen auch gleich mehrere bekannte Gesichter, u.a. zwei ehemalige Mitglieder der ostdeutschen Blueslegende "Monokel", auf der Bühne. Frontmann Pad Schneider versteht sein Geschäft. Nach dem Ausstieg bei "Monokel" im Jahre 1977 machte er mit der "Kessy-Rock-Show", der ersten Stones-Revival-Band der DDR, Karriere und hat bis heute den Spaß am Rock'n Roll nicht verloren. Anders als ihre Vorgänger setzte die Band auf handwerkliches Können und verzichtete auf Showeffekte, und konnte offensichtlich so beim Publikum punkten. Plötzlich wurde es eng vor der Bühne. Man löste sich mehrfach am Mikrofon ab. Keiner der drei Herren unternahm den Versuch den Jagger zu kopieren. Gut so!

Und dann kam "Ed Stone", sozusagen die Lokalmatadore aus Biesdorf. Die Band wird als beste Stones Coverband gehandelt. Doch wer will das beurteilen? Zumindest gewann man in 2007 den "Deutschen Rock & Pop Preis" in der Kategorie "Beste Cover/Revivalband". Mir schien, als habe man die Setlisten aufeinander abgestimmt. Während "Heart of Stone" mit "Ruby Tuesday", "Heart Of Stone" oder "Dead Flowers" es eher ruhig angehen ließ, machte "Ed Stone" Druck: "Gimme Shelter", "Symphaty For The Devil" bis hin zu "Midnight Rambler". Ganz nach meinem Geschmack.

Kurz vor 22.00 Uhr. Fred betrat die Bühne. Doch bevor er mit der Hand in Richtung Ausgang zeigte, holte er alle drei Bands noch einmal auf die Bühne. Gemeinsam zelebrierte Biesdorf "Satisfaction". It's only Rock'n Roll...

* 25. Mai 2012: Gitarrenhereos in Berlin-Biesdorf

Es war wieder einmal viel los in und um Berlin; vom Bluesfestival in Dresden mal ganz abgesehen. Ich aber entschied mich für die „Gitarrenhereos“ und lag damit goldrichtig. Strahlender Sonnenschein lag über der Parkbühne im Schlosspark Biesdorf. Das war in den vergangenen Jahren nicht immer so. Als ich das letzte Mal versuchte, eines der äußerst selten gewordenen Konzerte von „East Blues Experience“ ebenda zu erleben, war Land unter in Biesdorf. Das Konzert fiel aus.

Pünktlich um 17.30 Uhr stand die erste Band des Abends auf der Bühne. Auf pünktlichen Beginn legt man in Biesdorf großen Wert, muss man doch wegen der strengen Auflagen der Berliner Umweltämter ebenso pünktlich beenden. Den undankbaren Job des Openers hatte "fuel to the fire" übertragen bekommen. Die Bankreihen waren an diesem frühen Abend noch ziemlich spärlich besetzt, doch das sollte sich im Verlauf des Abends noch ändern. Die in 2005 gegründete Band, stand nach zweijähriger Pause erstmalig wieder auf der Bühne. Nach solch einer langen Pause musste man mit Veränderungen rechnen, und die gab es auch. Nein, dem Gallagher ist man noch immer treu geblieben. Aber die "alten Hasen" Ryk Boden (g), Thommy Ellwitz (voc) und Rico Kästner (bg) haben sich eine junge Dame ins Boot geholt. An der Orgel saß erstmalig Nele Roland. Und es gibt noch eine Veränderung. Das Schlagzeug bedient jetzt Peter Walschef. Er hatte einst mit Ryk zusammen in der "Passat-Blues-Band" gespielt. Gut eine Stunde spielte man sich quer durch das Gallagher-Repertoire; aber es gab auch "Black Sabbath", C,S&N und zwei herrliche Nummern von Warren Haynes zu hören. Natürlich veranstalteten die eher gesetzten Herren bei weitem nicht so einen Budenzauber, wie ihre weitaus jüngeren Kollegen von "Double Vision" aus Thüringen, aber ein vergnüglicher Start in den Abend war es allemal.


Es war inzwischen 19.00 Uhr geworden, als ein auffällig gut gelaunter Peter Schmidt (voc, g), gefolgt von seinen ebenso gut gelaunten Kollegen Rainer Engelmann (bg) und Ronny Dehn (dr), die Bühne betrat. Offensichtlich herrschte sowohl auf der Bühne als auch vor der Bühne Freude darüber, dass endlich mal wieder EBE zum Konzert aufspielte. In 2005 hatte sich die Band offiziell aufgelöst, nahm aber im Jahr 2007 mit „V 10“ ein weiteres Studioalbum auf und ging im Frühjahr 2008 nochmal auf Tour in Deutschland. Mit diesem Album sorgte EBE ein weiteres Mal auch im Ausland für Aufsehen. Das Abschlusskonzert der „V 10 – Tour“ fand übrigens auch in Biesdorf statt. Seit her gab es nur einige ganz wenige Konzerte.

An diesem Abend hatten sie erneut einen ganz jungen Gitarrenhereo an ihrer Seite. Adrian, Sohn von Ronny Dehn, schlug sich wacker an seinem Arbeitsgerät und brauchte sich ganz bestimmt nicht hinter den Alten zu verstecken. Er spielt übrigens demnächst mit seiner Band „The White Dukes“ an gleicher Stelle im Vorprogramm von „Engerling“ und „DeWolff“. Das wird mit Sicherheit ein weiteres Highlight im Konzertsommer 2012. Was die Holländer mit „DeWolff“ können (das Durchschnittsalter der Band beträgt 18 Jahre), können Berliner schon lange; sind doch die Musiker von „The White Dukes“ gerade mal zwischen 13 und 15 Jahre alt.

Schon beim ersten Song gab es gehörig etwas auf die Ohren. Kaum war der letzte Akkord verklungen, sorgte Papa Dehn für eine Überraschung. Der wusste nicht nur durch sein brillantes Trommelspiel zu überzeugen. Mit einem gigantischen Sprung von der Bühne und einem Sprint quer durch die Reihen hin zur Technik und zurück, versetzte er das Publikum ins Staunen. Diese Aktion dauerte keine zwei Minuten. Gut 1, 5 Stunden dauerte dagegen das Feuerwerk auf der Bühne. Man spielte fast ausschließlich eigenes Material von „Good Understanding“, aufgenommen 1994 mit Carey Bell, bis „V 10“. Und ganz zu meiner Freude, gab es dann auch irgendwann „Call Me The Breeze“ und „Alabama“. Wahnsinn!

    

Dann kam Todd Wolfe in Begleitung von Justine Gardner am Bass (!) und Roger Voss (dr). Und die setzten noch einen oben drauf. Und so langsam geriet nun auch das Volk vor der Bühne in Bewegung. Niemand schien zu bemerken, wie die Zeit verging. Es war weit nach 22.00 Uhr als Fred, der Hausherr, dem Spektakel auf der Bühne ein Ende setzte. Ein absolutes Novum in Biesdorf!

* 4. Mai 2012: Bluewater in der Kiste/Berlin
"Bluewater" - das ist eine in 2010 gegründete Coverband aus Berlin. Gecovert wurde von "Texas" und "Bad Company" über G. Moore bis SRV. Aber auch Joe Bonamassa war im Programm.

Auch diese Coverband hat etwas besonderes, sonst wäre ich ja nicht dort gewesen. Das Besondere ist Frontfrau Jenny Kallabis. Auf der website der Band ist zu lesen,die Band stünde für kraftvollen und sensiblen Rock'n Blues und Gäsehaut-Feeling. Die Gänsehaut bekomme ich jedes Mal, wenn Energiebündel Jenny Janis Joplin singt.

Am Schlagzeug dieser Band sitzt übrigens Peter "Paule" Fincke. Na, dämmert es? Fincke war Schlagzeuger bei der wohl bekanntesten Metal-Band, "Formel I", der DDR. Diese, aus "Joco Dev" hervorgegangene, Band sorgte damals für ein Novum, als sie das erste Heavy-Metal-Album der DDR, aufgenommen im Stahlwerk Hennigsdorf, veröffentlichte.
Und da war noch ein bekanntes Gesicht zu entdecken. Jenseits der Bühne stand Rico. Er spielt den Bass bei "fuel to the fire". Nach zweijähriger Pause steht diese Band erstmals im Vorprogramm von Todd Wolfe in Biesdorf wieder auf der Bühne.

* 21. April 2012: Kolophon im Zenner/Berlin
 

Wer gibt schon gern öffentlich zu, dass er gelegentlich fremd geht? Die Männer von „Kolophon“ jedenfalls haben damit kein Problem. Und ich finde, sie könnten das auch öfters tun. Obwohl sie mehrheitlich ihr Geld als Sinfoniker verdienen, nehmen sie ab und an mit Leidenschaft Ausflüge in die Hardrock-Fraktion. Und dies tun sie sogar auf ganz besondere Weise, indem sie uns Rockklassiker neu arrangiert und mit einem eigenwilligen Instrumentarium zu Gehör bringen.

 

Thommy Ellwitz, der Frontmann, ist ein viel beschäftigter Sänger mit ausgesprochener Rockröhre. Neben „Kolophon“ singt er auch bei der Gallagher-Coverband „Fuel Tothe Fire“, „Strings likes Wings“ und „Feedback“. Ellwitz, der aus gesundheitlichen Gründen längere Zeit pausieren musste und während dieser Zeit von Monte (Ex-Setzei) würdig vertreten worden ist, stellte an diesem Abend eindrucksvoll unter Beweis; er hat es noch nicht verlernt hat.

Markolf Ehrig spielt seit 1989 die erste Geige im „Konzerthausorchester Berlin“ und macht eben das auch bei „Kolophon“. Genauer gesagt, spielt er hier eine 7-saitige (!) Violine.

Uwe Emmrich spielt im Konzerthausorchester seit 1994 Viola. Bei „Kolophon“ steht er Ehrig mit der Bratsche zur Seite. Und steht „Thin Lizzy“ auf der Setliste kann er nicht anders, dann drängt er sich sogar an das Mikrofon.

Dritter im Bunde ist Ulrich Helmholz. Auch er kommt vom Konzerthausorchester, dem er bereits seit 1971 angehört und üblicherweise Viola spielt. In der Band zeigt er sich als äußerst agiler Rocker und bedient den E-Bass.

Auch Drummer Edwin Kaliga ist Mitglied im Konzerthausorchester.

Ihnen zur Seite steht der freiberufliche Musiker und Gitarrist Bernd Kirstein.

 

Es war nicht mein erster Besuch bei „Kolophon“. Ich wusste also, was mich erwartet. So manch einer der Anwesenden geriet jedoch gehörig ins Staunen. Die musikalische Heimat der Musiker bürgt für Qualität. Mit gleicher Professionalität spielten sie auch an diesem Abend im „Zenner“ einen Rockklassiker nach dem anderen; von „Thin Lizzy“ über „Led Zeppelin“ bis Manfred Mann, und immer wieder „Deep Purple“. Gut 3 Stunden lang bot „Kolophon“ Rockmusik der Spitzenklasse. Durch ihr Instrumentarium – Geige und Bratsche im Zusammenspiel mit E-Gitarre, E-Bass und Schlagzeug - hebt sich die Band deutlich von anderen Coverbands ab, und bringt so manches Rockerherz gewaltig zum Beben.

 

 


* 6. April 2012: Hogjaw support: Fireracer im Wild At Heart/Berlin

 

"Wir kommen ausschließlich wegen der Menschen nach Europa, die diesen großartigen, gitarrenlastigen Rock'n Roll so aufrichtig und aus vollem Herzen lieben, und wir lieben die Menschen dafür"


Auch Berliner lieben ihre Musik und waren hocherfreut, dass "Hogjaw" nach gut einem Jahr nun schon zum zweiten Mal in Berlin gastierte. Zumindest diejenigen, die an diesem Abend den Weg ins "Wild at Heart" gefunden hatten. Ich schätze, an die achtzig Leute waren gekommen. Vielmehr hätten vor der kleinen Bühne auch nicht Platz gehabt. "Nur" Achtzig. Eigentlich Schade! Möglicherweise hat es sich immer noch nicht herum gesprochen, dass sich die Wüstenrocker aus Arizona längst in die erste Liga der Southernrocker gespielt haben. Vielleicht lag es ja auch an der späten Stunde, zu der ihr Act begann. Auch ich hatte lange, sehr lange auf meinem Platz am Tresen ausharren müssen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es an der starken Konkurrenz gelegen haben mag. Zeitgleich spielte Eamonn McCormack im "Quasimodo". Nicht anders sah es am Samstag aus: der Lokalmatador Eb Davis im "Quasimodo" und "Renft" im Frannz-Club. Und das war bei weitem nicht alles, was in und um Berlin herum zu Ostern los war.


Nach gut einer Stunde räumten die Berliner Rocker von "Fireracer" die Bühne, die an diesem Abend "Hogjaw" supported hatten. Es war fast Mitternacht geworden, als die Band in unveränderter Besetzung die Bühne betrat: Joanboat und Kreg an den Gitarren, Elvis DD am Bass und Kwall Kowalski hinter dem Schlagzeug. Schon lange vor Konzertbeginn hatten sich vor allem Joanboat und Elvis immer mal wieder unter das Volk gemischt oder waren am Tresen zu einem Smalltalk bereit, und haben damit bestätigt was "Hogjaw" ist - eine Band zum anfassen.


Im Gepäck hatten sie ihr brandneues Album "Son's Of The Western Skies", über das ich bislang durchweg nur positive Kritiken gelesen habe. So war es nicht verwunderlich, dass wir an diesem Abend vorzugsweise Nummern von dieser Scheibe geboten bekamen. Schon bei den ersten Stücken wurde klar, mit dieser Scheibe sind sie sich selbst treu geblieben. Das war Musik nach meinem Geschmack. Herrlich, die Gitarrensoli bei "Hells Half Home Of Mine". "Six Shots" kommt sogar noch einen Zacken härter daher. Ein Novum gab es auch: bei "Road Of Fools" übernahm Kwall das Mikrofon, und wie ich fand, machte er dabei gar keine schlechte Nummer. Allerdings wartete ich vergebens auf eine solche Hymne, wie "The Fog" oder "This Whiskey", wenn ich auch darauf an diesem Abend nicht verzichten musste.


Fazit: Immer mal wieder ist zu hören, der Southern Rock sei längst tot. Bands, wie "Blackberry Smoke", "Delta Moon" und "Hogjaw" treten den Gegenbeweis an.

Long Live Southernrock!





 

 

* 31. März 2012: Schwarzbrenner im Meisenfrei Bluesclub/Bremen


Alfons Krause

* 27. März 2012: Bluesm@il in Lübeck

Soweit oben im Norden war ich noch nie in Sachen Blues unterwegs. Dabei hat es sich längst bis Berlin herum gesprochen, dass die Gegend zwischen Eutin und Lübeck eine echte Blueshochburg ist.

 

Am Holstentor angekommen, begab ich mich geradewegs in die Grosse Petersgrube unweit der Obertrave. Auf  "Bluesm@il" war ich eingestellt; aber das ich fast die gesamte Lübecker Bluesszene zu Gesicht bekam, hatte ich nicht erwartet. Schon als Sänger und Harper Rüdiger Voigt die Session eröffnete, hatte er daraufhin gewiesen, dass an diesem Abend "nur hochkarätiges Material am Start sei". So war es dann auch. Neben einem echten Urgestein der deutschen Bluesszene, Ferdi Peters - er war langjähriger Drummer bei "Drittes Ohr", stand an diesem Abend auch fast die komplette Mannschaft von "Blues Transfer" auf der Bühne. Die Wurzeln dieser Band um Kai Brockmann (voc, harp) reichen bis in das Jahr 1986. "Blues Transfer" spielt einen melodiösen, fast swingenden Country-Blues und ist seit Jahren fester Bestandteil der deutschen Bluesszene.

 

Aber nicht genug. Die Überraschung war perfekt, als mir Bluesm@il - Gründer Alfons Krause den Schlagzeuger von "Blues Transfer" vorstellte. Einen echten Leipziger in Lübeck anzutreffen; darauf war ich nun überhaupt nicht vorbereitet. Jochen Hohl, der seit 1991 in Lübeck lebt, saß an diesem Abend an den Tasten. Na klingelt es? Jochen Hohl ist einer der wenigen noch lebenden Mitglieder der legendären "Klaus-Renft-Combo". Nach dem Ende von Renft spielte er bis zur offiziellen Auflösung im Jahre 1991 bei "Karussell".

 

Doch zurück zu "Bluesm@il". Diese Band wurde 1998 von Gitarrist Alfons Krause und dem Bassisten Ulrich Axler gegründet. Ihr kraftvoller, rockiger Blues fand schnell Zugang zu meinen Ohren. Mir scheint, ihre zweimalige Nominierung (2009, 2011) zur German Blues Challenge kommt nicht von ungefähr.

* 16. März 2012: Joris Hering Blues Band im HardRock 2/Berlin-Friedrichshain
Kill den Alltag. Mit Alltagsblues.

" Blues zieht runter? Blues ist traurig? Stimmt nicht. Blues lässt Dampf ab und hilft dir, den ganzen Alltagsmist zu überstehen. Blues lässt Dich über Deine Woche mit all ihren Tücken und Niederungen lachen. Das ist der Blues, von dem Joris Hering erzählt - in Songs von Liebe und Streit, von Katzen und anderen Streunern, in Liedern vom Leben, vom Tod und von Regen-tagen in Berlin. Blues killt den Alltag. Auch mit Voodoo? Kein Problem - die JORIS HERING BLUES BAND spielt den passenden Song.
Bei Familie Hering liegt der Blues im Blut: Die Brüder Joris und Thomas spielen und touren seit 2003 mit einem Programm, welches aus einer Mischung aus eigenen Songs und Neuinterpretationen bekannter Bluesnummern besteht.
Mit den eigenen deutschen Texten hebt sich die Band von verbreiteten Klischees ab. Blues ist nicht nur traurig, Blues ist noch nicht mal nur englisch und Blues gibt es nicht nur in Amerika. Die Musiker aus Berlin-Weißensee zeigen energiegeladenen Blues aus ihrem ganz eigenen Delta - vom Mississippi an die Spree."
Text: J. Hering

* 9. März 2012: Iron Butterfly in Torgau

Wieder einmal war mein Terminkalender an diesem 9. März 2012 prall gefüllt. Doch mir fiel die Entscheidung nicht schwer. Mein Weg führte mich nach Torgau in die „Kulturbastion“. Dort stand „Iron Butterfly“ auf dem Programmzettel!

 

Es ist bei weitem nicht mein erster Konzertbesuch in der Bastion. Doch dieses Mal war es eine Zeitreise im klassischen Sinne des Wortes. In Torgau habe ich sozusagen meine Jugend „verloren“. Damals, Anfang der 1970er Jahre habe ich in dieser sächsischen Kreisstadt an der Elbe nicht nur einen ehrbaren Beruf erlernt und meine Fahrerlaubnis gemacht, sondern bin auch zum „Tramper“ mutiert. Während wir wochentags brav die Schulbank drückten, abends höchstens mal ein Glasbier-Geschäft besuchten, ging es am Wochenende auf die „Piste“. Es gibt keinen „Tanzsaal“ zwischen Annaburg, Belgern, Beilrode und Eilenburg, in den ich nicht schon meinen Fuß gesetzt habe. „Jugendtanzveranstaltung“ nannte man das damals. Und es wurde noch live gespielt. Vorzugsweise, was wir nur aus dem Radio kannten. Und fast jede Band hatte damals auch „Iron Butterfly“ im Programm. „In-A-Gadda-Da-Vida“, jenes Werk welches erstmalig eine ganze LP-Seite füllte und mit einem überlangen Schlagzeugsolo ausgestattet war, hat mich fast umgehauen. Volle 17 Minuten lang haben wir vor Entzücken gezuckt, gestampft und auf dem Boden gekniet. Jahrzehnte sollten vergehen, bis ich diese Band, die mit diesem Epos Musikgeschichte geschrieben hat, erstmals live erleben konnte. Und das war am 28. September 2010 in der Berliner Kulturbrauerei. Nun war es wieder soweit.

 

Ziemlich spät eintreffend, hatte ich erhebliche Mühe ein Plätzchen für mein „Boogie-Mobil“ zu finden. Ein deutliches Indiz dafür, dass es eng werden würde. Anderseits bestand Aussicht eine Menge bekannter Gesichter zu treffen. So war es dann auch. Das Erste drückte mir am Eingang den Stempel auf den Handrücken. Gegen 21.30 Uhr bahnte sich die Band mühselig den Weg zur Bühne. „Iron Butterfly“, 1966 gegründet, mehrfach aufgelöst und immer wieder reanimiert – das sind heute: Lee Dorman (bg, voc), Ron Bushy (dr), Martin Gerschwitz (key, voc) und Charlie Marinkovich (g). Einziges verbliebenes Gründungsmitglied ist Bushy. Dorman stieß erst 1968 zur Band, jedoch noch rechtzeitig vor dem Erscheinen ihres so erfolgreichen Debütalbums „Heavy“. Beide sind Legenden. Glaubhaft verkörpern sie den Mythos der „Flower-Power-Ära“. Die beiden „Joungster“ komplettieren die Band seit den 1980er Jahren. Das Programm in Torgau unterschied sich kaum von dem vor zwei Jahren in Berlin. Man spielt die Klassiker. Neues gibt es nicht. Aber, ich glaube, dass hat wohl kaum einer im „Saal“ erwartet. Zwischen „Times Of Our Lives“, „Stone Beliver“,  „Easy Riders“ … plauderte Dorman mit dem Publikum und erzählte Geschichten aus seinem aufregenden Musikerleben. Ein Blick zur Uhr bedeutete mir, es war Zeit für das Finale. Und dies wurde, genau wie in Berlin, mit dem 14minütigen „Butterfly Bleu“ eingeleitet. Dieser anspruchsvolle Blues mit psychedelischem Einschlag war der Nachfolger von dem, was danach kam. Den Erfolg von „In-A-Gadda-Da-Vida“ – der Song hielt sich überein Jahr in den Top Ten – konnte „Iron Butterfly“ nie mehr wiederholen. Gesungen wurde das Werk von Martin Gerschwitz, der Dank seiner deutschen Wurzeln perfekt deutsch spricht. Seine warme, angenehme Stimme kommt der Stimme von Doug Ingle ziemlich nah. So war ich geneigt, die Augen zu schließen, und fühlte mich ein paar Minuten lang in jene Zeit zurück versetzt! Gerschwitz wird übrigens im Mai mit einem Soloprogramm in die Bastion zurück kehren.

 

Bleibt zu hoffen, dass sich Lee Dorman noch lange von seinem Roadie auf die Bühne führen lässt, um alte Blueserherzen zu erwärmen.

 

 

 


* 7. März 2012: Joe Bonamassa im Admiralspalast/Berlin

* 3. März 2012: Rory Gallaghers 64. Geburtstag oder "Blues am Rande" in Wernsdorf

 

Der 64. Geburtstag von Rory (2. März 1948) wäre doch ein gewichtiger Grund zum Feiern gewesen. Doch leider fällt die Party schon seit ein paar Jahren aus. Aber sich seiner zu erinnern - noch dazu mit einer guten Gallagher-Tributband, war die Reise nach Wernsdorf wert. Doch zuvor gab es erst einmal Blues aus der Lausitz.

 

Die Bikerscheune war gut besucht. Die Stimmung prächtig. Das Publikum gut gemischt. Der „harte Kern“ der ostdeutschen Blueser war dem Ruf „Homi’s“ gefolgt. Angereist war man aus Thüringen, dem Erzgebirge, Dresden, Pirna und natürlich Berlin. Und die andere Hälfte des Publikums bestand aus den einheimischen Bikern, die guten Blues durchaus zu schätzen wissen. Und den bot uns „Lausitzblues“. Der Name bürgt für Qualität. Der Kenner weiß was ihn erwartet. Und ich erwartete mit Spannung die neue CD, erst wenige Tage alt. Noch vor Konzertbeginn hielt ich sie dann auch schon in meinen Händen. Doch viel Zeit zum Betrachten blieb nicht. Punkt 21.00 Uhr begann das Spektakel. Los ging es mit „Crossroad“. Es folgten „Angel Of Mercy“, „Hard To Be“… Gut anderthalb Stunden dauerte das Programm. Schön mal wieder „Crawfish“ zu hören; eine Nummer aus den frühen Jahren der Band, als das Trio noch regelmäßig mit Igor Flach auftrat. Natürlich durften auch „John Barleycorn“ und „Der Blues vom Alten Freund“ nicht fehlen. Beide Nummern findet man auch auf der neuen Scheibe. Doch die hat noch viel mehr zu bieten, vor allem Neues aus dem Hause „Lausitzblues“. Schon nach einem kurzen Intro fängt es gewaltig an zu rocken. Lasst euch überraschen! Und noch etwas ist zu erwähnen. Aufgenommen wurde die Scheibe mit einem ganzen Lausitzblues-Orchestrion. Als Gastmusiker sind dabei Ecki Lipske (g, bg), Falk Möckel (dr), Lutz "Lou" Schulz (sax), Holger "Josa" Sauerbrei (harm), Katrin Lipske (bac-voc) und Steffi Breiting (bac-voc).

 

Inzwischen war es 23.00 Uhr geworden, als die jungen Herren aus Thüringen den Laden rockten. „Double Vision“ – das ist Gallagher pur. Stephan Graf (Jahrgang 1984) sieht seinem Idol nicht nur ähnlich. Auch seine Stimme hat verblüffende Ähnlichkeit mit Rory. Als er dann die ersten Akkorde auf seiner Gitarre spielte, die aussah als hätte sie schon einiges erlebt, wusste man, er hat den Gallagher im Blut. Authentischer geht nicht mehr. Nein, Spiel war das nicht. Das war eine perfekte Gitarrenshow. Als ich die Band auf die kleine Bühne klettern sah, dachte ich mit Wehmut an das Prießnitz Open Air und den „Budenzauber“ den die Jungs damals auf der Bühne vollbrachten und glaubte, ich müsse an diesem Abend darauf verzichten. Weit gefehlt. Trotz der engen Bühne in Wernsdorf vollführte Stephan seine Tänze und vor allem  Sprünge, wie gewohnt. Das Publikum war entzückt. Seine Kollegen standen ihm in nichts nach.

Seit 2007 spielt die Band nun schon zusammen. Mein Eindruck: sie sind perfekt auf einander eingespielt. Natürlich hat „Double Vision“ auch Eigenes zu bieten. „I’m waiting“ ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Aber so sehr ich mich auch anstrengte, ich konnte keinen Unterschied zu den Gallagher-Nummern erkennen. Doch für eine Gallagher-Tribut-Show, wie sie „Double Vision“ zelebriert, ist dies in meinen Augen kein Makel. Andere mögen das anders sehen. Im letzten Jahr nahm die Band ihre zweite CD auf, die ausschließlich eigene Nummern enthält. Noch bevor die Jungs ihre Instrumente einpackten, machte ich mich auf den Heimweg. Es war spät geworden. Aber, wir sehen uns wieder!

Ein gelungener Abend, so die einhellige Meinung aller Beteiligten. Man sieht sich wieder. Spätestens zum Blues-Open Air in Niederlehme; präsentiert von "Blues am Rande". Und dann gibt es u. a. Blues aus dem Nuthetal. Soviel sei schon mal verraten.

Double Vision

* 04. Februar 2012: Lello's Fünfundsechzigster oder "Das besondere Konzert" Nr. 7 in Protzen
Der Star des Abends in Protzen, gelegen vor den Toren Berlins, war Rainer "Lello" Hansen. Schließlich wird man nicht jeden Tag Rentner. Es ist noch lange nicht Schluss, Lello!
Dem ostdeutschen Bluesvolk ist er wohl eher als Rainer Lojewski bekannt. Seine Karriere begann in den 1960er Jahren. In den 1970er Jahren gründete er gemeinsam mit "Boddi" Bodag die "Engerling Blues Band", wechselte später mit Bernd "Kuhle" Kühnert zu "Monokel" und ging Mitte der 1980er Jahren nach Westberlin. Heute spielt "Lello" bei den "Cool Cats" und trommelt so ganz "nebenbei" bei den "Pistoleros", "The Chickenhunters", "Drums 4 you", dem "Mike Seeber Trio" und "Kuhle & The Gang". Wen wundert es ? Die Gästeliste war lang. Auf der Bühne: u.a. Boddi Bodag (Engerling), Hannes Schulze (Engerling), Matze Stolpe (Jonathan), Basti Baur (Knorkator), Michael "Lefty" Linke (Monokel), Bernd "Kuhle" Kühnert (Monokel), Mike Seeber (Mike Seeber Band), Michel Niedzwetzki (Pistoleros), Stefan Dohanetz (Pankow), Bernd "Charlie" Haucke (Starfucker), Steve Seitz (Chickenhunters), Harry Findeisen (Chickenhunters), Volker Hopfner (Starfucker) und der Mann mit der Kelle (Micha Führmann). Und vor der Bühne gut 200 Fans. Die Mehrzahl von ihnen war aus Berlin angereist.

Doch bevor man den Jubilar feiern konnte, gab es vier Stunden Rock 'n Roll vom Feinsten. Auf der Bühne agierten die "Pistoleros", "The Chickenhunters", "BO BO Bolinski", "Drums 4 You", das "Mike Seeber Trio", die "Sick Monkeys" und "Kuhle & The Gang". Wahnsinn! Auf der Bühne herrschte ein ständiges Kommen und Gehen, sodass man manchmal gar nicht wusste, welche der Formationen nun gerade spielte. Immer mal wieder betraten Musiker die Bühne, nahmen ihre Instrumente auf und reihten sich nahtlos ein. Zeitweilig spielte man mit vier Drummern und fünf Gitarristen. Überraschungen gab es viele. Für eine sorgte Hannes Schulze, der Engerling-Drummer. Manch einem war es gar nicht aufgefallen. An Schlagzeugern fehlte es an diesem Abend wahrlich nicht. So hängte er sich bei "Bo Bo Bolinski" die Gitarre um und bediente sogar das Mikrofon. Klasse!
Der 5. Februar war keine Minute alt, die letzten Akkorde der "Pistoleros" gerade verklungen, als man auf und vor der Bühne "Lello" ein Ständchen brachte. Eine lange Schlange der Gratulanten formierte sich.
* 24. Januar 2012: Eddy's Fünfzigster oder Black Stone Raiders im Frannz-Club/Berlin
Ich hätte wetten können, die „Black Stone Raiders“ würden uns als nächste Supergroup offeriert. Doch bei all dem was ich im Vorfeld über dieses Ereignis las, verzichtete man auf ein solches Etikett. Ich hatte mich wohl getäuscht.

Kurz vor 20.00 Uhr betrat ich den legendären Franzz-Club, den Eddy etwas später als sein zweites Wohnzimmer bezeichnete. Nicht nur deines, Eddy! Am Eingang bekam ich schnell noch einen Flyer zugesteckt. Und siehe da, da stand es: Die Supergroup um den Bassmann der „Rolling Stones“. Naja, auf eine Supergroup mehr oder weniger kommt es ja nicht darauf an.


Darryl Jones war zweifelsfrei der Star des Abends und hatte wohl so manchen der Anwesenden angezogen. Seit dem Ausstieg von Bill Wyman steht Jones als Bassist an der Seite von Jagger&Co – ohne jemals offizielles Bandmitglied der „Rolling Stones“ geworden zu sein. Aber von Starallüren war da nichts zu spüren. Gekonnt beherrschte er sein Instrument und routiniert verrichtete er sein „Arbeit“. Mister Jones war übrigens nicht der einzige Bassist im Saal. Es war quasi ein Abend der Bassmänner. Von „Monokel“ war beispielsweise „Speiche“ gekommen und von „Engerling“ Manne Pokrandt. Gerechterweise möchte ich hinzufügen, dass ich im Publikum auch mir wohl bekannte Gitarristen und Harper entdecken konnte.

Und da war noch einer, der eher unauffällig auf der Bühne agierte. Und das obwohl auch er sich keineswegs zu verstecken brauchte. Gemeint ist der Grammy-dekorierte und mehrfach zum weltbesten Schlagzeuger gewählte Will Callhoun, der hauptamtlich in der legendären Rockband „Living Colour“ spielt, deren Debütalbum damals auf Anhieb auf Platz 6 der Billboard-Charts landete.

Dritter im Bunde ist Gitarrist Jean-Paul Bourelly. Ich gestehe von ihm hatte ich bislang noch nichts gehört. Bourelly hat haitianische Wurzeln und ist in Chicago aufgewachsen. Wen wundert es da, dass in seinem Spiel Cityblues im Stil eines Muddy Waters mit Elementen lateinamerikanischer und Roots-Musik verschmelzen.

Jones und Bourelly sind langjährige Freunde. Als man sich im Jahr 2010 wieder traf, wurde die Idee zu dem Projekt „Black Stone Raiders“ geboren. Im letzten Jahr war man lange auf Tournee u.a. auch in Deutschland. Es fällt mir schwer, den Stil der Band zu beschreiben. Da vermischen sich Jazz, Blues, Funk und natürlich Rock zu einem exzellenten Musikerlebnis. Dennoch vom Hocker gehauen hat mich diese Band nicht. Die unlängst erlebte Gitarrenschlacht von Walter Trout und Popa Chubby traf eher meinen Geschmack.

Jean Paul Bourelly