Der Blues vom Roten Hahn oder kurz EFC-Blues


Text: Wolfram Bodag

(eine fiktive Begegnung mit Willie Dixon anlässlich eines Brandes im Erich-Franz-Klub)

 

Gestern Nacht, da träumte ich Willie Dixon, Willie Dixon

käm zu mir, zu mir.

Der alte, gute Bluesmann Willie Dixon, Willie Dixon

käm zu mir.

 

Ich sagte: Hallo Alter, What's the matter, was ist los?

Wie geht es dir?

Ich hörte, sagte Willie, euer Blues-Klub, euer Blues-Klub

ist ausgebrannt, ausgebrannt.

ich rief den alten Slim an, in der Nacht noch, als ich hörte,

der verstand.

Wir spielten 14 Tage, Slim und ich und die Jungs vom Hooker

waren auch dabei.

Wir spielten für euch Geld rein, Slim und ich, die Jungs von Hooker

waren auch dabei.

Der Kies quoll aus dem Kasten, grün und blau und gelb

wie süßer Brei.

 

Hier habt ihr die Moneten.

Legt sie gut an, legt sie gut an.

Fangt an aufzubauen.

Hier habt ihr die Moneten.

Legt sie gut an, legt sie gut an.

Fangt an aufzubauen.

Und lasst euch nicht nochmal vom Roten Hahn dort unterm Dach

den alten Blues versauen.

 

Auf dem Gelände der ehemaligen Schultheiss – Brauerei im Ostberliner Kollwitzkiez wurde am 1.Januar 1970 der Jugendclub „Erich Franz“ eröffnet.

In kürzester Zeit entwickelte sich der Klub zu einem Treffpunkt der Ostberliner Musikszene und wurde zum Publikumsmagneten. Vielleicht sogar war der Franz–Klub die „Keimzelle“ der Ostberliner Bluesszene. Jeden Abend gab es Live-Musik und die junge „Engerling-Blues-Band“ war Mitte der 1970er Jahre so etwas wie die Hausband. Ein Jahr nach deren Gründung wurde im Franz-Klub auch die Idee zur Gründung der legendären „Monokel-Blues-Band“ geboren. Für viele, rock- und bluesbegeisterte  Jugendliche wurde der Klub bis in die 1980er Jahre zum „zweiten Wohnzimmer“, wie es Musikpromoter Eddy Czesnick erst kürzlich auf seiner Geburtstagsparty an eben jener historischen Stelle zum Ausdruck brachte. Und genau jener„wilden“ Zeit im EFC widmete Engerling-Frontmann Bodag einen seiner frühen Songs.

 

Nach der politischen Wende in der DDR blühte der Klub noch einmal so richtig auf. Noch immer lautete das Motto: Ein Jahr – 365 Konzerte, doch jetzt konnten auch internationale Acts, wie beispielsweise „Steppenwolf“, verpflichtet werden. Hier gab aber auch die Renft-Combo ihr Wiedervereinigungskonzert, fand das Reunion-Konzert der Ost-Legende „Jessica“ oder wie im letzten Jahr das Jubiläumskonzert der Monokel-Kraftblueser statt. Doch mit Beginn der Komplettsanierung der ehemaligen Brauerei und infolge dessen gestiegener Mietpreise war am 1. Mai 1997 erst einmal Schluss.

 

Im September 2004 eröffneten Ingo Witzmann und Uwe Lippold, die in den 1990er Jahren selbst Stammgast im Franz-Klub waren, an gleicher Stelle das Restaurant „frannz“ und den angeschlossenen „frannz-Club“. Der neue Klub war gewissermaßen Keimzelle der heutigen Kulturbrauerei. Und der imposante Turm, der noch heute Abend für Abend die Leute schluckt und sie erst in den frühen Morgenstunden wieder ausspuckt, ist zum Wahrzeichen der Kulturbrauerei geworden. Doch nichts bleibt, wie es einmal war. Das Ambiente im Klub, der etwa 400 Leuten Platz bietet, hat sich verändert, ebenso wie das Publikum und die gebotene Musik. Die Musik ist heute eher am Mainstream orientiert und der Klub zum Treffpunkt der „Jungen Wilden“ und zugezogenen Prenzelberger geworden. Doch ab und an, beispielsweise wenn „Monokel“ zum Jubiläumskonzert einlädt oder Mitch Ryder in der Stadt ist, dann strömen die angegrauten Langhaarigen in den „frannz“, so wie damals, und manch einer von ihnen hat sogar seinen Parka hervor geholt.

 

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10435 Berlin

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(Mai 2012)