Klaus Nowodworski

(5. Juli 1940 bis 29. Dezember 2001)

Sänger

 

Es war der „Novemberblues“, den ich irgendwann Mitte der 1970er Jahre erstmals im DDR-Rundfunk hörte, und der meine Aufmerksamkeit auf diesen Mann und die Band, in der er sang, richtete. Keine andere Band, wie jene Band, wurde so oft im DDR-Rundfunk produziert. Das DDR-Label „Amiga“ veröffentlichte diesen Song 1974 auf Single.

Kurze Zeit später besuchte ich dann das erste Live-Konzert dieser Band, der ich noch heute ab und an meine Aufwartung mache. Das fand in der „Großen Melodie“ statt, die sich im alten Friedrichstadtpalast in der Berliner Friedrichstraße befand. Und ich war begeistert von diesem Mann, den Sound seiner Band mit dem hervorragenden Bläsersatz.

Gerhard „Hugo“ Laartz formierte 1968 das „Modern Septett“, nachdem seine „Music Stromers“ endgültig verboten waren, und holte sich den jungen Nowodworski in die Band, die kurze Zeit darauf in „ Modern Soul Band“ umbenannt wurde. Dieser charismatische Sänger brachte mit seiner Stimme am ehesten zum Ausdruck, was Laartz vorschwebte – eine explosive Mischung aus Soul, Jazz und Blues mit einer gehörigen Portion Rock. Die „Modern Soul Band“ machte aus ihren westlichen Vorbildern keinen Hehl. Wenn  „Hi De Ho“  von “Blood, Sweat & Tears“ oder „25 Or 6 To 4“ von  “Chicago” erklang, steppte der sprichwörtliche Bär. 1976 schrieb Wolfgang Lange in der „Melodie und Rhythmus“ : „Die Band gehört zu den Pionieren des DDR-Beat (das Synonym Beat fand im offiziellen Sprachgebrauch der DDR auch Anwendung auf die Anfänge der Rockmusik) , deren erheblicher Verdienst nicht zuletzt in der Pflege eines bläserbetonten Beat-und Soul-Stils liegen, der Einflüsse von „Blood, Sweat & Tears“ zu erkennen gibt. Das ist ja kein schlechter Einfluss!“ Zunehmend spielte die Band auch eigene Songs, die ausschließlich von Laartz komponiert waren und von Nowodworski oder der unvergessenen Regine Dobberschütz gesungen wurden. Die Texte stammten von Inge Branoner und S. Gerlach. Auf „Meeting“, der zweiten Langspielplatte von MSB, erschienen mit „Motorrennerrock“ und „Gemeinsamkeit“ auch zwei Songs, deren Texte Nowodworski geschrieben hatte. Songs wie „Novemberblues“, „Himmel und Hölle“, „Highway-Rock“ oder „Irrtum“ hielten sich über lange Zeit auf den vorderen Plätzen der DDR-Wertungssendungen.

Die „Modern Soul Band“ hielt über Jahre hinweg – und tut dies auch heute noch – den Soul in der DDR am Leben, obwohl dessen Blütezeit bereits Anfang der 1970er Jahre vorbei war. Die beiden Sänger Regine Dobberschütz, später Gonda Streibing, und Klaus Nowodworski prägten lange Zeit das Gesicht der Band und waren maßgeblich für deren Erfolg. In ihrer nun 44jährigen Geschichte hat die „Modern Soul Band“ eine unendlich lange Besetzungsliste aufzuweisen. Diese Liste liest sich wie das „Who is Who?“ der Jazz- und Rockgeschichte der DDR. Klaus Nowodworski blieb jedoch bis 1982 an der Seite von Gerhard „Hugo“ Laartz, bevor er dann eine Solokarierre startete, die mit der politischen Wende in der DDR jäh unterbrochen worden ist.

In den 1990er Jahren fand Nowodworski im „Kulturverein“ Pankow eine Anstellung und blieb der Musik treu. Im Jahr 1999 kehrte er in die „Modern Soul Band“ zurück und nahm, wenn auch nur für kurze Zeit, zur Freude seiner Fangemeinde, wieder seine alten Platz am Mikrofon ein. Bereits kurze Zeit später erkrankte er jedoch an einem Gehirntumor. Im Dezember 2001 unterlag auch Klaus Nowodworski im Kampf mit dem Krebs.

Was bleibt? Nowodworski gehört in meinen Augen neben Stephan Trepte (Electra) zu den besten Vokalisten der DDR-Rockgeschichte.

(Mai 2012)

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