Jazzin‘ The Blues

… nennt sich ein 1999 gegründetes und mit erstklassigen Musikern besetztes Trio. „Back to the roots“, lautet das Motto dieser Formation. Das Motto scheint nicht nur auf die Besinnung der drei Musiker auf die Anfänge von Jazz und Blues (Oscar Peterson, Jimmy Smith oder Ramsay Lewis) bezogen zu sein, sondern ist offensichtlich auch ein Fingerzeig auf die Rückkehr der Musiker zu den Anfängen ihrer musikalischen Laufbahnen.

Dies trifft vor allem auf Gründungsmitglied Hans-Hennig Protzmann, den Bassisten von „Jazzin‘ The Blues“, zu. Er, 1946 in Radebeul geboren, absolvierte die Dresdner Musikhochschule und begann seine Karriere 1966 bei „DDR-Chefjazzer“ Klaus Lenz. Doch schon kurze Zeit später wechselte er zu den „Alexanders“. Diese Band, in der noch weitere namhafte DDR-Musiker wie Uve Schikora, Rainer „Lacky“ Lackomy, „Hansi“ Biebl, Ulrich „Ed“ Swillms und der im Jahr 2004 verstorbene Herbert Dreilich spielten, orientierte sich anfangs stark an „Crosby, Stills, Nash & Young“, unterlag aber im Laufe der Zeit immer mehr Soul- und Jazzeinflüssen. 1971 zerfielen die „Alexanders“ faktisch in zwei Teile. Protzmann, Swillms und Dreilich gründeten daraufhin „Panta Rhei“ und vollzogen mit dieser Band konsequent die Hinwendung zu einem Stil, deutlich von Blues, Soul und Jazz beeinflusst. Nach dem Ende von „Panta Rhei“ gründeten sie die Rockband „Karat“. Protzmann (bg) war nicht nur der musikalische Kopf von „Karat“, sondern auch deren Manager. Nach Differenzen mit Sänger Dreilich, verließ Protzmann 1986 die Band und arbeitete im Musikmanagment, bis ihn Werther Lohse 1992 zu „Lift“ holte, wo er bis 1999 verblieb.

Das Schlagzeug bei „Jazzin‘ The Blues“ spielt Wolfgang „Zicke“ Schneider. Vollprofi. Er stammt aus der DDR-Jazzszene. Begonnen hat er Anfang der 1960er Jahre bei den „Dixieland All Stars Berlin“. Seit 1967 arbeitet er mit Günther Fischer zusammen und spielte von 1980 bis 1984 an der Seite von Wolfgang Fiedler (keyb) und Volker Schlott (sax, fl) bei „Fusion“. Diese Jazzrock-Formation war 1979 entstanden und bestand aus dem Kern der„Klaus-Lenz-Band“. Schneider ist bis heute ein gefragter Studio- und Sessionmusiker. Er war an der Einspielung von mehr als fünfzig Tonträgern beteiligt und begleitete u.a. internationale Stars wie Toto Blank, Shirley Bassey oder Etta Cameron.

Dritter im Bunde war einer der bekanntesten DDR-Free-Jazzer: „Ulli“Gumpert (p). Auch er begann bei Klaus Lenz, spielte bei „SOK“, „Synopsis“ und dem „Zentralquartett“. Er schied im Jahr 2004 bei „Jazzin‘ The Blues“ aus.

Matthias Hessel (Jahrgang 1959) sitzt seit dem Ausscheiden von Gumpert bei „Jazzin‘ The Blues“ an den Tasten. Nach seinem Studium an der Musikhochschule in Weimar war er vorwiegend solistisch tätig. Seit 1984 ist er Dozent an der Hochschule für Musik in Berlin. 1994 gründete Hessel die „Hessels Ragtime Band“.

Häufig holt sich das Trio namhafte Gastmusiker mit ins Boot, so zum Beispiel die Saxophonistin Tina Tandler, die einst bei „Kerschowski“ rockte, Andreas Bicking (sax), der früher bei „Stern Meißen“ am Keyboard saß, oder den Mecklenburger Bluesmann Harro Hübner. Ihn kennt man durch die Zusammenarbeit mit Roland Beeg und „Pass Over Blues“. Vor allem aber hat sich das Trio als Begleitband der Jazz-VokalistInnen Uschi Brüning, Angelika Weiz (ex-ergo) und Manfred Krug einen Namen gemacht.

Im Jahr 2006 veröffentlichten Protzmann, Scheider und Hessel die CD „Lucky Friday“.

(Juni 2012)

Anfang 2015 bekamen Protzmann und Hessel Lust auf Veränderungen und formierten kurzerhand eine neue Kapelle, die sie "Henning Protzmann's Panta Rhei" nannten.

Es war nicht die Absicht, die legendäre Band "Panta Rhei" wieder zu beleben; vielmehr will man mit der neuen Formation an den musikalischen Stil von Panta Rhei anknüpfen, d.h. das Repertoire der neuen Formation ist gegenüber Jazzin' the Blues rockiger geworden. Dafür sorgen nicht zuletzt die neuen Gesichter. Es sind altbekannte Rockmusiker: am Schlagzeug 'Tausendsassa' Ronny Dehn, der noch immer bei "Silly" und bei "East Blues Eyperience" für den nötigen Drive sorgt. Den Gitarrenpart hat Michael Lehrmann übernommen. Ihn kennen wir aus seinen Zeiten bei der "Stern Combo Meißen" und  der Magdeburger Rockband "Reform". Am Mikrofon steht die junge Jazz-Vokalistin Martina Barta; einer gebürtigen Pragerin. Und wenn man Glück hat, bekommt man den Fünfer auch mit Bläserunterstützung geboten.

Im Repertoire der Band befinden sich Cover bekannter internationaler Jazzrocker, ebenso wie auch die Hits der alten "Panta Rhei". Doch damit nicht genug - es gibt auch Eigenes aus der Feder von Protzmann, der in 2014 übrigens sein 50jähriges Bühnenjubiläum beging.

(August 2015)

 

 

 

Panta Rhei in 2015