Es scheint, als wären Ulle Hofer und Jochen Lorentz unzertrennlich. Seit mehr als 45 Jahren stehen sie nun schon gemeinsam auf der Bühne. Als 1964 die Beatles-Mania auch Birkenwerder erfasste, gründeten sie die „Klubkapelle Birkenwerder“, eine Schülerband. Aber bereits ein Jahr später fegte ein „eisiger Ostwind“ die Beatszene der DDR hinweg und erwischte auch ihre Band.

Doch von der Musik wollten und konnten sie nicht ablassen, und so entstand 1966 mit dem „BClub 66“ eine der ersten Rhythm ‘n Blues Bands der DDR. Zur Gründungsbesetzung gehörten neben Hofer (voc) und Lorentz(p), Josef „Peppo“ Lizzio (b), Holger Stühmeier (dr) und Thomas Robinson (g). Gespielt wurden – natürlich unter Beachtung der 60/40–Regel – vor allem Songs von den Stones, den Animals und Hendrix. Bereits in kürzester Zeit erlangte die Band vor allem im Berliner Raum Kultstatus.

Der spätere Monokel-Bassist Jörg „Speiche“ Schütze spielte damals an der Seite von Achim Mentzel im „Diana-Show-Quartett“. Nach dem er 1965 von der Bühne weg verhaftet worden war und anschließend eine zweijährige Haftstrafe abgesessen hatte, stieg er beim „BClub 66“ ein. Ende 1968 kam es zu weiteren Umbesetzungen in der Band. Neuer Gitarrist wurde Eberhardt „Klunki“ Klunker. Den Bass spielte fortan Christoph Niemann. Stilistisch war die Band nun stärker am Bluesrock orientiert und spielte neben Hendrix vor allem Sachen von „Cream“, „Steppenwolf“ und „J.Mayall“.

Die schnell wachsende Fangemeinde löste im Laufe der Zeit immer größer werdendes Unbehagen bei den Behörden aus, so dass die Band immer häufiger mit Restriktionen bis hin zu Auftrittsverboten zu kämpfen hatte. Als es 1970 nach einem Konzert der Band zu „Vorkommnissen“ – verursacht durch Fans – kam, nahmen dies die Behörden zu Anlass und luden Bandleader Ulle Hofer vor. Vorgeworfen wurde ihm, die 60/40–Regel verletzt zu haben. Im Ergebnis erhielt die Band Spielverbot. Hofer bekam eine Ordnungsstrafe in Höhe von 600 Ostmark aufgebrummt. Dies führte letztlich zur Auflösung der Band.

Ulle Hofer, der hauptberuflich als Sachverständigertätig ist, und der Allgemeinmediziner Lorentz, gründeten 1977 die „Hof-Blues-Band“. Niemann wechselte zum Jazz. Von 1971 bis 1973 spielte er mit Conny Bauer bei „Exis“ und von 1974 bis zu seiner Ausreise in den Westen bei „FEZ“. Auch Klunker landete über Umwege beim Jazz. 1974 stieg er in die neu gegründete  „Hansi-Biebl-Bluesband“ ein, die bereits ein Jahr später nach seiner abenteuerlichen Flucht in den Westen, wieder aufgelöst wurde. Bekannt geworden ist er vor allem durch „Windminister“. Heute trifft man ihn vorzugsweise im Duett mit Christiane Ufholz an.

Im Sommer 2012 nun wollen es die „alten“ Herren nochmals wissen. Hofer trommelte seine ehemaligen Bandkollegen zusammen. Die Reunion von „BClub 66“ wurde beschlossene Sache. Verstärkt werden Hofer ,Lorentz, Niemann und Klunker durch den Schlagzeuger Bernd Schimmler von „L‘ art de Passage“.

Das Reunion-Konzert findet am 11. August 2012 in der wunderschönen Kulisse der „Havelbaude“ statt. Wo sonst!

(Juli 2012)