Hans - Joachim Graswurm
Jazzer
20. September 1934 in Berlin
      - 09. Mai 1986 in Berlin
"Ich bin der Meinung, dass jemand, der Jazz machen will, so viel Ehrfurcht vor dieser Musizierweise haben sollte, dass er seine Fähigkeit zur Virtuosität ausbildet, zur perfekten Handhabung seines Instrumentes."
(Zitat, 1977, Quelle: Noglik/Lindner ,"Jazz im Gespräch", Verlag Neue Musik Berlin (1979), Seite 42)

Graswurm (Trompete, Flügelhorn) kam schon im Kindesalter mit Musik in Berührung. Zunächst erlernte er - auf Geheiss seiner Eltern - das Klavierspiel. Später dann erhielt er bei privaten Musiklehrern und an der Volksmusikschule Musikunterricht im Fach Trompete. Von 1956 bis 1962 absolvierte er am Berliner Konservatorium eine klassische Ausbildung an der Trompete.

Sein erstes professionelles Engagement erhielt er 1960 bei der "Jürgen-Fromm-Combo". Doch schon zwei Jahre später holte ihn Günter Gollasch in seine Big Band. Das "Rundfunktanzorchester Berlin" blieb über Jahre hinweg seine musikalische Heimat. Obwohl die Musiker des RTO ausnahmslos Jazzer waren, spielte das Orchester Gollaschs damals hauptsächlich Tanzmusik. 1967 wurde er "nebenberuflich" Mitglied von "Studio IV". Dieses Ensemble entstand aus dem RTO und vereinte Jazzmusiker, die sich einer freien Spielweise hingezogen fühlten. 1973 wurde Graswurm Mitglied des "Hubert-Katzenbeier-Quintett", aus dem Katzenbeier später ein Quartett formierte.

Zu dieser Zeit hatte sich Graswurm bereits zu einem der besten Jazz-Trompeter entwickelt, arbeitete mit fast allen profilierten DDR-Jazzern zusammen und wurde gern gesehener Gast in den verschiedensten Formationen, u.a. bei Klaus Lenz, Walter Eichenberg, der "Modern Soul Band" und der Band "Fusion" von Wolfgang Fiedler. Ich erlebte ihn Anfang der 1970er Jahre mit "SOK" erstmals live. Mit dieser 1973 von "Baby" Sommer und Ulrich Gumpert gegründeten, exzellenten Jazz-Rock-Band verband ihn eine eine enge Zusammenarbeit. Ein zweites Mal erlebte ich ihn mit Katzenbeier 1976 während den "1. Leipziger Jazztagen" im "Kino der Jugend".

Ab 1979 arbeitete Graswurm eng mit Günther Fischer zusammen. Inzwischen hatte er sich längst als Arrangeur und Komponist profiliert und wurde Anfang der 1980er Jahre Dozent an der Musikhochschule "Hans Eisler" in Berlin.
Am 9. Mai 1986 verstarb Graswurm viel zu früh.

Graswurm ist auf zahlreichen in- und ausländischen Schallplatten zu hören u.a. "Jazz Jamboree '68" und "Jazz Jamboree '74 vol.1", erschienen beim polnischen Label "Muza". 1972 veröffentlichte "Muza" die LP "Gollasch Plays Milian".

Günther Fischer widmete ihm ein immerhin 12 minutenlanges Werk. "Für Achim" erschien 1990 auf "All Ways Kaputt".

R.I.P.

(Oktober 2012)