"Eisenheinrich"
... nennt sich eine Leipziger Bluesrockformation.

Mitte der 1990er Jahre war das Tief in der ostdeutschen Musikszene überwunden. Der Blues im Osten erlebte eine Renaissance, obgleich mit dem Bluesboom Ende der 1970er Jahre in der DDR nicht vergleichbar. Nur wenige Bands, wie Engerling, Monokel oder Jürgen Kerth hatten die Krise überdauert. Eine Reihe neuer Bands, vor allem im Thüringer Raum, waren entstanden. Einige von ihnen waren so gar international recht erfolgreich.

Auch in Leipzig fanden sich drei gestandene Musiker zusammen, um dem Leipziger Blues neues Leben einzuhauchen. So groß ist die Leipziger Musikantengemeinschaft nicht; deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn 1995 Lutz Heinrich (voc, g), Bernd "Charlie" Haucke (dr) und "Erbse" Moser (bg) aufeinander trafen.

Die Bekanntschaft mit "Cäsar" hatte Heinrich 1970 nach Leipzig verschlagen, wo er schon kurze Zeit nach ihrer Gründung Mitglied der bekannten Hard-Rockband "SET" wurde, in der auch Bernd Haucke spielte. Haucke wechselte 1975 nach Berlin und spielte bei "Prinzip" und später bei "NO 55". Heinrich hatte "SET" Anfang 1980 verlassen. Danach hatte er für kurze Zeit ein Comeback bei "Renft". "Erbse", der ehemalige "Mama Basuto"-Bassist, hatte gerade seine Zusammenarbeit mit Peter Kautzleben beendet.

"Eisenheinrich" war geboren. Der Bandname geht auf den erlernten Beruf des Frontmannes Lutz Heinrich zurück. Der gelernte Schmied hatte schon bei "SET" auf seine berufliche Herkunft gebaut, und dieser Band mit "Eisen" einen richtigen Hit beschert.
Die Band spielt einen betont rockigen Blues. Das Repertoire besteht fast ausschließlich aus Eigenkompositionen. Musik und Texte stammen mehrheitlich von Lutz Heinrich. Beim "Mitternachtslied", zu hören auf der ersten CD "Eisenheinrich", bediente man sich eines Textes von Kurt Demmler. Und der Text von "Nimm dein Herz und geh" stammt von Inge Branoner. Heinrichs Stücke erzählen eher Alltagsgeschichten, bei denen er sich teils einer "derben" Sprache bedient. Veröffentlicht wurde die erste Scheibe schon im Gründungsjahr. Eingespielt wurde sie mit Karsten Jäger am Schlagzeug.
Zwei Jahre später wurde dann "Ärger" veröffentlicht. Dieses Album wurde mit Jörg Franke am Schlagzeug eingespielt. Als Gäste sind Denny Dziuk und Bernd "Fleischmann" Fleischer zu hören.
In 2000 erschien "Blues & Ärger" mit Live-Aufnahmen des Duos Heinrich/Moser.
Ganz anders präsentiert sich das 2004 veröffentlichte Album "Hälfte des Lebens". Auf diesem Album vertonte Heinrich Texte von Goethe, Hölderlin und Brecht. Gastmusiker sind u.a. der Leipziger Harper Thomas Hanke und Frank Reiner am Piano.
Die 2005 veröffentlichte Scheibe "Fe" ist gewissermaßen eine Best of, auf der u.a. der SET-Erfolgstitel "Huscha" und das "Gänselieschen" von Renft zu hören sind. Auf dieser CD sind gleich eine ganze "Latte" Gastmusiker zu hören: Frank Reiner (p), Bernd "Fleischmann" Fleischer (g), Jörg Frank (dr, perc), Henning Dabels, Heiko Günther und Denny Dziuk (alle Keys).

2006 - dann der tragische Freitod von "Erbse". Dies bedeutete zugleich einen tiefen Einschnitt in der Bandgeschichte, obwohl mit Mario Richter schnell ein "Ersatz" gefunden worden ist.

Heute sind die Auftritte der Band eher selten geworden. Ihre Mitglieder aber sind deswegen nicht untätig. Richter spielt in der Leipziger Deutschrockband "Amok". Haucke sitzt vor allem in Mike Kilians Stones-Coverband am Schlagzeug, hat div. Projekte und ist vor allem Mitorganisator der "Besonderen Konzerte" in seinem jetzigen Wohnort Protzen nördlich von Berlin. Lutz Heinrich betreibt ein Musikstudio in Lützschena bei Leipzig, ist Mitorganisator der Veranstaltungsreihe "Rock am Bismarkturm" und spielt mit Heike May und Ivo Spacek bei "M.I.L.C.H", einer Band mit einem ganzen Renft-Block im Repertoire.

(Dezember 2012)