Günter "Holly" Holwas (voc, g)

... wurde 1950 in Berlin-Mahlsdorf geboren und durchlebte eine schwere Kindheit. Obwohl er sich schon frühzeitig für Musik interessierte, verspürte er keine Ambitionen in die Fussstapfen seines Vaters, der Berufsmusiker war, zu treten. ("Nie wie der Vater" ! ) Als Jugendlicher schloss sich "Holly" den "Rentas" an, einer Berliner Beatformation, die damals zu Hunderten wie Pilze aus dem Boden schossen. Doch schon kurze Zeit später geriet erstmals mit der Staatsmacht in Konflikt und wurde wegen Rowdytums zu einer Haftstrafe verurteilt.

Nach Verbüßung der Haftstrafe zurückgekehrt, führte er ein "normales" Familienleben, zumal er bereits frühzeitig Vater einer Tochter geworden war. Er arbeitete als Kranführer und später beim Altstoffhandel. In jener Zeit beschäftigte er sich, angeregt durch die umfangreiche Plattensammlung eines Freundes, intensiv mit dem Blues und brachte sich autodidaktisch das Gitarrenspiel bei. John Lee Hooker, B. B. King und Muddy Waters wurden zu seinen musikalischen Vorbildern.

Als 25jährigen, gewissermaßen vor Toressschluss, ereilte ihn seine Einberufung zum Wehrdienst in der Nationalen Volksarmee. "Holly", der schon seit Kindheitstagen jegliche Art von Autorität ablehnte, verweigerte zwangsläufig den Wehrdienst und wurde, wie damals in der DDR üblich, Bausoldat. "Holly" landete nicht etwa auf dem Bau, sondern wurde Gärtner, ausgerechnet auf dem Grundstück des stellvertretenden DDR-Verteidigungsministers in Bad Saarow. Admiral Verner sorgte schließlich dafür, dass "Holly" bereits nach einjähriger Dienstzeit vorzeitig entlassen wurde.

"Holly", der inzwischen zum zweiten Mal Vater geworden war, beschäftigte sich nun intensiv mit der Musik und gründete "Holly's Bluesband". Seine Band war die erste Berliner Band, die sich stark am Chicago-Blues orientierte. Musikalisch gesehen stand "Holly" in enger Verwandtschaft mit Stefan Diestelmann, mit dem er später bei den ersten Bluesmessen mehrfach gemeinsam auf einer Bühne stand. Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte "Holly's Bluesband" 1978 in der Umbaupause eines Doppelkonzertes mit der damaligen "Engerling Blues Band" und der "Hansi Biebl Band".

Auf der Suche nach alternativen Auftrittsmöglichkeiten traf "Holly" auf Rainer Eppelmann. Der spätere letzte Verteidigungsminister der DDR war damals Pfarrer in der Berliner Samariterkirche. Bei Eppelmann, der selbst Bausoldat gewesen war, fand "Holly" offene Ohren. Die Idee der legendären Berliner Bluesmessen wurde geboren und "Holly's" Band wurde zur "Hausband" der Bluesmessen. Als Initiator und führender Kopf der Bluesmessen, die sich in kürzester Zeit zu einer spezifischen Form der Jugendopposition in der DDR entwickelt hatten und alsbald Tausende Langharige anzog, geriet er zwangsläufig ins Visier der Staatssicherheit.

1980 verließ Peter Pabst die Band und gründete die "Jonathan Blues Band". "Holly" machte als "Holly & Plant" weiter, hielt aber letztendlich den Druck auf seine Person nicht mehr aus. Als er am 31. Juli 1981 ein lebenslanges Auftrittsverbot erhielt, stellte er demonstrativ einen "Ausreiseantrag" und verließ schließlich am 27. November 1981 die DDR in Richtung Westberlin. Da für ihn ein Leben in der Bundesrepublik keine wirkliche Alternative darstellte, wanderte er nach Kanada aus.

Insgesamt 17 Jahre lebte "Holly" in Kanada. Anfänglich hielt er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und wurde später Truckerfahrer. Schließlich fand er zum Blues zurück und wurde Studio- und Begleitmusiker u.a. bei Otis Rush und Carey Bell. Bis er schließlich seine eigene Band "The Hollys Bluescorp" gründete, war er u.a. Mitglied in der "Downchild Bluesband", bei den "Tony Flaim Allstars" und spielte bei Ronny "The Hook" Hawkins. Die 1969 von den Brüdern Donnie und Richard "Hock" Welsh gegründete "Downchild Bluesband" galt damals als die führende kanadische Bluesband. Tony Flaim (April 1948 - März 2000) war einer der ersten professionellen Bluessänger Kanadas. Er verstarb 52jährig drei Monate nach "Hock" Walsh. Ihre größten Erfolge hatte "Hollys Bluescorp" als Support für Collin James, "Grateful Dead" und den jungen Jeff Healy.

Durch das "wilde" Musikerleben hatte "Holly" massiv Raubbau an seiner Gesundheit betrieben, so dass er schließlich nach mehreren dringlichen Appellen der Ärzte die Musik aufgab und fortan zurückgezogen in einer Hippiekommune lebte, aus der ihn 1998 seine Töchter zurück nach Deutschland holten.

"Holly" lebt seitdem  zurückgezogen in Wernsdorf bei Berlin. Nachdem sich sein Gesundheitszustand wieder stabilisiert hatte, zog es ihn zurück auf die Bühne. Am 22. Oktober 2005 anlässlich einer Veranstaltung in Gedenken an die legendären Bluesmessen hatte er erstmalig wieder einen öffentlichen Auftritt. "Holly" war wieder da! Fortan war er in wechselnden Besetzungen und unter wechselnden Namen - u.a. als "Holly's Bluesband" , "Holy Moly", "H&H" oder als "Holly & Friends" - auf den Bluesbühnen des Landes zu erleben. So trat er unter anderem auf dem Apoldaer Bluesfasching, zur Rock- und Bluesnacht in Spremberg und zum Köpenicker Blues- und Jazzfestival auf. Begleitet wurde er u.a. von Hajo Zoch, Tina Powileit (ex-Mona Lise), Dirk "Blues" Rolle und Matthias Stolpe. Im Repertoire hatte er vor allem Bluesstandards wie "Every Day I Have The Blues" von B.B. King, "Honey Bee Blues" von Sunny Boy Wiliamson oder "I Belive I'll Dust My Boom" von Robert Johnson, aber auch eigene Songs wie "Berlin, Berlin", "What Do You Want From Me", "I Cry" oder "When I Find That Woman", in denen er seine aufregende Lebensgeschichte verarbeitete. Manch einem wird "The Freedom Concert" vom 31. August 2007 in der Berliner Osterkirche noch in Erinnerung geblieben sein. Damals mit dabei waren "Engerling", Jürgen Kerth, Waldemar Weiz und Big Joe Stolle. Ein absoluter Höhepunkt, welchen ich leider verpasste, da ich zum gleichen Zeitpunkt bei der Eastblues-Session mit der "Jonathan Blues Band" war. Der letzte mir bekannte Auftritt fand anlässlich des 30. Jahrestages der Bluesmessen am 18. Juli 2009 in der Parochialkirche Berlin-Mitte statt und ist hier im Portal in Wort und Bild festgehalten.
Sein angegriffener Gesundheitszustand macht eine Rückkehr auf die Bluesbühnen auf absehbare Zeit unmöglich. Derzeit noch immer am Rande Berlins lebend, ist - wie man unlängst hörte - ein Umzug ins Bayrische geplant. All the best, Holly!

Von der jüngeren Schaffensperiode gibt es auch Tonträger. Am 9.12.2009 erschien bei der Navarra Verlagsgesellschaft das Hörbuch "Die Wiedervereinigung". Die Luxus-Edition enthält vier Audio-CDs von "Holly".

(Juli 2013)

Inzwischen nach Bayern verzogen, verstarb "Holly" am Morgen des 11. Mai 2014.

(Mai 2014)




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