Möglicherweise liegt es daran, dass die Mundharmonika gewissermaßen im Osten geboren worden ist. Vielleicht aber liegt es nur daran, dass ich selbst lange Zeit so ein Teil mit mir herum getragen habe, bis mir irgendwann die Puste ausging. Ich jedenfalls denke, dass die Harp einer Blueskapelle erst die richtige Würze gibt.

 

Zum Glück gibt es hierzulande eine Menge Leute, die eine hervorragende Blues-Harp spielen. Manch einer kommt mit einem oder zwei dieser Teile aus, andere haben einen ganzen Gürtel voll um den Bauch geschnallt und wieder andere tragen schwer an ihrem Harp-Koffer.

 

Auch der Osten hatte und hat ausgezeichnete Bluesharper. Stellvertretend seien hier der unvergessene Igor Flach genannt; Bernd Kleinow, der uns einst Diestelmanns "Reichsbahnblues" blies; Matthias "Matze" Stolpe, der derzeit in der Waldi-Weiz-Band die Suppe würzt; Sören Birke, der unngst mit "Blues and Loose" ein beachtenswertes Come Back feierte oder Thomas Hanke aus Leipzig.


Eine meisterliche Bluesharp spielt auch der Hallenser Thomas Schied (Jahrgang 1969). Der gelernte Melker aus dem Paulus-Viertel ist Autodidakt, beherrscht sein Instrument längst professionell und gibt inzwischen selbst Unterricht an der Musikschule "Robert Franz" in Halle.


Erstmalig erlebte ich ihn mit der "L.E. Boogieband". Mir gefiel sein solides und geradliniges Spiel. Orientiert ist er vor allem am traditionellen Country-Blues und dem klassischen Chicago-Blues. Es scheint, als würde Schied sich inmitten einer Bluesband und als Solist gleichermaßen wohl fühlen; so tourte er auch schon mit "Carl Wyatt & The Delta Voodookings" . Unlängst erst sah man ihn inmitten der "Joris Hering Blues Band" aus Berlin. Offensichtlich weiß man seine Qualitäten zu schätzen, verfügt er doch über umfangreiche internationale Erfahrungen. So trat er u.a. beim "Festival Blues Alive" in Tschechien, der "Blues 'n Jazz Rallye" in Luxemburg und dem "Guinness Blues Festival" in Irland auf, wo Schied ein Jahr lebte. Dort traf er vor nunmehr schon 13 Jahren auf den aus Westirland stammenden Gitarristen Trevor Hansbury.


Seither verbindet beide eine enge Zusammenarbeit. Regelmäßig ist der Ire in Deutschland zu Gast, sodass das Duo Hansbury/Schied längst eine bekannte Größe in der hiesigen Blueswelt geworden ist. Hansbury (Jahrgang 1974) verleiht dem alten Delta-Blues eine irische Note, lässt ihn so lebendiger erscheinen. Wenn man Glück hat, bekommt man auch einige Gallagher-Songs zu hören. Logisch!


Auch mit dem aus Bremen stammenden Gitarristen Heiko Schrader, der vor allem mit "Double Stomp" bekannt geworden ist, hat Schied bereits zusammen gearbeitet. Dessen Liebe zum traditionellen Blues eines Robert Johnson oder J.B. Lenoir ist unverkennbar. Doch verbindet er ihren Blues gern mit Soul- und Rockelementen und gibt ihm dadurch eine moderne Note.


Aktuell arbeitet Schied mit Marko Schneider zusammen, der mit Gitarre und Dobro gleichermaßen gekonnt umzugehen weiß. Schneider bevorzugt es den Blues eines Robert Johnson, J.B. Lenoir oder Lightnin Hopkins über den Gesang zu transportieren. Er flüstert, singt und schreit den Blues, benutzt die Gitarre als Begleitinstrument. Dem Bluesliebhaber ist zu raten, künftig auf "The Blind Flying Dogs" aus Halle an der Saale sein Augenmerk zu richten.

(August 2013)

 

 

 

Schaufensterkonzert: The Blind Flying Dogs