Unlängst haben vier junge Herren (Jahrgang 1989 bis 1992) aus Berlin einen alten Blueser in Hamburg fast vom Hocker gehauen. Sie nennen sich "The Wake Woods" und spielen einen verdammt harten Bluesrock.

In letzter Zeit habe ich hier oft von der Generation der Enkel geschrieben. Auch "The Wake Woods" gehören dazu. Aber da ist noch mehr. Mit den Siara-Brüdern hat die Band sogar zwei waschechte Neffen der ehemaligen Schlager-Diva der DDR Bärbel Wachholz (1938 - 1984) an Bord. Möglicherweise haben sie von ihr die Liebe zur Musik vererbt bekommen, doch mit Schlager haben die Wake Woods ganz und gar nichts am Hut.

Mit Musik kamen Helge (voc, g, harp) und Ingo (b,voc) schon frühzeitig im Elternhaus in Berührung. Der Wunsch selber Musik zu machen reifte bei den Brüdern schon im Kindesalter. Zwangsläufig folgte eine Ausbildung an einer Musikschule und später die ersten "Gehversuche". Helge hatte seine ersten musikalischen Schritte am Klavier gemacht, hängte sich erst 2007 die Gitarre um, und hat sie seitdem nicht mehr losgelassen. Doch bis zur eigenen Band sollte es noch ein wenig dauern, die wurde 2008 gegründet. Zur Gründungsbesetzung gehörten damals noch Benjamin Drees, Stine Winiesdorffer und Joseph Bundschuh. Nach nur 4wöchiger Probezeit im besagtem Studio in der 5. Etage (vgl. Titel des Debütalbums) gaben sie im ausverkauften "Tommy-Weißbecker-Haus" im heimischen Berlin ihr erstes Konzert. Ein voller Erfolg! In 2010 kam dann der 1. Höhepunkt in der noch jungen Bandgeschichte, als man sich auf der Berliner WM-Fanmeile die große Bühne u.a. mit Xavier Naidoo und Blondie Chaplin teilte. Inzwischen folgten zahlreiche Auftritte, u.a. auf dem Blues-Festival in Altzella, stand mit "The Blue Van" und Jessy Martens auf einer Bühne. In 2013 war die Band gemeinsam mit "The Footsteps" auf Tour. Bei einem dieser Konzerte lernte ich die Band kennen.

Längst spielen "The Wake Woods" in folgender Besetzung:
Till "Man" Reuter (dr), Tobias Rachuj (voc, g), Helge Siara (voc,g,harp) und Ingo Siara (b, voc). Einzig war mir Ingo zuvor schon begegnet. Spielt er doch auch in der preisgekrönten Stones-Coverband "Get Stoned" aus Berlin.
Der Bandname hat übrigens nichts mit dem gleichnamigen Film zu tun. Er ist eher als Homage an die Mutter der Bandgründer zu verstehen, der Halbschwester von Bärbel Wachholz.

Die Truppe ist bestens aufeinander eingespielt und spielt einen frischen, lauten - besser: wuchtigen Blues, bei dem zuweilen auch echtes Southernfeeling aufkommt. Ein schneller Wechsel der Instrumente und Einlagen, wie das "Bearbeiten" der Gitarre mit dem Geigenbogen, lassen in ihren Liveauftritten keine Langeweile aufkommen. Ich würde sie mit den "Spin Doctors" vergleichen wollen, die erst unlängst durch die deutschen Klubs tingelten, um dem nichteingeweihtem Leser eine annähernde Vorstellung zu vermitteln. Andernorts las ich sogar einen Vergleich mit "Aerosmith". Dies scheint mir zu hoch gestapelt, stehen sie doch erst am Anfang. Der Weg jedoch führt nach oben, wie auch ihr im Mai 2013 veröffentlichte Debütalbum "5 th Floor" (eine EP war schon im Jahr zuvor entstanden) beweist.

Fakt ist, "The Wake Woods" haben den alten Blues mächtig aufpoliert. Wie heißt es doch so schön: The Blues had a Baby, they called it Rock 'n Roll.

(Oktober 2013)


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Am 28. August 2015 erschien ihr Album "Get Outta My Way". Schon kurz nach dem Erscheinen konnte man im Netz die ersten Kritiken lesen. Durchweg positiv!

Auf hooked-on-music.de war zu lesen: "... klingt, als habe die Band mit den Stones, Faces, Who, AC/DC, Grand Funk und MC5 an einem Tisch gesessen. Und bei plattentest.de klingt das so: "... eine schöne Abtanz-Platte, die einen auch mal den nötigen Arschtritt vor dem Weg ins Büro verpassen kann."

 

(September 2015)