2014

* 26. Dezember 2014: Black Rosie im Alten Bahnhof Anderten/Hannover

* 14. Dezember 2014: Lehmann Brothers Band in der Extra Blues Bar Bielefeld

* 23. November 2014: Calfornia Breed im Berliner Kesselhaus

* 03. November 2014: Blackberry Smoke im C-Club Berlin

* 01. November 2014: Footsteps und Layla Zoe im Schützenhaus Altdöbern

 

Da fragte doch neulich wer: "Gibt es denn DEN Bunzel noch?" Ja, er lebt noch und legte bereits ordentlich auf, als ich nach herzlichem Empfang den Saal betrat. Dieser war nicht ganz so gefüllt, wie beim letzten Besuch hier an historischer Stätte. Kein Wunder! Es war mal wieder jede Menge los: "Engerling" spielte an diesem Abend an Oder und Neiße, "Schawue" weiter südlich in Sachsen, in Jüterbog gab es sogar Grund zu feiern und in Udestedt tobte der Bär. Dennoch waren viele bekannte Gesichter auszumachen. Eines wurde an diesem Abend wieder klar: Das gelobte Bluesland fängt irgendwo hinter KW  (sorry: Königs Wusterhausen) an.

In Altdöbern stand Lyla Zoe auf dem Programmzettel und die hatte sich einen feinen Support mitgebracht: "Footsteps".

 

Lucas Fiege, Hendrik Herder und Marius Gebhardt muss man hier nicht mehr vorstellen, sind sie doch längst Stammgäste in der heimischen Klubszene und fehlen darüberhinaus auf keinem Open Air zwischen Prießnitz und Öttersdorf. Im Rahmen ihrer Restringed-Tour, die am 2. Oktober in Leipzig begann, machen sie sich sogar daran OWL zu erobern. Das neue Album ist inzwischen Nummer 3. Ich kannte es noch nicht. Doch zum Glück stellten sie an diesem Abend bis auf "Prejam" und den Slow-Blues "Up All  Night" fast das komplette Album vor. Mir fiel sofort auf, sie sind härter geworden, was ihnen nicht unbedingt zum Nachteil gereicht. Los ging es gleich mit "Televised Revolution", eine Hommage an Gil Scott Heron. Auch wenn ich eine Hymne, wie in auf den Vorgängeralben, nicht ausmachen konnte, bekommen wir erneut kraftvollen Bluesrock mit einem Touch Southern-Feeling geboten, der stark an die 1970er Jahre erinnert. Obwohl, "Unicolored  Town" ist ja schon fast ein lupenreiner Reggae und fällt damit etwas aus dem Rahmen. Überzeugend erneut die geschlossene Mannschaftsleistung. Natürlich mußten die Anwesenden auch in Altdöbern nicht auf Gebhardts Solo-Einlage verzichten und bedachten diese mit ausreichend Beifall. Einfach Perfekt!

Nach einer kurzen Umbaupause kamen dann auch Lyla Zoe und ihre drei Männern. Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich sie in Torgau erlebt. Die Besetzung war unverändert und das Repertoir unterschied sich nicht wesentlich von damals. So blieb ich vor Überraschungen sicher und konnte mich voll auf den Auftritt der Powerfrau mit der langen Mähne konzentrieren.

 

Man hätte denken müssen, auf der Lilly-Tour gibt es vorzugsweise Songs aus ihrem aktuellen Album. Dem war nicht so. Los ging es mit "I' ve Been Down". Diesen Eindruck machte sie allerdings ganz und gar nicht. Die einzigen, die bei ihrem Auftritt zu Boden gehen, sind maximal einige der Herren im Publikum. Erst im dritten Anlauf gab es mit "Green Eyed Love" die ersten Nummer ihres aktuellen Albums, welches sie übrigens gemeinsam mit Henrik Freischlader eingespielt hat. Einige Songs - wenn nicht gar alle - (so genau weiss ich das nicht) sind auch von ihm. Auch wenn ich den 8 Minuten-Slow-Blues "Father" schmerzlich vermißte, so kam mein Blueserherz spätestens bei "Gemini Heart" auf seine Kosten. Der Titelsong ist übrigens mit fast 10 Minuten noch länger. Schön auch, den Young-Song "Hey, Hey, My, My" nicht verpasst zu haben. Aber dann ging es schleunigst auf die Piste. Es war schon weit nach Zwölfe.

 

Erneut wurde klar, weshalb Lyla in ihrer kanadischen Heimat so beliebt ist. Man muss sie erlebt haben!

* 16. Oktober 2014: Climax Blues Band in Bad Salzuflen

Pünktlich um 19:00 Uhr wurden im Bahnhof Bad Salzuflen die Bahnsteige hoch geklappt, der Fahrkartenschalter geschlossen und ich bekam einen Stempel auf meinen Handrücken gedrückt: BLUESTIME im Bahnhof!

Es ist schon erstaunlich, selbst im tiefsten Hinterland trifft man Freunde. So ergab es sich, dass - zur Verwunderung der Ostwestfalen - gleich zwei Monokel-Shirts (wenn auch unterschiedlicher Herkunft) die LOKATION verschönten!

 

Heute nehme ich 'mal das Fazit vorweg: Die alten Herren haben es immer noch d'rauf!!!

"Climax Blues Band" - bis heute ein großer Name. Garant für Bluesrock auf ganz hohem Niveau. Obwohl, den klassischen Bluesrock haben sie nie gespielt. Da fließen rockige Elemente ebenso ein, wie Jazz und Funk. Manchmal kam sogar der James Brown durch. Auf alle Fälle ist es ein einmaliger Sound, dem sie bis heute treu geblieben sind.

 

Natürlich wollten alle "Couldn't Get It Right" hören. Doch bis dahin sollte noch einige Zeit vergehen. Mit diesem Titel hatten sie ihren größten Erfolg. Ein Song für die Ewigkeit. Obwohl die Band bereits seit 1968 besteht, kam der Durchbruch erst 1975 mit  dem "Stam Album". Jener Hit gelang ihnen ein Jahr später. Auch wenn die Briten in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre sogar  in der DDR tourten, waren wir uns noch nicht begegnet. Lieber später, als nie! Aber, immerhin besitze ich mit "Sample And Hold" (1985) ein Originalalbum. Vermutlich habe ich es aus Polen oder Ungarn mitgebracht.

Inzwischen spielt die Band ohne ein einziges Gründungsmitglied. Derek Holt hat schon Ende der 1970er Jahre die Truppe verlassen. Colin Cooper erlag 2008 einem Krebsleiden und Pete Haycock verstarb letztes Jahr. Heute spielen "The Legendary" Lester Hunt (g, voc), Neil Simpson (b), Roy Adams (dr), Chris "Beebe" Aldright (sax) und Graham Dee (voc). Das einzige Urgestein, Georg Glover, saß an den Tasten. Er hat schon auf der erwähnten Langrille mitgespielt. Übrigens, "Shine" und "Heaven and Hell" sind meine Favoriten. Ich meine, beide Songs an diesem Abend auch gehört zu haben.

Leider hielt der Saxofonist nicht lange durch. Ihm war wohl das deutsche Essen nicht bekommen. Während die Musiker gelassen, aber routiniert ihre 'Arbeit' verrichteten, sorgte Sänger Graham Dee (seit 2012 dabei) immer wieder für reichlich Action; nicht allein durch den Gesang. Bei seinen Showeinlagen wurde ich zwangsläufig an 'unseren' Mike Kilian erinnert. Aber überzeugen konnte mich die Band durch ihre Spielfreude. Das klang durchweg frisch und authentisch. Eine geschlossene Mannschaftsleistung. 'Blues' auf höchstem Niveu. Irgendwann kam dann auch "Couldn't...". Schon bei den ersten Takten geriet das Publikum in Entzücken. Einige TänzerInnen hatten sich längst vor der Bühne versammelt. Doch dies ist nicht der einzige Hit der Band. Auch "I Love You" und vor allem "Gotta Have More Love".

 

So geriet auch dieser Abend zu einem Highlight. Die weite Anreise hat sich gelohnt.

Anmerkung: Aufgefallen ist mir der hervorragende Klang in der LOKALISATION. Lag es an der Technik oder aber an dem alten Bahnhofsgemäuer? Egal!

* 11. Oktober 2014: Will Wilde in der Kiste (Berlin)

Will Wilde - merkt Euch diesen Namen!

Als ich die aktuelle Ausgabe der "BluesNews" in der Hand hielt, war mir sofort der zweiseitige Beitrag über den 26jährigen Harper, Sänger und Songschreiber aus Brighton (UK) aufgefallen. Ich habe ihn überblättert. Ich BILD mir meine eigene Meinung!  Nun war er in der Stadt. Also runter vom Sofa und raus aus den Puschen!

 

Man nennt ihn auch Will "Harmonica" Wilde. Schon nach der ersten Nummer wußte ich auch warum. Ich habe lange nicht so eine meisterlich geblasene Bluesharp erlebt. Nach dem Konzert stand fest, der Mann gehört in die erste Liga der Harper. Schon in der Pause hörte man hier und da anerkennende Worte. Seit dem 16. Lebensjahr hängen seine Lippen an der Harmonika und scheinen mit ihr fest verwachsen zu sein. Dass Wilde, der Charlie Musselwhite als eines seiner Vorbilder nennt, bislang - obwohl seit 2010 regelmäßig nominiert - noch nie den British Blues Award als 'Best Harmonica Player' gewonnen hat, ist mir völlig unverständlich. Mit 17 Jahren (in 2005) formierte er seine erste eigene Band und mit 19 Jahren nahm er sein erstes Album auf. Seither tourt er mit eigener Band und der Band seiner berühmten Schwester Dani regelmäßig in Europa und auch Übersee. Als Teilnehmer der legendären BLUES CRUISE hat er u.a. mit Bluesgrößen wie Sherman Robertson oder Michael Burks gespielt.

 

Die "Kiste" war mit knapp einhundert Leuten gut besucht, wenn auch nicht ausgebucht. Was sofort auffiel, das übliche Stammpublikum fehlte. Das hatte sich offensichtlich am Vorabend bei der CCR-Mugge ausgetobt. Insider wissen, erstrahlt die Bühne in blau - dann gibt es Blues!! Der Name hatte dann doch mehrheitlich Bluesliebhaber aus nah und fern angelockt, obwohl sich die Werbung des Veranstalter in Grenzen hält.

Mit leichter Verspätung legte das Quartett los. Auch in dieser Band hat keiner der Musiker augenscheinlich die 30 überschritten. Los ging es mit "What Makes People", einem Song von Jimmy D. Lane. Es folgte "Angel Came Down". Eine Nummer von seinem zweiten Studioalbum "Unleashed". Das war eher eine harte, rockige Nummer mit einem 'powerfull harmonica act'! Doch damit nicht genug. Mit "If I Get My Hands On You" folgte ein Boogie, bei dem "Bob the Bear" seine helle Freude gehabt hätte. Immer wieder wechselten sich seine heisser klingende, tiefschwarze Stimme mit wuchtigen Harpsoli ab. Spätestens jetzt geriet das Publikum in Schwingung und dankte mit Zwischenbeifall. Immer wieder! Mußte er denn doch mal Luft holen, ließ er mit einem Wink seinen Gitarristen los.

 

Stuart Dixon steht schon länger an Wilde's Seite. Er verköpert den sprichwörtlichen 'Fels in der Brandung' - ein Atribut, welches man üblicher Weise Bassisten zuschreibt. Und dies nicht nur wegen seiner stattlichen Erscheinung. Mit sanften Tönen untermalte er die Attacken seines Frontmannes. Doch bekam er freien Lauf, dann legte auch er los, behielt aber auch dann die Ruhe. Leidenschaft und Intensität waren maximal aus seinem Minenspiel abzulesen.

Den Bass bedient in dieser Formation die junge Victoria Smith. Sie kennt man aus der 'Ruf-Caravane' "Girls with guitars". Sie hatte schon mehr Feeling im Blut. Doch weit mehr überzeugte sie mich durch ihre musikalischen Qualitäten. Selten habe ich den sauber gespielten Bass so deutlich aus dem Sammelsurium der Töne heraus hören können.

Am Schlagzeug saß Alan Taylor. Er ist für mich noch ein unbeschriebenes Blatt. Auf dem aktuellen Album "RAW Blues" (2013) ist noch Richard Newmann zu hören, der u.a. schon bei Gallagher und Steve Marriot die Felle bearbeitet hat.

 

Noch vor der Pause kam mit "Thirty Eight" die erste Nummer von besagtem Album. Das war rauher Chicago-Blues, während ihm mit dem folgenden, fünfeinhalbminütigen Glanzstück "Paranoia" ein wunderbarer Slow-Blues gelang. Alles hat ein Ende - auch das schönste Blueskonzert. Mit "Smokin Dynamite" (kennt man von Buddy Guy), "Can't Hold On" von Clapton und der "Suzie q" fand auch dieser Konzertabend sein Ende. Es gab nichts zu bereuen; maximal ihn versäumt zu haben! Ich bin mir sicher, von Will Wilde wird noch zu hören sein. Zeigten sich doch schon erste Konzertveranstalter von 'diesseits der Elbe' interessiert!

Übriges, der Wilde bläst eine Harmonika aus dem vogtländischen Klingenthal!!!

P.S.: Keine Panik Herr Föhrs, inzwischen habe ich auch die Seiten 35 und 36 gelesen!

 

 

* 05. Oktober 2014: Tom Vieth & Friends im Hot Jazz Club Münster

"After Church Club" nennt sich die sonntägliche Veranstaltung im "Hot Jazz Club", gelegen unmittelbar am Hafen in Münster. Nein, in der Kirche war ich nicht - aber gerade in der Nähe. Tom Vieth & friends stand auf dem Plan. Tom Vieth kannte ich bis dato noch nicht; seine Freunde noch viel weniger. Grund genug den Herren einen Besuch abzustatten.

Vieth stammt aus dem Münsterland und zählt zu den Urgesteinen der (west-)deutschen Blues-Szene. "Münsterland Fats" gilt als Vertreter des traditionellen Blues. Es war bereits kurz nach 15:00 Uhr, als der Meister vor dem Mikrofon Platz, seine 'Klampfe' in die Hand nahm und unproblematisch los legte. Seine Hintermannschaft war noch gar nicht eingetroffen. Ausgesprochene junge Freunde hat Vieth, wie sich später heraus stellte.

 

"Every day I had the Blues" sang Vieth und davon scheint er eine ganze Menge zu haben. Sein Vortrag war authentisch, ungekünstelt und natürlich. Er spielte einfach 'nur' den Blues: die Töne haargenau auf den Punkt gebracht, mit kraftvollem Gesang. Das Programm bestand mehrheitlich aus Eigenkompositionen im besten Chicago-Blues-Style. Während die Texte eher tieftraurig waren, dem typischen Blues-Klischee folgend, war die Musik alles andere als Trauermusik. Dafür sorgten nicht zu letzt die auffallend jungen Freunde.

 

Zweifelsfrei gab der Meister den Ton an, bot aber seinen beiden Nebenleuten immer wieder ausreichend Freiraum für ausgedehnte Soli. Besonders Nico Dreier - der Mann am Klavier - schien das zu genießen. Es war eine Freude zu beobachten mit welcher Hingabe er es bearbeitete. Malte Wollenburg an der zweiten Gitarre sorgte für die feinen Zwischentöne und den Tempowechsel. Drummer Dominik Walczuk hielt die Fäden fest in der Hand. Gemeinsam mit Bassist Christopher Pietruschka untermalte er solide die musikalischen Ausflüge ihrer Vorderleute. So bekam die Show etwas von einer Jam-Session ohne Fehl und Tadel. Solange es solche jungen, spilefreudige Musiker gibt, die tun, als hätten sie nie etwas anderes getan als den Blues zu spielen, ist es mir um die Zukunft des Blues nicht bange.

 

Fazit: Mein Sonntagnachmittag wurde das, was uns der Veranstalter versprochen hatte, nämlich ein gemütlicher Nachmittag mit frischem Kaffee, lecker Blechkuchen und viel gutem Blues!

Übrigens der Club hat ein angenehmes Ambiente und ein abwechslungsreiches, vor allem aber auffallend breit gefächertes Programm!

* 04. Oktober 2014: Kirsten Thien & Band in Hannover-Isernhagen

Ich hatte mich auf eine Soulparty eingestellt, doch es kam anders. Die Seele steckte 'nur' in der gesamten Performance. Was die zierliche rotharige Frau incl. ihrer Begleitband da bot, war dann doch mehrheitlich Blues, bei dem sie alle Register zog - vom feinsten Bluesrock über getragene Slowblues-Nummern bis hin zum klassichen Countryblues, wobei mir schien, bei den Countrynummern fühlte sie sich am wohlsten.

 

Die Show ging über mehr als zwei Stunden und war voller Eigenkompositionen, mehrheitlich von ihrem aktuellen Studioalbum. Einige Cover u.a. von Willie Dixon und Wilson Picket konnte ich auch ausmachen. Begleitet wurde die Dame von Erik Boyed am Bass und an den Drums Christophe Gaillot. Besonders bemerkenswert war, was der erst 18jährige norwegische Gitarrist Magnus Berg zu bieten hatte. Nein, um die Zukunft des Blues mache ich mir schon lange keine Sorgen mehr!

 

Auffällig war auch die Natürlichkeit von Kirsten Thien vor und auf der Bühne. Wie selbstverständlich michte sie sich nach dem Auftritt unters Publikum, scherzte, talkte und schüttelte Hände hier und da. Offensichtlich hatte sie sich nach ihrem vorjährigen Auftritt viele Freunde in Hannover gemacht. Ich bin mir sicher, nach dem Abend sind es noch einige mehr.

 

* 19. September 2014: Engerling und electra in der Parkbühne Berlin-Biesdorf

Dass der Stephan Trepte (Jahrgang 1950) - ganz im Gegensatz zu mir - mit den Jahren eine Antipathie gegenüber 'Bluesschuppen' entwickelt hat, kann man in seinem Kurzporträt hier in diesem Portal auf der Seite Eastblues nachlesen. An diesem Freitagabend war er mit seiner "electra" im Rahmen ihrer "The Last Waltz - Tour" nach Biesdorf gekommen. Ein 'Bluesschuppen' ist die Parbühne wahrlich nicht. Aber auf den Blues muss man hier dennoch nicht verzichten. Dafür sorgt u.a. "Engerling", die hier seit Jahren regelmäßig auftreten und uns immer mit Gästen überraschen. In diesem Jahr hatte man die Dresdner Band "electra" auf ihrer Abschiedstour eingeladen.

 

Es war eine geballte Ladung 'DDR-Rockgeschichte', die da auf der Bühne stand: 45 Jahre "electra" und 39 Jahre "Engerling". Bis Konzertbeginn war nicht klar, welche der Bands wohl den Opener machen würde. Pünktlich um 18:00 Uhr trat der Hausherr ans Mikrofon und lüftete das Geheimnis. Beide Bands spielten abwechselnd zwei Sets.

 

Den Anfang machten die Engerlinge, wie die Band liebevoll von ihren zahlreichen Fans genannt wird. Und die legten auch gleich mit zwei Mal Moll (Moll Blues/Moll's Party) los. Diese Band hier vorzustellen erspare ich mir, spielt sie doch seit Jahren mit konstanter Besetzung, verfügt über eine treue Fangemeinschaft, zu der auch ich mich zähle, - und gehört zu den Spitzenbands der heimischen Blues-Szene. Auch wenn sie schon frühzeitig den Blues aus ihrem Bandnamen verbannt haben, verzichten auf ihn tun sie nicht. So oft ich auch die vier Herren schon auf der Bühne erlebt habe, kein Konzert gleicht dem anderen. Und wieder spielten sie 'aus dem Bauch heraus'. Eine Seliste gibt es nicht. Es sind halt Vollblutmusiker, die ihr Handwerk perfekt beherrschen. Höhepunkt im ersten Teil war zweifelsfrei ihre deutschsprachige Fassung des Dylan-Klassikers "The Times They Are Changing". Viel zu schnell ging ihr erster Set vorbei. Zum Glück gab es ja noch eine Fortsetzung.

Und die begann - sehr zu meiner Freude - mit der weißen Ziege. Die A-Seite ihrer alleraller ersten Scheibe. Es hat damals einige Zeit gebraucht bis ich begriffen habe, dass damit sein Fahrrad gemeint ist. So sind sie halt die Texte von Bodag! Schön auch der "Erlenkönig". Neben den intelligenten Texten, ihrem rockigen Blues, sind es vor allem aber ihre ausgedehnten Improvisationen und die musikalischen Ausflüge wie z.Bsp. Renft's Apfeltraum im "Narkoseblues", die begeistern. Die Zugabe: natürlich "Mama Wilson", Engerling's Hommage an "Al" Wilson und Bob, "the Bear".

 

Dann "electra". Es war wohl eine der letzten Gelegenheiten diese Band noch einmal live zu erleben, bevor sie im nächsten Jahr endgültig von der Bühne abzutreten gedenken. Immerhin sind alle Mitglieder - mit Ausnahme von Gitarrist "Ecki" Lipske - im Rentenalter.

Obwohl ich KEIN bekennender Ostrock-Fan bin, bin auch ich mit der Musik der Dresdner erwachsen geworden. Nach einer kurzen Bach-Adoption folgte der "Säbeltanz". An diesen Titel und an "Tritt ein in den Dom", dem Song mit dem sie sich vom Berliner Publikum verabschiedeten, kann ich mich noch sehr gut erinnern, liefen sie doch damals in Ost-Hitparaden hoch und runter. Mit ihren einmaligen Klassikadaptionen und ihrem rockig-jazzigen Stil spielten sie sich schnell an die Spitze.

Vor allem aber punktete die Band in meiner Jugendzeit als "Jethro Tull des Ostens". Wie man hörte, hat "electra" in ihrer langen Bandgeschichte wenigstens ein Mal mit "Jethro Tull" gemeinsam auf der Bühne gestanden. Peter Ludewig, Bernd Aust, Karl-Heinz Ringel, Ekkehard Berger und Wolfgang Riedel waren es, die uns damals jene Musik in die Tanzsäle gebracht haben, die wir nur aus dem (West-)radio kannten. Sehr zu meiner Freude gab es an diesem Abend mit ihrer 12-Minuten-Fassung von "Thick As A Brick" (manch einer hätte sich auch die vollen 43 Minuten gewünscht!) und mit "Locomotive Breath" zwei Jethro-Tull-Klassiker. Bei Letzterem geriet das Publikum nun völlig aus dem Häuschen. Selbst "Boddi" Bodag war an den Bühnenrand gekommen, um sich das Spektakel anzuschauen.

Als ich "electra" einige Jahre zuvor schon einmal an gleicher Stelle erlebt habe, stand "Mampe" Ludewig am Mikrofon. An diesem Abend war es Stephan Trepte, der in meinen Augen resp. Ohren zu den besten Vokalisten des Landes gehört. Kenner der hissigen Szene wissen, dass sein Weg von "Lift" zu "electra" weiter zu "Reform" und wieder zurück zu "electra" führte. So war es nicht verwunderlich, dass er auch einige Lieder aus seiner Reform-Zeit brachte, von denen mir "Wenn Blätter fallen" am ehesten gefallen hat. (Ich hätte mir doch eher "Lift" gewünscht.) Mit dem übrigen Nummern konnte ich allerdings nicht allzuviel anfangen. Zum Glück gab es zwischen den Songs immer mal wieder erklärende Worte. Nach zwei Zugaben und gut 10 überzogenen Minuten war Schluss mit lustig.

 

Fazit: Wenn "electra" von der Bühne abtritt, verliert der 'Ostrock' nicht nur eine ausgezeichnete Band, sondern mit Stephan Trepte (voc), Bernd Aust (fl, sax, keyb), Wolfgang Riedel (bg), Andreas Leuschner (keyb) und Falk Mökel (dr) auch erstklassige Musiker!

* 13. September 2014: Bluesnight mit Rick Vito, Layla Zoe und Richie Arndt im Bahnhof Bad Salzuflen

* 12. September 2014: Richard Bargel in der Extra Blues Bar Bielefeld

Bielefeld: Willy Brandt Platz

* 11. September 2014: Extrabreit in der Weberei Gütersloh

* 15. August 2014: Blues m'r jet, Joris Hering Blues Band und Jonathan Blues Band in Milow

Gut 300 Menschen werden es gewesen sein, die der Einladung des 'Scheunen-Wirtes' in Milow gefolgt waren. Unter ihnen auch wohlvertraute Gesichter aus Berlin, Brandenburg und Sachsen. Bereits zum 8. Mal hatte Carsten Fröhlich dieses kleine, aber feine Blues-Open-Air am idyllischen Havelufer organisiert.

 

Mit "Ene leeve jross an dat Havelland" eröffnete Sänger und Gitarrist Klaus Hölper den Abend. Gemeinsam mit Bassist Martin Lange war er aus Köln angereist. "Blues m'r jet" hatte einst mit englischen Texten begonnen. In 2009 besann man sich seiner Herkunft und pflegt den Blues seither in Kölner Mundart, und tingelt durch die Kölner Kneipenszene, wo sie vom Neffen des Veranstalters enteckt worden sind. Timon Fröhlich war es auch, der das Blues-Duo ins Havelland brachte. Doch damit nicht genug. Auch er versteht sich im Umgang mit der Gitarre und unterstützte das Duo bei einigen Songs.

Locker, flockig führte Hölper durch ihr Programm und gab erklärende Worte zum Inhalt ihrer Songs, die logischerweise allesamt 'auf eigenem Mist gewachsen sind'. Die erklärenden Worte waren auch unbedingt von Nöten, denn der Kölner Dialekt fand nur schwer Zugang zu preußisch-sächsische Ohren. Die Themen der Kölner könnte man kurz mit 'Wein (besser: Bier), Weib und Gesang' zusammen fassen. Und beim Thema Weib ging es dann auch mehr um Beziehungsstress und Trennung wie beim 'Sofa-Lied' (Dat Sofa), welches mir, ebenso wie ihr Titelsong, ausgesprochen gut gefiel. Auch wenn Hölpert & Lange einen lautstarken Fanklub aufzuweisen hatten, waren zu diesem Zeitpunkt die Reihen vor der Bühne noch spärlich besetzt. Offensichtlich war man noch mit Bier holen und Small-Talk beschäftigt.

 

Doch das sollte sich beim nachfolgendem Act schlagartig ändern. Schon bei den ersten Takten der "Joris Hering Blues Band" aus Berlin zeigten sich die ersten Tänzerinnen vor der Bühne. Auch das Repertoire der Berliner besteht mehrheitlich aus eigenen deutschsprachigen Titeln, die uns Frontmann Joris Hering in Hochdeutsch zum Besten gab. Eigentlich verwunderlich, weiß man doch, das er ursprünglich aus Halle (Saale) stammt. Von dort hatte sich die JHBB mit dem Harper Thomas Schied auch Verstärkung geholt. Ein guter Griff, wie ich meine. Gut gegriffen haben die Hering-Brüder auch, als sie sich unlängst mit Hans-Jürgen Beier einen neuen Drummer in die Band holten. Da passt einfach alles!

Gut 1,5 Stunden dauerte ihr abwechslungsreicher 'Vortrag', bei dem sich immer wieder Gesang, Gitarre und Harmonika, getragen von einer soliden Hintermannschaft, abwechselten. Das blieb dem Publikum nicht verborgen, so dass die zahlreichen Soli immer wieder mit Zwischenapplaus bedacht worden sind.

 

Zu später Stunde betrat dann - sehr zur Freude der 'Altblueser', die sich nun in die erste Reihe vor der Bühne drängten - eine Legende die Bühne. Wer sich ernsthaft mit der Ostblues-Szene auseinander setzt, der kommt an der "Jonathan Blues Band" nicht vorbei. Wer erinnert sich nicht gern an Songs wie "Hautnah" oder "Blues in der Nacht" ? Allzu oft bekommt die Herren Pabst, Dyballa und Fuhrmann heutzutage nicht mehr auf den Bühnen des Landes zu sehen, offensichtlich für einige 'Altblueser' Anlass genug, eine weite Anreise in Kauf zu nehmen. Einige von ihnen waren deutlich am Monokel-Shirt erkennbar. Sicher ein Gruß an Monokel-Gitarrist "Kuhle" Kühnert, der inzwischen bei den Jonathans Stammgast ist. Ich konnte sogar ein nietennagelneues Blues-Pills-Shirt entdecken (Erstaunlich wie schnell die Schweden-Bluesrocker auch hier eine stattliche Fangemeinde bekommen haben).

Kaum auf der Bühne gestanden, wurde es laut. Ziemlich laut! Im ersten Set bot die Urbesetzung der "Jonathan Blues Band" eine Ausschnitt aus ihrem eigenen Programm. Immer wenn ich die Jonathans erleben kann, begebe ich mich auf eine Zeitreise zurück in die 1980er Jahre. Auch an diesem Abend war wieder alles dabei - vom "Katzenfreund" über "Doktor" (!!) bis zu "Daddy's Boogie", jener Song der es auch auf den Sampler "Bye, bye Lübben City" geschafft hat. Schweißtreibender Bluesrock vom Feinsten!

Als dann "Kuhle" Kühnert und wenig später mit 'Rockhaus-Mike' ein weiterer Stammgast die Bühne betrat, wurde es International. Es folgten Rock- und Bluesklassiker von Ray Charles bis Peter Green's "Oh Well" (diesmal nicht von "Kuhle" gesungen). Mike Kilian 'durfte' sogar einen Rockhaus-Song singen. Er geht übrigens im Herbst mit "Final Stap" auf "Rollator-Tour".

Inzwischen war der neue Tag schon eine Stunde alt und ich musste mich verabschieden, schließlich hatte auch ich noch gut 180 Autobahnkilometer vor mir!

* 08. August 2014: The German Boss + Ed Stone in der Parkbühne Berlin-Biesdorf

Keine Ahnung, was den Veranstalter bewogen haben mag, den Boss und die Stones in einem gemeinsamen Abendprogramm auf die Bühne in Biesdorf zu holen. Aber Fans waren zahlreich erschienen. Kein Wunder, bei dem äußerst smarten Eintrittspreis! Etliche der anwesenden Herren hatten sogar ihr Springsteen-Shirt aus der Kommode gekramt. Aber die Stones-Fans waren eindeutig in der Mehrheit, was unschwer an ihren Outfits zu erkennen war.

Natürlichen waren DIE Herren nicht persönlich gekommen, denn die hätten für den Ticketpreis nicht einmal den Fuss vor die Tür gesetzt.

"The German Boss & the Blood Brothers" gaben sich alle Mühe. Ich gab mir auch Mühe, aber die Springsteen-Musik berührt mich wenig! Zum Glück, war ich an diesem Abend nicht der Einzige!

Die Band war aus Braunschweig angereist und bot eine knapp zweistündige Best-Of-Show. Frontmann Carly Voges, der den Nick-Namen in den Staaten verpasst bekommen hat, wurde begleitet von Tom Rauschhardt (g), Alex Walford (sax), Alex Faust (keyb), Heinrich Römisch (b) und Matthias Wandersleb (dr).

Auch wenn die Temperatur inzwischen leicht gefallen war, sorgte der nachfolgende Act für einen heißen Abend. "EdStone" aus Berlin initierte eine ausgelassene Stones-Party. Biesdorf außer Rand und Band! Da war alles dabei von "Gimme Shelter" bis "Midnight Rambler".

* 05. August 2014: Joris Hering Blues Band im Hangar 49/Berlin-F'hain

* 12. Juli 2014: Blueser's Birthdayparty in der "Kiste" / Berlin mit "Footsteps", "King Kong Calls", "Bluewater" und der "Joris Hering Blues Band"

 

Thank you for coming, musicans and blueser!

Mein Dank gilt den Akteuren, Joris Hering, der den Abend managte, dem Kistenteam, Volker Tonn für seinen unermüdlichen Einsatz an der Kamera und auch den weit gereisten Bluesfreunden aus München, Chemnitz, Torgau, Falkenberg und der Lausitz.

Für den Spass zur Langen Kisten-Bluesnacht sorgten gleich vier Bands. Und die kamen aus Leipzig, Torgau und Berlin; jenen Orten, die wichtige Stationen in einem langen Blueserleben waren. Dies war ein Grund, wenn auch nicht der alleinige Grund, für die Auswahl der Bands. Wenn auch alle vier Bands aus Zeitgründen (die Umbaupausen fielen kürzer als erwartet aus) nur einen Ausschnitt ihres Repertoires bieten konnten, so sorgte doch die Auswahl der Bands für eine 'gesunde' Mischung und einen abwechslungsreichen Abend.

Pünktlich 19:00 Uhr eröffnete Joris Hering den Abend. Den undankbaren Job als Opener hatten Lucas Fiege, Marius Gebhardt und Hendrik Herder übernommen. Zusammen sind sie "Footsteps". Als ich sie vor Jahren in der Torgauer Kulturbastion zum ersten Mal erlebte, nannten man sich noch "Whorehouse" und spielte neben einigen Bluesstandards vor allem die Hymnen der Südstaatenrocker. Das machte diese junge Band in meinen Augen gleich von Anbeginn symphatisch. Logisch! Wer die Jungs näher kennt, der weiß, dass sie noch heute kein Deutschlandkonzert von Gov't Mule, Molly Hatchet & Co. versäumen. Inzwischen haben sie längst ein abendfüllendes Programm mit eigenen Titeln.

 

"Footsteps" spielen einen frischen, modernen Blues-Rock mit leicht psychedelischem Einschlag, wie beispielsweise bei "Space Girl", der sehr dazu angetan ist, auch ein jüngeres Publikum anzusprechen. Wenn auch noch zögerlich, so begann sich denn auch alsbald die Fläche vor der Bühne zu füllen. Trotz der begrenzten Zeitvorgabe ließ es sich Drummer Marius Gebhardt nicht nehmen, mich und die Anwesenden erneut mit einem brilliantem Solo zu erfreuen.

Auf den nachfolgenden Act war ich ganz besonders gespannt, waren wir uns doch noch nicht begegnet. Schließlich handelte es sich um Berlins 'jüngste' Bluesrock-Formation. Ihr Blues-Rock knüpfte im Vergleich zu "Footsteps" deutlich an die Glanzzeiten der 1970er Jahre an. Thomas Niedermayer (voc, g), Florian Dufour-Feronce (dr) und Matze Pfund (bg) preisen sich selbst als Powertrio an. Der Power war von der ersten bis zur letzten Minute zu spüren. Mit ausdrucksstarker Stimme und fetten Sound gaben die drei Herren vor allem Klassiker der Blues- und Rockgeschichte wie "Voodoo Child", "Got My Mojo Working" und "Black Night" zum Besten. Trotz ihrer sehr kurzen Bandgeschichte bestand mindestens die Hälfte ihres Programms erstaunlicherweise aus Eigenkompositionen; wobei sie bei mir besonders mit "Crazy" und "Rain" punkten konnten. Auch dem übrigen Publikum schien es zu gefallen, denn das hatte inzwischen die Tanzfläche vollends in Beschlag genommen.

 

Auch die Jungs von "King Kong Calls" sind  (noch) verhältnismäßig jung; die Band ja sogar noch jünger. Und trotzdem sind sie keine Anfänger mehr. Zumindest Bassmann Matze dürfte dem Bluesvolk kein Unbekannter mehr sein - hat er doch früher an der Seite von Doc Nice bei "Muddy Feet" gespielt. Aktuell arbeitet er auch mit Steve Seitz und "Lello" zusammen, deren Akustik-Projekt auch erst unlängst aus der Taufe gehoben worden ist. Matze hatte übrigens einen ganz speziellen Auftrag übernommen. Kaum hatte er auf der Bühne gestanden, trat er ans Mikrofon und übermittelte Geburtstagsgrüße von Marco aus Hannover. DANKE! Sie waren sich erst unlängst auf dem Open Air in Mittenwalde über den Weg gelaufen. Marco, der übrigens sächsische Wurzeln hat, hielt sich zeitgleich irgendwo in Öttersdorf vor der Bühne oder am Tresen auf und dürfte regelmäßigen Konzertgängern in Ost und West kein Unbekannter sein. Nebenbei bemerkt: aus Öttersdorf erreichte mich noch ein weiterer Geburtstagsgruß. Der kam von "Letscho" und wurde von "Bande" überbracht. Dank auch an den Frohburger!

 

Nach der Halbzeitpause ging es ebenso druckvoll weiter. "Bluewater" hatte inzwischen die Bühne geentert und war begeistert empfangen worden. Das ist nicht verwunderlich, genießt die Band hier am östlichen Berliner Stadtrand sozusagen Heimvorteil. Die Anfang 2010 von Sängerin Jenny Kallabis gegründete Kapelle, tritt seitdem regelmäßig in Parkbühne und "Kiste" auf. Auch ich hatte schon einige Bluewater-Konzerte erlebt, und wußte daher worauf mich einlasse. Aber da ist noch mehr: ich war es auch, der damals die beiden Frontleute der Band Jenny (voc) und "Kulle" (g, voc) zusammen geführt hat. Offensichtlich hatte ich dabei ein glückliches Händchen, denn diese 'Beziehung' hält immer noch. Irgenwo las ich unlängst, mit den Bands verhalte es sich wie mit einer Ehe. Entweder sie halten Wochen oder aber Jahre. So genau könne man es vorher nie wissen! Es ist also nicht nur Seelenverwandschaft, die mich mit Beiden verbindet.

 

Kaum auf der Bühne, heizte eine gut gelaunte Jenny die Stimmung im 'Saal' weiter an. "Bluewater" spielt schon mal locker drei Stunden am Stück, konnte uns also an diesem Abend auch nur ein Bruchteil ihres Repertoires bieten, welches aus bekannten Nummern von "Texas" bis SRV besteht. Die Glanzpunkte aber setzt Jenny mit ihrer rauchigen Bluesröhre wenn sie Elissa Etheridge oder Janis Joplin interpretiert. An diesem Abend  überzeugte sie mich erneut mit ihrer Version von "Me & Bobby McGee". Davon könne man nicht genug haben, so der Mann neben mir. Dritter Mann in der Band ist Bassist Joe le Vaux, der wie immer mit stoischer Ruhe seine Vorderleute antrieb. Am Schlagzeug konnte ich ein neues Gesicht entdecken. Jörg "Albi" Albrecht gab an diesem Abend sein Debüt bei "Bluewater".

Zu vorgerückter Stunde war der Hauptact des Abends - die Joris Hering Blues Band - an der Reihe. Auch ihre Anwesenheit in Hellersdorf läßt sich nicht nur ausschließlich auf deren Musik reduzieren. Insider wissen, dass mich mit dieser Band auch geschäftliche Beziehungen verbinden, aus denen im Lauf der Zeit weit mehr geworden ist.

Die Hering-Brüder hatten gleich zwei neue Gesichter mit nach Hellersdorf gebracht. Für den verhinderten H.-J. Beier war Andy Scherer eingesprungen. Scherer hat aktuell einen Stammplatz in der Band von Big Joe Stolle. Auch wenn es nicht ihr erster gemeinsamer Gig war, so war es schon erstaunlich, wie problemlos er sich einbrachte. Erstmalig zeigte sich an diesem Abend die JHBB mit einem Keyboarder in der Öffentlichkeit. Den Part hatte Frank McCoffin übernommen. Es bleibt abzuwarten, ob sich daraus eine dauerhafte Zusammenarbeit entwickelt.

 

Im ersten Set spielte die Band vorzugsweise Klassiker wie den "Folsom Prison Blues", "Good Morning Little Schoolgirl" und "Cabin Down Below". Doch weit aus mehr als mit diesen Coverversionen überzeugt mich die Band durch ihre Eigenkompositionen mit ihren ungeschliffenen deutschsprachigen Texten. Tritt sie doch damit, ebenso wie Mike Seeber, das Erbe der Altvorderen der DDR-Bluesszene an, und erhält somit den spezifisch ostdeutschen Blues am Leben.

 

Inzwischen standen die Uhrzeiger auf 0 Uhr. Ich hatte mich mit den Männer von "Bluewater" nach Backstage verzogen, um deren Frontfrau zu ihrem gerade beginnenden Geburtstag zu gratulieren und ihr ein Ständchen zu singen, als von der Bühne lautstark nach Jenny gerufen wurde. Das Glas Sekt war noch nicht geleert, als das 'Geburtstagskind' erneut auf der Bühne stand, um nun ihrerseits das Publikum mit einem Ständchen zu erfreuen. A capella sang sie die Janis-Joplin-Nummer "Mercedes Benz". Gänsehaut-Feeling pur!

 

Im Anschluss daran folgte ein zweiter Set der "Joris Hering Blues Band" bis sich gegen 1:00 Uhr das Bluesvolk zufrieden auf den Heimweg begab und in der "Kiste" die Lichter aus gingen. Bleibt zu hoffen, dass auch die "Joris Hering Blues Band" neue 'Verehrer' gefunden hat, vor allem aber Stimmenzuwachs bei der Online-Abstimmung (läuft noch bis 31. Juli) zur "GERMAN BLUES CHALLENGE 2014" am 20. September in Eutin - steht sie doch als einziger ostdeutscher Vertreter auf der Nominierungsliste!!!!!!!!

* 28. Juni 2014: Kristin Shey Trio in Bielefeld

Eigentlich sollte mir Frau Shey und ihre Band die Zeit bis zum Auftritt der "Voodoo Blues Band" verkürzen. Ich hatte sie doch am Vorabend schon solostisch erlebt, und mir so einen ersten Eindruck verschafft. Doch dazu kam es nicht (siehe unten). Offensichtlich ist die Dame in BI keine Unbekannte mehr, hatten sich doch verhältnismäßig viele Leute aller Altersgruppen vor der Bühne am Kesselbrink eingefunden.

 

Die Frau ist Songschreiberin, Sängerin und Gitarristin in einer Person. Musikalisch bot sie eine ganze Bandbreite von Blues, Soul bis Pop. Da war alles dabei. Vielseitigkeit scheint ihr Markenzeichen zu sein; gab sie sich doch auf der Bühne mal einfühlsam und im gleichen Moment wieder voller Power. Alle vorgetragenen Songs, von denen bei mir vor allem "Gotta Go", "Better Together" und "That Stuff" punkten konnten, stammen aus ihrer Feder. Obwohl sie schon seit 10 Jahren auf der Bühne steht, scheint sie überregional kaum bekannt zu sein. Das wird sich ändern, denn Potential hat die Frau, die tatkräftig von Manuel Bürgel (b) und Elmar Lappe (dr) Unterstützung erhielt. Ein wenig erinnerte sie mich sogar an 'meine Gitarrengöttin' Joanne Shaw Taylor.

Übrigens, einen Merchandise-Stand gab es auch! Dort lagen immerhin schon drei CDs zur Auwahl. Die aktuelle Scheibe - eine EP - nennt sich "Do Something".

* 27. Juni 2014: Bielefelder Blues Projekt in Bielefeld

Es war NRW-Tag in Bielefeld und mächtig was los, sodass es gar nicht so einfach war, in diesem Sammelsurium von Ständen und Bühnen, das "Bielefelder Blues Projekt" zu finden, denn die hatten sich für ihre Premiere den Stand des Familienministeriums von NRW ausgesucht. Und ausgerechnet dort, gaben sie ihren Song von der Pille und dem vergessenen Gummi zum Besten. Doch dazu später. Das Chaos sollte am nächsten Tag noch größer werden, als ich mich - trotz Dauerregen - pünktlich um 17:00 h in den Ravensberger Park begab, um mir die "Voodoo Blues Band" anzuschauen. Vergebens! Der Veranstalter hatte die Truppe - entgegen der Ankündigung im Programmheft -, welches allerorts verteilt worden war, bereits um 13:00 Uhr auf die Bühne geschickt!

 

Natürlich war ich auf das wohl einmalige Experiement von "Greyhound Georg" alias Jürgen Schildmann gespannt. Blues und HipHop wie geht das zusammen?

Gleich vorab, so schlecht klang das gar nicht. Im Gegenteil - das klang richtig gut. Schließlich bin ich ziemlich aufgeschlossen in Sachen Musik. Allerdings glaube ich, die Verbindung von akustisch dargebotenem Country-Blues mit deutschen Rap-Texten wird wohl einmalig bzw. einzigartig bleiben und sich nicht durchsetzen können.

 

Für den Blues war "Greyhound Georg" zuständig, der aus der Bielefelder Bluesszene nicht mehr weg zudenken ist. Seit mehr als 30 Jahren tritt er an, um den guten alten Country-Blues in die heutige Zeit zu retten. Offensichtlich 'schreckt' er dabei vor nichts zurück - nicht einmal dem HipHop! Dass der Mann den Blues hat, war offensichtlich. Er spielt nicht nur eine groovende Slide-Gitarre, sondern hat ein ausgesprochenes Bluesfeeling in den Händen und der Stimme.

 

Der Rapper war "DBLuDee" alias Daniel Wagenbreth (Jahrgang 1978). Logisch - von ihm hatte ich noch nie gehört. Er stammt aus Brandenburg (Havel) und ist bereits seit 2003 in Ostwestfalen zu Gange. Er ist auch für die Texte zuständig, die teils mit derber Sprache autobiografische und systemkritische Themen aufgreifen. Übrigens, neben der "Pille" gefiel mir auch die "Schnapsdrossel" ausgesprochen gut.

 

Am oder besser auf dem 'Holzkasten' (in der Fachsprache nennt man das natürlich Cajon) saß Jörg Kannegießer, der in BI-Brackwede eine Musikschule leitet und sich in allen möglichen Musikgenre zu Hause fühlt. Aber an diesem Projekt hatte auch er offenkundig seine Freude.

 

 

 

* 15. Juni 2014: Bluewater und Transit in Berlin-Köpenick

* 09. Juni 2014: "Aerosmith" in Berlin

Es war ein heisser Tag. Und der Abend sollte noch heisser werden. Ich begab mich auf direktem Weg in die ausverkaufte O2-World und ging nicht über Los.

Es ist die größte Halle, die Berlin zu bieten hat. Normalerweise meide ich derartige Locations. Ich mag es eher klein, fein und kuschelig. Aber schließlich waren meine 'Bad Boys' in die Stadt gekommen, da kann man nicht zu Hause sitzen bleiben.

 

Steven Tyler und seine Band stehen von je her etwas im Schatten der Rollenden Steine (die gaben sich einen Tag später in der Waldbühne die Ehre!), nicht so bei mir! Zu unrecht, wie ich meine. Mir war klar, es würde eng werden. Und bei den Ticketpreisen stand mir eher ein Platz weiter hinten zu, sodass ich die Kamera zu Hause gelassen hatte, was mir die Möglichkeit verschaffte, den Abend ganz bequem im Sessel zu verbringen. Zum Glück gab es eine überdimensionale Leinwand, auf der man das Spektakel auf der Bühne - und nicht nur dort - bequem auch ohne Brille verfolgen konnte.

 

Es gab eine Vorband, die "Walking Papers". Ich gestehe, von denen hatte ich noch nie etwas gehört; geschweige denn gesehen. Ein unverzeihlicher Fehler, wie mir schon nach der ersten Nummer klar geworden ist. Das was sie boten war hart und druckvoll, hat mir aber ausgesprochen gefallen. Im Line Up der Band war übrigens ein bekannter Name zu finden. Am Bass Duff McKagan. Ihn kennt man von "Guns N' Roses". "Walking Papers" aber, leben offensichtlich von ihrem ausdrucksstarken Frontmann Jeff Angell (voc, g). Er sorgte auch für eine Riesenüberraschung, als er sich urplötzlich von der Bühne stürzte, - und im wahrsten Sinne des Wortes - ein Bad in der Menge nahm, dabei weiter sang, als wäre nichts geschehen. Derartiges hatte weder einen Bein- noch einen Armbruch zur Folge, sondern war dazu angetan, die Stimmung in der Halle zum kochen zu bringen.

 

Die Veteranen ließen sich ausgesprochen lange Zeit. Die Stimmung war bereits wieder auf dem Nullpunkt angelangt. Doch das änderte sich schlagartig. Was dann kam, hatte ich noch nicht erlebt. Es erinnerte an den 'Einzug der Gladiatoren' und bekommt man üblicherweise nur bei einem Weltmeisterschafts-Boxkampf zu sehen. Die Stimmungskurve schnellte urplötzlich nach oben. Sogar ich, der üblicherweise mehr Wert auf den Inhalt (soll heißen: die Musik) als auf die Verpackung legt, wurde mitgerissen. Aus o.g. Gründen vermeide ich es an dieser Stelle, noch mehr über das Gehabe des Showman Steven Tyler zu berichten. Mein Interesse galt dem Musiker Tyler. Nur soviel: der Mann hat offensichtlich mehr Klamotten als alle meine Exfrauen zusammen.

 

Der Musiker Tyler und seine Band hatten - sehr zu meiner Freude - einen kompletten Querschnitt aus der 40jährigen Bandgeschichte zu bieten. Da war (fast) alles dabei, von "I Don't Want To Miss A Thing" bis "Livin' On The Edge" . Mit "Come Together" gab es sogar eine Beatles-Nummer. Doch wie die (besser: warum die) in das Repertoire geraten war, blieb mir verborgen. Natürlich gab es auch Songs aus dem aktuellen Album "Music From Another Dimension", allerdings 'Glanzstücke' kann ich auf dieser Scheibe nicht ausmachen. Einzig die Stücke, bei denen Joe Perry den Gesangspart übernommen hat, zähle ich zu meinen Favoriten. Und den "Freedom Fighter" fand ich Live sogar besser als die Studioaufnahme. Doch wie - fast immer - kam das Beste zum Ende. Der Hammer! Tyler am weißen Piano und Joe Perry im Scheinwerferlicht auf dem Piano. Gemeinsam zelebrierten sie "Sweet Emotion" - die Hymne der Band schlechthin aus dem 75er Album "Toys In The Attic". Der absolute Wahnsinn!

 

Unbedingt erwähnenswert ist auch der 'Rest' der Band. Brad Withford (g), Tom Hammilton (b) und Joey Kramer (dr) hielten sich den ganzen Abend über im Hintergrund und verrichteten souverän ihre 'Arbeit'. Nach zig Jahren Abstinenz gab "Aerosmith" nur zwei Konzerte in Deutschland. Und ich war dabei!

* 31. Mai 2014: Joris Hering Blues Band im Zimmer 16 / Berlin-Pankow

"Natürlich habe ich auch einige englische Texte geschrieben, aber es fühlt sich ein bisschen so an, als ob ich mich verstellen oder verkleiden würde. Deutsch ist meine Muttersprache. In ihr kann ich mich am besten ausdrücken", so Joris Hering und befindet sich damit in der Tradition jener, die den Blues in den 1970er und 1980er Jahren spezifisch ostdeutsch werden ließen.
Es gibt heute - auch im Osten der Republik - nicht sehr viele junge Bluesmusiker, die bereit stehen, das Erbe von Kerth & Co. anzutreten. Genau aus diesem Grund verdient diese Band meine besondere Aufmerksamkeit.

Man war bereits zum dritten Mal in das "Zimmer 16" in der Pankower Florastraße gekommen, und doch war an diesem Abend einiges anders.

Begonnen wurde - wie üblich - mit dem "Fishtone Blues". Danach folgte eine ganzer Sack voll von Coverversionen. Darunter auch "Texas Flood" und "Cabin Down". Songs, die auch auf der aktuellen CD zu hören sind. Ausgerechnet beim Klassiker "Hoochie Coochie Man" knallt dem Frontmann eine Saite weg. Und uns wurde das längste Solo von Bassmann Thomas Hering in der Geschichte der "Joris Hering Blues Band" angekündigt. Doch dazu kam es nicht. Im Publikum saß Holger Klatt. Und der hatte gleich ein ganzes Arsenal an Harmonikas bei der Hand. Schnell war die passende Harp gefunden. Klatt enterte kurzentschlossen die Bühne und überbrückte die Zeit mit einem herrlichen Solo. Das Publikum war begeistert und dankte Klatt mit lang anhaltenden Beifall.

 

Es sei nicht verschwiegen, dass der Harper aus gleichem Grund wenig später nochmals auf die Bühne musste. Doch da war man längst bei den eigenen Titeln angekommen, in denen Hering vorzugsweise Alltagsgeschichten zu erzählen weiß. Es sind vor allem Dinge, die es rechts und links unseres Weges zu entdecken gilt, und die uns im hektischen Alltagsgeschehen meist verborgen bleiben, die Hering in seinen Texten verarbeitet, und uns zum nachdenken anregen. Besonders "Regen" und "Lied an den Fluß" halte ich für gelungen.

 

Man war in Pankow, so gab es dann auch die "Isolde" von der Berliner Rockband "Pankow" zu hören, ein Song, der erst unlängst in das Programm der Band aufgenommen worden ist. Schnell war die Pannenserie vergessen. Es ist besonders die ehrliche und überzeugende Art, mit der die Band ihren Blues an den Mann resp. Frau bringt. Schnell waren die zwei Stunden vergangen. Die Nacht war längst über Pankow hereingebrochen. Und Nachtruhe war geboten, denn der Laden befindet sich mitten in einem Wohngebiet. Doch der Veranstalter hatte ein Einsehen und gestattete noch die vom Publikum eingeforderte Zugabe.

 

Die Harpeinlage war nicht die einzige Überraschung des Abends. Die Band präsentierte sich in neuer Besetzung. Am Schlagzeug gab Hans-Jürgen Beier sein Debüt in der "Joris Hering Blues Band". Beier ist nicht nur ein erfahrener Berufs- und Sessiondrummer, was er an diesem Abend eindeutig demonstrierte, sondern ist dem bekennenden Ostrockfan als Schlagzeuger von "Transit" bestens bekannt. Er 'heuerte' bei "Transit" an, als die beiden Transit-Urgesteine Egon Linde und Siggi Scholz in 2009 nach 22jähriger Pause die Ostrocklegende zurück auf die Bühne brachten. Ihr Debütkonzert gab die neuformierte Band am 12. Juni 2009 in der Parkbühne Berlin-Biesdorf. Genau dorthin kehrt Beier am 7. Juni 2014 gemeinsam mit der JHBB zurück, wenn in Biesdorf das 'Woodstock-Fieber' ausbricht.

* 16. Mai 2014: POWER BLUES FESTIVAL I in Berlin-Biesdorf mit "fuel to the fire", "Hajo Blues Band" und "Elizabeth Lee" und After-Show-Konzert mit "Cologne Blues Club" in der "Kiste"
ALLE fahren nach Eutin, ich aber laufe nach Biesdorf. Ach was, ich rannte!
Eins hatten "fuel to the fire" und ich an diesem Abend gemeinsam. Beide lagen wir in den 'letzten Atemzügen'. Die Band - weil sie gerade zum Finale ausholte. Und ich - weil ich mal wieder 'hetzen' musste, um noch etwas vom ersten Act mitzubekommen, und völlig ausgepowert in der Parkbühne eintraf.

Schon von weitem schallte mir "Bad Penny" entgegen! "In Loving Memory of Rory Gallagher", steht auf der FB-seite der Berliner zu lesen. Dass auch sie dem Gallagher Tribut zollen, lässt sich unschwer am Bandnamen erkennen, auch wenn sie sich nicht als 'reine' Gallagher-Tributband verstehen, und u.a. auch Stücke von "Cream" oder "ZZ-Top" im Repertoire haben. Ein bissel Hendrix bekam ich auch noch mit.

Lange waren wir uns nicht begegnet. Und immer wenn man sich lange nicht gesehen hat, gibt es viel zu erzählen. Doch dazu kam man erst sehr viel später in der "Kiste". Die Veränderung in der Besetzung war mir jedoch sofort aufgefallen. Kopf der Band ist Gitarrist Ryk Boden (ex-Passat Blues Band), auch wenn der sich meist dezent im Hintergrund aufhält. Er, Bassist Rico Kästner und die Stimme der Band, Thommy Elwitz, sind noch von der alten Besetzung übrig geblieben. Auf Nele und ihr Keyboard hat man offensichtlich inzwischen verzichtet. Und am Schlagzeug sitzt jetzt Oliver "Olli" Boden. Wer bei der Namensgleichheit an einen Zufall glaubt, ist selber daran Schuld! Youngster "Olli" hatte seinen ersten Auftritt mit dieser Band. Er kommt ursprünglich aus der Stoner-Rock-Ecke. Ob er den Blues bekommt, wird sich zeigen. Zumindest ist er auf dem richtigen Weg, meine ich!


Auch der nächste Act kommt aus Berlin: die "Hajo Bluesband". Hajo Zoch ist ein 'Urgestein': 40 years on stage. Die Band gilt als die älteste, noch aktive Bluesband (Ost-)Berlins, auch wenn Hajo der einzige 'Überlebende' aus den Anfangsjahren ist. Offiziell als Tanzkapelle registriert wurde sie am 1. Oktober 1973. Übrigens damals an Hajo's Seite der junge Ryk Boden.

Seit August 2012 spielt man nun schon konstant in der aktuellen Besetzung. Und wie ich erneut feststellen konnte, ist man bestens auf einander eingespielt. Doch damit nicht genug, im letzten Jahr gab die Band auch wieder richtig Gas und ist immer öfters auf den Programmzetteln diverser Veranstalter, ob im heimischen Berlin, Plauen oder Vollmershain, zu finden.

Zoch thronte wie eh und je hinter seinem Schlagwerk. Jan Gransalke spielte eine exzellenten Gitarrenpart und Axel Thierbach ("Gitarren-Axel") lieferte den Gesang und spielte Gitarre, Bass und blies die Harp. Schon mit der ersten Nummer "Outside Woman" machten sie ordentlich Druck, sodass sich nun auch die ersten Tanzwütigen vor die Bühne trauten. Was wäre eine 'ordentliche' Bluesband ohne die Klassiker? So folgte alsbald der "Preachin' Blues'" eines Robert Johnson und "Parchman Farm". Diese, 1957 erstmals von Mose Alison veröffentlichte Nummer, - so muss ich gestehen - war mir bislang völlig unbekannt. Aber schon bei "Walking By Myself" war ich wieder Herr der Lage. Bemerkenswert an dieser Band ist, sie bleiben nicht in den alten Zeiten hängen, haben auch Nummern aktueller nationaler und internationaler Blueser im Repertoire. "Bridge To Better Days" von Bonamassa habe ich natürlich erkannt, aber bei Henrik Freischlader oder Julian Sas muss ich passen. Sehr zu meiner Freude gab es dann auch noch John Mayall (Tell You What) und LS (T For Texas).

Nach einer reichlichen Stunde war Schluss mit lustig. Eine Zugabe gab es nicht. Der Zeitplan in Biesdorf ist immer eng gestrickt.
Was nun kam, wurde uns als der Hauptact des Abends angekündigt: "Elizabeth Lee's Cozmic Mojo". Der Weg dieser Dame führte von Texas, wo sie geboren und aufgewachsen ist, über New York bis nach Europa; genauer gesagt: Italien. Und an diesem Abend sogar bis nach Berlin-Biesdorf. Obwohl sie nun schon seit geraumer Zeit regelmäßig auch durch ostdeutsche Klubs tourt, waren wir uns noch nicht begegnet. Es gibt immer ein erstes Mal. Ich war gespannt; wollte ich doch wissen: eine Texanerin und eine italienische Begleitband - wie geht das zusammen?

Drei Italiener treffen in einem indischen Restaurant mitten in Deutschland auf eine texanische Rock 'n Roll-Sängerin. Diese ungewöhnliche Begegnung markiert den Beginn einer länger währenden, gelegentlichen Zusammenarbeit, die inzwischen zu einer festen Zusammenarbeit geworden ist. Spätestens in 2011 wurde aus E. Lee & Cozmic Mojo "E. Lee's Cozmic Mojo". Übrigens weit vor "Cozmic Mojo" gehörte Elizabeth Lee gemeinsam mit Larry Cheney zur Band "Bad Influence". Was aber weniger bekannt sein dürfte ist, dass die drei thüringischen 'Alt-Blueser' Willie Woigk, Siggi Heilek und Ralf "Zappa" Iben damals diese Band komplettierten.

Nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten legte das Quartett mit "Mississippi Queen" ordentlich los, offensichtlich um gleich deutlich zu machen, woher der Wind weht. Was dann folgte, war ein gut 90 Minuten währendes Programm, bei dem stilistisch (fast) alle Register - vom Blues-Rock über Texas-Rock bis hin zur klassischen Rock 'n Roll-Nummer - gezogen worden sind. "Lizzy Billy" hatte sogar eine jazzig-swingende Note. Es bedurfte keiner Aufforderung durch die Frontfrau, denn das tanzwütige Biesdorfer Stammpublikum versammelte sich schon nach den ersten Takten vor der Bühne, während die 'Sitzenbleiber' zumindest mit den Zehenspitzen wippten. Die Lee tobte sich nicht nur am Gesang aus, sondern griff die ganze Zeit über ihrer Hintermannschaft mit allerlei Percussionsgerät unter die Arme. Die Hintermannschaft sind Frederica Zanotti (dr), Luca Gallina (g) und Luca Manenti (baritone-g). ZWEI Gitarristen und eine Schlagzeugerin ist eine Konstellation, welche eher selten anzutreffen ist. Aber ehrlich gesagt, einen Bassisten habe ich nicht vermisst.

Zu hören gab es jede Menge eigenes Material. Im Gedächtnis hängen geblieben ist mir "Everything's Allright" - die zweite Nummer, die vom Album "Southern Frequency Club" aus dem Jahr 2011 stammt. Aber auch "El Mojo" und "She's So Long". Beide Titel stammen aus dem Album "Honest Criminals". Das absolute Highlight des Abends war in meinen Augen der "22nd Century Schizoid Blues" vom Album "Hardcore Delta". Dazwischen immer mal wieder Coversongs, wie beispielsweise "Nutbush City Limits", welches mir dann aber bei Tina Turner wesentlich besser gefällt. Mit "Working In The Coal Mine" gab es sogar einen richtigen Klassiker. Allerdings bezweifle ich, das diese Frau jemals ein Brikett in der Hand gehabt hat.

Mein Eindruck: Insgesamt eine gefällige Show. Auch wenn es kaum etwas zu 'deuteln' gab, die Klasse einer Ana Popovic oder auch Dana Fuchs jedoch wurde (noch) nicht erreicht. Übrigens, es ist zusammen gegangen, sogar sehr gut!

Es gab nur eine Zugabe, was aber dem Umstand geschuldet war, dass bereits am Parkausgang auf dem Blumberger Damm ein Bus bereit stand, um das partywillige Publikum zum After-Show-Konzert mit der "Cologne Blues Band" in die "Kiste" zu bringen. Damit nicht genug, an deren Auftritt schloss sich noch ein Mitternachtskonzert mit "fuel to the fire an"! Das war die erste Neuerung des Veranstalters. (Es gab noch mehr Neuheiten). Das Ganze - inklusive der Busfahrt - war für 13 Euro im Vorverkauf zu bekommen, und dürfte wohl schwer zu toppen sein. Deshalb ist unbegreiflich, weshalb mehr als die Hälfte der Plätze leer geblieben waren. Am Wetter kann es nicht gelegen haben, denn das blieb - ganz im Gegenteil zum POWER BLUES in 2013 - auffällig trocken.



Es war noch lange nicht Schluss. In der "Kiste" erwartete uns die in 2009 gegründete Band "Cologne Blues Club". "Back for Blues" war ihre erste Nummer. Zurück gekommen waren etliche, wenn auch bei weitem nicht alle der Parkbühnenbesucher.

Die junge Kölner Band hat inzwischen jede Menge Aufmerksamkeit in der deutschen Blueslandschaft bekommen, ist aber im Osten der Republik eher unbekannt, auch wenn sie schon beim Dresdner Bluesfestival zu Gast waren und sich dort gegen die internationale Konkurrenz mit Josh Smith und R.J. Mischo behaupten konnten. Aber ich hatte noch nicht das Vergnügen, was meine unbedingte Anwesenheit hinreichend erklärt. "Die Wahrheit liegt auf der Bühne", so das erklärte Motto der Band. Irgendwo im www las ich über die Jungs: "So was gabs in Deutschlande schon lange nicht mehr". Um das heraus zu finden, war ich gekommen.

Schon bei der ersten Nummer wurde mir klar, was ich den ganzen Abend vermisst hatte: 'das Salz in der Suppe' - die Bluesharp. Frontmann Geza Tenjr beeindruckte nicht nur durch seine markante Stimme resp. Gesang, sondern gab alles, um mich zu entschädigen. Ihm zur Seite standen Thilo Hornschild, der Mann an der Gitarre, Michael Gebhardt (b) und Frank Bruns (dr). Zu hören gab es neben einigen Covernummern vor allem eigene Werke. Ihr Opener stammt aus dem Album "Our Streets", welches sie 2011 veröffentlicht haben. Längst haben sie mit "Hanging By A Thread" (Sept. 2013) nach gelegt.
Von dieser Scheibe hat mir neben dem Titelsong besonders "Charade Of The Lost And Found" imponiert. Insgesamt war ich von ihrem frischen und modern gemachten Blues angetan. Ob es nun tatsächlich lange nicht mehr so etwas gegeben hat, vermag ich nicht einzuschätzen. Ich finde, Deutschland hat (zum Glück) jede Menge gute, auch junge Blueskapellen. Der Kölner Club gehört auf alle Fälle dazu.

* 06. Mai 2014: Becker & Hähle : "Herbes Glück" bei "Speiche"/Berlin
Vielleicht sollte ich mir von Wolf eine Schlafstätte in der Raumer 39 einrichten lassen; zumindest aber wäre ein Dauerparkplatz von Vorteil, denn die ewige Parkplatzsuche nervt. So etwas kennen wir in jwd nicht.
Egal! Es war die Chance dem 'alten' Schwarzbrenner endlich mal wieder die Hand zu drücken, seiner angenehmen, kraftvollen Bluesstimme und seinem virtuosem Gitarrenspiel zu lauschen.

Becker singt und Hähle liest - so in etwa könnte man den Abend in Kurzfassung beschreiben. Für drei Konzerte war Wolfgang Becker vom Niederrhein an die Spree gekommen, um dem Hauptstadtpublikum mit Texter Andreas Hähle ihr gemeinsames musikalisch-literarisches Programm "Herbes Glück" vorzustellen.

Durch rockradio.de, das den Abend übrigens live ins worldwideweb übertrug, hatte man sich vor einiger Zeit kennen gelernt, und beschlossen, mal etwas gemeinsam zu machen. So entstand "Herbes Glück". Blues-fetischisten sollten sich an dieser Stelle lieber ausklinken. Auch wenn Becker von Haus aus Blues-Rocker ist, hat er den Hähle-Texten ein - wenn auch z.T. rockiges - eher liedhaftes, ja sogar balladenartiges Gewand verpasst.

"Herbes Glück" ist auch der Titel einer akustisch eingespielten Scheibe des Duos Wolfgang Becker und Christoph Keisers, welche bereits im September 2013 veröffentlicht worden ist. Das Spannendste am Album  "Herbes Glück" war für mich, die "Schwarzbrenner"-Songs "Tod der Liebenden im Meer", "Juninacht" und  "Der Gott der Stadt" im neuen Gewand zu hören. Alle übrigen Texte stammen von Andreas Hähle (Jahrgang 1967), während für die Musik Becker durchgängig verantwortlich zeichnet. Ausschnitte gab es an diesem Abend bei "Speiche" zu hören.

Die Themen der Hähle-Texte sind breit gefächert, aber durchgängig einfühlsam und tiefgreifend; fast schon gar philosophisch. Untermalt durch leise und unaufdringliche Töne, die jede Hektik vermissen lassen, kommt durchweg eine melancholische Stimmung auf. Ein anspruchsvolles Programm für anspruchsvolle Konsumenten.

Wolfgang Becker hier vorzustellen erübrigt sich. Ihm wurden hier auf diesen Seiten schon jede Menge 'Webspace' zur Verfügung gestellt. Auch Autor und Texter Hähle dürfte dem Leser zumindest als Redakteur und Moderator der Sendung "Wahl-Lokal" auf rockradio.de ein Begriff sein. Der aus Borna bei Leipzig stammende und in Berlin-Spindlersfeld lebende Hähle ist inzwischen zu einem der gefragtesten Textautoren geworden. Hähle hat u.a. Texte für Ines Paulke, "Babylon", "Transit", Dirk Zöllner, Jan Preuß, "Fährmann" und "Unbekannt verzogen" geschrieben. Ganz aktuell tingelt er mit seinem erotischen Programm "Wir trinken Wein und danach..." durchs Land. "Herbes Glück" aber gibt es erst wieder im Herbst. Dann wollen die Herren gemeinsam auf Tour gehen. Und vielleicht gibt es ja bis dahin auch schon eine Vol. 2 von "Herbes Glück"; im Plan steht sie jedenfalls.

* 02. Mai 2014: Osternhagen feat. Holger Klatt (harp) bei "Speiche" in Berlin
* 04. April 2014: Double Vision in der "Kiste"

Rory Gallagher

Endlich mal wieder ein 'Heimspiel' für mich, denn heute gaben die Thüringer Gallagher-Freunde von "Double Vision" ihr Berlin-Debüt in der "Kiste" . Freude pur! Danke, Stephan, Torsten, Silvio und Friedel!
(Fred hat es auch gefallen, man kann also davon ausgehen, dass sie wieder kommen dürfen!)
Leider fanden viel zu wenig Bluesfans den Weg an den östlichen Stadtrand, was wiederum dazu führte, dass ich problemlos meinen Stammplatz 'zugewiesen' bekam. Mühselig darüber nachzudenken, woran es gelegen haben mag; an der Band jedenfalls nicht. Deren guter Ruf sollte sich längst auch in der Berliner Bluesgemeinde herum gesprochen haben, auch wenn man nicht regelmäßig nach Apolda, Prießnitz oder Vollmershain reist.
Nach längerem Aufenthalt in den Staaten war Bassist Torsten Sieboldt in die Band zurück gekehrt, sodass das Trio in gewohnter Besetzung auf der Kisten-Bühne stand. Dieser Tatsache war auch der Umstand geschuldet, weshalb auf dem aktuellen Album "Top Secret" Stefan Kerth am Bass zu hören ist.
Nun waren sie wieder vereint und machten von Anbeginn ordentlich Druck. Auch 'Papa' Graf war mit nach Berlin gekommen, und hatte sein Saxophon mitgebracht. Nur leider zeigte er sich und sein Instrument viel zu kurz auf der Bühne. Ich hätte gern noch mehr Nummern mit Friedel's Unterstützung gehört. Ich finde, so ein Saxophon hat was!
Längst haben "Double Vision" ihr Etikett als 'reine' Gallagher-Tribut-Band abgelegt, auch wen sie den - zum Glück - noch immer im Repertoire haben. Immerhin können die Jungs inzwischen auf vier Alben, randvoll gefüllt mit eigenem Material, verweisen. "Top Secret" - produziert bei Stefan Kerth - ist taufrisch. Auf dem Album sind 10 Titel, vorzugsweise aus der Feder von Frontmann Graf, zu hören, die erneut das hohe musikalische Niveau der jungen Thüringer unter Beweis stellt. Kostproben davon, bekamen die Besucher der "Kiste", die in gewohnter Weise das Tanzbein schwangen, auch zu Gehör. Und Stephan spielte sich ebenso gewohnt bis an den Rand der Ekstase und stellte auch in Berlin seine Vielseitigkeit unter Beweis, nicht nur weil er des öfteren das Instrumentarium wechselte. Eine ähnliche Bühnenshow kenne ich maximal von "The Brew".
Der Höhepunkt des Abends aber kam, als seine Kollegen die Bühne verließen und Stephan eine akustische Solonummer, ganz im Stile eines Robert Johnson zum Besten gab. Ich glaube, es war der "High-Treated Motor Blues" vom neuen Album, bin mir da aber nicht ganz sicher.

* 26. März 2014: Crazy Hambones im Spizz/Leipzig + Drawn From The Cask im Tonellis/Leipzig

Gleich zwei Konzertbesuche an einem Abend sind selbst bei mir ungewöhnlich, doch wenn ich schon einmal in Leipzig war, wollte ich mir auch zwei der renommiertesten (Blues-)Klubs der Stadt von innen besehen.

Zuerst führte mich mein Weg in das "Spizz", wo regelmäßig mittwochs die 'Piano-Boogie-Night' - eine Art Session - statt findet. Rechtzeitiges Kommen sichert bekanntlich einen guten Platz, den bekam ich dann auch, aber erst nachdem ich lange in der Schlange am Eingang gewartet hatte. Aber für eine der deutschen Spitzenbands nimmt man das gern in Kauf. Angesagt hatte sich die Multikulti-Blues-Kapelle "Crazy Hambones". Gegründet wurde die Band in 2003 von Peter Crow C. und dem Berliner Boogie-Drummer "Micha" Maass. Crow wurde in 2005 durch den aus Jacksonville (Florida) stammenden und in Hamburg lebenden Harper Henry Heggen 'ersetzt', und seither pendelt die Band regelmäßig zwischen Hamburg und Berlin. Doch längst ist ihr guter Ruf bis in die Provinz gedrungen, sind sie doch inzwischen auch Stammgäste in Grossbeeren und beim alljährlichen "Jüterboogie" in der Geburtsstadt von M. Maass. Bis Ende 2010 führte in der minimalistisch besetzten Band Ryan Donohue die Gitarre. Inzwischen hat Nachfolger Brian Barnett längst seinen Platz bei den Hambones gefunden. Die drei Perfektionisten spielen einen rauen und geradlinigen an der alten Garde um Muddy Waters orientierten Blues, dessen Markenzeichen die fast an Ekstase grenzenden Harpeinlagen eines Heggen's und die stampfenden Beats von Maass sind.

Leider ließen sich die drei Herren viel Zeit mit dem Beginn ihrer Show, so dass unser Zusammentreffen nur kurze Zeit währte, war ich doch schon eine Stunde später im nächsten Laden verabredet. Das "Spizz" entpuppte sich als ein verhältnismäßig großzügig gestalteter Laden, der von allen Seiten einen ungehinderten Blick auf die ungewöhnlich große Bühne garantiert. Doch vermisse ich jeglichen Charme. Das Publikum war deutlich jenseits der Fünfzig - unter ihnen auch mir wohlvertraute Gesichter!



Ganz anders im "Tonellis", wo ich noch rechtzeitig eintraf - denn auch hier nahm man sich sehr viel Zeit mit dem Beginn. Es fiel sofort auf: das Durchschnittsalter hier lag um die Dreißig! "Rock'n Roll - Stammtisch" nennt sich die 'allmittwöchliche' Veranstaltung im "Tonellis". Und angesagt hatte sich eine weitere - mir bis dato unbekannte - junge Rock 'n Blues - Band.
Ganz anders war auch das Ambiente im "Tonellis". Der Klub im ehemaligen Messehaus "Städtisches Kaufhaus" ist noch gar nicht so alt, und dennoch ist sein guter Ruf längst bis nach Berlin vorgedrungen, was wohl daran liegen mag, dass sich hier inzwischen die Ost-Blues-Szene die Klinke in die Hand gibt.

Doch mit 'Ost-Blues' hatte der Auftritt von "Drawn From The Cask" wenig zu tun, auch wenn die Band aus der sächsischen Landeshauptstadt kommt. Wie alle mir bekannten Bands ihrer Generation, spielen auch die Dresdner einen sehr harten, rockorientierten Blues. Daran ändern nicht einmal die wenigen Standards im Programm wie der "Folsom Prison Blues". Vor allem aber bedienen auch sie sich der englischen Sprache.
Zitat: "John Lee Hooker oder Howlin Wolf wären vielleicht nicht besonders Stolz, aber ein Bier würden sie bestimmt mit den Jungs von Drawn From The Cask trinken. Schließlich ist der Blues die Quelle ihrer Inspiration, auch wenn am Ende nicht immer Blues herauskommt." Diese Selbsteinschätzung trifft den Nagel auf den Kopf, wie ich meine. Jedenfalls sorgten die beiden Frontleute Christof Menzel (g, backvoc) und Martin Meyer (voc, harp) für ordentlichen Druck. Das Publikum hatte offensichtlich Spass. Partytime!

* 17. März 2014: Greyhound Georg meets Richie Arndt in Bielefeld
* 7. März 2014: Monokel-Kraftblues im/in Paris-Rom-Erkner
Lübben City war gestern...
Heute fuhr das 'Boogie-Mobil' nach Erkner. Erkner bedeutet für mich wie für die Kraftblueser 'Hausschuhbereich'. So war es nicht verwunderlich, das wir uns (endlich mal wieder) trafen. Ich gestehe, seit seiner Genesung habe ich "Lefty" noch nicht wieder erlebt. Umso erfreulicher war es, ihn in Erkner bei offensichtlich bester Gesundheit und guter Laune auf der Bühne erleben zu dürfen!

Ein typischer Bluesschuppen ist der Klub "Paris-Rom-Erkner" wahrlich nicht - will man auch nicht sein - , obwohl der Chef des Hauses nun schon einige namhafte Bluesacts verpflichtet hat. Vielleicht lag es ja daran, nur wenige der sonst üblichen 'Verdächtigen' ebenda anzutreffen. Der Abend hatte eher einen familiären Touch, nicht nur wegen der überaus freundlichen Aufnahme durch den Gastgeber.
"Kuhle" - allgemein als der 'Panther von Pankow' bekannt, bekommt dort nur Exil, stammt er doch eigentlich aus dem benachbarten Woltersdorf. Nicht nur er genoss an diesem Abend Heimvorteil. Schlagzeuger Dicki war sozusagen aus dem Bett gefallen und im "Paris-Rom-Erkner" gelandet. Außerdem war der 'halbe' Lehrkörper erschienen, um ihrem Ex-Schüler "Pitti" Beifall zu spenden.

Gleich mit der ersten Nummer gab das 'Boogie-Mobil' Vollgas, dennoch dauerte es noch mindestens bis zu "Little Red Rooster" im zweiten Konzertteil bis endlich auch der Letzte im Saal aufgewacht war. Mich jedenfalls hatte schon lange nichts mehr auf dem eigens für mich reservierten Platz gehalten (Danke, Ronald!), als hätte ich jemals bei einem Monokel-Konzert gesessen! So alt bin ich nun auch wieder nicht!
Ich Möchte (ja schließlich) Ohne Not Oder Kummer Ewig Leben!

Was soll ich über eine Monokel-Mugge weiter berichten? Man muss sie erlebt haben. Ich jedenfalls habe seit langem mal wieder in einem Konzert (fast) alle Songs mitsingen können. Alles klar?
(An dieser Stelle fällt mir ein, was der Tourmanager von J. Mastro im Anschluss an die Spremberg-Monokel-Schaffe im letzten Jahr gesagt und geschrieben hat: Für ihn als Westler völlig ungewöhnlich, dass fast das gesamte Publikum die Songs mitgesungen habe. Als dann noch Uwe die Bühne enterte und spontan "Bye, bye Lübben City" sang, kam Bernd aus dem Staunen nicht mehr heraus. So etwas habe er noch nie erlebt!)



* 1. März 2014: Kamchatka in Münster
* 18. Februar 2014: Joris Hering Blues Band feat. Waldi Weiz im Hangar 49/Berlin

An einem Dienstagabend um 21.30 Uhr die Hütte voll zu bekommen, ist selbst in Berlin unmöglich; zumal zur gleichen Zeit nur wenige Kilometer weiter westwärts Heinz Glass' (Epitaph/Speiches Monokel) schon fast legendäre Blues- und Rocksession lief.

So war es nicht verwunderlich, dass das Publikum mehrheitlich aus Musikerkollegen bestand. Unter ihnen u.a. Carlos Dalelane, Robert Gläser und Waldi Weiz. Waldi Weiz ließ sich nicht lange bitten, nahm seine Gitarre zur Hand und eilte Frontmann Joris Hering schon beim üblichen Opener, dem "Fishtone Blues", 'zu Hilfe'. Die nötige Rückendeckung bekamen die beiden Gitarristen von Thomas Hering (b) und Marius von Schmude am Schlagwerk. Gut 90 Minuten dauerte das 'Happening', bis dann um Mitternacht die eigentliche Session begann.

Geboten wurde ein repräsentativer Ausschnitt aus dem Repertoire der "Joris Hering Blues Band", deren zweites Album noch taufrisch ist. Auch wenn 'Altblueser' Weiz dem Bandleader, dem eine gewisse Nähe zu Stevie Ray Vaughn nicht abzusprechen ist, die Führung überließ, war es für mich schon beeindruckend, wie problemlos Waldi sich auch bei den Eigenkompositionen der JHBB einklinkte. Es ist unbestritten, der Sound der JHBB ist wenig druckvoller als manch andere heimische Bluesrock-Band, aber er lebt vom meisterlichen Gitarrenpart.
Da stimmt einfach alles. "Sauber auf den Punkt gespielt", meinte auch der Mann neben mir, auf dessen fachkundiges Urteil man sich unbedingt verlassen kann.

Eine Überraschung gab es auch, als Joris Hering sang: "Ich laufe schon seit Tagen durch die Stadt. Fühl mich elend, müde und schlapp...". Die "Isolde" von "Pankow" ist neu im Programm der JHBB. Zu finden ist das Stück auf der dritten Langrille von "Pankow", die 1986 bei "Amiga" erschienen ist. Insider wissen, dass dieser Song im Repertoire der JHBB zu finden ist, hat nichts mit Ostalgie zu tun, sondern ist eher eine Hommage an jene Band, die den jungen Hering einst dazu inspirierte die Gitarre in die Hand zu nehmen.

* 5. Februar 2014: Lello's 67. Geburtstag bei "Speiche"
Als ich Lello's Einladung zum 67. bekam, war ich regelrecht erschrocken, erschien es mir doch so, als wäre seine 65er Party in Protzen erst gestern gewesen.
Lello hatte geladen und 'ne Menge Leute waren gekommen. Darunter viele bekannte Gesichter aus der Berliner Musikszene: Harry Findeisen, Michael Niedzwetzki, "Kuhle" Kühnert, Jenny Kallabis, "Matze" Stolpe, Joris Hering, "Waldi" Weiz, Holger Klatt und auch die Jungs aus dem "Haubachtal" waren gekommen. Der Laden brummte. Speiches Billiardtisch war kurzerhand zum Büffet umfunktioniert worden und die "Pistoleros" sorgten für gute Livemusik. Spass pur. Einziger Wermutstropfen: Der "Mann mit der Kelle" hatte seine Kelle vergessen!


* 1. Februar 2014: Jessy Martens & Band in Löhne (Westfalen)

Werretalhalle Löhne (Westfalen)

"Löhne war tot. Mit Richie Arndt, "B.B. & the Bluesshakes" und jetzt Jessy Martens haben wir begonnen den Blues in die Stadt zu holen und der Zulauf wird von mal zu mal größer", verriet mir Michael Müller noch vor Veranstaltungsbeginn.

Der Macher: Michael Müller von M&S Veranstaltungen

Seit dem ich Jessy Martens vor mehr als zwei Jahren zum ersten Mal im "Gerry Weber Event Center" in Halle (Westfalen) begegnet bin, verfolge ich regelmäßig, was die Frau so treibt. Und immer öfters ist zu lesen, dass ihre Konzerte ausverkauft sind. Meine Befürchtungen, ich könnte in Löhne keine Karte mehr bekommen, waren jedoch unbegründet. Der Saal 2 der "Werretalhalle" war mit etwa 300 Leuten gut gefüllt, aber eben nicht ausverkauft (Danke, Jan!).
"Eine Stimme zwischen Engel und Teufel", titelte die junge Dame von der "Neuen Westfälischen" am Tag darauf. Andernorts wird Jessy Martens sogar als "Deutschlands Rock- und Blues Lady Nr. 1" gehandelt. Keine Ahnung! Bei mir heißt das: 'Energiebündel mit geiler Röhre'. Fakt ist, obwohl es die Band erst seit Ende 2010 gibt, hat man Band und Frontfrau inzwischen mit Preisen überhäuft. Gleich vorab, während ich noch in Halle diese Frau unweigerlich mit Amy Winehouse vergleichen musste, erscheint sie mir jetzt gereifter und hat ihr eigenes Profil gefunden.
Inzwischen hat man zwei bemerkenswerte Alben eingespielt. So war es nicht verwunderlich, dass es an diesem Abend Stücke aus beiden Alben zu hören gab. Mit Koko Taylor und "I Need No Doctor" von Ray Charles gab es auch zwei Coversongs zu hören. Insgesamt bietet Jessy und ihre Hintermannschaft ein breit gefächertes Spektrum vom klassischem Rock 'n Roll (Let The Good Times Roll) über das soulige, ja fast funkige "Wake Up" bis zur Ballade "Your' e Not The One" - aus meiner Sicht einer der Höhepunkte des Abends. Und der Titelsong des aktuellen Albums geht sogar richtig in die Beine. Von da an hielt mich nichts mehr auf meinem Stuhl. Die Texte stammen ausnahmslos von Jessy und haben einen autobiografischen Bezug, während die Musik kollektiv von der Band 'erarbeitet' worden ist. Auch wenn die Frontfrau mit ihrem Gesang und ihrem gekonntem Bühnenauftritt dominierte, erhielten der erst 24jährige Gitarrist Kai Stuffel, welcher im vergangenen Jahr Roman Werner ablöste, und Pianist Markus Mosch, der wiederum für Jan Fischer in die Band kam, die Möglichkeit mit Solo-Einlagen ihr Können unter Beweis zu stellen. Jan hat inzwischen das Management der Band übernommen. Und wie mir scheint, hat er damit alle Hände voll zu tun.
Übrigens, bemerkenswert war auch der lockere, ja fast vertrauliche Umgang DER Martens mit ihrem Publikum. Wie meinte sie doch, als sie nach der Pause erneut die Bühne betrat: "Löhne außer Rand und Band", denn spätestens nach "Wake Up" war auch das Publikum aufgewacht.
Zu erwähnen ist unbedingt noch, der überaus freundliche Empfang durch das gesamte Team des Veranstalters.
Fazit: Die lange Anfahrt hat sich gelohnt. Man sieht sich wieder, aber dann im (fast) heimischen Altdöbern!

Die Akteurin

* 31. Januar 2014: The Bad Horse Experience in der Extra Blues Bar Bielefeld
* 25. Januar 2014: Statesboro Revue im real music club Lauchhammer
* 17. Januar 2014: Waldi Weiz Band in Erkner
"Ich Komme aus Catterfeld und spiele Gitarre", mehr wusste Waldi Weiz nicht über sich zu erzählen, als er die Band vorstellte. Dabei gäbe es jede Menge über ihn zu erzählen, beispielsweise über die frühen Jahre mit "Ergo", seine Zeit bei "Engerling" und den Neustart mit der "Waldi Weiz Band".

Normalerweise beginnt 'mein' Konzertjahr mit dem Neujahrsblues in der "WABE". Doch in 2014 begann es in Erkner. Ich nahm nicht den Weg über Paris-Rom, sondern fuhr auf direktem Weg in den Musik-Klub, der gewissermaßen vor meiner Haustür liegt. Gerade mal zwei Jahre alt, hat sich der Klub längst einen guten Ruf erworben. Die "Waldi Weiz Band" war willkommener Anlass der Sache auf den Grund zu gehen.
Spricht man über die ostdeutsche Bluesszene, kommt man an Waldemar "Waldi" Weiz nicht vorbei. Der 64-jährige ist ebenso eine lebende Legende, wie beispielsweise Jürgen Kerth oder "Speiche", der seine thüringischen Wurzeln nicht verleugnet, obwohl er schon seit Jahren in Berlin lebt. Ebenso wie die meisten thüringischen Bluesmusiker ist sein Blues stark an den Wurzeln orientiert, wie der Abend in Erkner erneut unter Beweis stellte. Vor einem Jahr - fast auf den Tag genau - spielte die Band zum ersten Mal in Erkner und hat offensichtlich beim Publikum und dem Chef des Hauses gleichermaßen gepunktet.

Pünktlich um 21.00 Uhr betraten die Herren die Bühne, nahmen ihre Instrumente auf und legten los. Ich glaube, es war in 2007 als seine CD "Live At Yorckschlösschen" erschienen ist. Im Booklet war damals zu lesen:
"Der Blues sucht sich seine Leute. Er braucht jemanden, der weiß, was er tut und der weiß worum es geht".
Schon nach den ersten Stücken wurde mir die Bedeutung dieses Weiz-Spruches klar. Waldi und seine Gitarre sind ein 'Herz und eine Seele'. Doch was ist ein Meister ohne die nötige Rückendeckung? Die bekam er an diesem Abend von seinen langjährigen Begleitern Simon Pauli am Bass und dem Mann mit Hut, Simon Anke, am Piano.
Am Schlagzeug hatte Carlos Dalelane Platz genommen. Das war mir neu. Der Mosambikaner 'tobt' sich üblicherweise mit Bass und eigener Band im Afro-Funk und Latin-Jazz aus. Zumindest in der Berliner Szene ist er längst kein 'No-Name-Musiker' mehr.
Ja, und da war noch einer. Auf ihn war ich ganz besonders gespannt: der Harper Matthias "Matze" Stolpe. Seit Anfang des vergangenen Jahres ist er nun schon Mitglied der Weiz-Band. Und wie ich finde, ist er dort gut aufgehoben. Gesucht und Gefunden! Stolpe sorgte auch für die Überraschung des Abends. Doch noch war es noch nicht soweit.

Es dauerte nicht lange, da kam mit John Lee Hooker's "Boom, Boom" das erste Glanzstück des Abends. Weitere Klassiker folgten, u.a. "Something You Got" von B.B. King, "Ain't No Sunshine" von Bill Withers, "The Thrill Is Gone" von B.B. King und das oft gehörte "Going Down" geriet bei Weiz zu einem herrlichen Slow-Blues. Wer Waldi Weiz schon erlebt hat weiß, dass er die Altmeister nicht einfach kopiert. Den Text belassen, sind die Songs von ihm neu bearbeitet worden und tragen seine unverwechselbare Handschrift. Manches klingt ziemlich soullastig oder gar jazzig, doch der Blues ist immer dabei. Spätestens als "Sex Machine" von James Brown erklang, hatte die Band auch den letzten im 'Saal' erreicht.

Zweifelsfrei lebt die Band vom Gesang und dem meisterlichen Gitarrenspiel Waldi's. Dennoch lässt er seinen Mitspielern immer wieder genügend Freiräume, und die nutzen sie, und stellen ihrerseits ihr Können unter Beweis. Perfekt.
Doch den Höhepunkt des Abends möchte ich dem Leser nicht vorenthalten. Der kam, als sich "Matze" Stolpe die Brille aufsetzte, die Slide-Gitarre umhängte, ans Mikrofon trat und "Crossroads" SANG und SPIELTE. Wie geil war das denn? So hatte ich den Harper noch nie erlebt!

Doch damit nicht genug. Nach einer längeren Pause gab es dann noch einen Knaller. Spontan enterte mit "Gotte" Gottschalk, der sich unter das Publikum gemischt hatte, ein weiteres Thüringer Urgestein die Bühne. Dem schloss sich eine gut halbstündige Session an, bevor dann die Band zu später Stunde zum Finale ausholte.