Gleich eines Tsunami schwappt derzeit eine Riesen-Retrowelle von Nordeuropa kommend über unser Land, und hat inzwischen längst das Elbtal erreicht, wo eine junge Nachwuchsband spätestens mit dem Erscheinen ihrer Debüt-EP  "Vikarma" (14.11.2014) auf sich aufmerksam gemacht hat. 

 

Wucan fand sich Anfang 2013 nachdem die junge Musikerin, Sängerin und Songschreiberin Francis Tobolski (voc, g. fl) in einer Studentenzeitung annonciert hatte. Der Bandname erinnert an einen Song der Black mountain. Zweifelsfrei lebt die Band von ihrer erst 23jährigen Frontfrau. Doch was wäre sie ohne treibende Hintermannschaft. Die 'Hintermannschaft' sind Tim George (g), Patrick Dröge (b) und Axel Pätzold (dr).

 

Musikalisch sind sie dem Retro-Rock zu zuordnen. Peter Green, Ten Years After oder auch Jethro Tull lassen grüßen. Zitat Francis: "Ich war absolut besessen von der Musik und habe mit der Entdeckung der beiden Gitarristen Kossoff und Gallagher eine persönliche Lawine losgetreten. Auf einmal bin ich bei Krautrock, psychedellic Rock, Progressive Rock, Heavy Metal, (Acid)-Folk und der Erkenntnis gelandet, dass in alle dem immer ein Stück Blues steckt. " Doch spannen sie mit ihrer Musik den Bogen von den 1970er Jahren bis in die Gegenwart. Ein Schuss Blues, Folk, Progressive- und Krautrock - fertig ist der Sound von Wucan, den sie selbst als Melodic - Black - Death - Blues bezeichnen. "Im Grunde verstehen wir uns als Bluesband, auch wenn das vermutlich nur die halbe Wahrheit ist."
Ihre Musik ist nicht an eine bestimmte Zielgruppe gerichtet; ist auch nicht als Hommage an eine bestimme Ära zu verstehen. WUCAN spielt die Musik, die ihnen Spaß macht. Zitat: "Alles, nur keinen Mainstream. Unsere Musik soll helfen den grauen Alltag hinter sich zu lassen."

 

Spätestens jetzt werden die Blues-Puristen aufschreien. Doch mit der 31minütigen EP haben Wucan bereits bei der Fachwelt ordentlich punkten können. Die BluesNews verpasste der Band bereits ein Markenzeichen und schrieb: "Wucan - die deutsche Antwort auf Blues Pills". (Ein Vergleich den Francis gar nicht gerne hört.) Alle vier Titel sind Eigengewächse und offenbaren das Songschreibertalent von Francis Tobolsky, die die Songs im zarten Alter von 18 Jahren schrieb - zu der Zeit jedoch noch nicht die richtige Band gefunden hatte. Der 9-Minuten-Song "Wizard of Concrete Jungle" ist in meinen Augen der Bringer. Produziert wurde die Scheibe übrigens von Eloy-Keyboarder Michael Gerlach.

 

Und wieder offenbart sich mir hoffnungsvoller Nachwuchs, der keine lieblose Kopie alter Helden abliefert. Aus ihrer Musik spricht soviel Herzblut und pure Leidenschaft. Da ist jede Menge Potential. Ich bin mir sicher, von Wucan aus Doppel-D wird noch zu hören sein. Vorerst gehen sie im März 2015 mit ihren Seelenverwandten aus Schweden Siena Root auf Deutschland-Tournee und wollen noch 2015 ihren ersten Long-Player abliefern.

(Dezember 2014)