2015

* 02. Dezember 2015: Walter Trout und support in der Kulturbrauerei Berlin

Es ist schon seltsam. Manchmal fallen mir die Sätze bereits auf der Heimfahrt nach einem Konzert ein. Es kam schon vor, dass ich rechts 'ran fahren mußte, um das Gedachte schriftlich fest zuhalten. Und manchmal fällt es mir schwer, das Erlebte in Worte zu fassen. Es muss halt erst sacken.

Walter Trout ist wieder da und er kam nach Berlin. Das 'roch' förmlich nach einem weiteren Highlight im auslaufenden Konzertjahr. Das Kesselhaus war voll - wenn auch nicht ausverkauft (Mir völlig unverständlich!). Unter den Konzertgängern waren viele bekannte Gesichter auszumachen. Man war sogar aus Weimar, Oelsnitz, Dresden, Leipzig, Wittenberg und Potsdam angereist. Naja, Berliner waren auch da!

 

JD Simo

Man war noch beim small talk und Bier holen, als urplötzlich ohrenbetäubender ‚Lärm‘ auf der Bühne los brach. Verantwortlich dafür waren SIMO, der support aus Nashville. Ich bin mir sicher, die meisten der Anwesenden hatten noch nie etwas von dieser Band gehört, obwohl Frontmann Simo (Jahrgang 1985) bereits mit 15 Jahren seine erste Band gründete und noch im Gründungsjahr eine Live-EP veröffentlichte, die sich immerhin 5000 mal verkaufte. SIMO entstand 2010 im Anschluss an eine gemeinsame Session mit Bassist Frank Swart, der inzwischen die Band verlassen hat. Drummer Adam Abrashoff ist Gründungsmitglied und seit diesem Jahr steht Elad Shapiro am Bass.

 

Auf ihrer Webseite wird ihr Stil als gefühlvoller psychedelischer Bluesrock mit einem Hang zur Improvisation charakterisiert. So war es dann auch. Vom hammerharten Bluesrock über stark blueslastige Nummern bis hin zu urwüchsigen Psychedelic Rock, bei dem mir dann doch einiges zu experimentell geraten war, war alles dabei. Aber bei der folgenden Interpretation von „With A Little Help From My Friends“ – ganz im Stil eines Joe Cockers – schloss ich sehr schnell wieder Frieden mit den Jungs, die äußerst sympathisch 'rüber kamen, wie sich etwas später am Merchandise-Stand heraus stellte. Nach gut 50 Minuten endete ihr ‚Vortrag‘ genau so urplötzlich wie er begonnen hatte.

 

Immer mal wieder hatte ich in die Gesichter der Umstehenden geschaut, in denen mehrheitlich Anerkennung zu lesen war. Man war überrascht und zufrieden. SIMO hat mit Sicherheit in Berlin neue Freunde gefunden.

Dann kam der Meister – stürmisch begrüßt – und schmetterte uns sein „I’m back“ entgegen. Unglaublich! Da stand er auf der Bühne, sang und spielte, als wäre nichts geschehen. Dabei hatte ich doch noch die Textzeilen „Give me your hands…I can’t stand up“ (Omaha) im Ohr!

 

Ich glaube, die gesamte Blueswelt hatte seinen Leidensweg verfolgt. Dank seiner Ehefrau, waren wir via Social Media bestens über den fortschreitenden Genesungsprozess nach der Leber-Transplantation im Mai 2014 informiert. Und Trout dankt Ihr und seinen drei Söhnen mit zwei wunderschönen Balladen auf seinem neuen Album „Battle Scars“. Doch dazu später.

 

Der Anfang war ziemlich blueslastig. Kein Wunder, waren die Songs doch seinem Mentor und Lehrer Luther Allison gewidmet. In 2013 hatte er seiner gleich mit einer ganzen Platte gedacht. Ich glaube zumindest den Song „Luther Speaks“ erkannt zu haben.

Inzwischen hatte ich mich mit seiner Band beschäftigt. Ganz rechts außen stand Sammy Avila an seiner Hammond (!), mit dem Trout schon seit 2001 zusammen spielt. Man erzählt, er habe zu Hause eine ganze Sammlung von den Dingern.

Am Schlagzeug saß Michael Leasure. Auch er war schon bei unserer letzten Begegnung in 2011 dabei. Damals spielte Trout ein Doppelkonzert mit Popa Chubby im Postbahnhof.

Neu war der Mann am Bass. Johnny Griparic ist erst seit diesem Jahr in der Band. Aber deswegen ist er noch lange kein unbeschriebenes Blatt; hat er doch u.a. schon mit Beth Hart, Edgar Winter, Albert Lee, Steve Lukather oder Richie Kotzen gemeinsam auf einer Bühne gestanden.

Nach Allison folgte eine Hommage an B.B. King, „…the Blues man all time“, wie ihn Walter Trout nannte.

 

Gut 30 Minuten werden vergangenen gewesen sein, als Schlag auf Schlag die Songs von seinem neuen Album „Battle Scars“ folgten. Dieses Album ist kein Vergleich zu seinen früheren Scheiben. In ihm steckt pure Leidenschaft und Emotion! In den Songs verarbeitet der Meister seine persönliche Odyssee, seinen zweijährigen Leidensweg.

Trocken knallte er uns sein „Almost Gone“ entgegen. Mit „Omaha“ folgte der nächste ‚Bringer‘. Es sollte noch bis 22:20 (!) dauern bis mit „Haunted By The Night“ mein absoluter Favorit dieser Scheibe kam. Absolut hörenswert ist auch der gut 6 Minuten-Blues „Cold, Cold Ground“, der tief und düster daher kommt, wie kaum ein zweiter Song.

Inzwischen war auch sein Sohn Jon samt ‚Klampfe‘ auf die Bühne gekommen und lieferte sich mit Papa Walter eine regelrechte Gitarrenschlacht. Gemeinsam boten sie uns ein „Best of Blues“. Auch sein langjähriger Manager Andrew Erlt erhielt die Möglichkeit uns mit Gesang und Gitarre zu erfreuen. Es hätte mich auch gewundert, wenn es nicht so gekommen wäre.

Inzwischen war es 23:00 Uhr geworden und auf der Bühne ‚blies‘ man zum Finale. Ein grandioses Konzert fand sein Ende!

 

* 15. November 2015: Bielefelder Bluesbörse in der Alten Kuxmann Fabrik

* 6. November 2015: Record Release Party der Joris Hering Blues Band special guests: Monokel - Kraftblues in der WABE/Berlin

 

Danke Monokel für den erstklassigen Support. Danke Berlin!

Bei "Monokel" von einem Support zu sprechen, wäre doch ziemlich vermessen. Bleiben wir also bei Gästen. Fakt ist, ich hatte gerufen und "Lefty", "Kuhle", "Dicki" und "Pitti" waren gekommen!

Ohne lange zu zögern ging die 'Kraftblues-Brigade' mit "Berlin" gleich in die Vollen. Es dauerte quasi nur Sekunden bis der Moloch - in diesem Fall war es die WABE - rockte. Und mit "Immer noch da" folgte gleich mein nächster Favorit aus dem Monokel-Repertoire. Und spätestens jetzt drängte sich das Bluesvolk am Bühnenrand. Glieder und vor allem die Lippen wollten nicht mehr stille halten. Echte Monokelfans kennen halt die Texte. Und Fans hat diese Band auch nach fast 40 Jahren noch immer reichlich. Vielleicht 130 oder gar mehr hatten an diesem Abend den Weg in die WABE gefunden.

Nach dem Monster aus Kaulsdorf folgte dann die erste Covernummer. Bernd "Kuhle" sang den Peter Green-Klassiker "Oh Well". Immer wieder gern gehört und in meinen Augen neben "Green Manolishi" der "Fleetwood Mac" - Hit schlecht hin. "Oh Well" blieb nicht der einzige Coversong. Natürlich durften auch der "Kindertraum" und die "Schwarze Marie" nicht fehlen. Beide Songs stehen besonders bei den weiblichen Fans hoch im Kurs.

Der Höhepunkt des Abends war jedoch "AHAHA". In so einer Form hatte ich den Song noch nie gehört. Herrliche Improvisationen machten ihn zu einer Endlos-Nummer.

Natürlich wurde "Monokel" nicht ohne das "Boogiemobil" und "Lübben City" gespielt zu haben, von der Bühne gelassen.

 

Zitat:

"Also : wer klaren, erdigen Blues in bester Brit-Blues-Tradition mit direkten unverschnörkelten deutschen Texten mag , wird hier sehr, sehr gut und absolut eigenständig bedient..."

 

Nach zwei Live-Scheiben veröffentlichte die JHBB am 1. November ihr erstes Studioalbum. Auch wenn die Band Live nicht auf internationale Standards verzichten mag, ist das Album ausschließlich in deutscher Lyrik gehalten. Damit tritt die Band nicht nur in die Fußstapfen der Altvorderen der DDR-Bluesszene, sondern erbringt auch dem Beweis, dass es auch heute noch möglich ist, als Bluesband eigenständig und unverwechselbar zu klingen.

Logisch, dass wir an diesem Abend (fast) alle fünfzehn Songs des Albums, von denen dreizehn aus der Feder von Frontmann Joris Hering (voc, g) stammen, zu hören bekamen. Stilistisch spannen die Eigenkompositionen einen Bogen von rotzigem Powerblues bis hin zu swingendem Old Time Blues.

Einige dieser Eigenkompositionen wie "Wunderschön", "Regen" und "Der Mann von nebenan", die wir schon von den Liveauftritten der Band her kennen, erhalten auf dem Studioalbum durch die Unterstützung der Gastmusiker Benjamin Perkoff (sax), Artur Kühfuß (keyb) und Thomas Schied (harm) eine enorme Klangfülle. Thomas Schied hatte es sich nicht nehmen lassen und war aus Halle (S) angereist, um die das Dreiergespann aus Berlin-Weißensee auch an diesem wichtigen Abend zu unterstützen. Und das war gut so!

 

Nach dem üblichen Opener "Fishtone Blues" erklang der Titelsong "Unterwegs". Spätestens hier konnte Schied seine Klasse ausspielen. Bei diesem munteren Stück ist man gewillt, mit einzusteigen, mit der Band auf Fahrt zu gehen und dabei den ganzen Alltagsstress hinter sich zu lassen. Beim Publikum zumindest setzte der Song die Glieder in Bewegung. Gesang, Gitarre und Harp wechselten sich immer wieder einander ab. "Hansi" an den Fellen leistete Schwerstarbeit. Nur Bassist Thomas Hering schien davon unbeeindruckt zu sein. Mit stoischer Ruhe bearbeitete er sein Arbeitsgerät und sorgte so für ein solides Fundament. Besonders die ausgedehnten Harp-Soli veranlassten das Publikum immer wieder zu spontanem Zwischenapplaus. Nebenbei bemerkt, das setzte sich auch bei den folgenden Stücken fort.

Dann folgte "Feuer". Den Text zu diesem Song, der noch einen Zacken 'rotziger' daherkommt, hat der Hallenser Singer und Songwriter Jan Grünfeld geschrieben. Erst mit dem wunderschönen Slow-Blues "Regen" kehrte vorrübergehend Ruhe ein.

Mit "Cabin Dawn Below" hatte sich dann doch ein Cover ins Programm gemogelt. Die Frage des Bandchefs an das Publikum, von wem wohl diese Nummer sei, erübrigt sich eigentlich. Oder nicht? Hier kommt die Auflösung: der Song stammt vom zweiten Soloalbum Tom Petty's "Wildflowers", welches 1994 erschienen ist und für das er einen Grammy Award erhielt.

Mit der folgenden Nummer "Puppe" leistete Hering etwas Nachhilfe in Nadelarbeit. Also zumindest ich hatte noch ein solches Unterrichtsfach in der Schule und wurde so bestens auf das Leben vorbereitet.

Natürlich durfte die "Isolde" an diesem Abend nicht fehlen. Dieses Stück stammt von Pankow-Gitarrist Jürgen Ehle, der das Album "Unterwegs" produziert hat, und war quasi ein dankender Gruß an den Rocker, der an diesem Abend selbst anderswo auf der Bühne stand. Übrigens, im Dezember feiert dessen Bandkollege Herzberg seinen 60. Geburtstag. Dann kann man "Pankow" mit zahlreichen musizierenden Kollegen in der Berliner Kulturbrauerei mal wieder auf der Bühne erleben.

So langsam nahte das Ende. Punkt zwölfe war dann auch Schluss mit lustig und die JHBB musste uns den "Heimstadt Blues" und weitere Songs schuldig bleiben. Wohl dem, welcher "Unterwegs" mit nach Hause nahm. Doch ein Highlight des Abends muss ich noch erwähnen: das "Lied an den Fluss" mit seinem stampfenden Rhythmus und dem fast filigranem Spiel der Gitarre!

Als Fazit möchte ich aus dem Pressetext der Band zitieren:

"„Unterwegs“ zeigt eine gestandene Band, die weiß was sie will und die offensichtlich noch viel vorhat."

 

* 24. Oktober 2015: "Worrystone" in der "Kiste"/Berlin

Hilfe, die „Kiste“ strahlte ganz in grün und auch das Publikum war nicht das, welches ich sonst in dieser Lokalität antreffe. War ich im ‚falschen Film‘? Nein, war ich nicht. Schon seit längerem habe ich die Worrystone-Scheibe „For Sale“ in meinem Besitz und nun gab die Band aus dem Mansfelder Land ihr Debüt in der Hauptstadt. Das war DIE Gelegenheit, um mir die Kapelle einmal Live ‚rein zuziehen‘.

Also, Kilkenny statt Hefeweizen!

 

Eines fiel mir sofort auf: was wir da geboten bekamen, war äußerst professionell, obwohl die Band wohl eher dem Amateurlager zu zuordnen ist. Von Anbeginn entfachte „Worrystone“ ein Feuerwerk. Spielfreude pur! Das merkte wohl auch das Publikum, denn alsbald füllte sich die Tanzfläche. Frontmann Peter Wächtler erwies sich als wahres Multitalent. Ständig wechselte er das Instrumentarium. Locker führte er uns durchs Programm. Das war zumindest für mich von Nöten, denn so oft bewege ich mich nicht auf diesem Terrain. Obwohl, Songs wie „John Barleycorn“ oder „Molly Malone“ kennt auch ein ‚alter Blueser‘. Doch ausgerechnet diese Songs standen an diesem Abend nicht auf der Set-Liste.

Locker kamen auch seine Mitstreiter von der Bühne herunter, so dass der Abend zu einer ausgelassenen Party geriet. Nicht immer hat man hautnahen Kontakt zu den Akteuren. Begleitet wurde Peter Wächtler von Susann Busch, die für Akkordeon und Whistle zuständig war. Die zweite Dame in der Truppe ist Jenny Kästner (Gesang und Gitarre). Für ein solides Fundament sorgten Karl-Heinz Eberhardt (dr, perc) und Tobias Leimer (bg).

 

Dem aufmerksamen Betrachter ist längst der Zusatz „and anything else“ im Bandnamen aufgefallen. Das anything else stand an diesem Abend für Johnny Cash. Das nahm ich noch gelassen hin. Aber als dann „Me and Booby McGee“ – gesungen von Jenny -, „Gimme Shelter“ oder „Whiskey In The Jar“ folgten, hielt auch den Blueser nichts mehr auf seinem Platz.

Bleibt zu hoffen, dass „Worrystone“ bald mal wieder in der Region auftaucht.

 

* 17. Oktober 2015: "Good & Dry" in "Barnaby's Blues Bar"

Die Anreise nach Braunschweig gestaltete sich äußerst kurzweilig. 2,5 Stunden Rory Gallagher! Danke, "Salival"! Kurzweilig wurde auch der Abend, der dann folgte.

 

Schon beim Betreten der Blues Bar wurden wir als Fremde geoutet, der Empfang war dennoch äußerst freundlich. Oder vielleicht gerade deswegen? Der Laden ist genau so, wie man sich eine Bluesbar vorstellt. Nur etwas klein und eng. Besonders eng geht es ausgerechnet direkt vor der Bühne zu. Leute mit großem Bewegungsdrang sollten den Laden lieber meiden, denn mit Bluestanzen ist da nix! Andererseits - wo noch hat man so engen Kontakt zu den Akteuren. Die begrenzte Platzkapazität jedoch hält die vielen namhaften internationalen und nationalen Acts nicht davon ab, bei Barnaby's Station zu machen, wie die zahlreichen Plakate an den Wänden beweisen. Der gute, 'alte' Mitch & die Engerlinge blickten gleich von mehreren Wänden auf mich herab. Und schon fühlte ich mich heimisch!

 

Trotz der vielen klangvollen Namen erhalten auch immer mal wieder regionale Bands bei Peter eine Chance. Und das ist gut so! So auch an diesem Abend.

Nein, obere Spielklasse war das sicherlich nicht, was "Good & Dry" da von der Bühne brachte. Und dennoch, das Publikum hatte augenscheinlich seinen Spass.

 

Die Band ist in Salzgitter zu Hause und feierte am 8. November 2014 ihr 25. Bühnenjubiläum. Von der Gründungsbesetzung sind nur die beiden Gitarristen Carsten Müller, der auch den Ton angab, und Thomas Gericke, den hier alle nur "Locke" nannten, übrig geblieben. Die Rhythmusfraktion besteht aus Martin Suckel (b) und Kim Schwarz (dr). Fünfter Mann der Kapelle ist Wilfried Rengelshausen (sax). Gast an diesem Abend war der Harper Peter Maiss.

"Good & Dry" coverte sich in ihrem gut drei Stunden währenden Programm quer durch die Rock- und Bluesgeschichte. Eigenes konnte ich auf der langen Set-Liste nicht entdecken. Los ging es mit "Fall To Pieces". Dieser Song stammt wohl von "Velvet Revolver". Ich gestehe, weder der Titel noch die Band waren mir bislang ein Begriff. Doch schon beim folgendem "Mary Had A Little Lamb" war ich wieder Herr der Lage. So in der Art ging es auch weiter. Irgendwann kam dann auch "Crossroads". So richtig warm wurde ich mit ihrer Interpretation dieses Klassikers nicht. Mit "While My Guitar" jedoch schloß ich wieder Frieden mit der Band. Spätestens bei dieser wunderschönen Beatles-Nummer begann sich auch der Letzte im Publikum im Takt zu wiegen. Mehr war ja nicht drin. Vor der Pause gab die Band mit "Gimme All Your Loving" und "La Grange" noch mal richtig Vollgas.

 

Nach der Pause machte man akustisch weiter. U.a. waren "Sweet Virginia" und "Dead Flowers" zu hören. Bei letzterem Song drängte sich mir unweigerlich der Vergleich mit dem Stones-Programm von "Engerling" auf. Der Punkt wäre an die Berliner gegangen. "Dead Flowers" war nicht der einzige Stones-Song, denn mit "It's All Over Now" beendete die Band den Abend. Doch zuvor war es noch 'mal richtig klassisch geworden, als "Walking By Myself" und der "Hoochie Coochie Man" erklangen, Standards an denen wohl keine Blueskapelle, welche etwas auf sich hält, mehr vorbeikommt. Und einen ausgedehnten Zugabeblock gab es obendrein. Mit "Sweet Home Alabama" und "Call Me The Breeze" machten "Good & Dry" dem 'alten' Mann nochmal eine richtige Freude!  Ob sie es gewußt haben, vor 38 Jahren fast auf den Tag genau, stürzte die Chartermaschine mit meinen Helden ab,  und Ronnie Van Zant, Steve Gaines, seine Schwester Cassy und Manager Dean Kilpatrik fanden dabei den Tod!

 

Fazit: Der Abend gestaltete sich zu einer munteren Party mit einer gut aufgelegten 'Partyband', obgleich spektakuläre Höhepunkte ausgeblieben waren.

 

* 2. Oktober 2015: Rob Tognoni & Band in Berlin

Unglaublich! Der „Tasmanische Teufel“ in der Ostberliner ‚Platte‘ – da kann man doch nicht zu Hause hocken bleiben. Also runter vom Sofa und raus aus den ‚Puschen‘, d. h. die konnte ich dieses Mal getrost anlassen, denn die „Kiste“ ist quasi Hausschuhbereich. Als ich Robert „Rob“ John Tognoni (Jahrgang 1960) das letzte Mal erlebt habe – das war irgendwann in 2013 – musste ich noch bis Braunschweig fahren. Jetzt war Rob zum Gegenbesuch gekommen. Wieder hatte Kisten-Chef Fred einen Bluesrock-Gitarristen der obersten Spielklasse nach Hellersdorf verpflichten können.

 

Eines fiel sofort auf. Der Meister hatte sich verjüngt. D. h nicht er, sondern seine Band. Zwei neue Gesichter an seiner Seite: Slawek Semenuk (b) und Gerry Reynders (dr). Mir schien, als hätten sie für eine frische Brise gesorgt. Auf jeden Fall sorgten sie für eine solide Basis, die es dem Meister gestattete, immer wieder zu langen Gitarrensoli auszuholen.

Immer wenn die Bühne in der „Kiste“ blau erstrahlt, dann ist Blues bzw. Bluesrock angesagt. An diesem Abend hätte man getrost das rote Licht (steht für Rockkonzert) anknipsen können. Auch wenn der eine oder andere ‚astreine‘ Blues erklang – sogar den Boogie hatte er nicht vergessen -, war das gut eineinhalbstündige Konzert sehr rockig angelegt.

Rob Tognoni besitzt ein schier unerschöpfliches Repertoire an Eigenkompostionen und Covernummern. Schließlich hat er schon jede Menge Alben veröffentlicht. Sein letztes Werk „Birra For Lira“ ist noch gar nicht so alt. Aus diesem Album habe ich längst „2 am“ zu meinem Favoriten erkoren.

 

Eine Set-Liste war weit und breit nicht zu finden, sodass ich das Repertoire hier nicht benennen kann. Ich bin mir nicht mal sicher, ob „2 am“ an diesem Abend erklang. Sicher erkannt habe ich jedoch den „Guitar Boogie ReFried“ von der Scheibe „The Lost Album“ aus dem Jahr 2014. Dieses Album wurde bereits 2002 unter dem Namen „Retro Shaker“ eingespielt. Doch der Höhepunkt kam zweifelsfrei mit „Baby, Please Don’t Go“. Dieser Bluesstandard wurde 1935 erstmalig von Big Joe Williams aufgenommen. Inzwischen wurde er schon von zahlreichen Musikern und Bands gecovert; darunter Van Morrison, Ted Nugent, „AC/DC“ und „Aerosmith“. Nun gibt es auch eine äußerst gelungene Version von Rob Tognoni – auch wenn die anwesenden AC/DC-Fans bei dieser Nummer mit Sicherheit an ihre Idole dachten und fast völlig aus dem Häuschen gerieten.

 

Auch dieser Abend ging viel zu schnell vorbei. Den ‚Daheimbleibern‘ gewährt das nachfolgende Video, welches dieses Mal Mike Kempf von „RockTimes“ beisteuert, einen kleinen Einblick. Und wie man sehen kann, es gab nichts zu bereuen. Einziger 'Wermutstropfen': Damals in 2013 traf ich mich mit Rob und seinen Leuten im „Stadthotel Magnitor“ zum Frühstück. In 2015 musste ich alleine frühstücken!

* 18. September 2015: 10 Jahre Joris Hering Blues Band im Bauhaus Dessau

Den Textbeitrag zu diesem Konzert liefert dieses Mal ROCKTIMES.

Siehe:

HIER

* 12. September 2015: GUITAR HEREOS FESTIVAL in Joldelund mit No Tricks, Simon McBride und Aynsley Lister

* 11. September 2015: Dave Goodman solo , Cafe im Hinterhof in Buxtehude

* 10. September 2015: Friedrich & Wiesenhütter in St. Peter-Ording

* 29. August 2015: Lösekes Blues Gang, B.B. & the Blues Shakes, The Blues Guys & the Guiness Hornes und Lucky Begger & the Dirty Keys im JOBeach/Hildesheim

* 27. August 2015: J. Mastro & Mamas Boys in der Extra Blues Bar Bielefeld

Zwei neue Gesichter an Johnny's Seite: Christoph Gaillot (dr) aus Paris und Dean Zuchero (bg)

* 9.  August 2015: Blue Moon Struck auf der Berliner Biermeile

Gerade erst waren sie vom FREEROCKFESTIVAL zurück gekehrt, und schon standen sie tags darauf geschlagene fünfeinhalb Stunden bei sengender Hitze in Berlin auf der Bühne. Respekt, meine Herren!

Von den 22 Bühnen auf der Berliner Biermeile hatten sich "Blue Moon Struck" glücklicherweise die "Tschechiche Bühne" ausgesucht, von der es nur ein Katzensprung bis zu den zahlreichen Ständen mit Prager und böhmischer Braukunst war.

Die Band ist nicht nur jung, sondern auch ziemlich neu in der Berliner Bluesszene, aber sie ist immer öfters in den Ankündigungen vor allem der Berliner Veranstalter zu finden. Und demnächst gibt es auch hier auf EASTBLUES mehr über Frontmann Peter Hartlapp und seine Hintermänner zu lesen.

Los ging es mit Clapton's "Layla". Es folgte der "Crossroad Blues" eines Robert Johnson. Und in der Art setzte es sich fort: Peter Green, CCR, SRV, Lynyrd Skynyrd... Von B.B. King gab es sogar ein ganzes Medley. Irgendwann hörte ich dann auch den "Red Wine Blues" von Snowy White, der gerade erst in Schmölln gastierte. Inzwischen soll es auch eigene Stücke geben, die ich aber aus dem umfangreichen Programm nicht heraus filtern konnte. Vielleicht lag es ja am böhmischen Bier, oder aber an der unsäglichen Hitze...

* 11. Juli 2015: 9. ROCK & BLUESNACHT in Spremberg

Pete Gavin & Shanghai Bluesgang

The Fourty Fours (USA)

King King (GB)

Monokel Kraftblues & Gäste

 

Es ist schon beachtlich, was Toralf und "Heppi" da wieder auf die Beine gestellt haben. Und sie setzen Jahr für Jahr noch einen oben auf. Nicht nur wegen des erstklassigen Line up. Die Bühne wird immer größer und das Bierzelt wird immer länger, schließlich kommen auch von Jahr zu Jahr mehr Besucher. Und das trotz Öttersdorf! Einmal mehr wurde die 9. Ausgabe der Spremberger Rock & Blues Nacht zum erwarteten GIPFELTREFFEN der Kraftblues-Brigade von Monokel mit ihren zahlreichen Freunden und Fans.

 

Den Opener machte der gebürtige Londoner Pete Gavin in Begleitung der "Shanghai Blues Gang". Gavin gilt als einer der besten europäischen Slidegitarristen. Durch zahlreiche Soloauftritte und in Begleitung der Gang hat er sich inzwischen bundesweit einen Namen gemacht. Nicht zum ersten Mal brachte er den Blues in die Lausitz. Es ist vor allem eine Mischung aus traditionellem Blues & Folk mit einer Prise Rock gewürzt - mal Eigenes, mal Gecovertes.

Bei meinem Eintreffen waren die Herren auf der Bühne längst am Schaffen und vor der Bühne tanzten die Hardcore-Blueser bereits den Blues. Doch bevor ich mich dem Geschehen auf und vor der Bühne widmen konnte, galt es zahlreiche Hände zu schütteln. Als ich mich endlich bis zur Bühne vorgekämpft hatte, war jedoch ihr Auftritt schon zu Ende. So blieb die Kamera in der Tasche.

Die nächste Band waren The 44’s aus Los Angeles.

Seit 2010 sind die vier Herren unermüdlich auf Tour. In der Lausitz aber gastierten sie zum ersten Mal – nicht so Bassist Mike Hightower. Ihn sahen wir hier und anderswo schon des öfteren an der Seite von Johnny Mastro. Und mir scheint, die musikalische Nähe zu „Johnny Mastro & Mamas Boys“ ist nicht zu verleugnen. Es ist Blues-Roots-Rock von der Westküste, der an längst vergangene Zeiten erinnert. Und genau das ist auch die Philosophie der Band. Frontmann und Bandgründer Johnny Main soll einmal gesagt haben: „…only the vintage is the best sound.“ Am Schlagzeug sitzt der schwergewichtige J.R. Lozano, der genügend Erfahrung und Schwungmasse besitzt, um seine Vorderleute ordentlich anzutreiben. Dazu gesellte sich der junge Harper Jacob Huffmann.

„The 44’s“ offenbarte sich mir, als eine Band, die ich mir durchaus in einer der typischen Chicagoer Bluesbars der frühen 1930er und 1940er Jahre vorstellen könnte. Bei diesem Gedanken wurde ich sogar ein wenig neidisch, nicht einen Tag später ihren Auftritt in der „Quetsche“ (Weißwasser) miterleben zu können, denn dort brennt sicherlich die Luft!

Danach folgte „King King“.

Die Band um den schottischen Sänger und Gitarristen Allan Nimmo war für mich die Überraschung des Abends. Das war hochklassiger Bluesrock – genau nach meinem Geschmack. Nun war auch für mich die Zeit gekommen, den Blues zu tanzen. Der Mann im Original schottischen Kilt wusste mich nicht nur durch seinen rauen Gesang zu überzeugen; einmal mehr erlebte ich einen erstklassigen Gitarristen, der mal explosiv, mal eher träumerisch sein Arbeitsgerät beackerte. Doch meine besondere Aufmerksamkeit galt Bob Frizdema, dessen Hammond aussah als hätte sie schon jede Menge erlebt. Schön, dass man ihm die Möglichkeit für das eine oder andere Solo gab! Schließlich sind Derart heutzutage selten geworden. Begleitet wurden sie von Lindsay Coulson am Bass und Wayne Proctor an den Fellen. Schon allein deren Auftritt wäre das Eintrittsgeld wert gewesen. „Reaching For The Light“ nennt sich ihr brandaktuelles Album, welches längst allseits hoch gelobt wird. Logisch, dass wir vorzugsweise Songs aus diesem Album zu hören bekamen, wobei Nimmo immer wieder an den Bühnenrand trat, und das Publikum zum mitmachen, mitklatschen und mitsingen animierte, wobei die Songs dazu angetan waren, aber der Funken längst übergesprungen war.

Das Publikum quittierte deren Auftritt mit lang anhaltetem Beifall und zwang die Band mit lautstarken Sprechchören zu einer Zugabe, die man uns gewährte, obwohl die Zeit knapp geworden war, denn Schluß war noch lange nicht. Der Höhepunkt stand ja noch aus.

 

Es war schon 23 Uhr geworden, als die ‚Kraftbluesbrigade‘ aus Berlin einmarschierte.

Und schon gab es die erste Überraschung. Man verzichtete auf das sonst übliche Intro aus der Konserve. Stattdessen meine ich den ehemaligen (Ost)-Berliner Kinderchor "Omnibus" mit ihrem Lied „Wir sind Kinder aus Berlin“ gehört zu haben. Aber so genau weiß ich das nicht. Egal, denn alsbald setzten Lefty, Kuhle, Pitti und Dicki mit ihrem Berlin-Lied ein. Krach vom Feinsten! Kraftblues halt! Und schon setzte ein vielstimmiger Chor vor der Bühne ein, der auch noch beim folgenden „Immer noch da“ und allem was danach kam textsicher mithalten konnte.

Sofort dachte ich zwei Jahre zurück. Damals war ein uns inzwischen allseits bekannter Promoter aus den alten Bundesländern mit Johnny Mastro erstmals in das 'Bluesmekka Lausitz' gekommen und war erstaunt darüber, dass die zahlreiche Fangemeinschaft das Monokel-Repertoire von Anfang bis Ende textsicher mitsang. So etwas habe er in den alten Bundesländern noch nie erlebt, postete er damals im worldwideweb. Als dann urplötzlich Hardcore-Fan Uwe die Bühne enterte und für den erkrankten Frontmann Micha Linke das „Monster vom Schilkinsee“ sang, war er sogar fast sprachlos geworden! "Im Westen undenkbar", so sein damaliger Kommentar. Für uns hier nur ein Zeichen der langjährigen Verbundenheit und Treue der Fangemeinschaft mit ihren Helden von damals und heute.

Übrigens, auch an diesem Abend ließ es sich Uwe nicht nehmen eine Strophe des besagten Monokel-Klassikers zu singen. Das Publikum dankte es ihm mit heftigem Zwischenapplause.

Danach folgten der Kindertraum und etwas später die schwarze Marie. Es sind halt die Klassiker, welche die Fans immer wieder begeistern, und sie nicht müde werden, diese zu hören.

Nun waren mit Mike Seeber, „Matze“ Stolpe und „Gala“ die ersten Gäste auf die Bühne gekommen. Monokels befreundete Musiker sind in Spremberg von je her immer zahlreich vertreten; überrascht  wären wir nur wenn es anders sein würde.

Bei „Wie die Großen“ bliesen „Matze“ und „Gala“ gemeinschaftlich kräftig ins ‚Horn‘. Einfach herrlich! Dann kam mit dem Vater und dem Rettungsboot Galas großer Auftritt. Inzwischen herrschte auf der Bühne ein ständiges Kommen und Gehen. Platz war da oben ja genug. Mit Steffi Breiting kam auch „Tobi“ Hillig auf die Bühne. Seine vielen musikalischen Projekte aufzuzählen, würde einige Zeit in Anspruch nehmen. Unlängst fand ich seinen Namen auch unter den Begleitmusikern von „Snowy“ White.

Inzwischen wurde es auch international. Nach dem erstklassigen Auftritt von Steffi folgten Songs wie „Like A Rolling Stone“ und „Maggies Farm“ – immer wieder gern gehört. Ein weiterer Höhepunkt folgte, als Ur-Monokelmann „Basti“ Baur (heute: Knorkator) das einzigartige „Lumpenlied“ zum Vortrag brachte. Selten zu hören – aber unvergessen!

Inzwischen war es bereits weit nach Mitternacht, so dass ich mich noch vor dem obligatorischen Rausschmeißer „Bye, bye Lübben City“ aus dem Staub machte; nicht ohne mir den 9. Juli 2016 dick im Kalender anzustreichen. An diesem Tag wird Spremberg auf den Kopf gestellt werden. 10 Jahre Spremberger Rock & Blues Nacht und 40 Jahre werden zu einer riesigen Party der Ex-DDR-Bluesszene, denn neben „Monokel-Kraftblues“ haben sich bereits „Engerling“, „Renft“, Kerth und „Freygang“ angesagt. WIR SIND IMMER NOCH DA!

 

* 21. Juni 2015: Beata Kossowska & "Kuhle" Kühnert (Monokel) in Berlin-Köpenik

Es ist halt Sommer, nur ist dem in diesem Jahr nicht so recht zu trauen. Hatte ich doch erst letztes Wochenende das ‚rein mit den Stühlen/raus mit den Stühlen-Prozedere‘ an der Havel mitgemacht und dort tapfer bis zum bitteren Ende ausgeharrt, blieb ich diesen Samstag, trotz des vielfältigen KULTURANGEBOTES im nahen und ferneren Umfeld, vorsichtshalber auf dem Sofa. Am Sonntag sah es nicht wesentlich besser aus, doch ich hatte vom auf dem Sofa liegen längst Rückenschmerzen bekommen. Also runter vom Sofa und rein ins „Boogie-Mobil“. Ich fuhr nach Köpenick an Dahme und Spree. Dort war auch Sommer, und der Sommer in Köpenick hat sogar einen Namen - „Köpenicker Sommer“ und findet alljährlich statt. Und stets hält der Veranstalter auch Leckerbissen für Rock- und Bluesfreunde bereit (wenn da mal nicht DER Pabst seine Finger im Spiel hat). Nur das Volksfestpublikum ist nicht Jedermanns Sache.

Am Sonntagnachmittag stand dort Beata Kossowska & Friend auf dem Programmzettel. Die gebürtige Polin trägt längst den Beinamen „The First Lady Of Bluesharp“ und hat sich inzwischen auch in ihrer Wahlheimat Deutschland eine große Fangemeinde ‚erarbeitet‘ und erweist sich als sehr vielseitig. So sah man sie hier schon an der Seite von Peter Pabst (Jonathan Blues Band) und in der Ufholz-Klunker Band. Ich war also auf den Freund gespannt. Jede Menge potentielle Freunde waren mir schon auf dem Weg zum Luisenhain über den Weg gelaufen. Alles blieb offen, bis dann endlich Beata die Bühne betrat. An ihrer Seite stand Gitarrist Bernd „Kuhle“ Kühnert.

 

„Kuhle“ gehörte vor exakt 40 Jahren zur Gründungsbesetzung der legendären „Engerling Blues Band“, die heute nur noch kurz „Engerling“ genannt wird, wechselte nach ein paar Jahren gemeinsam mit „Lello“, der übrigens fast zeitgleich auf dem Schlossplatz trommelte, zu „Monokel“ und spielt seit der Spaltung dieser legendären Ostbluesband in der Kraftblues-Fraktion. Den ‚Panther aus Pankow‘ hier vorzustellen, erübrigt sich also.

 

Anders dagegen die Kossowska. Mal abgesehen von Berlin, Reitwein und Altzella hat man sie bislang in den ostdeutschen Klubs noch nicht gesehen. Die studierte Pädagogin ist seit ihrer Übersiedlung nach Deutschland vor allem mit „United Blues Experience“ bekannt geworden. Diese Band entstand in 2008 aus dem Duo Wolfgang Bernreuther/Rudi Bayer. Dazu kommen zahlreichen Solo- und Gastauftritten im In- und Ausland. Inzwischen hat sie sich vor allem aber als Harp-Lehrerin einen Namen gemacht. Obwohl sie gleichermaßen mit Gesang und Gitarre umzugehen weiß, beherrscht sie das Mundharmonikaspiel perfekt. Längst eilt ihr der Ruf als schnellste Mundharmonika-Spielerin voraus. Neben mehreren CDs hat sie auch das Lehrbuch „Die Mundharmonika in der Praxis“ veröffentlicht.

 

An diesem Nachmittag gab sie erneut einen Beweis ihrer Klasse. Obwohl ich glaube, dass die Mehrheit der Besucher nicht wussten, mit wem sie es da zu tun hatten! Mit Gesang, Akustik-Gitarre und Harp, begleitet von „Kuhle“ an der E-Gitarre, bot sie eine Zeitreise durch die Rock- und Bluesgeschichte. Auch wenn ihre Bandbreite vom Blues über Rock bis zu Funk reicht, so glaube ich, war ihr anzumerken, dass sie sich beim Blues/Bluesrock am wohlsten fühlt, jenes Genre, welches ihr die Möglichkeit bietet sich an der Harp ‚auszutoben‘. Der ‚Vortrag‘ der Beiden reichte von „Shake Your Moneymaker“ bis zum „Hoochie Coochie Man“. Eine Überraschung gab es dann auch, als „Kuhle“ den Klassiker „Wooly Bully“ sang. So hatte ich ihn noch nicht erlebt! Alles in allem geriet der Auftritt für meinen Geschmack viel zu kurz und bekam durch die unfreiwillige Unterbrechung, als sich das Joe Cocker-Double aus dem Estrel mitten in ihren Auftritt drängte, einen unschönen Beigeschmack!

* 13. Juni 2015: 2. Havel Blues Festival im Gutspark Berlin-Neukladow

Berlin hat mehr Blues als man denkt! Erst vor 14 Tagen erschütterten gleich zwei Bluesfestivals an einem Tag die Hauptstadt, und nun lockte der HAVEL BLUES mit einem feinen Line Up. Trotz der Schlechtwetterlage, nahmen immerhin etwas mehr als 200 Gäste den weiten Weg nach Neukladow auf sich. Weit war der Weg zumindest für mich. Immerhin 50 Kilometer von einem zum anderen Ende der Stadt. Aber es hat sich gelohnt. Neun Stunden (!) Blues inklusive der Umbau- und Gewitterpausen, ein herrliches Ambiente, eine hervorragende Organisation und eine überaus freundliche Aufnahme. Großen Dank an den Veranstalter Till Schulze-Geissler und seinen vielen rührigen Helfern!

Bei meiner Ankunft war die 'schwarze Katze' gerade beim Soundcheck, der Himmel strahlte blau - alles deutete auf ein feinens Happening hin, doch kurz vor dem geplanten Beginn verwandelte ein gewaltiges Gewitter das Festivalgelände in einen großen See. Der Zeitplan geriet erheblich durcheinander.

Irgendwann ging auch das Gewitter vorüber und endlich konnte die „Marius Tilly Band“ auf die Bühne. Über die Jungs ist im www zu lesen, sie wären eine der vielversprechendsten jungen Bands der deutschen Bluesszene. Mir musste man nichts versprechen - ich kenne die Band. Nicht nur, dass sie erst unlängst in der Hellersdorfer „Kiste“ zu Gast waren; sie standen im letzten Jahr auch mit einer uns wohl bekannten Blueskapelle aus Berlin-Weißensee im Finale der GERMAN BLUES CHALLENGE und fuhren schließlich stellvertretend für Jessy Martens nach Memphis, um dort den ‚Blues Made in Germany‘ zu repräsentieren.

 

Manch einer meint, der Sound der Band habe wenig mit Blues zu tun. Aber, „the blues is allright“, so auch bei Marius Tilly (voc, g), Benjamin Oppermann (b, voc) und Maximilian Wastl (dr). Es ging auch gleich ziemlich rockig zur Sache. Ungeachtet der Widrigkeiten – auch die Bühne war ziemlich nass geworden – spielten sie munter und frisch ihr Programm. Das ist einmal mehr eine Band, die durch ihre ehrliche Art überzeugt und durch erdige Gitarrenriffs und treibende Beats punkten kann. Songwriter Marius Tilly schlägt mit seiner Musik eine Brücke von den Helden der 1970er Jahre in die heutige Zeit. Seit 2010 ist die Band ‚on stage‘ und hat erst vor ein paar Tagen ihr zweites Album „Come Together“ veröffentlicht. Logisch, dass wir vorzugsweise Songs von dieser Platte geboten bekamen. Mit „Sliding“ ist ihm ein Blues-Rock-Kracher ganz nach meinem Geschmack gelungen. Das sparsam instrumentarisierte, gefühlvolle „Far Away“ ist eine Glanzleistung. Weit weg vom Blues, aber mit deutlichen psychedelischen Einflüssen. Doch es kam noch besser, als Frontmann Tilly die Gitarre auf den Boden legte, sich hinkniete und minutenlang mit seinen Effektgeräten spielte. Ein psychedelischer Höhenflug, der Erinnerungen an alte Zeiten wach werden lässt.

Nur schade, dass das Publikum den Auftritt eher verhalten quittierte. Aber ehrlich gesagt, mir gefallen die Studioaufnahmen auch besser. Die Scheibe kann ich nur empfehlen.

 

Übrigens, auf der Scheibe sind auch ein einige Gastmusiker zu hören. Unter anderem der junge Hannoveraner Artur Kühfuß an der Hammond. Kühfuß ist inoffizielles viertes Bandmitglied. Ihn werden wir bald zu Gesicht bekommen, wenn er im September mit der „Joris Hering Blues Band“ in Dessau auf die Bühne geht.

Um ehrlich zu sein, der nächste act war für mich eine No-Name-Band. Umso erstaunter war ich über den fast überschwänglichen Empfang. Als ich dann den Veranstalter des Festivals Till Schulze-Geißler (voc, piano, harm) unter den Akteuren entdeckte, wusste ich auch warum. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, „Good Husband“ ist die Hauskapelle des Kulturparkcafes (im Gutshaus) und lädt jeden vierten Freitag zur Blues-Session. Sein Duo-Partner Doctor Dodt alias Uli Dodt lenkte meine Aufmerksamkeit mit seinem ‚selbstgeschnitzten Dodtbrett‘ auf sich. Aber er wusste auch mit Akustikgitarre und Banjo hervorragend umzugehen, wie sich später herausstellte. „Good Husband“ ist eine Zwei-Mann-Kapelle (Originalton Doc Dodt: „Es gibt nicht viele gute Ehemänner!“); bringt aber meist Freunde mit auf die Bühne. An diesem Nachmittag bekamen sie Unterstützung von Dennis Laude. Endlich mal wieder ein Basser mit Hüftschwung!

 

Das alles sah nach gutem alten Country-Blues aus; den bekamen wir auch! Als Schulze-Geißler mit rauchiger, whisky-geschwängerter Stimme begann zu singen:

„Ich will hier nicht raus, ich gebe nicht auf, ich bleibe hier.“ – war ich baff.

Wieder hatte ich eine Band entdeckt, für die Blues und deutsche Sprache keine Gegensätze bedeuten. Zwischen Songs wie „Worauf wartest Du“, „Ode an den Schmerz“ und „Es gibt nichts zu tun“ gab es dann auch „You Got To Move“ und „Living In A Dog House“ zu hören, und die Band zeigte uns, dass sie auch anders kann. Doch der Höhepunkt ihrer Darbietung sollte noch folgen. Beim „Havelblues“ bekam sie Unterstützung von einem ganzen Blasorchester der HavelArt-Musikakademie unter Leitung von Simon Theisen.

Es war ein kurzweiliger, beschaulicher Auftritt, an dem das Publikum sichtlich Freude hatte. Seht selbst:

Nach kurzer Umbaupause kam „Black Kat and Kittens“ auf die Bühne. Eine Kostprobe bekam ich bereits während ihres Soundchecks geboten. Nun wollte ich mehr.

Obwohl das international besetzte Trio aus Berlin noch nicht allzu lange existiert, hat es längst über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung gefunden und zählt inzwischen zu den außergewöhnlichsten Bands der deutschen Bluesszene. Dies muss sie wohl zum Geheimtipp meiner Volksdorfer Bluesfreunde gemacht haben. Trotz Tipp aus Hamburg und der permanenten Präsenz in Berlin war es unsere erste Begegnung.

 

Die schwarze Katze ist Lorraine Lowe – eigentlich Dvora Davis, die mit ihrer außergewöhnlichen Stimme das ‚Aushängeschild‘ der Band ist. Ihre jamaikanischen Wurzeln lassen sich nicht verleugnen, obwohl sie aus London stammt. Für Harp und Schlagzeug ist der Pole Adam Sikora zuständig. Ihn hier vorzustellen, hieße Eulen nach Athen zu tragen. (Was will man dort auch mit Eulen, wenn man Euros braucht!) Er hatte gemeinsam mit dem Gitarristen Simon Dahl die Idee zu diesem Projekt. Dahl ist aber im Herbst des vergangenen Jahres ausgeschieden und reist jetzt gemeinsam mit Matthias Itzenplitz als „The Fifth Floor Pickes“ durch die Lande. Seinen Platz hat inzwischen Mauro Pandolfino eingenommen. Mauro ist dem Ostblueser als Mitglied der Band von Big Joe Stolle bekannt. Außerdem steht er neuerdings mit Stolle und den beiden Cäsar-Brüdern in dem Cäsar-Tribut-Projekt „Apfeltraum“ auf der Bühne. Gelegentlich wird das Trio durch Gäste verstärkt, so auch an diesem Abend.

 

Der Auftritt hatte gerade erst begonnen, als erneut ein Gewitter von der Havel aufzog, welches dann so heftig wurde, dass man den Auftritt abbrach und schleunigst in das Gutshaus umzog. Doch der Saal fasste nicht annähernd die Hälfte der Festivalbesucher. Ich ergatterte wenigstens einen Fensterplatz. Nein, nicht am Fenster. Vor dem Fenster, aber es war wenigstens geöffnet.

Der Stimmung tat es jedenfalls keinen Abbruch. Auch die Band ließ sich nicht beirren.

 

Das Repertoire der Band umfasst Blues, Spirituals, Roots, World – vor allem aber Soul, viel Soul. Sie selbst bezeichnen ihren Stil als Blues&Roots. Neben einigen Eigenkompositionen waren also vor allem Klassiker zu hören; ein deutlicher Verweis auf die Bluesveteranen der 1920er und 1930er Jahre. Dabei geriet der Lead Belly – Klassiker „Black Betty“ zum absoluten Höhepunkt. Trotz sparsamer Instrumentarisierung gelang der Band eine mitreißende Show.

Inzwischen war es bereits dunkel geworden, so dass man die grauen Regenwolken am Himmel nicht mehr sah, und der Veranstalter sich entschlossen hatte, den nächsten act wieder auf der Bühne vor dem Gutshaus zu präsentieren. Schließlich waren Weltmeister nach Kladow gekommen.

 

Das Blues- und Boogie-Duo Georg Schroeter (Piano, Gesang) und Marc Breitfelder (Mundharmonika) hatte in 2011 den International Blues Award gewonnen und damit die begehrte Trophäe erstmalig nach Europa gebracht! Schon allein diese Leistung zollt unseren Respekt.

Gleich vorab – ihr Auftritt wurde in meinen Augen resp. Ohren der erwartete Höhepunkt des Abends, auch wenn das Einige anders gesehen haben. Marcs einmalige Spieltechnik und Georgs abwechselnd kraftvoll oder sanft gespieltes Piano bilden eine Symbiose, die seit Jahren die Konzertgänger landauf und landab in Faszination versetzt. An diesen Abend hatten sie einen Gast mitgebracht. Jazzdrummer Torsten Zwingenberger ist der Mann, der ständig zwischen Berlin und Hamburg pendelt und durch seine eigenwillige Schlagzeugtechnik auf sich aufmerksam macht. Er spielte mit mehreren Fußmaschinen gleichzeitig. Und das beherrscht er auch simultan, indem er auch die Fersen einsetzt. Obendrein hatte er noch allerlei Percussiongerätschaften im Einsatz. Ich konnte beobachten, wie er ständig den Blickkontakt zu dem Mann am Klavier suchte. Es schien als wollten sie sich gegenseitig motivieren. Dabei war das doch gar nicht nötig. Ein gut gelaunter Schroeter suchte ständig den Kontakt zum Publikum. Mit lockeren Sprüchen versuchte er die Stimmung anzuheizen. Dabei war die gesungene Aufforderung „shake your body“ überflüssig, denn das Publikum war längst ganz dicht an die Bühne gekommen und schwang das Tanzbein. Nun durfte man sogar mitsingen! Und das geschah unbeirrt des erneut einsetzenden Regens. Ach ja, geboten bekamen wir einen abwechslungsreichen Mix aus Interpretationen von Rock- und Bluesklassikern – von Clapton bis Muddy Waters. Einzig blieb Marc Breifelder hinter den Erwartungen zurück. Er haderte mit der Technik und/oder mit sich selbst (?)

Es ging bereits auf Mitternacht zu, doch Schluss war noch lange nicht. Aus München war „Dr. Will & the Wizards“ angereist. Schulze-Geißler bat nun erneut in den Saal und versprach eine „Voodoo-Blues-Show“ vom Feinsten. Bei derart Versprechungen dachte ich unweigerlich an den in 2000 verstorbenen Screamin‘ Jay Hawkins, den ich in den 1990er Jahren zwei Mal live auf der Bühne erleben durfte, bzw. erhoffte mir zumindest einen Auftritt, wie ich ihn von „Dynamite Daze“ kenne. Ihr aktuelle Scheibe „Tango With The Devil“ dreht noch immer ziemlich oft Runden in meinem Player.

 

Ungeachtet der späten Stunde – ein Großteil des Publikums hatte bereits den Heimweg angetreten, dennoch passten nicht alle Anwesenden in den Saal – zog die Truppe ihren Budenzauber durch, gab sich redlich Mühe und heizte die Stimmung immer wieder aufs Neue an. Dies schien auch zu klappen, denn das Publikum quittierte den Auftritt immer wieder mit reichlich Zwischenapplaus und forderte zum Schluss gar noch zwei Zugaben ein. Sicherlich hätte man auch weiter getanzt, wenn denn Platz gewesen wäre.

So anerkennenswert auch der Einsatz der Akteure war, meine Erwartungen blieben unerfüllt. Zweifelsfrei gehört Dr. Will zu den ‚schrägsten Vögeln‘ der deutschen Bluesszene, wenn es denn nicht gar der Schrägste ist. Aber seine Art den Blues zu interpretieren, berührte mich weniger. Den ‚Voodoo-Blues‘ eines Dr. Will würde der Fachmann möglicherweise in die Swamp-Blues-Schublade stecken. Mir war das Ganze eine Spur zu nah an Bluegrass. Seine Kollegen von „Dynamite Daze“ verzichten in ihrer 'Voodoo-Blues-Show' fast vollständig auf Show-Effekte, sind experimentierfreudiger in den Musikstilen und bringen weitaus mehr Groove auf die Bühne.

 

* 29. Mai 2015: POWER BLUES FESTIVAL (part 1) in Berlin-Biesdorf

Alle Jahre wieder! Das zweitägige POWER BLUES FESTIVAL hat inzwischen Tradition, und ist der erste Knaller der alljährlichen Open Air - Saison auf der Parkbühne in Berlin-Biesdorf. Nicht immer spielte der Wettergott mit, aber in diesem Jahr hatte er Einsehen. Neben regionalen und vor allem jungen Bands hält der Veranstalter jedes Jahr auch immer richtige Highlights bereit. In diesem Jahr waren es "The Brew" und "Ten Years After". Dennoch war noch jede Menge Platz in der Parkbühne, die sich nur spärlich bevölkerte. Am Ende werden es gut 300 Besucher gewesen sein. Am Line Up kann es nicht gelegen haben. Es wird wohl daran gelegen haben, das mal wieder jede Menge los war an diesem Wochenende. Allein gleich drei weitere Bluesfestivals zwischen Dresden und Berlin.

Als mir im letzten Jahr die EP "Trailer Jams" von "The Lateriser" ins Haus flatterte, wurde mir schnell klar, diese Band hat jede Menge Potential. Ihren "Backseat Blues" hatte ich schnell zu meinem persönlichen Favoriten erkoren. Nun ergab sich die Möglichkeit die Jungs aus dem Erzgebirge bei der 'Arbeit' zu erleben. Offensichtlich konnten sie mit dieser Scheibe auch beim Hausherr der Parkbühne punkten, so dass die Erzgebirgler, die in ihrer Region längst keine Unbekannte mehr sind, nun zum ersten Mal auf einer Hauptstadtbühne standen. Ungeachtet der noch spärlich besetzten Reihen rockten Martin Fankhänel (voc, g), Martin Rudolph (b) und Benjamin Nagel (dr) los. Und sie taten es so, dass sie den Brew-Frontmann Jason Barwick aus dem 'Hinterzimmer' lockten, der die Show gespannt vom Bühnenrand aus verfolgte.


Natürlich wußte ich, dass die Band in den letzten Wochen und Monaten jede Menge neue Songs eingespielt hat und uns noch in diesem Jahr mit einem neuen Album erfreuen möchte. Aber was dann von der Bühne kam, überraschte mich doch. Mit fließenden Übergängen präsentierten "The Lateriser" in ihrem gut einstündigen Vortrag ausschließlich eigenes Material. Und das in deutscher Sprache! Gut so! Im Februar 2015 hatte "HH aus EE", der ebenso positiv von der jungen Band angetan war, im Internetforum "Mission Bühnenrand" die EP der Jungs rezensiert. Hartmut schrieb damals: "Schade, finde ich, dass dabei zunehmend auf Lyrik in deutscher Sprache (bewusst) verzichtet wird." Offensichtlich haben die Oelsnitzer diese Botschaft erhört und wandeln nun in den Fussstapfen der Altvorderen der ostdeutschen Bluesszene und tragen somit dazu bei, dass die Spezifik des ostdeutschen Blues/Bluesrock erhalten bleibt, auch wenn die DDR längst untergegangen ist. Wie man hörte, stand bei einigen Songs auch Peter Schmidt (East Blues Experience) Pate. Ein Name der für Qualität bürgt.


In Biesdorf legt man großen Wert auf Pünktlichkeit, wird doch Punkt 22:00 Uhr, zur Freude der Anwohner, der Stecker gezogen. Dennoch gewährte man der Band einen 'Nachschlag'. Und das war "Voodoo Child" von Altmeister Hendrix. Spätestens jetzt wurde dem Letzten klar, woher die Band ihre Inspiration bezieht.

Die Umbauphase war nur von kurzer Dauer, die gerade Mal zum Bier auftanken reichte. In Biesdorf hat man keine Zeit, will man allen drei Bands ausreichend Zeit zur Präsentation gewähren. Stichwort Zeit! Kaum zu glauben, aber es sind schon wieder 5 Jahre vergangen seit Frontfrau Jenny Kallabis (voc) die Band „Bluewater“ gründete und zum ersten Mal in Berlin auf die Bühne führte. Im heimischen Berlin kommen ihre Auftritte einem Heimspiel gleich; egal ob man gerade in Pankow, Prenzlauer Berg, Köpenick oder Hellersdorf auf der Bühne steht. Und inzwischen verfügt „Bluewater“ auch über eine stattliche Fangemeinde. Dementsprechend begeistert fiel auch der Empfang der Band in Biesdorf aus. Man weiß halt, „Bluewater“ ist erdiger, schweißtreibender Bluesrock transportiert durch die markante ‚Röhre‘ der zierlichen Jenny.

 

Seit der Bandgründung steht der ‚nicht ganz‘ so zierliche Joe le Vaux an Jennys Seite, der wie immer mit stoischer Ruhe den Bass bediente. Die Gitarre in dieser Band hält seit 2012 Jörg „Kulle“ Kula – der ex-Lausitzblueser – in den Händen und seit meiner Geburtstagsparty im letzten Jahr sitzt Jörg „Albi“ Albrecht hinter dem Schlagwerk. Alle samt sind gestandene Musiker und sind perfekt aufeinander eingespielt. Jenny, „The Voice of Bluewater“ steht bereits beachtliche vierzig Jahre auf der Bühne. Opener ihres reichlich 60-minütigen Vortrages war der Paul Rodgers-Song „Deep Blue“. Von Paul „The Voice“ Rodgers gab es noch mehr zu hören. „Wishing Well“ stammt noch aus seiner Zeit bei „Free“. Es dauerte auch nicht lange, bis sich die ersten Tänzer vor der Bühne einfanden. Spätestens jetzt wurde klar: „Bluewater“ ist eine Cover-Band. Doch ein bloßes Abspielen der Songs gibt es bei „Bluewater“ nicht. Diese Band lebt ihre Musik. Neben „Pride and Joy“ von SRV gab es dann auch – sehr zu meiner Freude – den J.J. Cale-Hit „Call Me The Breeze“.

 

Doch in ihrem Element ist Jenny bei Melissa Etheridge. Und bei der unvergessenen Janis Joplin läuft sie zur Höchstform auf! „Piece Of My Heart“ oder „Try“ von ihr interpretiert – einfach klasse! Doch der Kenner wusste: Dies war noch längst nicht alles. Als Zugabe folgt üblicherweise das a Capella gesungene „Mercedes Benz“. So auch an diesem Abend. Doch ausgerechnet hier versagte die Technik. Doch dies tat der Freude keinen Abbruch, denn das Publikum unterstützte Jenny stimmengewaltig!

Schon bis hierher war die Show ihren Eintrittspreis wert gewesen. Doch was nun folgte, war der blanke Budenzauber! Unglaublich, welch fetten Sound diese Drei-Mann-Combo auf die Bühne bringt.

In 2010 waren sie auf „A Dead Million-Tour“ in Deutschland unterwegs und wurden uns als "die Live-Sensation von der Insel“ angepriesen. Während dieser Tour fand auch mein erstes Zusammentreffen mit „The Brew“ statt. Und 'ne Sensation war es auch geworden. Mit diesem Abend in Biesdorf war es nun bereits unsere vierte Begegnung. Ich habe es nicht bereut. Und wie mir gleich zu Beginn auffiel, haben die Briten in den Jahren nichts an Spielfreude, Vitalität und Bewegungsdrang verloren. Maximal schien Frontmann Barwick an Selbstbewusstsein und Professionalität gewonnen zu haben.

 

Seit 2005 sind der junge Jason Barwick (voc, g), Papa Tim Smith am Bass und sein Sohn Kurtis, der den Abend über Schwerstarbeit am Schlagzeug leistete, nun schon gemeinsam auf der Bühne. Den internationalen Durchbruch erzielten sie wohl in 2008. Seitdem sind sie ständig präsent und liefern mit schöner Regelmäßigkeit Alben ab.

Ihr Opener in Biesdorf war „Repeat“ vom aktuellen Album „Control“. Schon bei dieser relativ kurzen Nummer brachten „The Brew“ alles auf die Bühne, was diese Band zu bieten hat: schmetternde Gitarrenriffs, spektakuläre Gitarrensoli, einen unheimlichen Drive und eine sehenswerte Bühnenperformance. Kein Wunder, das es nun plötzlich eng, sehr eng wurde vor der Bühne.

Es folgten „Mute“, „Pause“, Skip“, „Fast Forward“ und "Shuffle". Alles samt Titel von besagtem Album. Uns Älteren sagen diese Begriffe noch etwas; kennen wir sie doch von den Tasten unserer Kassettendecks. Das ‚riecht‘ förmlich nach einem Konzeptalbum (auch wenn ich es nicht kenne), wie wir es mit „Tommy“ von „The Who“ kennen; jener Band, die neben Hendrix und „Led Zeppelin“ mit Sicherheit zu ihren großen Vorbildern gehört.

Es folgten „Every Gig Has Got A Neighbour“ und „Kam“ vom Album „A Million Dead Stars“, welches in 2010 bei Jazzhaus Records erschienen ist. „Kam“ stellte, wegen seiner Länge (auf dem Album beachtliche 8:30 Minuten), an diesem Abend die absolute Ausnahme dar und entpuppte sich als wahre Spielwiese für den Gitarristen. Doch wenn Barwick mit seinem Geigenbogen die Gitarre malträtiert, setzt er noch einen oben drauf.

Doch dann kam der große Auftritt von Drummer Kurtis, der ein Schlagzeugsolo hinlegte, wie ich es lange nicht mehr erlebt hatte. In rasender Geschwindigkeit drosch er abwechselnd mit Sticks und bloßen Händen die Felle weich, und versetzte so nicht nur mich in Verwunderung.

 

Die Zeit verging wie im Flug und das zweistündige Feuerwerk hatte ein Ende. Manch einer hätte auch noch mehr vertragen können…

 

* 25. April 2015: Danny Bryant in Hannover-Isernhagen

Danny Bryant in Hannover-Isernhagen. Wir hatten noch nicht das Vergnügen. Aber er stand ganz weit oben auf meinem Wunschzettel. Ein gewichtiger Grund der Bluesgarage mal wieder einen Besuch abzustatten. Offensichtlich ging es nicht nur mir so. Denn angereist war man aus Hamburg, Gütersloh, Celle, Berlin, ja sogar aus Cottbus und Nordhausen, wie die Kfz-Kennzeichen der in der Industriestraße geparkten Wagen verrieten. Gut an die 200 Leute werden es schon gewesen sein. Und meine Wahl war goldrichtig. Es gab nichts zu bereuen! Das war erdig-schweißtreibender Bluesrock dargeboten von einem jungen Gitarristen (Jahrgang 1980), der sein Handwerk perfekt beherrscht. Das Foto- und Filmmaterial steuerte dieses Mal Martin Knaack bei, so dass ich mich voll und ganz auf die Show konzentrieren konnte. (Danke, Martin!)

 

Der Hausherr verlor nicht viele Worte. Hier kannte man ihn, auch wenn Bryant 2008 das letzte Mal in Isernhagen gastierte. Schon mit der ersten Nummer wurde es ziemlich laut und rockig. Auffallend der ‚fette‘ Sound.

Bryant ist eine Art Schwerstarbeiter in Sachen Bluesrock. Mit schöner Regelmäßigkeit liefert er neue Alben ab. Auf „Hurricane“, welches im April 2013 bei Jazzhaus Record erschienen ist, folgte schon im August 2014 das viel beachtete Album „Temperature Rising“.

An diesem Abend bot er uns einen Querschnitt seines Schaffens. Eine Set-Liste war nirgends zu entdecken, sodass ich die Titel hier schuldig bleiben muss. Aber wie auf seinen Alben wechselten kraftvolle, rockige Nummern und langsame, gefühlvolle Balladen einander ab. Und genau bei den langsamen Stücken wurde es fast gänzlich still im ‚Saal‘. Alles wartete darauf, welche wundersamen Töne er seinem Arbeitsgerät entlocken wird. Durch kurze Pausen gekonnt in Szene gesetzt, kam sein virtuoses Gitarrenspiel erst bei jenen Nummern so richtig zur Geltung. Verzückt wurden immer wieder Rufe aus den Publikum laut: „Don’t stop!“, „Hör‘ nicht auf!“. Wahnsinn!

So geschehen auch bei „Girl from North Country“. Einzigartig wie Bryant den Dylan interpretiert. Spätestens nach dieser Nummer war auch meine Begleiterin begeistert, die üblicherweise nur bei Marusha, WestBam & Co. ‚ausflippt‘. Es war nicht das einzige Cover. Auch seine Art und Weise „Knockin’ On Heavens Door“ zu spielen, gefiel mir außerordentlich. Doch der äußert ruppig gespielte „Hoochie Coochie Man“ war in meinen Ohren der Höhepunkt.

Die RedEyeband ist seit einiger Zeit Geschichte. Bryant tritt nur noch unter seinem Namen auf und wird von Axel Phillips (b) und Trevor Barr (dr) begleitet.

 

Fazit: Die weite Reise hat sich mal wieder gelohnt. Ich erlebte einen äußerst spielfreudigen jungen Bluesmann – einen echten Malocher, der nichts weiter als ein Bass und ein Schlagzeug benötigte, um die Garage zum kochen zubringen. Und der die Gitarrensaiten bis zum Anschlag dehnte, bis sie zu wimmern und zu schluchzen begannen.

Thank you, Danny for the great show!

* 04. April 2015: The Lone Crows in der Extra Blues Bar Bielefeld

* 21. März 2015: Blues Pills + support im Astra/Berlin

 

Endlich hat es geklappt!

Spätestens als ich zum ersten Mal „High Class Woman“ gehört hatte, war klar, dass ich mir diese Band nicht entgehen lassen darf. Nun endlich hatten wir unser erstes Date! Ich sehe förmlich wie bei dem Namen „Blues Pills“ sich bei so manchem Blues-Hardliner die Fußnägel rollen. Bei mir rollte gar nichts. Es hat nur unheimlich gerockt! Trat die Band noch im letzten Jahr im Bi Nu auf, war es dieses Mal das Astra, welches schon bei meinem Eintreffen fast bis auf den letzten Platz gefüllt war.

 

Begonnen hatte der Abend mit den US-Rockern von „Jex Toth“. Seit 2007 treibt diese Band ihr düsteres Geschäft und bewegt sich stilistisch zwischen Psychedelic und Metal; genauer Doom Metal. (Keine Ahnung was das ist, bin doch Blueser!) Einziger Höhepunkt mag wohl die Stimme der Frontfrau Jessica Toth gewesen sein, doch selbst die sollte an diesem Abend noch überboten werden.

Danach folgten „Truck Fighters“. Sie waren nicht zum ersten Mal in Berlin und hatten offensichtlich schon eine beachtliche Fangemeinde ins Astra gelockt. Die Schweden jedenfalls taten alles, um die Stimmung im Saal anzuheizen. Und ich fieberte dem Auftritt der „Blues Pills“ entgegen.

 

Um es gleich vorweg zunehmen, ihr Auftritt wurde zum erwarteten High-Light! Blues-Rock der allerersten Güte! Es dauerte auch nicht lange, bis die Stimmung im Saal drohte überzukochen. Dafür sorgte vor allem die unglaubliche Stimme der jungen Schwedin Elin Larssons, die ich bislang nur aus der Konserve kannte, getragen vom typischen Groove der Pills. Zuständig dafür waren Andre Kvarnström (dr) und Zack Anderson am Bass. Wem das noch nicht erreichte, der wurde spätestens durch die exzellente Gitarrenarbeit des jungen Franzosen Dorrian Sorriaux in seinen Bann gezogen.

Schon nach ihrem ersten Deutschland-Besuch feierte der „Metal Hammer“ diese Multi-Kulti-Band als

„die Helden von Morgen!“. Dem ist nichts hinzuzufügen. Und mit Sicherheit werde ich mir ihren nächsten Auftritt nicht entgehen lassen. Bis dahin halten wir uns an „Wucan“ aus Dresden.

 

Und noch etwas: „High Class Woman“ bleibt auch nach dem Konzert bis in alle Ewigkeit einer meiner Lieblingssongs!

 

* 16. März 2015: Paul Simon & Sting in der O2-World Berlin

* 7. März 2015: T. Risager & Black Tornado im Schützenhaus Altdöbern

Es wird immer enger. Schon am Vorabend ‚buhlten‘ in Berlin nur wenige Kilometer voneinander entfernt Jürgen Kerth und Kris Pohlmann um die Gunst des Publikums. Am Samstag wurde es noch schlimmer: K. Pohlmann in Forst, „The Bands of Friends“ in Torgau und im legendären Schützenhaus erwartete man Besuch aus Dänemark. Hilfe, die sächsisch-preußische Blues-Szene dreigeteilt! Und dennoch war das Schützenhaus gut besucht. Es musste sich herumgesprochen haben, dass ebenda eine europäische Spitzenband zu Gange sein wird.

Man ließ uns lange warten. Es dauerte bis kurz vor zehn Uhr - dann endlich eröffnete Veranstalter Gerd Lau den Abend. Aber wir hatten ja DJ Bunzel und die Theke! Gerd ist übrigens auch so eine Art Legende; hat er doch schon zu DDR-Zeiten den Blues nach Altdöbern geholt.

 

Dann endlich betrat das dänische Orchester die Bühne. Diese hatte man zum Glück schon im letzten Jahr erweitert, so dass die Dänen ausreichend Platz fanden. Irgendwo hatte ich gelesen, dass die Band inzwischen zum Oktett gewachsen sei. Doch so sehr ich mich auch anstrengte, ich konnte nur sieben Herren zählen.

Der Meister, der die deutsche Sprache auffallend gut beherrscht, eröffnete den Abend mit den Worten: „Let’s have a party!“. Und eine feine Party wurde es dann auch. In Altdöbern muss man das Publikum nicht lange bitten. Schon bei der ersten Nummer „If You Wanna Leave“ tanzte das Publikum den Blues. Das war ja auch ein Wahnsinns-Kracher. Ganz nach meinem Geschmack. Nein, Blues ist das nicht wirklich. Die Band wechselte permanent die Musikstile von Rock‘n Blues über astreine Soulnummern bis zum Rock‘ n Roll eines Jerry Lee Lewis. Kein Problem! Langweilig wird es jedenfalls nie.

Es folgte mit „Burning Up“ eine frühe Nummer aus dem Jahr 2006 und dann mit „Paradise“ und „Drowning“ zwei Glanzstücke aus dem aktuellen Album „Too Many Roads“. Spätestens bei „Drowning“ konnten die Bläser ihr ganzes Können unter Beweis stellen. Ich mag derart perfekt arrangierte Bläserunterstützung. Übrigens, deren Choreografie war auch nicht ‘von schlechten Eltern‘! Und dann irgendwann kam auch der Titelsong dieses Albums, der dem Opener des Abends in nichts nachsteht und sehr dazu angetan war, das Publikum mitzureißen. Doch es sollte noch besser werden. Mit „Rock’n Roll Ride“ vom Album „Track Record“ aus 2010 hatte kurz vor der Pause die Fieberkurve im Saal ihren Höhepunkt erreicht.

 

Es folgte eine Pause, welche meiner Meinung nach viel zu lang ausfiel. Die Stimmungskurve im Saal ging rapide gen Null. Erste Rufe und Pfiffe waren zu hören. Doch die waren alsbald verstummt. Mit „High Rolling“ begann das zweite Set, so wie das erste Set geendet hatte. Übrigens, mit ein wenig Phantasie geht Thorbjörn Risager glatt weg als Elwood Blues durch. Einige der folgenden Nummern erinnerten dann auch an die legendären Bluesbrothers. Doch auch dieser Abend fand ein Ende. In Altdöbern waren einmal mehr Musiker der Extraklasse zu Gast gewesen. Jeder Einzelne beherrschte perfekt sein Handwerk. Fetzige Gitarrenriffs und eine bestechende Stimme eingebettet in einem voluminösen Soundteppich machten den Abend zu einem einmaligen Erlebnis. Wie hatte doch Martin Knaack, der Rock-Caterer aus Hannover-Isernhagen, auf Youtube formuliert: „Diese Band ist ein Naturereignis“. Dem ist nichts hinzuzufügen!

* 07. Februar 2015: 8. Lübecker Bluesnacht

Eine Bluesnacht in Lübeck ohne Bertram Scholz ist kaum vorstellbar. So war es nicht verwunderlich, dass Bertram, der uns als Special guest angekündigt worden war, auch die 8. Lübecker Bluesnacht eröffnete.

Und diese Nacht wurde eine lange, sehr lange Nacht, soviel sei schon mal vorweg genommen. Die Veranstaltung fand im Live-Club des CVJM in der Großen Petersgrube 11 statt, in dem auch regelmäßig Blues-Sessions durchgeführt werden. Der Klub war bis auf den letzten Platz gefüllt, und den hatte ich! Immer wieder lese ich bei so manchen BERICHTERSTATTER-Kollegen: Vielen dank für die problemlose Akkreditierung. Mich muss man nicht akkreditieren, ich bin einfach da!

 

Scholz, der einst Gründungsmitglied der legendären Lübecker Band „Blues Transfer“ war und seit 2002 meist solistisch unterwegs ist, hatte sich ‚Freunde‘ mitgebracht. Eine ‚Freundin‘ war auch dabei. Maritta Hamratz war für den Gesang zuständig.

Diese Formation versprach uns gleich zu Beginn ‚Old Man Blues‘. Und eine Zeitreise zu den Anfängen der Bluesgeschichte wurde es dann auch. Ihr Auftritt währte eine gute Stunde und reichte von Jimmy Reed bis Robert Johnson. Der mit Abstand älteste Musiker auf der improvisierten Bühne, war zugleich der agilste. Mit Blues-Harp und allerlei Gerätschaft wie Waschbrett und Bongo peppte er den Vortrag der Band auf.

 

Der nachfolgende Act war „Bluesm@il“. Die Truppe um Gitarrist Alfons Krause (Jahrgang 1950) ist aus der Lübecker Blues-Szene nicht mehr wegzudenken. Gemeinsam mit Bassist Ulrich Axler gründete Krause, der sich mit seiner Fender-Strat ebenso wohl fühlt wie mit der Slide-Dobro, 1998 die Band, die bereits zweimal im Finale der GBC stand und in 2009 zum Publikumsliebling gewählt worden ist. To Keep the Blues Alive – ist das Motto der fünf gestandenen Musiker.

Gestanden – dieses Attribut trifft in allererster Linie auf den Schlagzeuger der Band zu. Ferdi Peters, der erst drei Tage zuvor seinen 70. Geburtstag feiern konnte, ist ein echtes Urgestein. Über 30 Jahre lang hat er an der Seite von Udo Wolff das Gesicht der legendären Band „Das Dritte Ohr“ geprägt.

An den Tasten saß Frank Schedukat aus Flensburg. Es war zugleich sein letzter Auftritt mit „Bluesm@il“, da er sich neu orientieren möchte. Wer ihn künftig ersetzen wird, wurde uns an diesem Abend noch nicht verraten. Man munkelt es könne ex-Renft-Drummer Jochen Hohl sein, wurde er doch schon bei „Bluesm@il“ an den Tasten gesehen.

Für den nötigen Speed sorgte Harper und Sänger Rüdiger Voigt.

Und spritzig ging es gleich mit der deutschsprachigen Eigenkomposition „Cheryl, du redest zu viel“ los. Es blieb nicht die einzige deutschsprachige Nummer. In ihren Songs erzählen sie Alltagsgeschichten, zum Teil mit tiefschwarzem Humor, vorgetragen von einer gut aufgelegten Band. Natürlich gab es auch einige Klassiker wie „Walking by Myself“ zu hören. Howlin Wolf’s „Little Red Rooster“ geriet durch Voigt zu einer ausgesprochen ‚schmutzigen‘ Version, die mir außerordentlich gefiel. In dem Stil ging es dann mit „Baby, what you want me to do“ von Jimmy Reed weiter.

Als dann „Lass die Fetzen fliegen“ erklang, trat Zaza mit ihrer Klarinette ans Mikrofon. Ein derartiges Instrumentarium beim Blues ist wohl mehr als außergewöhnlich, aber durchaus hörenswert. Die eher gedämpften, dunklen Töne passten sich hervorragend dem Sound der Bluesm@iler an. Beeindruckend war schon die Zwiesprache, die Zaza auf ihrer Klarinette abwechselnd mit Voigt und Krause hielt.

Inzwischen war auch der letzte Gast im ‚Saal‘ erwacht und die störenden Gespräche verstummt. Vermochte doch die Band mit ihrem rasant dargebotenen traditionellen Blues die volle Aufmerksamkeit des Publikums zu erwecken. Als sie es dann mit „Flip, Flop and Fly“ und „You Got To Move“ nochmals so richtig krachen ließen, war es fast Mitternacht. Zeit für die nächste Band.

 

Die „Crazy Hambones“ an dieser Stelle vorzustellen erübrigt sich, gehört doch diese Band seit Jahren zur Spitze der deutschen Blues-Szene. Dort wo die drei Herren auftauchen bleibt ‚kein Auge trocken‘. Kaum hatte Henry Heggen, der ‚Sonnyboy‘ aus Florida, wie er von Bandgründer und Boogie-Drummer Micha Maass aus Berlin vorgestellt worden war, das Bluesvolk mit: „Have a good time?“ begrüßt, passierte etwas Unvorstellbares. Selbst in dem hoffnungslos überfüllten Klub begann man zu tanzen. Die international besetzte Band, die seit Jahren zwischen Hamburg und Berlin pendelt, versteht es immer wieder ihr Publikum zu begeistern. Mit Schlagzeug, Gitarre - welche bei den Hambones seit 2011 der Engländer Brian Burnett fest in seinen Hände hält - Harp und Gesang konzentrieren sich die drei Herren auf das Wesentliche und offerieren ihrem Publikum eine Non-Stop-Zeitreise durch die Bluesgeschichte. So auch an diesem Abend in Lübeck. Freuen wir uns auf die nächste Begegnung. Dann sicherlich wieder im heimischen Berlin!

 

 

* 06. Februar 2015: WINTERBLUESFESTIVAL in Bremerhaven

* 16. Januar 2015: Jessy Martens & Band im Bielefelder Jazz Club

* 10. Januar 2015: 20. Neujahrsblues mit der Jonathan Blues Band & Gästen

Fotos by Bettina Gebhardt

Na, das war ja wieder einmal ein grandioser Start ins neue Konzertjahr. Bereits zum zwanzigsten Mal hatte die Jonathan Blues Band zum Neujahrsblues in die Berliner WABE gebeten. Diese Veranstaltung ist inzwischen KULT. Und wie immer brachten die Jonathans hochkarätige Musikerkollegen mit in die ausverkaufte WABE.

 

Inzwischen habe ich schon unzählige Konzerte mit dieser Band erleben können. Unsere erste Begegnung fand irgendwann und irgendwo im Gründungsjahr 1980 statt. Ich erinnere mich nicht mehr. Damals schon favorisierte ich die Jonathans neben Engerling, Monokel und Passat. So lange währt schon unsere ‚Freundschaft‘. Alte Liebe rostet nicht! Die letzte Begegnung fand im Sommer 2014 auf dem Open Air in Milow statt. Was sofort auffiel, die Band kam an diesem Abend viel frischer als damals in Milow rüber. Die Spiellaune stand ihnen ins Gesicht geschrieben.

 

Kurz nach 21:00 Uhr betraten Peter Pabst (voc, g), Hagen Dyballa (b, voc) und Mattias Fuhrmann (dr) die Bühne und entfachte ein Dauerfeuer. Wie üblich, bekamen wir im ersten Set einen Ausschnitt aus dem Repertoire der Band geboten, der da reichte von „Heartbreake Train“ bis „Daddy‘s Boogie“. Nicht zu vergessen, den „Doktor“! Allererste Güte! Spätestens beim „Katzenfreund“ kamen mit Gerhard „Hugo“ Laartz (keyb) und Bernd „Kuhle“ Kühnert (g) die ersten Gäste auf die Bühne.

 

Doch damit nicht genug. Bei „Daddy’s Boogie“ eilte die junge Polin Beata Kossowska den Männern zu Hilfe. Beata, die ihren Wohnsitz vor einigen Jahren nach Deutschland verlegt hat und hierzulande bereits als „The First Lady of Bluesharp“ gehandelt wird, war zum ersten Mal beim Neujahrsblues dabei. Es war auch unsere erste Begegnung, obwohl sie schon seit geraumer Zeit mit Eberhard Klunker zusammen arbeitet (… und zum Bluesfest in Seelow mit der neugegründeten Ufholz&Klunker Band anreisen wird). Das war schon erstaunlich, was die Frau auf der Harp zu bieten hatte. Das meinten offensichtlich auch die Herren - allen voran der Blues-Pabst –, die sich durch ihre Anwesenheit immer wieder zu Improvisationen verleiten ließen. So hatte ich „Daddy’s Boogie“ noch nie gehört. Nach Monokel-Kuhles Einsatz bei „Peter Gun“ folgte mit „Not Again“ eine Nummer aus der Feder der Kossowska, bei der sie immer wieder mit ausgedehnten Harp-Soli brillierte.

 

Dann betrat eine weitere Dame die Bühne. Die Grand-Dame der ostdeutschen Rock- und Bluesszene Christiane Ufholz (Jahrgang 1947) begeisterte das Publikum mit ihren Interpretationen von Klassikern wie „Stormy Monday“ oder „Funky Broadway“ in gewohnter Art. Das ist schon erstaunlich, musste sie doch erst unlängst aus gesundheitlichen Gründen eine Zeitlang pausieren.

 

Man gönnte sich und uns eine Pause. Nach der Pause schlug die Stunde des Rockhaus-Frontmannes Mike Kilian (voc). Auch er zählt seit Jahren zu den Stammgästen der Jonathans. Mit ihm ging es international weiter – von „Oh Well“ bis „Georgia“. Natürlich durfte der Stones-Klassiker „Last Time“ nicht fehlen. Bei dem Song war Rockhaus-Mike in seinem Element; führt er doch auch die Stones-Cover-Band „Starfucker“ an.

 

Nach zwei herrlichen Zugaben – weit nach Mitternacht – machte sich das Bluesvolk zufrieden auf dem Heimweg. In der Menge etliche bekannte Gesichter aus der Berliner Musikszene.