Nach dem Ende der  "Twister Blues Band" aus Leipzig gründeten Frank „Fruchtel“ Weiss, Wolfram Schanze (heute „Feelmen“) und Uwe „Suppe“ Süptitz die Band „Wildwuchs“, die vor allem R. Gallagher und J. Winter coverte. Doch lange Bestand hatte „Wildwuchs“ nicht.

Als Silvio „Whisky“ Haike (voc, harm) Anfang 1985 die „Justus Blues Band“ – später nur noch kurz „Justus“ genannt – ins Leben rief, wechselte „Suppe“ (dr) zu „Justus“. Ein Jahr später folgte ihm auch „Fruchtel“ Weiss (g, voc).

Auch „Whisky“ hatte zuvor schon reichlich musikalische Erfahrungen bei „Storm“, „FRAPT“ (mit Tino Standhaft), „Kanapee“ und „Zinnober“ gesammelt.

Zur Gründungsbesetzung von „Justus“ gehörten außerdem Uwe Thomas (b) und Maic Gärtner (g). Gärtner wurde 1987 von Lutz Winkler (g, voc) ersetzt. Weitere Mitglieder der Band waren Frank „Glatze“ Träger (dr), Hans – Jürgen Hölzel (keyb/Studioteam Leipzig), Rico Recht (b) und Frank Zoller, der heute bei „Cybil Caprice“ und „Beat Club Leipzig“ spielt. Als Frontmann „Whisky“ von Anfang 1990 bis Juli 1991 pausierte, übernahm Matthias „Mattel“ Pietsch das Mikrofon. Nach gut 10 Jahren merkte man, dass ‚die Luft raus war‘ und sich Lust auf Veränderungen breit machte. Das Ende von „Justus“ wurde am 15. Dezember 1995 nach einem Konzert in Heiligenstadt besiegelt (vielleicht sogar begossen!).

 

Die Band hat ihren Ruf als ‚Kultband‘ aus den 1980er Jahren bis in die heutige Zeit retten können. Kein Wunder, waren doch bei den Konzerten stets die ‚Hölle‘ los. Bespielt wurden fast alle angesagten Säle der damaligen Zeit vom Amorsaal Mühlsen, der Linde in Affalter, dem Löwen in Ebersbrunn bis zum Zollhaus in Ruhland. Selbst der legendäre „Erich-Franz-Klub“ in Berlin-Prenzlauer Berg war vor den Sachsen nicht sicher. Und im heimischen Leipzig sah man „Justus“ vor allem in der Central-Halle Gaschwitz, dem Anker oder dem Haus Leipzig. Sogar ins Ausland - die damalige Sowjetunion – ließ man „Justus“ reisen.

„Justus“ blieb bis zur Auflösung eine Liveband und zog noch in den 1990er Jahren ihr treues Publikum an. Schließlich gab es nach der Wende auch neue Möglichkeiten. So ist beispielsweise das gemeinsame Konzert mit Chris Farlowe 1992 im Lindensaal Markkleeberg bis heute bei der Band und ihren treuen Publikum in Erinnerung geblieben.

Wurden anfänglich vor allem Rory Gallagher, SRV, Johnny Winter, „Cream“ und die Stones gecovert, änderte sich das schnell. Bald fanden sich auch Nummern von „Molly Hatchet“, „Steamhammer“, „AC/DC“, Mitch Ryder und „Mother’s Finest“ im Repertoire der Band wieder. Natürlich hatte die Band auch eigenen Nummern wie „Ludwig Leisetreter“ im Programm. Der Text dieser Nummer stammt von Maic Gärtner.

 

Viele der ehemaligen Mitglieder haben bis heute nicht vom Rock‘ n Roll lassen können.

„Whisky“, der schon Anfang der 1990er Jahre gelegentlich als Gast bei „Peters Deal“ und „Mama Basuto“ auftrat, spielte von 1993 bis 1996 zusammen mit Peter Kautzleben und „Erbse“ Moser bei „The Golden Blues Boys“. Nach dem Ende von „Justus“ traf er auf Andreas Schrödter (b) und Steffan Glück (g). „Whisky & Sentimental Boys“ war geboren. Am Schlagzeug der Band saß Günther „der Stumme“ Jannocha. In 2000 siedelte „Whisky“ nach Bremen, wo er die Firma JustMusic gründete und u.a. „East Blues Experience“ managte.

„Fruchtel“ spielte lange Jahre bei der Leipziger Bluesrock-Formation „Dr. JENNZ“ und Frank „Glatze“ Träger spielt noch heute an der Seite von „Codse“ bei „Mama Basuto“.

Lutz Winkler leitet seit 2000 eine private Musikschule in Annaberg-Buchholz, spielte neben "Justus" auch bei der "Impress Bluesband", "Rapunzel", "Missing Link", "Soul'n B", "Gipsy", "Bianca Aristia" und wirkte bei diversen Studioproduktionen mit. Aktuell treibt ihn noch die allseits beliebte Band „FED ZEPPELIN“ aus dem Haus.

 

So ist es nicht verwunderlich, dass „Whisky“ nach seiner Rückkehr nach Leipzig im April 2014 die ‚Fäden neu geknüpft hat‘ und nach 20jähriger Pause „Justus“ zurück auf die Bühne bringt.

Zur aktuellen Besetzung gehören:

„Whisky“ (voc, harm), „Glatze“ (dr), „Fruchtel“ (g, b-voc), Lutz Winkler (g, b-voc) und Jens „Justus“ Liebig (b). Leider steht der langjährige Bassist Uwe Thomas aus beruflichen und privaten Gründen nicht zur Verfügung. Seinen Part übernimmt Liebig aus Zwickau, den wir von „Backdoor“ her kennen. Als Gast wird Maic Gärtner (g) im Mai 2015 beim ersten Konzert auf der Bühne stehen, wenn uns „Justus“ Altes frisch aufpoliert serviert und mit Neuem überrascht.

(April 2015)

 

nachfolgende Fotos mit frdl. Genehmigung von Silvio Haike aus Leipzig

 

 

Justus 1987 im Kulturhaus "Völkerfreundschaft" Leipzig

Justus 1986 open Air Burg Mylau

Justus 1985 im Eiskeller Leipzig

Justus Steinbrücken Open Air 1988

April 2015

 

Folgende interessante Begebenheit aus dem Leben der Leipziger Band „Justus“ möchte ich dem User nicht vorenthalten. Betiteln könnte man die Geschichte mit

 

Danke, Richard Hagel oder Blues verbindet!

 

Mitte der 1980er Jahre – „Justus“ hatte gerade so richtig Fahrt aufgenommen – fehlten im Mundharmonika-Bestand ihres Frontmannes „Whisky“ mindestens 3 Tonarten. ‚Lippenfetzer‘ aus Klingenthal waren 'mal wieder nicht zubekommen; auch nicht unter dem Ladentisch. Das Westgeld war aufgebraucht und die Schwarzhändler dealten ‘eh lieber mit teurem Equipment als mit einer Bluesharp. Auch Freund und Kollege Igor Flach, der zu dieser Zeit bei der „Passat Blues Band“ in Berlin spielte und in derartigen Notfällen bislang immer wieder helfend unter die Arme gegriffen hatte, war machtlos.

Da fiel „Whisky“ durch einen glücklichen Umstand ein westdeutsches Musikmagazin in die Hände. Derartiges war offiziell in der DDR nicht zu haben. Mit großem Interesse ‚verschlang‘ er den Artikel über die „PeeWee – Bluesgang“ aus Iserlohn, die schon damals zu einer der führenden Blueskapellen in Europa gehörte. In seiner Verzweiflung schrieb „Whisky“ hilfesuchend an die im Artikel benannte Kontaktadresse.

Schon kurze Zeit darauf klingelte der Postbote an Whisky’s Tür und drückte ihm mit den Worten: „Hier, aus’m Westen!“ ein Paket in die Hand. Mit unbeschreiblichen Glücksgefühlen und Beklemmung zugleich, öffnete er das Paket, indem sich das Gewünschte inklusive einer ‚Taschenlampe‘ – wie man die Harpmikrofone in Fachkreisen nannte – befand. Unfassbar, hatte doch der ‚Westler‘, der mit Sicherheit noch nie etwas von „Whisky“ und dessen Leipziger Bluesband gehört hatte, uneigennützig geholfen. Solidarität unter Musikern!

Den beigefügten Brief mit den freundlichen und aufmunternden Worten von Richard Hagel hat später das MfS beschlagnahmt. Sein Inhalt jedoch ist „Whisky“ bis heute im Gedächtnis geblieben und jedes Mal wenn er die Harp bläst oder etwas über die Gang liest, denkt er voller Dankbarkeit an diese Begebenheit zurück.

„Musik und Alles was dazu gehört überwindet jede Hürde und erst recht MAUERN und GRENZEN. Danke, Richard Hagel!“ (Originalton Silvio Haike)

 

(April 2015)