Seit 2009 erfreuen uns Marius del Mestro und Kontrabassist Akki Schulz als Duo „SCHERBEkontraBASS“ mit ihrem ‚Kammer-Punk‘, pflegen den Scherben-Mythos und halten die Erinnerung an Rio Reiser wach. Und nun das!

 

Im letzten Jahr verspürte Joachim „Akki“ Schulz (Jahrgang 1963), der im Mansfelder Land zu Hause ist, Lust auf etwas Neues. Akki ist in der Hallenser Musikszene bekannt wie der sprichwörtlich bunte Hund, so dass er leicht auf Gleichgesinnte traf und im Herbst 2014 ein Zweitprojekt des freischaffenden Musikers und Komponisten entstand.

Gemeinsam mit Thomas „Fisch“ Fischer (g) und Gerd Hoppe (dr, voc) gründete Akki (voc, b) die Band „Akkitation“. Ursprünglich dachte man nur an eine kurzeitige Geschichte; wollte gemeinsam eine CD einspielen. Offensichtlich hat man bei der Arbeit im Studio ‚Blut geleckt‘, denn das Blues-Trio hat inzwischen auch mehrere Konzerte gegeben. Weitere Konzerte werden folgen. Ihr Erstlingswerk „Schön langsam (Hey, Hey!)“, welches zwischen November 2014 und März 2015 aufgenommen worden ist, ist nun auch erschienen und liegt hier vor mir auf dem Tisch. Die Record-Releaseparty am 15. Mai auf der Waldbühne am Peißnitzhaus in Halle an der Saale wurde ein voller Erfolg. Auch mir wohl bekannte Besucher des diesjährigen Freygang-Open Air in Torgau waren von „Akkitation“ angetan. Ich war also gespannt!

 

Nicht nur, dass B.B. King einen Tag vor dem Debüt verstorben ist, lese ich doch im Booklet: „Gewidmet Johnny Winter, der am 16. Juli 2014 auf Tour in der Schweiz verstarb“. Unweigerlich dachte ich, ich würde tieftraurigen Blues zu hören bekommen. Aber dann lese ich weiter:

„Ich wünsche allen Hörerinnen und Hörern dieser CD echtes Vergnügen daran. Lasst euch berühren vom Leben, in seiner ganzen Fülle, lacht auch mal über euch selbst. Und wenn der Blues anklopft, lasst ihn rein, er bringt euch nicht die Schwermut, sondern durch sie hindurch.“

Und als ich dann die Scheibe anspiele, bekomme ich ein munteres, beschwingtes Liedchen zu hören. Und in der Art setzt es sich fort.

 

Wer nun glaubt, er bekäme hier eine ausführliche Besprechung zu lesen, ist bei mir (wie immer) an der falschen Adresse. Dies würde doch den Erwerb der Scheibe und/oder einen Konzertbesuch überflüssig machen. Oder?

Nur so viel sei verraten: Nicht nur wegen der teils ironischen Texte, sondern auch musikalisch gesehen, würde ich „Akkitation“ in die gleiche Schublade wie die „Männerversteher Bluesband“ aus dem Nuthetal oder

„Mister Blues“ aus OWL einordnen wollen. Alle neun Songs bekamen von Akki Schulz deutsche Texte verpasst, auch wenn die Originale u.a. von Johnny Winter oder Paul Simon stammen. Bei „Mann im Ohr“, „Mann & Frau (sind so verschieden)“ und „O Baby“ stammt auch die Komposition von ihm. Stilistisch ist die Scheibe zwischen Country-Blues und Blues-Rock angesiedelt. Manches swingt sogar ein wenig.

Zu meinem persönlichen Favoriten habe ich übrigens „Zuckersüß“ erkoren. Dies liegt möglicherweise an der feinen Bluesharp, die hier übrigens Thomas Schied bläst. Gastmusiker gibt es auf der CD jede Menge zu hören: Michael „Glucky“ Glucharen (Trompete, Posaune, Orgel), Yevhen Larin (Altsaxofon), Ivo Nitschke (Vibrafon), Adrienne Gaibulgar (Gesang) und Hannes Scheffler (akustische Gitarre, Percussion).

Fazit: Erneut tritt eine Blueskapelle den Beweis an, dass Blues und deutsche Lyrik durchaus miteinander können!

(Juni 2015)

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