Michael Linke und GALA von Monokel

* 12.04.2008: Lange Bluesnacht in Finsterwalde
Es ist Samstagnachmittag. Ich krame meine "Tramper" hervor und mache mich auf den Weg nach Finsterwalde. Die Reise wird nicht so beschwerlich wie einst, als ich noch trampte quer durch die Republik. Gegen 20:00 Uhr treffe ich in Radigs Brauhaus ein. Ich traue meinen Augen nicht. Vor dem Eingang stehen sie, die "Kunden" im Originaloutfit von damals. Es gibt sie also immer noch. Ich bin nicht allein. Der Saal ist klein, winklig und besetzt bis auf den letzten Platz. Es ist eng. Ich bestelle mir ein frischgebrautes und warte. 21:30 Uhr. Lefty, Kuhle, Dicki und der Basser betreten die Bühne. Die Post geht ab. Ohne Unterbrechung bis 23:30 Uhr spielt Monokel das ganze alte Zeugs von damals und wir alten Männer sind glücklich.



Plötzlich bin ich umgeben von lauter Typen im Freygang-Shirt. Die Band kommt. Der Laden brummt. Weniger Blues, mehr Rock. Aber so wie ich Freygang von früher kenne. Gegen 03:00 Uhr verlasse ich den Laden und denke: es ist wie früher. Nein, ist es nicht. Früher hätte ich mir irgendwo ein Nachtlager suchen müssen.

* 31.05. 2008: Parkbühne Berlin-Biesdorf
Ist das wirklich das Ende der East Blues Experience, einer hervorragenden Band, die 1991 gegründet wurde und Bluesgrößen wie Luther Allison und Carey Bell quer durch Europa begleitet hat. Es ist zumindest das Abschlusskonzert ihrer V10-Reunion-Tour, die im Februar 2008 begann, und die Band nochmals quer durch die Bundesrepublik führte.
20:00 Uhr. Es ist soweit. Peter Schmidt, Ronny Dehn und Rainer Engelmann betreten die Bühne. Begleitet werden sie von einem Keyboarder und einer Sängerin. Ich traue meinen Augen nicht. 3 Go Go - Girls verschönern uns den Abend. Und das beim Blues. Einmalig!
Zwei Stunden exzellenter Blues und eine enorme Klangfülle, dargeboten von hervorragenden Musikern. Neben Stücken vom neuen Album gibt es auch frühere Kompositionen und meisterhaft dargebotene Coverversionen. Kein EBE-Konzert ohne Schmidts Alabama. Ob wir jemals EBE noch einmal gemeinsam auf einer Bühne erleben werden, blieb an diesem Abend offen.

* 06.06.2008: 33 Jahre Engerling
Das war wohl die schrillste locations, die ich bisher erlebt habe. Etwa 600 "Altblueser" versammelt auf dem Betriebshof einer Schnapsbrennerei. Als Bühne musste die Laderampe des Auslieferungslagers herhalten. Und ausgeliefert wurde an diesem Abend ein ganz besonderer Kräuterschnaps "33 Jahre Jahre Engerling" . Ein Gag der Schilkin GmbH&Co KG. in Berlin.


22:30 Uhr ist endlich soweit. Boddi Bodag gibt zu verstehen, es sei sein kürzestes Jubiläumskonzert. Aber er hätte ja noch einige Jubiläen vor sich.

* 27.06.2008: Scirocco in Berlin-Biesdorf
Scirocco
war der Hauptact an diesem Abend. Nach über 30 Jahren ein Wiedersehen mit dieser Band. Sie spielen die alten Kracher: Also Leute stellt die Stühle hoch, Sagen meine Tanten und Weiße Taube, jenen Song mit dem sie es bis auf die Bühne von "Rock für den Frieden" geschafft habe und auch gleich wieder verboten wurden.



Danach Rockklassiker. Für mich schön mal wieder In A Gadda Da Vida von Iron Butterfly gehört zu haben. Und natürlich gab es Songs vom letzten Album "Noch lang' nicht vorbei" aus 2002.
Nein! Vorbei ist es noch lange nicht!

* 25.07.2008: Sun Flowers Festival in Freiberg
Gegen 20:00 Uhr treffe ich in Freiberg ein. Ein Hauch von Woodstock weht mir entgegen, als ich das großzügige Festivalgelände betrete. Schon von weitem dröhnt mir der Bluesrock entgegen. Auf der Sun Flower Stage bemüht sich Mojo, eine junge Band aus Dresden, die Leute anzuheizen.
Pünktlich um 21:00 Uhr betritt Andre "AGP" Greiner-Pol die Bühne und spielt auf der Geige das intro.
"der Blues muss bewaffnet sein - sonst glaubt dir kein schwein", so lautet das Motto von Freygang. Und er war bewaffnet an diesem Abend. "Das Lumpenlied", "Die Alchimisten von heute" und "Steil und geil" folgen. Vorrübergehend kehrt der Friede ein, als Tatjana die Bassgitarre an AGP weitergibt und an das Mikrofion tritt.
Der Rausschmeißer an diesem Abend: "Das Kartenhaus". Zufrieden trete ich die 300 km lange Heimfahrt an. Es hat sich gelohnt.



* 8.08.2008: Parkbühne Berlin-Biesdorf
Soweit ist es schon gekommen. Die dienstälteste deutsche Bluesband aus Hildesheim als Vorband der Engerlinge. Nein! Die wenigsten Besucher der Parkbühne werden Das Dritte Ohr schon einmal live erlebt haben, obwohl sie bereits 1983 in Ostberlin mit den Engerlingen gemeinsam aufgetreten sind.
Mit leichter Verspätung beginnt das Konzert. Schnell merkt das Publikum, das uns an diesem Abend mit Udo Wolff ein exzellenter Blues-harper präsentiert wird. Seine hervorragenden Soli werden immer und immer wieder mitten in den Stücken mit Beifall quittiert.
Und als dann das letzte Stück "Wenn die Sonne sinkt", für mich der beste Song dieser Band, verklungen ist, verlangt das Publikum lautstark nach einer Zugabe.

20:34 Uhr. Die Engerlinge betreten die Bühne. Die ersten Akkorde von "Es kommen andere Zeiten" erklingen und schon füllt sich das Areal vor der Bühne. Man kennt sich und man tanzt den Blues.

* 6.September 2008: 6. Berliner Rhythm 'n Blues Festival
Gleich vorab: Die Bezeichnung Festival scheint mit etwas hoch gegriffen.
Haubachstraßenfest – trifft es wohl eher. Pünktlich 16:00 Uhr bin ich vor Ort und muss noch eine geschlagene Stunde ausharren, bis endlich die Kraftblueser von Monokel die Bühne betreten. Ich fühle mich etwas fremd. Kaum ein bekanntes Gesicht. Nur eine Handvoll „Altblueser“ aus dem Osten haben sich in die City-West verirrt. Das Publikum ist wohl eher der Charlottenburger-Durchschnittsbürger und ein paar Biker sind auch auszumachen. Doch dann geht es endlich los. „Fette Beute“ ist der erste Song. Doch so fett war die Beute gar nicht. Monokel spielt als stünde hinter jeder Straßenlaterne ein Mensch vom Ordnungsamt. So leise habe ich die Jungs noch nie erlebt. Dennoch schallt der Blues durch die enge Haubachstraße und schon beim zweiten Song, „Berlin-Berlin“, dreht man noch weiter zurück und ich rücke weiter an die improvisierte Bühne heran. 1,5 Stunden gehen viel zu schnell vorbei. Eine Zugabe gibt es: „Bye, bye Lübben-City“. Wer hätte das gedacht?
Pause.
Nein! Umgebaut wird nicht. Nur umgezogen. „Lefty“ Linke, jetzt ohne Zylinder und Bühnenkleidung, die er schon seit 30 Jahren trägt, lässt auf sich warten. „Kuhle“ Kühnert übernimmt den Bass und am Schlagzeug sitzt Lello Hansen. Man nennt sich jetzt Kuhle und die Gang und spielt eine Stunde Bluesrock-Klassiker von Lynyrd Skynyrd über Gallagher bis zu Mark Knopfler. Und plötzlich wird auch das Publikum munter. Nach dem Konzert frage ich „Kuhle“ wie es denn käme, dass er am nächsten Sonnabend in Vollmershain mit „Speiche“ auf einer Bühne steht. Das wird nicht passieren, antwortet er. Kuhle und die Gang spielen bereits am Nachmittag und Speiches Monokel Bluesband gibt es erst am Abend. Es herrscht immer noch Krieg bei Monokel.
Weiter geht es dann mit The Chickenhunters. Diese Band, die eine zeit lang mit dem Harp-Spieler Mark Tex Bell (Bo Diddley Band) zusammen on Tour war, hat es 2005 sogar bis auf die Bühne des Jazzfestivals in Montreux geschafft. Neben Standards waren vor allem Stücke von der letzten CD „JACK“ zu hören.

* 14.09.2008: Engerling
Es ist das, wer weiß wie vielte
Engerling-Konzert in diesem Jahr. Ich zähle schon lange nicht mehr mit. Es ist kalt an diesem Nachmittag im Pfarrgarten der evang. Kirche in Berlin-Johannisthal und die richtige Stimmung mag nicht aufkommen.

Es gab zwei Vorbands. Erwähnenswert scheint mir
Corben Dallas. Eine junge Berliner Band, die uns „gefällige“ Rocksongs und melancholische Balladen mit deutschen Texten, vorgetragen von Frontmann Frank Ziebandt, präsentierte. Hörenswert auf alle Fälle.

Ab 17:00 Uhr gibt es dann Engerling. Und als nach zwei Stunden der Klassiker „Mama Wilson“ verklungen ist, ist auch das Publikum endlich warm. Die Engerlinge legen noch ne’ halbe Stunde nach. Auffällig viele Klassiker im Programm: Dylan, Jim Morrison und natürlich Stones. Der „harte“ Kern tanzt den Blues. Wie sollte es auch anders sein!

*
20.09.2008: T.Rex
Vier Stunden Glitzer, Glammer, schrille Klamotten und Absätze bis zum A…
Kaum zu glauben, dass ich auch mal so rum
gerannt bin.
Die erste Band: Dr. Rock aus Braunschweig. Garry Glitter, Sweet bis Manfred Mann und
Golden Earring. Oh, Buddy Joe!
Und dann kommen sie: T.Rex. Die Parkbühne kocht. Mindestens 30 Jahre habe ich das Zeugs nicht mehr gehört und kann dennoch alle Songs mitsingen und tanzen sowieso!
Und kaum zu glauben, der Sänger machte dem toten Marc alle Ehre!

 * 04. Okt. 2008: Dr. Kinski & sein Salonorchester

AC/DC ? Nicht unbedingt mein Fall. Zu platt. Da fehlt der Blues und der Southern Charme erst recht.

Dennoch begebe ich mich in die "Kiste". Ist ja quasi um die Ecke. Ich bin allein. Nein allein bin ich nicht! Schon am Eingang begrüßt mich Jenny Kallabis von Backwater. Ich treffe Volker, den Monokel-Manager. Zufall? Nein, schließlich spielt ja Monokel. Natürlich Fred. Und auch Sylvia und noch ein paar bekannte Gesichter, die mir einen  Sommer lang über in der Parkbühne begegnet sind.

Nach einer Stunde und etwa 2 Hefeweizen kommen sie endlich. Michael „Lefty“ Linke und Dicki Grimm von Monokel.  Am Bass stand „Bimbo“ von den Puhdys.  Und natürlich Dr. Kinski, der Mann der aus dem Nichts kam. D. h. ohne Musikerlaufbahn. Ich habe ihn erstmals als Gast auf dem Monokel-Jubiläumskonzert in Berlin-Köpenick erlebt. Irgendwann auf einer Party entdeckte man ihn und seit dem covert er AC/DC. Und das nicht schlecht. Eine Bombenshow. Wer es ermögliche kann, sollte unbedingt nächsten Sonnabend ins Neu-Helgoland gehen. Andernfalls verpasst ihr etwas.

Knapp 60 Leute waren in der Kiste. Viel mehr passen da auch nicht rein. Und die standen Kopf!


* 18.10.2008: Cherryfield und Monokel in Torgau

Gegen 20:00 Uhr treffe ich in Torgau ein. Die Kulturbastion ist schnell gefunden. Schließlich habe ich mal meine Fahrerlaubnis in Torgau gemacht.

Ein lautes „Hallo Matthias“ begrüßt mich als ich den „Konzertsaal“ betrete, der etwas von einem Schlauch hat und mich an einen Berliner U-Bahn-Tunnel erinnert. Dicki sitzt am Schlagzeug und „schießt“ sich ein. „Meister“ Linke fummelt an seiner Gitarre herum. Und dann entdecke ich auch Gundolf und seine Begleitung.

Langsam füllt sich der „Saal“ und es scheint so, als müsse man sich seinen Platz in der ersten Reihe sichern. Wir sichern ihn. Auffällig viele „Kunden“. Es sieht nach einem „Heimspiel“ für Monokel aus. Und das wird es auch.

 

Doch vorerst betreten Dirk Kittel (g, voc), Dirk Müller (dr) und Benno Heinrich (b, voc) die Bühne und rocken los. Und das nicht schlecht. Zwischen Klassikern von Rory Gallagher, ZZ-Top und Lynyrd Skynyrd sind auch eigene Kompositionen  zu hören. Besonders aufgefallen sind mir „Phantasmagoria“ und „men“. Es hat sich gelohnt. Guter, handgemachter Bluesrock.

siehe: http://www.cherryfield-band.de/

 

Es ist 22.30 Uhr. Monokel betritt die Bühne. Ohne lange Vorrede geht es los. Der Kraftblues dröhnt nur so. Der „Schlauch“, eigentlich ein Kellergewölbe, bietet eine hervorragende Akustik. Man merkt den Jungs die Spiellaune an. Ja, so kenne ich Monokel. Schnell ist das Konzert auf der Haubachstraße vergessen. Der Blues geht in die Beine. Ein tolles Publikum.

„Bye, bye Lübben City“ ist gerade verklungen. Da tritt Christoph Frenz an das Mikrofon und gibt nach mehr als 11 Jahren  seinen Ausstieg aus der Band bekannt. Die Stimmung ist bedrückt. Doch es ist noch lange nicht Schluss. Monokel legt nach.


* 24.10. 2008: Backwater

Heute erreichte mich die schmerzliche Nachricht vom Tod Cäsars. Wie könnte man seiner besser gedenken als mit guter Musik?

Also, rein ins Auto und ab nach Friedrichshagen. Das „Braustübl“ finde ich auch ohne Navi. Ich habe ja schließlich mal auf der „Bölsche“ gewohnt. Ich betrete den Ballsaal. Saal ist leicht übertrieben. Da passen nicht mehr als einhundert Leute rein. Die Tische stehen bis dicht an die kleine Bühne. Kein Platz zum Blues tanzen. Ich sitze in der ersten Reihe. Doch schon als kurz nach 21:00 Uhr die Band die Bühne betritt, hält mich nichts mehr auf dem Stuhl.

Backwater. Das sind Rainer Schossig (g), Jan Extra (g), Heiko Brandes (bg),  Norbert Nickel (dr) und das „Energiebündel“ Jenny Kallabis (voc) . Und wieder gibt es ein Wiedersehen mit einem längst vergessenen „Ostrocker“. R. Schossig hat schon in der Ostberliner Band „Setzei“ die Gitarre gespielt und wechselte 1987 zu „Winni II“. Keine Spur von Ostalgie an diesem Abend. Es ging zur Sache mit rockigem Blues von Garry Moore, Stevie Ray Vaughan, Lynyrd u.a.

Obwohl Jenny mehrfach zum Tanz aufforderte blieb das Publikum eher Verhalten. Doch schon nach der ersten Pause änderte sich das. Jedes Mal, wenn Jenny in knallengen Lederhosen, mit dunkler Brille,  ihren blonden Haaren auf der Bühne steht und mit ihrer „geilen“ Röhre Janis Joplin singt, bekomme ich Gänsehaut. Ja, Jenny! Schön das du noch da bist! Wie zu erfahren war, wurde das Konzert mit geschnitten und soll auf CD erscheinen. Es wird uns freuen! Ein gelungener Abend. Wir werden uns wiedersehen. Spätestens am 28.03.2009 zur „Blueskiste“.


* 25.10. 2008: Smiledriver

Status Quo muss man sich nicht unbedingt gecovert anhören. Noch gibt es diese Band im Original und sie kommt auch ziemlich regelmäßig nach Berlin. Aber will man Live-Musik, ein gutes Hefe und auch noch bekannte Leute treffen, geht man eben in die "Kiste". Und an diesem Abend traf ich dort sogar den Betriebsratsvorsitzenden der Vattenfall-Tochter "Transmission".

Mit reichlicher Verspätung beginnt das Konzert. Ralph Weber, der Drummer, hatte seine Becken vergessen und musste erst noch Mal heimwärts fahren. Zum Glück wohnt er ja nicht in Stuttgart. Aber so etwas habe ich auch noch nicht erlebt und es spricht nicht gerade für Professionalität.

Dann geht es endlich los. Und die Jungs rocken mächtig ab. Ein Hit am anderen. Ihnen ist die Spiellaune ins Gesicht geschrieben. Und schon nach wenigen Titeln ist Frontmann Ginger Taylor völlig durchgeschwitzt, so wie er es auf der Homepage der Band angekündigt hat. Es dauert nicht lange und der Funke springt auf das Publikum über. Selbst in der engen "Kiste" findet man noch Platz zum tanzen.

Bei dem moderaten Eintrittspreis von 5 Euro war es allemal ein abendliches Vergnügen.


* 31.10.2008: 20 Jahre „Flüstern und Schreien“

"Flüstern und SCHREIEN" ist der Titel eines dreiteiligen DDR-Dokumentarfilms von Dieter Schumann aus dem Jahr 1988.
Er gibt Einblick in die Underground - Musikszene der DDR und die sogenannten "anderen Bands"

(siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Die_anderen_Bands)

mit interessanten Interviews und Konzertmitschnitten von „Freygang“, „Sandow“, „ Feeling B“, „Die Skeptiker“ u.a.

Teil 3 "Achtung wir kommen. Und wir kriegen Euch alle.", der vor allem über die jüngeren Bands, wie Feeling B, Rammstein und In Extremo berichtet, hatte am 30.10.2008 im Kino Babylon Premiere.

Das heutige Konzert im Kino Babylon in Berlin-Mitte ist den Ereignissen von damals gewidmet.

 

Viel zu früh treffe ich im Babylon ein. Im Foyer begrüßt  mich der Freygang-Gitarrist Egon Kenner, den ich bei meinem letzten Freygangkonzert in Freiberg so vermisst habe. Ungehindert gelange ich in den Kinosaal. Die netten Platzanweiserinnen von früher scheinen längst eingespart worden zu sein. Es ist Soundcheck. Gut eine Stunde später lässt man endlich das Publikum ein. Ich sitze längst bequem auf einen der vorderen Plätze.

 

Mit reichlicher Verspätung eröffnet die „Bolschewistische Kurkapelle schwarz-rot“ das Konzert. Die 20-köpfige Blaskapelle wurde 1986 im Prenzlauer Berg gegründet und bietet alles andere als herkömmliche Blasmusik an. Sie kommt vielmehr rockiger, ja sogar punkiger daher. In eigenwilliger Bearbeitung sind Lieder von Bertold Brecht, Rio Reiser, den Stones und Wolf Biermann zu hören. Anfang Dezember erscheint ihre neueste CD „Kämpfe“ bei Buschfunk.

 

Es ist bereits 22.00 Uhr. Die Bühne ist in dichte Nebelschwaden gehüllt. Es erklingt die sowjetische Nationalhymne. Zeit für „44 Leningrad“. Eine Band aus Potsdam, die es inzwischen auch schon 18 Jahre lang gibt. Ein wahrer Feuerzauber beginnt. Wir hören Punkversionen alter russischer Volksweisen und Kosakenlieder, natürlich in russischer Sprache vorgetragen. Die ersten Leute springen von ihren Kinosesseln. Es wird gepogt. Zwischen den engen Stuhlreihen und auf den Gängen.

 

23.00 Uhr. Endlich ist es soweit. „Freygang“ kommt und rockt auch sofort los. Die Freygang-Fans bevölkern den Platz zwischen Bühne und erster Reihe. Es wird getanzt. Viele bekannte Gesichter.  Zu Beginn das Lumpenlied von B. Traven: „Was gehn euch meine Lumpen an? Da hängen Freud’ und Tränen dran“.  Weiter geht es. „Der Blues muss bewaffnet sein..., „Rette mich“ oder „Blutstein“ gesungen von Tamara. Erstmals wieder im Programm der „König“. Dieser Titel wurde erst unlängst von der GEMA frei gegeben und wird nun hoffentlich öfters zu hören sein.

 

Es ist bereits nach Mitternacht als die Ska-Band „Brain Drain“ aus Östrreich spielt.

 

Den Abschluss bilden die Urpunker „Sandow“, die 1982 in Cottbus gegründet wurden. Obwohl ich schon viel über die Band gehört und gelesen habe, erlebe ich sie nun zum ersten Mal.

 

Doch eine Band, die ich Mitte der 1980er Jahre mehrmals live erlebt habe, hat mir an diesem Abend gefehlt. Feeling B.  Die Band um den bereits 2000 verstorbenen Frontmann Aljoscha Rompe, welche sich nach dem Wechsel von „Paulchen“, „Flake“ und „Doom“ zu „Rammstein“ auflöste. Aber zumindest waren im Publikum Leute mit einem Feeling-Shirt auszumachen. Es ging wohl nicht nur mir so.


* 07.11.2008: Dr. Kinski & sein Salonorchester
Was schon wieder AC/DC? Ja! Ich musste mir diese Show unbedingt ein zweites mal an tun. Und ich habe es nicht bereut. Das "Braustübl" in Berlin-Friedrichshagen mit seinem Flair der 1920er Jahre war bestens für das Ansinnen der Band geeignet, uns AC/DC in Wohnzimmeratmosphäre  zu präsentieren. Das "Orchester" in unveränderter Besezung mit den beiden Monokel-Leuten Michael Linke (g) und Dicki Grimm (dr), Peter "Bimbo" Rasym von den Puhdys am Bass, Frank "Franco" Calzone an der Akkustikgitarre und der Mann mit dem "irren" Blick, Dr. Kinski, mit dem er auch an diesem Abend das Publikum bestens therapierte, am Mikrofon. Bühnendeko und Outfit der Musiker waren hervorragend aufeinander abgestimmt. Und ein Monokel-Schlagzeuger mit hellem Jackett und roter Rose am Revers ist längst als "netter Onkel" qualifiziert. Auch an diesem Abend wussten Frontmann und Band das Publikum zu begeistern. Die eigenwillig Verknüpfung von AC/DC-Klassikern mit Schlagern von Peter Alexander oder Gottfried Wendehals und wie bei " Dirty deeds done dirt cheap" geschehen mit der russischen Volksweise "Katjuscha" sorgte immer wieder für Heiterkeit beim Publikum. Ein gelungener Abend. Wer diese Chance erneut ausgelassen hat, sollte es nicht versäumen sich dieses Spektakel am 21.12.2008 im "Postbahnhof" am Berliner Ostbahnhof anzuschauen. Dann gibt es die härtere Variante, die Schocktherapie, von Dr. Kinski und seinen Mannen.


* 15.11.08: Monokel

An diesem Abend stand ich vor einer schweren Entscheidung: Feed back, Hamburg Blues Band oder Monokel.  Doch die freundliche Erinnerung von Kathleen und Tina, die ich vor einiger Zeit auf einer Internetplattform kennen gelernt habe, nahm mir die Entscheidung ab. Also machte ich mich auf den Weg nach Altes Lager bei Jüterbog. Als ich gegen 20:00 h im
"Oldtimercafe" eintreffe, waren die Monokelfans, angereist aus dem Erzgebirge, Bautzen, Falkenberg/Elster, längst vor Ort.  
Monokel verschob den Start wie üblich um eine halbe Stunde nach hinten. Zeit zum quatschen mit den Sachsen, der Band und der neue Bassist musste auch erst begutachtet werden.
Mit dem "Kindertraum" ging es endlich los. Und die Monokelfangruppe  in der ersten Reihe rockt anständig los. Erfreulich, dass ich auch an diesem Abend einige wenige "Kunden" im Publikum entdecke. Bei ihrem Anblick fühle ich mich in alte Zeiten zurück versetzt.  Anders dagegen der Rest des Publikums. Es sah ganz nach einem Bikertreffen aus. Und die coolen Typen benahmen sich als wären sie auf einer Ü40-Party. Erst nach der Pause, als "Nie wie der Vater" erklingt, bewegen die ihre müden Knochen. Aber spätestens bei der Langfassung von "AHA" wird es eng vor der Bühne. Der Abschluss wie immer "Bye, bye Lübben City". Nun sind die Biker endlich wach. Monokel kommt nicht von der Bühne und legt eine halbe Stunde mit Bluesklassikern nach.
Der neue Bassist, Michael "Pitti" Pflüger wirkte noch etwas schüchtern neben der "alten" Garde. Aber das wird sich legen. Und es gab noch ein Novum. Bei "Wie die Großen" legt Kuhle die Gitarre beiseite und spielt seinen Part auf der Mandoline. Ungewohnt aber geil.

Nachdem Konzert bei einer Abschiedszigarette werde ich Zeuge, wie sich einige der Biker an alte Monokelzeiten erinnern und es entfacht eine Diskussion über die "wahre" oder "falsche" Monokelband. Ich kann mich nicht zurück halten, greife aufklärend ein und gebe die "Monokelstory" zum besten. Zufrieden setze ich mich ins Auto, lege die Monokel-CD ein und verschwinde bei Nacht und Nebel in Richtung Berlin.

Vielleicht sollte ich beim nächsten mal das Angebot von Dicki annehmen und bequem im "Boogiemobil" reisen? Was hätte ich früher darum gegeben!


* 29.11.08: Engerling

Der Tag hat so richtig mies begonnen. Nein, ich meine nicht das Wetter. Es war eine Nachricht, die mir per mail ins Haus flatterte. Und was mache ich in so einem Fall. Ich setze die Kopfhörer auf und höre Paul Rodgers und die Bad Company mit Bad Company. Immer und immer wieder. Und wenn das nicht reicht, dann hilft nur noch Livemusik. Ich brauchte keinen Terminkalender zu bemühen. Ich hab’ die Termine der Engerlinge im Kopf. Also, rein ins Auto, zur Einstimmung Peter Green mit seiner Splinter Group eingelegt, und ab in den Prenzelberg. Es ist Jahre her, seit dem ich das letzte mal den Franz-Klub betreten habe, und mit gemischten Gefühlen gehe ich durch den Eingang. Der Erich-Franz-Klub war in den 1970er Jahren der ultimative Treffpunkt der Ostberliner Bluesszene. Jeden Tag gab es hier Livemusik und die Engerlinge waren so etwas wie die Hausband. Doch nach der „Wende“ wurde alles anders und aus dem EFC der „frannz-Club“, wohl eher Treffpunkt der „neuen Wilden“. Und wie ich später hörte, ging es den Engerlingen ebenso. Sie betreten die Bühne. Der Saal ist gut gefüllt und sofort geht es los mit „Little red Rooster“ von den Stones und schon der zweite Song „Der Blues vom roten Hahn“ oder auch kurz EFC-Blues genannt, stammt von ihrer ersten Langspielplatte und ist diesen heiligen Hallen gewidmet. Bodag erzählt eine fiktive Geschichte über ein  Benefizkonzert von W. Dixon und Hooker zum Wiederaufbau des Franzklubs, der damals fast abgebrannt wäre: „Hier habt ihr die Moneten. Legt sie gut an, fangt an aufzubauen“. Es sind die intelligenten Texte, die mich bei den Engerlingen schon seit dem „Zug oder die weiße Ziege“, immer wieder faszinieren. Die Band hat in 33 Jahren ihres Bestehens ein unerschöpfliches  Repertoire an eigenen, deutschsprachigen Titeln angehäuft, hat ein komplettes Programm: „Die Engerlinge spielen Stones“ und ergänzen ihre Programme durch internationale Klassiker von den Doors, Velvet Underground, Fleetwood Mac und an diesem Abend waren es die Beatles: „I am The walrus” ist einer der wenigen Beatlessongs mit denen auch ich etwas anfangen kann. Kein Konzert ist wie das andere. Die kurze Pause reicht gerade für eine Zigarette, einen small talk mit Gerd, dem Manager, an der Bar entdecke ich „Kuhle“ von Monokel und zwischendurch verhelfe ich einem jungen, begeisterten Bluesfan aus Thüringen zu Autogrammen von der Band. Und schon geht es weiter. Eine „reine“ Bluesband sind die Engerlinge nie gewesen. Zu oft haben sie das straffe 12-Takt-Schema verlassen und sind doch immer wieder zum Blues zurück gekehrt. Faszinierend ist immer wieder wie in ihre eigenen Titel  langanhaltende Improvisationen eingebaut werden. Mal sind es die Doors, ein anderes mal ist es der Young und an diesem Abend höre ich plötzlich den „Apfeltraum“, einen Kult-Song der Renft-Band. Und das hat wohl seinen Grund. „Boddi“ wird auf der Geburtstagsparty zum 60. von Cäsar am 7.01.09 im Leipziger „Anker“ dabei sein. Ich auch. Nein, nicht auf der Bühne, aber in der ersten Reihe.


*12.12.08 The Band of Heathens/USA

Für gute Musik nehme ich doch gern auch mal weite Wege in Kauf. Und dieses mal führte sie mich in den Süden Brandenburgs nach Lauchhammer. Mein dritter Besuch in diesem Jahr. Von außen eher unscheinbar, hat sich in diesem ehemaligem Kirchensaal, in dem noch bis 2006 Gottesdienste statt fanden, ein Klub etabliert, deren Macher es sich zum Ziel gemacht haben, ihrem Publikum gute handgemachte Musik zu offerieren. Und das ist vor allem Roots Rock, Country Rock und Blues. Betritt man den Saal, der auch an diesem Abend gut gefüllt war, empfängt einem Südstaatenflair. Das liegt nicht nur an der Südstaatenflagge über der Eingangstür. Heute beherrschten hier die Texaner das Szenario. Als ich ankam, war man bereits zu Gange. Jonny  Kaplan ist Sänger, Gitarrist und Songschreiber. Angereist ohne seine Band The Lazy Stars, präsentiert er zeitlose, authentische Musik im Stile von Neil Young, Bob Dylan und Tom Petty.

Dann der Hauptact des Abends. Fünf junge, sympathische Herren aus Austin betreten die Bühne und rocken kräftig drauf los. An den Gitarren: Ed Jurdi, Gordi Quist und Colin Brooks. Den Bass spielt Seth Whitney und John Chipmann bedient das Schlagzeug.  Die Band wurde erst 2007 gegründet und erspielte sich seitdem einen Preis nach dem anderen: Band of Year, Best New Band... und gewinnt den Music Award von Texas. Und das nicht ohne Grund, wie mir scheint. Die drei Gitarristen beherrschen ihr Handwerk und sind bestens aufeinander eingespielt. Schnell erreicht ihr rockiger Sound, von Country über Folk bis zum Blues, das Publikum und beflügelt ihrerseits die Männer von The Band of Heathens, die erstmals in Europa auf Tour sind, spätestens bei dem Song „Cornbread“ zu Höchstleistungen.

Es hat sich gelohnt. Lauchhammer bleibt ein Geheimtipp. Vielleicht am 17. Januar 2009  wenn mit James McMurtry ein weiterer Texaner in die Lausitz kommt.


*16.12.2008: Benefizkonzert für das Cafe Garbaty

Nun ist es endgültig. Das Cafe Garbaty in Berlin-Pankow muss am 31.01.2009 schließen. Die Bezirkspolitiker haben den Mietvertrag gekündigt. Damit verschwindet nicht nur eine weitere Konzertlocation aus der Berliner Kulturlandschaft, sondern auch der Szenetreff Ostberliner Musiker. Musiker und Garbaty e.V.  haben zu diesem Konzert im Kesselhaus der Berliner Kulturbrauerei geladen und  rockradio.de überträgt live.

Es ist 20.00 Uhr. Die erste Band betritt die Bühne. Blank wurde von Jörgen Schötz gegründet, der schon in der Jonathan Blues Band, bei Zenit und „Cäsar“ trommelte. Auch Frontmann Burghard Kühn spielte schon mit „Cäsar“ zusammen. Wir hören Stücke von den Allman Brothers, Fleetwood Mac und den Black Crows.

Die nächste Band ist Stern Meißen akustisch. IC Falkenberg hat unter diesem Namen die ehemaligen Mitglieder der Stern-Combo Meißen versammelt, die sich 2008 gewissermaßen zwangsweise von der Band trennen mussten. Zu hören sind vor allem Stern-Stücke aus der Feder des schwer erkrankten Reinhard Fißler.

Danach gibt es heißen Blues. Big Joe Stolle (ehemals Mama Basuto und Zenit) wird begleitet von Peter Schmidt (East Blues Experience) und einer Allstarband. Los geht es mit der alten Zenit-Nummer „He, Dr. Blues“. Zu hören auf dem Soundtrack zum Buch „Bye, bye Lübben City. Es folgen die Renft-Nummern „Whisky“ und  „Cäsars Blues“, gewidmet dem im Oktober verstorbenen „Cäsar“. Anschließend hören wir Peter Schmidt. Mitten im Song springt Dirk Zöllner auf die Bühne und übernimmt das Mikrofon. Es folgen alte und aktuelle Zöllner-Songs.

Kaum ist der letzte Akkord verklungen bricht vom Rang des Kesselhauses ein wahres Trommelfeuer auf uns herein. Dort hat Michael Behm, ehemals Stern-Combo Meißen, die FirstDrum Affair in Stellung gebracht. Auf der Bühne wird umgebaut.

Kurz nach 23:00 Uhr betritt Monokel die Bühne und präsentiert ihren Kraftblues in gewohnter Besetzung. Nach dem „Kindertraum“ folgt „Berlin, Berlin“. Dann gibt es die erste Überraschung. „GALA“, Monokel-Sänger und Harpspieler der Urbesetzung betritt die Bühne und widmet seinem ersten Song dem vor zwei Tagen verstorbenen Kollegen Andre Greiner-Pol von Freygang. Schon beim nächsten Song „Das Monster vom Schilkinsee“ gibt es eine weitere Überraschung. Christoph Frenz, der die Band im Oktober verlassen hat, übernimmt den Bass. Monokel in bester Verfassung. Letzter Song ist wie immer „Bye, bye Lübben City".

Es ist spät. Der „Saal“ leert sich langsam, als kurz nach Mitternacht die Engerlinge die Bühne betreten und dieses Konzert beschließen.

*21.12.2008: AC/DC - Rocknacht

Dieses mal führte mich mein Weg in den Berliner Postbahnhof. Blueser und AC/DC mag nicht so richtig zusammen zupassen, aber neugierig geworden durch die Covershow von Dr. Kinski und seinem Salonorchester wollte ich mir die Schocktherapie von dem Mann mit dem irren Blick nicht entgehen lassen. Präsentiert wurde das Konzert von star fm, einer der wenigen Radiosender den man sich in Berlin noch anhören kann.

Als ich ankam war man schon zu Gange. Auf der Bühne stand die  Nachwuchsband LAPA und versuchte das Publikum anzuheizen.

20:00 Uhr ging es dann zur Sache. Vier Stunden AC/DC. Und los ging es mit BON. Die Band bot einen Klassiker am anderen aus der Bon Scott - Ära und wurde ihrem Anspruch, das Original möglichst originalgetreu zu covern, durch aus gerecht. Es war schon sehenswert wie Leadgitarrist Angus sich in Ekstase spielte, von einem Bühnenende zum anderen jagte, sich auf dem Boden wälzte und sich schließlich Gitarre spielend auf Schultern durch das Publikum tragen ließ. Und wir Monokel-Fans fragten uns besorgt: Ist das noch zu Toppen?

22:00 Uhr war es dann soweit. Schon als ich Michael Linke in Original – Monokelbühnenkleidung die Bühne betreten sah und Dicki sogar das Monokel – T-Shirt trug, wusste ich, es wird nicht die Salonorchestervariante. Dr. Kinski schaffte es sofort mit seinem Habitus das Publikum auf seine Seite zu ziehen und die Monokel-Kraftblueser boten eine wesentlich härtere AC/DC – Variante als ihre Vorgänger. Zweiter Gitarrist war Stefan Schirrmacher. Ostrock – Fans als Gitarrist von Pilot, Neumis Rock Zirkus und Datzu noch bestens bekannt. Christoph Frenz, der im Oktober zu Polkaholix wechselte, wurde von Holly am Bass bestens ersetzt. Und was fürs Auge bot die Show allemal, nicht nur als Dicki seine Schlagstöcke in Brand setzte und damit sein Schlagzeug bearbeitete.

*27.12. 2008: Monokel
Ein Konzertjahr geht zu Ende. Das Budget ist längst aufgebraucht. Aber Monokel in der Kiste ist ein Muss.
Es ist 20:00 Uhr als ich die Kiste betrete. Die "Kraftbluesbrigade" sitzt etwas "verloren" im "Saal". Was ist los? Die Blueser noch im Weihnachtsstreß? Ich hole mir ein Hefe und setze mich dazu. Und es dauert auch nicht lange bis sich die Kiste "füllt". Viele bekannte Gesichter. Gegen 21:30 Uhr geht es los. Die Überraschung ist perfekt. Am Bass Christoph Frenz. Eine "Leihgabe" von Polkaholix. Wie üblich geht es mit dem "Kindertraum" los. Es folgen "Berlin", das "Monster...", "Schweine nach vorn"... Vor der Pause dann ein Bluesklassiker. In der Pause spricht mich so ein langhaariger Typ im Shelli an und meint: warum Monokel nicht mehr solche Klassiker im Programm habe. Verwundert schaue ich ihn an und frage wo er her käme. Er kam aus dem Wedding und es war sein erstes Monokel-Konzert. Ich antworte ihm, dass ich und die Leute da drinnen Monokel hören wollen und das seit mehr als 30 Jahren. Aber er solle bis zur Zugabe warten, denn dann kämen auch die alten Bluesnummern. So war es dann auch.

*28.12.2008: East Blues Experience
Einer geht noch. Und zwar ein ganz Besonderer. Als Weihnachtsspecial präsentiert uns die Jägerklause in Berlin-Friedrichshain EBE. Eine Band von der man nie genau weiß, gibt es sie eigentlich noch und vor allem wann hört man sie wieder. Peter Schmidt hat EBE Ende 1990 gemeinsam mit ehemaligen Zenit-Leuten gegründet. 2005 hat man sich schließlich getrennt und Ende 2007 das Album V10 aufgenommen und ging Anfang 2008 nochmals auf Tour. Das Abschlußkonzert dieser Tour gehörte zweifelslos zu den Highlights im Konzertjahr 2008. Dieses mal beantwortet Schmidt die bange Frage gleich selbst. Spätestens 2010 zum 20jährigen würde es ein neues Album geben und eine Tour dazu. Uns wird es freuen.
Es ist lobenswert, dass die Macher der Jägerklause aus einem Wildrestaurant einen neuen Veranstaltungsort geschaffen haben und damit die Traditionen der Knorre fortsetzen wollen. Aber der Laden ist klein. Es ist eng. Und eine wirkliche Chance das Geschehen auf der Bühne verfolgen zu können, hat man nur wenn man sich einen Platz direkt vor der Bühne ergattert hat. Ich habe es nicht.
Auch an diesem Abend sehe ich bekannte Gesichter. Ich entdecke den Frontmann von Fuel to the Fire, Hassbecker von Silly und Andrea aus Plauen, die ich am Vorabend bei Monokel kennen gelernt habe. Aber ganz besonders freue ich mich den alten Blueser "Howlin" aus Weißwasser endlich persönlich kennen zu lernen.
21:00 Uhr geht es endlich los. Peter Schmidt, Ronny Dehn und Rainer Engelmann betreten die Bühne. Wir hören Stücke aus dem V10-Album. Mir gefällt ganz besonders "free fools". Aber auch ältere Nummern, wie "ride away", und natürlich jede Menge Klassiker sind zu hören. Schmidt ist übrigens einer der wenigen Ostmusiker, welcher ganz konsequent auf englischsprachigen Blues setzt. Ich kann es verschmerzen. Auch an diesem Abend ist es ein Hochgenuß wie er "Alabama" zelebriert. Er kündigt diesen Song mit dem Hinweis an, er habe noch nie "Sweet home Alabama" gesungen. Warum eigentlich nicht? Als Zugabe gibt es dann noch eine Muddy-Waters-Nummer. Nicht verwunderlich wenn man weiß, das Schmidt in den 1990er Jahre mit der Muddy-Waters-Band zusammen auf einer Bühne stand. An diesem Abend gab es noch etwas ganz Besonderes. Vor der Pause bot uns Ronny Dehn ein herrliches Schlagzeugsolo. So etwas gehörte früher in jedes Livekonzert, scheint aber heute aus der Mode gekommen zu sein. Und Engelmann legte nach der Pause mit einem herrlichen Basssolo nach. Einfach Klasse!