Du benötigst Flash 9.0.28 oder höher, sowie Javascript um dieses Element anzuzeigen

Sepp oder Seppl, wie ihn Ralf Rischke vom Real Music Club in Lauchhammer immer liebevoll nannte, war einer von uns.

Er kam aus der Lausitz und hatte den Blues. Und den hatte er sogar auf eine ganz besondere Weise...

 

Sein Spruch

 

"Ich habe keine Ahnung vom Blues, es ist nur so ein Gefühl und ich kenne keine Gesetze oder Weisheiten wie man ihn spielt, aber ich spiele ihn, weil er viele Menschen und mich glücklich macht."

 

ist schon fast legendär.

 

Fern ab von Glanz und Glamour lebte und spielte er seinen Blues. Sepp blieb bodenständig bis zum Ende. Die ostdeutsche Szene - und nicht nur die - hat einen Vollblutmusiker, einen urwüchsigen Bluesmann und feinen Menschen verloren. Und wenn man derart Menschen persönlich kennt, schmerzt ein solcher Verlust umso mehr.

Sepp hatte schon frühzeitig, d.h kurz nachdem EASTBLUES ins Netz ging, Kontakt zu mir gesucht. Kurzerhand vereinbarten wir ein Treffen, welches irgendwann in 2008 am Rand eines Konzertes im Real Music Club stattfand und dem weitere persönliche Begegnungen mit ihm und seiner Musik folgten.

 

Der Blues und das 'Eisenkneten' bestimmten sein Leben. Kaum zu glauben, dass so ein 'Muskelprotz' derart gefühlvolle Lieder schreiben und darbieten konnte. Stellvertretend möchte ich den Song "und musst du weinen" nennen.

 

Sepp wurde uns urplötzlich genommen und ist seinem Freund und Kollegen Igor Flach in den Blueshimmel gefolgt. In solchen Momenten wird einem bewusst. Wir werden langsam weniger. Die Einschläge kommen immer näher. Was bleibt ist der Blues - sein Blues!

R.I.P.

 

(29.11.2015)

 


Mach's gut alter Freund!
 

Lausitzblues

Trotz wechselnder Formationen und Besetzungen ist „Lausitzblues“ seit Jahren eine feste Größe in der ostdeutschen Blueslandschaft und hat sich längst weit über die Grenzen der Lausitz hinaus einen Namen gemacht. Möglicherweise ist die Wandelbarkeit der Band eben jener Region im Süden Brandenburgs geschuldet, deren Namen sie trägt. Wer die Lausitz kennt, weiß wie sehr diese Landschaft sich verändert hat und noch verändert. Industrie stirbt, besonders junge Leute verlassen ihre Heimat, manch einer sucht sein Heil im Alkohol, gewaltige Bagger fressen sich durch die Landschaft, ganze Dörfer, manchmal auch Teiche verschwinden, Halden bleiben zurück und riesige Seen entstehen. Und von dieser Region, den Menschen und ihren Geschichten erzählt der Blues aus der Lausitz, der teilweise auch autobiografische Züge trägt.

„Blues das ist Leben und muss nicht immer traurig sein“, meint Bandgründer Sepp Maciuszczyk.

 

Als im Jahre 2008 Freund und Musikerkollege Igor Flach (harp) unerwartet stirbt, beschließen Sepp und „Kulle“ – in Erinnerung an diesen Ausnahmemusiker - den Mitschnitt eines gemeinsamen Konzertes im „Real Music Club“ auf CD zu pressen. Die 2009 veröffentlichte Scheibe, wurde damals von der Fachwelt hoch gelobt.

 

Wer die Live-Auftritte von „Lausitzblues“ kennt, weiß, dass die Band seit Jahren anspruchsvolle Eigenkompositionen im Repertoire hat. Ein eigenes Studioalbum war also längst überfällig. Nun endlich ist es soweit.

 

Am 9. März 2012 erschien bei „JMG Records“ die CD „Mein bester Freund“. Elf der zwölf veröffentlichten Songs stammen aus der Feder von Bandchef Sepp Maciuszczyk (voc, acoustic & slide guitar). Nebenbei bemerkt, wer diesen raubeinigen „Muskelprotz“ mit dem weichen Herz und der warmen Stimme zu seinen besten Freunden zählen darf, kann sich glücklich schätzen. Die Scheibe bietet vierzig Minuten lang Musik, die aus dem Bauch kommt. Es ist eine eingängige Mischung aus Blues, Rock und Countrymusik, was uns da gleich ein ganzes Lausitzbluesorchestrion darbietet. Bei den Aufnahmen zu dieser CD, die neben älteren Stücken wie John „Barleycorn“ oder „Blues vom alten Freund“ auch brandneue Titel enthält, standen Sepp zur Seite: Ecki Lipske (Akustik-, E-, Pedal-Steel und Resonator Gitarre, AkustikBass), Falk Möckel (Schlagzeug), Lutz „Lou“ Schulz (Saxophon), Holger „Josa“ Sauerbrey und die Backgroundsängerinnen Katrin Lipske, Steffi Breiting und Gabriela Maciuszczyk.  Jener zwölfte Song „Und musst du weinen“ stammt vom unvergessenen, singenden und rockenden Baggerführer Gerhard Gundermann, der ebenfalls in der Lausitz beheimatet war.

 

Wer also Lust auf Musik verspürt, die Spaß macht - einer Mixtur aus gefühlvollen Balladen, Liebesliedern und derben Rock, tief im Blues verwurzelt – dem sei die CD wärmstens empfohlen.

 

(April 2012)