Simultan

 

Der Name dieser Band ist eng mit dem Namen Günter Fischer verbunden. Der heute 72-jährige schaut auf ein erfülltes Leben als Musiker, Sänger, Bandleader, Komponist, Texter, Arrangeur und Produzent zurück.

 

Der vogtländische Vollblutmusikant stand seit frühster Jugend auf der Bühne.

Erste Bühnenerfahrungen sammelte Fischer 1958 mit der Schülerband „Kolibris“. Nach einem Intermezzo bei der „Lebo-Band“ und den „Escha Spatzen“ gründete er 1963 seine erste eigene Band, die „Hurricans“. Die Beatlesmania hatte inzwischen auch das Vogtland erfasst. Fischer setzte schon frühzeitig auf eigene, deutschsprachige Titel. Songs wie „Ein Leben lang“ oder „Goldene Ketten“ wurden sogar richtige Hits. Auf diese Art und Weise überstand die Band das ‚Beatverbot‘ in der DDR, wurde aber genötigt, ihren englischen Bandnamen abzulegen. So wurde 1966 aus den „Hurricans“ das „Günter Fischer Quintett“. Die „Hurricans“ waren mit einer bis dato einmaligen Film-Musik-Show äußerst erfolgreich. Mit dieser Show in den „Rekord Lichtspielen“ sorgte die Band vier Mal für ein ausverkauftes Haus.

 

Doch mit dem nahenden Ende der Beatära, begann sich die auch die heimische Musikszene zu wandeln. Die ersten Rockbands entstanden. Es wurde anfänglich viel experimentiert und nach einem eigenen musikalischen Profil gesucht. So entstand 1971 in Auerbach die Rockband „Simultan“, die sich aus ehemaligen Mitgliedern des „Günter Fischer Quintetts“ und der Band „Orgaphonics“ zusammen setzte. Zur Gründungsbesetzung gehörten G. Fischer (voc, keyb), Jörg Seckel (org), Karl-Heinz Gerisch (sax, g), Michael Schäffer (dr) und Hans Hilbert (bg).

Obwohl „Simultan“ bis zur Auflösung im Jahr 1990 ihren Amateurstatus beibehielt, erhielt sie schon kurz nach ihrer Gründung den Titel „Ausgezeichnetes Tanzorchester der DDR“ verliehen, so dass die Aufmerksamkeit der damaligen Medien nicht ausblieb. „Simultan“ produzierte zahlreiche Rundfunkaufnahmen, nahm zwei Singles bei AMIGA auf, hatte TV-Auftritte und Auslandsgastspiele. In einer Umfrage der Zeitschrift „NBI“ wurde Simultan 1974 unter die zehn beliebtesten Bands der DDR gewählt.

Während sich andere Bands Mitte der 1970er Jahre deutlicher am Hardrock orientierten oder zu Art Rock-Bands entwickelten bzw. in die aufkommende Bluesszene abwanderten, verharrte „Simultan“ bei ihrem melodischen Rock mit starker Tendenz zum Schlager und verlor somit den Anschluss an die Spitze. Aber auf den Tanzböden der Region hatte die Band bis zum Schluss ein treues Publikum.

Fischer sang, komponierte und arrangierte, während die Texte von Dietmar Lange beigesteuert worden sind. Stücke, wie „Träume bleiben bei mir“ und „Braune Augen“ sind auf der CD „Amiga Rockraritäten 1971-1975“ der Nachwelt erhalten geblieben.

Weitere Bandmitglieder waren: Tilo Enders (b), Ralf Schneider (keyb), Falk Günter (b), Jörg Knobloch (dr), Detlef Engelmann (voc, g) und Kerstin Fischer (fl, voc).

Mit der politischen Wende in der DDR und den damit vollzogenem gesellschaftlichen Umbruch, brachen schwere Zeiten für ostdeutsche Rockmusiker an. „Simultan“ löste sich auf.

 

Günter Fischer hielt sich als Komponist und Produzent ‚über Wasser‘ und trat gemeinsam mit seiner Tochter Silke als Duo „Fischer&Fischer“ auf und war inzwischen in den Schlager- bzw. Volksmusikbereich ‚abgewandert‘. Und das ziemlich erfolgreich.

 

Anlässlich seines 50. Bühnenjubiläums in 2009 brachte er „Simultan“ zurück auf die Bühne und spielte das Album „Back To Rock’n Roll“ ein. Damals waren seine beiden Kinder Silke und Sebastian mit dabei. Außerdem spielten in dieser Formation Günter Geipel, Christoph Gilbert, Stefan Herrmann und Steffen Meinel. Ganze fünf Jahre war „Simultan“ mit ihren Klassikern und Hits aus 50 Jahren Rockgeschichte erfolgreich unterwegs, bis der Meister 2014 in den verdienten Ruhestand trat und die Band in die Hände seiner beiden Kinder legte, die unter dem Namen „Simultan new generation“ inzwischen die Bandgeschichte fortschreiben.

Neben Fischer ist inzwischen auch Gründungsmitglied Jörg Seckel im ‚Musikerruhestand‘. Hans-Jürgen Hillert, Michael Schäffer und Karl-Heinz Gerisch sind bereits verstorben.

 

(Januar 2016)